Die andern jungen Mädchen. (folgen)

Die Oberpriesterinn.

Das blüht ja wie der Gipfel von Hymetta!

Nun solch ein Tag des Seegens, o Diana!

Gieng deinem Volke herrlich noch nicht auf

Die Mütter bringen mir, die Töchter, Gaben;

Nicht von der Pracht, der doppelten, geblendet,

Weiß ich, wem schön'rer Dank gebühren mag.

Doch ist dieß euer ganzer Vorrath, Kinder?

Das erste Mädchen.

Mehr nicht, als du hier siehst, war aufzufinden.

Die Oberpriesterinn.

So waren eure Mütter fleißiger.

Das zweyte Mädchen.

Auf diesen Feldern, heil'ge Priest'rinn, erndten

Gefangne leichter auch, als Rosen, sich.

Wenn dichtgedrängt, auf allen Hügeln rings,

Die Saat der jungen Griechen steht, die Sichel

Nur einer muntern Schnitterinn erwartend,

So blüht so sparsam in den Thälern rings,

Und so verschanzt, versichr' ich dich, die Rose,

Daß man durch Pfeile sich und Lanzen lieber,

Als ihr Geflecht der Dornen schlagen möchte.

--Sieh nur die Finger an, ich bitte dich.

Das dritte Mädchen.

Auf eines Felsens Vorsprung wagt' ich mich,

Um eine einz'ge Rose dir zu pflücken.

Und blaß nur, durch des Kelches Dunkelgrün,

Erschimmerte sie noch, ein Knösplein nur,

Für volle Liebe noch nicht aufgeblüht.

Doch greif' ich sie, und strauchl' und sinke plötzlich

In einen Abgrund hin, der Nacht des Todes

Glaubt' ich, Verlorne, in den Schoos zu sinken.

Mein Glück doch war's, denn eine Rosenpracht

Stand hier im Flor, daß wir zehn Siege noch

Der Amazonen hätten feiern können.

Das vierte Mädchen.

Ich pflückte dir, du heil'ge Priesterinn,

Dir pflückt' ich eine Rose nur, nur Eine;

Doch eine Rose ist's, hier diese, sieh!

Um eines Königs Scheitel zu bekränzen:

Nicht schöner wünscht Penthesilea sie,

Wenn sie Achill, den Göttersohn, sich fällt.

Die Oberpriesterinn.

Wohlan, wenn ihn Penthesilea fällt,

Sollst du die königliche Ros' ihr reichen.

Verwahre sie nur sorgsam, bis sie kömmt.

Das erste Mädchen.

Zukünftig, wenn, beim Cymbelnschlag, von Neuem

Das Amazonenheer ins Schlachtfeld rückt,

Ziehn wir zwar mit, doch nicht mehr, das versprichst du,

Durch Rosenpflücken bloß und Kränzewinden,

Den Sieg der Mütter zu verherrlichen.

Sieh, dieser Arm, er schwingt den Wurfspieß schon,

Und sausend trifft die Schleuder mir das Ziel:

Was gilt's? Mir selbst schon blüht ein Kranz zusammen,

--Und tapfer im Gedräng' schon mag er kämpfen,

Der Jüngling, dem sich diese Sehne strafft.

Die Oberpriesterinn.

Meinst du?--Nun freylich wohl, du mußt es wissen.

--Hast du die Rosen schon drauf angesehn?

--Den nächsten Lenz, sobald sie wieder reif,

Sollst du den Jüngling, im Gedräng' dir suchen.

--Doch jetzt, der Mütter frohe Herzen drängen:

Die Rosen schnell zu Kränzen eingewunden!

Die Mädchen. (durcheinander)

Fort zum Geschäfft! Wie greifen wir es an?

Das erste Mädchen. (Zur Zweiten)

Komm her, Glaukothoe!

Das Dritte. (zum Vierten)

Komm, Charmion!

(Sie setzen sich paarweise)

Das erste Mädchen.

Wir--der Ornythia winden wir den Kranz,

Die sich Alcest mit hohen Büschen fällte.

Das Dritte.

Und wir--Parthenion, Schwester: Athenäus,

Mit der Medus' im Schilde, soll sie fesseln.

Die Oberpriesterinn. (zu den bewaffneten Amazonen)

Nun? Wollt ihr eure Gäste nicht erheitern?

--Steht ihr nicht unbehülflich da, ihr Jungfrau'n,

Als müßt' ich das Geschäfft der Lieb' euch lehren!

Wollt ihr das Wort nicht freundlich ihnen wagen?

Nicht hören, was die Schlachtermüdeten,

Was sie begehren? Wünschen? Was sie brauchen?

Die erste Amazone.

Sie sagen, sie bedürfen nichts, Ehrwürd'ge.

Die Zweite.

Bös' sind sie uns.

Die Dritte. Wenn man sich ihnen nahet,

So wenden sich die Trotzigen schmäh'nd hinweg.

Die Oberpriesterinn.

Ei, wenn sie bös' euch sind, bei unsrer Göttinn,

So macht sie wieder gut! Warum auch habt ihr

So heftig sie im Kampfgewühl getroffen?

Sagt ihnen, was geschehn wird, sie zu trösten:

So werden sie nicht unerbittlich seyn.

Die erste Amazone. (zu einem gefangenen Griechen)

Willst du auf weichen Teppichen, o Jüngling,

Die Glieder ruhn? Soll ich von Frühlingsblumen,

Denn müde scheinst du sehr, ein Lager dir,

Im Schatten jenes Lorbeerbaums, bereiten?

Die Zweite. (eben so)

Soll ich das duftendste der Perseröle

In Wasser mischen, frisch dem Quell entschöpft,

Und dir den Staubbedeckten Fuß erquicken?

Die Dritte.

Doch der Orange Saft verschmähst du nicht

Mit eigner Hand dir liebend dargebracht?

Die drei Amazonen.

Sprecht! Redet! Womit dient man euch?

Ein Grieche. Mit nichts!

Die erste Amazone.

Ihr sonderbaren Fremdlinge! Was härmt euch?

Was ist's, da uns der Pfeil im Köcher ruht,

Daß ihr vor unserm Anblick euch entsetzt?

Ist es die Löwenhaut, die euch erschreckt?--

Du, mit dem Gürtel, sprich! Was fürchtest du?

Der Grieche. (nachdem er sie scharf angesehn)

Wem winden jene Kränze sich? Sagt an!

Die erste Amazone.

Wem? Euch! Wem sonst?

Der Grieche. Uns! und das sagt ihr noch,

Unmenschliche! Wollt ihr, geschmückt mit Blumen,

Gleich Opferthieren, uns zur Schlachtbank führen?

Die erste Amazone.

Zum Tempel euch der Artemis! Was denkt ihr?

In ihren dunkeln Eichenhayn, wo eurer

Entzücken ohne Maas und Ordnung wartet!

Der Grieche. (erstaunt, mit unterdrückter Stimme,

zu den andern Gefangenen)

War je ein Traum so bunt, als was hier wahr ist?

Siebenter Auftritt.

Eine Hauptmännin (tritt auf). Die Vorigen.

Die Hauptmännin.

Auf diesem Platz, Hochwürd'ge, find ich dich!

--Inzwischen sich, auf eines Steinwurfs Nähe,

Das Heer zur blutigen Entscheidung rüstet!

Die Oberpriesterinn.

Das Heer! Unmöglich! Wo?

Die Hauptmännin. In jenen Gründen,

Die der Skamandros ausgeleckt. Wenn du

Dem Wind, der von den Bergen weht, willst horchen,

Kannst du den Donnerruf der Königinn,

Gezückter Waffen Klirren, Rosse wiehern,

Drommeten, Tuben, Cymbeln und Posaunen,

Des Krieges ganze ehrne Stimme hören.

Eine Priesterinn.

Wer rasch erfleucht den Hügel dort?

Die Mädchen. Ich! Ich!

(Sie ersteigen den Hügel)

Die Oberpriesterinn.

Der Königinn!--Nein, sprich! Es ist unglaublich--

--Warum, wenn noch die Schlacht nicht ausgewüthet,

Das Fest der Rosen ordnete sie an?

Die Hauptmännin.

Das Rosenfest--Gab sie Befehl denn wem?

Die Oberpriesterinn.

Mir! Mir!

Die Hauptmännin.

Wo? Wann?

Die Oberpriesterinn. Vor wenigen Minuten

In jenes Obelisken Schatten stand ich,

Als der Pelid, und sie, auf seiner Ferse,

Den Winden gleich, an mir vorüberrauschten.

Und ich: wie geht's? fragt' ich die Eilende.

Zum Fest der Rosen, rief sie, wie du siehst!

Und flog' an mir vorbei und jauchzte noch:

Laß es an Blüthen nicht, du Heil'ge, fehlen!

Die erste Priesterinn. (zu den Mädchen)

Seht ihr sie? sprecht!

Das erste Mädchen. (auf dem Hügel)

Nichts, gar nichts sehen wir!

Es läßt kein Federbusch sich unterscheiden.

Ein Schatten überfleucht von Wetterwolken

Das weite Feld ringsher, das Drängen nur

Verwirrter Kriegerhaufen nimmt sich wahr,

Die im Gefild' des Tod's einander suchen.

Die zweite Priesterinn.

Sie wird des Heeres Rückzug decken wollen.

Die Erste.

Das denk' ich auch.--

Die Hauptmännin. Zum Kampf steht sie gerüstet,

Ich sag's euch, dem Peliden gegenüber,

Die Königinn, frisch, wie das Perserroß,

Das in die Luft hoch aufgebäumt sie trägt,

Den Wimpern heiß're Blick', als je, entsendend,

Mit Athemzügen, freien, jauchzenden,

Als ob ihr junger kriegerischer Busen

Jetzt in die erste Luft der Schlachten käme.

Die Oberpriesterinn.

Was denn, bei den Olympischen, erstrebt sie?

Was ist's, da rings, zu Tausenden, uns die

Gefangenen in allen Wäldern wimmeln,

Das ihr noch zu erringen übrig bleibt?

Die Hauptmännin.

Was ihr noch zu erringen übrig bleibt?

Die Mädchen. (auf dem Hügel)

Ihr Götter!

Die erste Priesterinn.

Nun? Was giebt's? Entwich der Schatten?

Das erste Mädchen.

O ihr Hochheiligen, kommt doch her!

Die zweite Priesterinn. So sprecht!

Die Hauptmännin.

Was ihr noch zu erringen übrig bleibt?

Das erste Mädchen.

Seht, seht, wie durch der Wetterwolken Riß,

Mit einer Maße Licht, die Sonne eben

Auf des Peliden Scheitel niederfällt!

Die Oberpriesterinn.

Auf wessen?

Das erste Mädchen.

Seine, sagt' ich! Wessen sonst?

Auf einem Hügel leuchtend steht er da,

In Stahl geschient sein Roß und er, der Saphir,

Der Chrysolith, wirft solche Strahlen nicht!

Die Erde rings, die bunte, blühende,

In Schwärze der Gewitternacht gehüllt;

Nichts als ein dunkler Grund nur, eine Folie,

Die Funkelpracht des Einzigen zu heben!

Die Oberpriesterinn.

Was geht dem Volke der Pelide an?

--Ziemt's einer Tochter Ares, Königinn,

Im Kampf auf einen Namen sich zu stellen?

(zu einer Amazone)

Fleuch gleich, Arsinoe, vor ihr Antlitz hin,

Und sag' in meiner Göttinn Namen ihr,

Mars habe seinen Bräuten sich gestellt:

Ich forderte, bei ihrem Zorn sie auf,

Den Gott begränzt zur Heimath jetzt zu führen,

Und unverzüglich ihm, in ihrem Tempel,

Das heil'ge Fest der Rosen zu eröffnen!

(die Amazone ab)

Ward solch ein Wahnsinn jemals noch erhört!

Die erste Priesterinn.

Ihr Kinder! Seht ihr noch die Königinn nicht?

Das erste Mädchen. (auf dem Hügel)

Wohl, wohl! Das ganze Feld erglänzt--da ist sie!

Die erste Priesterinn.

Wo zeigt sie sich?

Das Mädchen.

An aller Jungfrau'n Spitze!

Seht, wie sie in dem goldnen Kriegsschmuck funkelnd,

Voll Kampflust ihm entgegen tanzt! Ist's nicht,

Als ob sie, heiß von Eifersucht gespornt,

Die Sonn' im Fluge übereilen wollte,

Die seine jungen Scheitel küßt! O seht!

Wenn sie zum Himmel auf sich schwingen wollte,

Der hohen Nebenbuhl'rinn gleich zu sein,

Der Perser könnte, ihren Wünschen fröhnend,

Geflügelter sich in die Luft nicht heben!

Die Oberpriesterinn. (zur Hauptmänninn)

War keine unter allen Jungfrau'n denn,

Die sie gewarnt, die sie zurückgehalten?

Die Hauptmännin.

Es warf ihr ganzes fürstliches Gefolge

Sich in den Weg ihr: hier auf diesem Platze

Hat Prothoe ihr Aeußerstes gethan.

Jedwede Kunst der Rede ward erschöpft.

Nach Themiscyra sie zurückzuführen.

Doch taub schien sie der Stimme der Vernunft:

Vom giftigsten der Pfeile Amors sei,

Heißt es, ihr jugendliches Herz getroffen.

Die Oberpriesterinn.

Was sagst du?

Das erste Mädchen. (auf dem Hügel)

Ha, jetzt treffen sie einander!

Ihr Götter! Haltet eure Erde fest--

Jetzt, eben jetzt, da ich dies sage, schmettern

Sie, wie zwei Sterne, auf einander ein!

Die Oberpriesterinn. (zur Hauptmänninn)

Die Königinn, sagst du? Unmöglich, Freundinn!

Von Amors Pfeil getroffen--wann? Und wo?

Die Führerinn des Diametengürtels?

Die Tochter Mars, der selbst der Busen fehlt,

Das Ziel der giftgefiederten Geschosse?

Die Hauptmännin.

So sagt des Volkes Stimme mindestens,

Und Meroe hat es eben mir vertraut.

Die Oberpriesterinn.

Es ist entsetzlich!

Penthesilea · 第 18 / 40 题