Der Myrmidonier. Stürzen, Hauptmann,
Wie in der Feueresse eingeschmelzt,
Zum Haufen, Roß und Reut'rinnen, zusammen!
Der Hauptmann.
Daß sie zu Asche würden!
Der Doloper. Staub ringsum,
Vom Glanz der Rüstungen durchzuckt und Waffen:
Das Aug' erkennt nichts mehr, wie scharf es sieht.
Ein Knäuel, ein verworrener, von Jungfraun
Durchwebt von Rossen bunt: das Chaos war,
Das erst', aus dem die Welt sprang, deutlicher.
Der Ätolier.
Doch jetzt--ein Wind erhebt sich; Tag wird es,
Und eine der Gestürzten rafft sich auf.
Der Doloper.
Ha! Wie sich das Gewimmel lustig regt!
Wie sie die Spieße sich, die Helme, suchen,
Die weithin auf das Feld geschleuderten!
Der Myrmidonier.
Drei Rosse noch, und eine Reuterinn, liegen
Gestreckt wie todt--
Der Hauptmann. Ist das die Königinn?
Der Ätolier.
Penthesilea, fragst du?
Der Myrmidonier. Ob's die Königinn?
--Daß mir den Dienst die Augen weigerten!
Dort steht sie!
Der Doloper. Wo?
Der Hauptmann. Nein, sprich!
Der Myrmidonier. Dort, beim Kroniden,
Wo sie gestürzt: in jener Eiche Schatten!
An ihres Pferdes Nacken hält sie sich,
Das Haupt entblößt--seht ihr den Helm am Boden?
Die Locken schwachhin mit der Rechten greifend,
Wischt sie, ist's Staub, ist's Blut, sich von der Stirn.
Der Doloper.
Bei Gott, sie ist's!
Der Hauptmann. Die Unverwüstliche!
Der Ätolier.
Die Katze, die so stürzt, verreckt; nicht sie!
Der Hauptmann.
Und der Pelid'?
Der Doloper. Ihn schützen alle Götter!
Um drei Pfeilschüsse flog er fort und drüber!
Kaum mehr mit Blicken kann sie ihn erreichen,
Und der Gedanke selbst, der strebende,
Macht ihr im athemlosen Busen: halt!
Der Myrmidonier.
Triumph! Dort trit Odysseus jetzt hervor!
Das ganze Griechenheer, im Strahl der Sonne,
Trit plötzlich aus des Waldes Nacht hervor!
Der Hauptmann.
Odyß? Und Diomed auch? O ihr Götter!
--Wie weit noch in dem Feld ist er zurück?
Der Doloper.
Kaum einen Steinwurf, Hauptmann! Sein Gespann
Fliegt auf die Höhen am Skamandros schon,
Wo sich das Heer raschhin am Rande ordnet.
Die Reih'n schon wettert er entlang--
Stimmen. (aus der Ferne) Heil dir!
Der Doloper.
Sie rufen, die Argiver, ihm--
Stimmen. Heil dir!
Achill! Heil dir, Pelide! Göttersohn!
Heil dir! Heil dir! Heil dir!
Der Doloper. Er hemmt den Lauf!
Vor den versammelten Argiverfürsten
Hemmt er den Lauf! Odysseus naht sich ihm!
Vom Sitz springt er, der Staubbedeckte, nieder!
Die Zügel giebt er weg! Er wendet sich!
Er nimmt den Helm ab, der sein Haupt beschwert!
Und alle Könige umringen ihn!
Die Griechen reißen ihn, die jauchzenden,
Um seine Knie wimmelnd, mit sich fort:
Indeß Automedon die Rosse schrittweis,
Die dampfenden, an seiner Seite führt!
Hier wälzt der ganze Jubelzug sich schon
Auf uns heran! Heil dir! du Göttlicher!
O seht doch her, seht her--Da ist er schon!
Vierter Auftritt.
Achilles (ihm folgen) Odysseus, Diomedes, Antilochus, Automedon
(mit der Quadriga ihm zur Seite) das Heer der Griechen.
Odysseus.
Sei mir, Äginerheld, aus heißer Brust
Gegrüßt! Du Sieger auch noch in der Flucht!
Beim Jupiter! Wenn hinter deinem Rücken,
Durch deines Geistes Obmacht über ihren,
In Staub die Feindinn stürzt, was wird gescheh'n,
Wenn's dir gelingt, du Göttlicher, sie einst
Von Angesicht zu Angesicht zu fassen.
Achilles. (er hält den Helm in der Hand und wischt sich den
Schweiß von der Stirn, Zwei Griechen ergreifen, ihm unbewußt,
Einen seiner Arme, der verwundet ist, und verbinden ihn)
Was ist? Was giebt's?
Antilochus. Du hast in einem Kampf
Wetteifernder Geschwindigkeit bestanden,
Neridensohn, wie losgelassene
Gewitterstürm', am Himmelsplane brausend,
Noch der erstaunten Welt ihn nicht gezeigt.
Bei den Erynnien! Meiner Reue würd' ich
Mit deinem flüchtigen Gespann entflieh'n,
Hätt' ich, des Lebens Gleise schwer durchknarrend,
Die Sünden von der ganzen Trojerburg
Der Muschel meiner Brust auch aufgeladen.
Achilles. (zu den zwei Griechen, welche ihn mit ihrem Geschäfft
zu belästigen scheinen)
Die Narren.
Ein Griechenfürst.
Wer?