Mehrere Tage waren seit der Befreiung Loders vergangen, und noch hatte
man im Rappoltstein'schen Lager von den fahrenden Leuten keine anderen
Nachrichten über die Absichten der Gegner erhalten, als daß sie eifrig
rüsteten und in ihren Burgen und deren nächster Umgebung große Massen
reisigen Volks zusammenzogen, die sie jederzeit zu einem geschlossenen
Heerhaufen vereinigen konnten.
Das Gleiche war auch auf Seiten der Vertheidiger und Beschützer der
Hohkönigsburg geschehen, die nur der Weisungen eines noch nicht
gekürten Feldobersten harrten.
Zur Wahl eines solchen und zur Verabredung über die Aufstellung und
das gemeinsame Vorgehen der jetzt noch vereinzelten Streitkräfte
sollte nun auf der St. Ulrichsburg Kriegsrath gehalten werden, wozu
sämmtliche Rappoltstein'sche Verbündete, die Thierstein, Fleckenstein,
Andlau, Kageneck und Hattstadt eingeladen waren, und an dem auch
Egenolf theilnahm. Sie trafen an dem dazu bestimmten Morgen nach und
nach in Rappoltsweiler ein und ritten einzeln, wie sie kamen, das
Strengbachthal ein Stück hinauf, bis sie rechtsab in den Weg bogen, der
zur Burg empor führte.
Aber nicht unbeobachtet sollten sie dahin gelangen. Im Strengbachthal,
dicht am Wege, saß unter den breiten, tief gesenkten Zweigen einer
mächtigen Buche ein junger Kesselflicker, mit der Hantirung seines
Gewerbes beschäftigt. Die eine Hälfte seines Gesichts war mit einem
umgebundenen Tuche verhüllt, das auch sein linkes Auge fast ganz
bedeckte, und die andere Hälfte war, wohl durch Berührung mit den
unsauberen Händen, stark von Ruß befleckt. In dieser Verunstaltung
war von seinen Zügen nicht viel zu erkennen, zumal er eine Mütze mit
weit vorstehendem Schirm trug, wahrscheinlich, damit ihn bei der
Arbeit die Sonne nicht blendete. Neben ihm am Boden lag ein kleiner
Ranzen, einiges Handwerkszeug und eine Rolle Eisendraht, mit dem er
einen von langem Gebrauch im Feuer geschwärzten und beschädigten Topf
zusammenflickte.
Mit emsigem Fleiß betrieb der Bursche sein Handwerk nicht, denn er
band und bastelte nur dann an dem Topfe herum, wenn zufällig Leute des
Weges kamen. Sobald sie vorüber waren, ließ er die Hände müßig sinken
und spähte mit dem einen freigebliebenen Auge lauernd nach rechts und
links. Mit größter Aufmerksamkeit folgte sein glühender Blick den
ritterlichen Herren, die zu Pferde an ihm vorüberzogen. Er kannte sie
alle, vermied es aber, sie sein Gesicht sehen zu lassen. Hinter ihrem
Rücken jedoch nickte er ihnen boshaft lächelnd nach und nannte sich
leise die Zahl eines jeden, der wievielte er schon der Reihe nach war.
Jetzt kam Rudolf von Andlau, bemerkte den auf seine Arbeit Gebeugten
unter der Buche und rief, sein Pferd anhaltend, ihm zu: »He!
Kesselflicker! sind schon mehr Herren hier vorübergeritten?«
»Ja, Herr!« antwortete der Bursche, »sechs, einer nach dem andern, aber
kannte sie nicht, bin fremd hier.«
»Schon sechs? dann wäre ich ja der Letzte. Da muß ich mich eilen. Gott
helfe Dir von Deinem Zahnweh, armer Gesell!« sprach Andlau und ritt
weiter.
Als er ein paar Pferdelängen entfernt war, schob der Bemitleidete das
Tuch vom Munde zur Seite, fletschte dem Ritter zwei lückenlose Reihen
elfenbeinblanker Zähne nach und kicherte: »Dankt Schöpfer, Herr von
Andlau, wenn so gesunde Zähne habt wie ich! -- Also ist Siebenter, drei
Grafen Rappoltstein macht zehn, mit Egenolf elf, und zum Ballspiel
kommen da oben nicht zusammen. Warte ich, wie lange sie bleiben.«
Auf der St. Ulrichsburg waren die übrigen Herren schon zur Berathung
versammelt, hatten aber mit deren Beginn bis zur Ankunft des Letzten
gewartet. Graf Oswald von Thierstein war sammt seinem Bruder Wilhelm
von Allen aufs Freundlichste empfangen worden, und der ehemalige
Zwiespalt war völlig vergessen, denn Alle waren von dem friedlichen
Abkommen, das Schmasman in ihrer Aller Namen mit ihm getroffen hatte,
genau unterrichtet. Auch Andlau begrüßte ihn jetzt rückhaltlos als
Bundesgenossen.
Graf Wilhelm von Rappoltstein übernahm, von den Andern dazu
aufgefordert, den Vorsitz im Rathe und hatte vor sich auf dem Tische
einen Bogen Papier liegen, auf dem er mit einem Kohlenstift das
Gelände, die Berge und Thäler, die Lage der Ortschaften und die Wege
zeichnen wollte.
Er begann: »Liebe Herren! unsere Streitkräfte sind, wie ihr Alle wißt,
in den benachbarten Städten und Burgen ringsum so vertheilt, daß
wir dem zweifellos nahe bevorstehenden feindlichen Angriff überall
begegnen können. Schwerlich wird Burkhard daran denken, vor der
Hohkönigsburg lagerhaftig zu werden, und ebenso unersprießlich wäre
meines Erachtens unserseits die Absicht, die sehr starken Ottrotter
Schlösser Rathsamhausen und Lützelburg zu bestürmen; ich wenigstens
würde mit aller Entschiedenheit davon abrathen. Bleibt also nur übrig,
dem Feinde entgegenzuziehen und ihm die offene Feldschlacht anzubieten.
Dabei fragt es sich, auf welchem Wege er herankommen wird. Ich sehe da
nur zwei Wege. Entweder kommen die Rathsamhausen mit ihren Verbündeten
über Barr, Eichhofen, Dambach, oder sie kommen über Barr, Eichhofen,
hinter Ittersweiler um den Ungersberg herum nach Thannweiler und das
Weilerthal herab. Seht hier! so meine ich, daß sich auf die eine oder
die andere Weise ihr Anmarsch vollführen wird.«
Er zeichnete die Wege auf das Papier, während sich die Anderen über
den Tisch beugten und den Weisungen seines Stiftes aufmerksam folgten.
Darüber erhoben sich nun eingehende Erörterungen, in denen die von
einander abweichenden Meinungen verfochten und begründet wurden.
Graf Wilhelm hielt mit seiner eigenen Ansicht noch zurück und ließ
die Anderen streiten ohne sich einzumischen, bis die Minderheit
von der Mehrheit überzeugt wurde, daß der zuletzt genannte Weg der
wahrscheinlichere wäre, d. h. daß der Feind über Thannweiler durch das
Weilerthal anrücken würde.
»Das ist auch meine Meinung,« nahm Graf Wilhelm wieder das Wort, »denn
dieser Weg hat vor dem anderen viel voraus. Unsere Kundschafter,
die Spielleute, werden uns schnell genug benachrichtigen, und ihre
Meldungen werden bestätigen, daß ich Recht habe. In der fast sicheren
Voraussetzung also, daß die Rathsamhausen durch das Weilerthal kommen,
schlag ich euch folgenden Plan vor. Ihr Thiersteiner geht ihnen durch
die Gebirgsschluchten über Kestenholz in das Weilerthal entgegen.
Fleckenstein, Kageneck und Hattstadt schließen sich euch zwischen
Scherweiler und Kestenholz an, und ihr zusammen haltet den Feind
möglichst lange fest, daß er nicht aus dem Thale heraus kann. Wir
Rappoltsteiner ziehen mit Andlau durch das Strengbachthal über Markirch
in das Leberthal und über Leberau in das Weilerthal und fassen den
Feind von hinten. Dann sitzt er zwischen euch und uns eingekeilt in der
Mitte, kann weder vor- noch rückwärts und ist rettungslos verloren.«
Diesem Schlachtplane stimmten Alle unter voller Anerkennung seiner gut
durchdachten Ausführbarkeit ungetheilt zu und sahen sich schon als
Sieger, vorläufig allerdings erst auf dem Papiere, wo ihnen der Führer
des Wortes jetzt auch die Angriffswege gezeichnet hatte.
Graf Wilhelm fuhr fort: »Das Wichtigste, liebe Freunde, ist, daß wir
den rechten Zeitpunkt nicht verpassen, daß wir nicht zu früh und nicht
zu spät ausrücken und uns vom Anmarsch der Rathsamhausen nicht etwan
überraschen lassen. Von Deinem Schloß Ortenberg, Kageneck, blickt man
in die beiden Thäler tief hinein, und ich wollte wohl sagen, daß von
Deinem Thurm uns Allen sichtbare Fahnenzeichen gegeben werden könnten,
sobald die Vorhut des Feindes dort bemerkt wird. Aber das genügt mir
nicht, dadurch würde zuviel Zeit, uns zu sammeln, verloren gehen.
Wir müssen überall auf den Wegen zwischen unseren Lagern berittene
Wachtposten in nicht zu weiten Entfernungen von einander aufstellen,
die windschnell die Kunde vom Nahen des Feindes zurückbefördern.
Ja, ich schlage vor, daß wir Tags über fortwährend unter Waffen und
vollständig gerüstet mit unseren Reisigen bleiben, um jeden Augenblick
bei der Hand zu sein.«
Auch diese Vorschläge fanden einstimmige Annahme. Dann wurde noch
für die Rappoltstein'sche Streitmacht Graf Wilhelm und für die
Thierstein'sche Friedrich von Fleckenstein zum Oberbefehlshaber ernannt.
Damit war der Kriegsrath zu Ende. Die Herren wollten nach einer
flüchtigen Begrüßung der Rappoltstein'schen Damen die St. Ulrichsburg
sofort wieder verlassen, um in den nöthigen Anordnungen nur ja nichts
zu versäumen, und Schmasman versuchte unter diesen Umständen auch
nicht, seine Gäste und Bundesgenossen länger bei sich zu halten. So
ritten sie denn mitsammen ab. --
Der junge Kesselflicker lag noch immer auf der Lauer am Wege, aber
jetzt ohne auch nur zum Schein noch zu arbeiten und an einer anderen
Stelle als vorher, höher hinauf im Walde und mehr durch Gesträuch
gedeckt, wo er weniger gesehen werden und besser hören konnte, was die
zurückkehrenden Herren etwa unter einander reden würden.
Als sie an ihm vorüber kamen, hörte er Hermann von Hattstadt zu dem
neben ihm reitenden Johann von Kageneck sagen: »Ich glaube nicht, daß
sie vor vier, fünf Tagen kommen.« Kageneck antwortete: »So denk' ich
auch, und es ist ganz in meinem Sinne, daß wir ihnen entgegenziehen
und ihnen die Feldschlacht bieten.« Mehr konnte der Lauscher vor dem
Schnauben und Hufgetrappel der Pferde nicht verstehen.
Sobald die Reiter außer Sicht waren, sprach er zu sich: »Also vier
Tage dünken die sich noch sicher. Nun Beine in die Hand nehmen und
laufen, laufen, daß ihnen schon in zwei Tagen auf Hals kommen.« Eine
gute Weile blieb er in seinem Versteck noch liegen; dann kroch er, den
beschädigten Topf wegwerfend, daraus hervor und wollte sich auf den
Heimweg machen.
Da hörte er den Berg herunterkommende Schritte. Er lugte behutsam
um einen Baumstamm und erkannte in dem Nahenden zu seinem Schrecken
den Grafen Egenolf. Was jetzt thun? fliehen oder bleiben? Zwei
Möglichkeiten schossen ihm durch den Kopf, wie dieses unerwünschte
Wiedersehen enden konnte, und rasch entschlossen ging er dem allein
Daherwandelnden entgegen.
Als beide zusammentrafen, redete der bergan Steigende mit soviel wie
möglich verstellter Sprechweise den Herabkommenden an und fragte:
»Verzeiht, Herr! geht es hier hinauf zur Ulrichsburg?«
Egenolf, in seinen Gedanken mit weit abliegenden Dingen beschäftigt,
gab, ohne sich den Frager recht anzusehen, kurz zur Antwort: »Ja; was
willst Du dort?«
»Armer Kesselflicker findet da vielleicht Arbeit.«
Egenolf lachte: »Auf der Ulrichsburg werden wohl Kessel und Töpfe
zerbeult und zerbrochen, aber nicht wieder geflickt.«
»Will's doch versuchen, Herr. Ist's noch weit hinauf zur Burg? bin
müde, möchte dort oben ruhen und rasten.«
Dem Grafen klang aus der Stimme des jungen Kesselflickers etwas ins
Ohr, das ihn seltsam berührte wie eine fern auftauchende Erinnerung.
»Wo kommst Du her?« frug er, den halb Vermummten nun aufmerksamer
betrachtend.
»Habe keine Heimstatt, Herr, muß wandern und wandern, mein Brod zu
verdienen.«
Immer mehr fühlte sich Egenolf von dieser Stimme betroffen, und
gespannt frug er: »Bursch, wo haben wir uns schon gesehen?«
Da riß der Gesell die Mütze vom Kopf und das Tuch vom Gesicht, wischte
sich damit schnell den Ruß von der Wange und lachte: »Kennt mich Graf
Egenolf jetzt?«
Egenolf starrte den ihm keck Gegenüberstehenden eine Sekunde lang
sprachlos an, bis er zornbebend losbrach: »Haschop! -- Du -- Du wagst
es, meine Wege zu kreuzen?«
»Haschop wagt es,« sprach das verkleidete Mädchen zutraulich.
»Weißt Du nicht, Unglückliche, daß ich Dir den Tod geschworen habe, wo
ich Dich finde?«
»Hat mir Vater gesagt, glaub's aber nicht. Graf Egenolf mordet seine
Haschop nicht,« erwiederte sie mit einem innigen Blick.
»Ich thu's!« rief er in gärender Wuth und machte eine Bewegung, als
wollte er sich auf sie stürzen, die, ihn fest im Auge behaltend, sich
nicht von der Stelle rührte. »Wolltest Du doch die Gräfin Leontine
ermorden, Giftmischerin!«
»Nein, o nein!« entgegnete sie rasch, »war kein Gift, wollte schöne,
stolze Gräfin nur lützel erschrecken zum Entgelt für Peitschenhieb vom
Pferd herab. Und -- Ihr wißt nicht, wie's thut, verlassen werden von
Einem, der vormals --«
»Schweig!« unterbrach er sie heftig. Aber er selber schwieg jetzt,
verwirrt nach Worten suchend. Sein Athem flog, seine Hände zuckten
wie zum Erwürgen bereit. Endlich stieß er, sich mühsam beherrschend
hervor: »Was schaffst Du hier? wozu bist Du gekommen? Du bist Deines
Lebens keinen Tag sicher hier, und wenn ich auch meine Hand nicht mit
Deinem Blute beflecken will, so bist Du doch verloren, wenn Dich der
Pfeiferkönig entdeckt. Ich kann Dich nicht schützen, und ich will es
auch nicht.«
»In dieser Tracht sucht mich Niemand,« sagte sie, gefallsüchtig auf
das Ebenmaß ihres schlanken Wuchses zeigend, »nicht mal Ihr kanntet
Eure Haschop.« Unwillig furchte er die Stirn. Sie aber fuhr mit
schmeichlerischem Ton und einem verführerischen Lächeln fort: »Und
was ich hier will? Euch noch einmal sehen, Graf Egenolf, letztes Mal,
Abschied nehmen auf ewig, oder -- oder soll ich -- soll ich bleiben und
wieder --?«
»Bist Du von Sinnen?« brauste er auf. »Nicht mehr denken will ich an
Dich. Fort, fort! laß Dich nie mehr blicken! Du bist todt für mich,
todt und vergessen, -- mußt es sein.«
»Muß ich sein? todt und vergessen?« Ein unheimliches Licht flackerte in
den Augen der Zigeunerin auf, das aber schnell wieder erlosch. »Dann
lebt wohl, Graf Egenolf!« sprach sie wehmüthig und fügte bittend hinzu:
»Nur diesen einen noch, den letzten, allerletzten!« Und mit sehnsüchtig
ausgebreiteten Armen und verlangenden Lippen näherte sie sich ihm in
zitternder Erregung.
Er wies sie schroff ab, einen Schritt von ihr zurückweichend.
Da flammten Haß und lechzende Rachgier unter ihren schwarzen Brauen
hervor, und mit einem Panthersprunge warf sie sich auf ihn. Mit ihrem
linken Arm umschlang sie seinen Nacken, und im gleichen Augenblick
fühlte er unversehens einen Kuß auf seinem Munde und einen Messerstich
an seiner Hüfte. Egenolf wollte die Tückische packen und festhalten,
aber schlangenhaft geschmeidig entglitt sie ihm, und hohnlachend: »Nun
wirst an mich denken!« floh sie in das Gebüsch, gleich so spurlos darin
verschwindend, daß er sie nicht verfolgen konnte.
Er stand regungslos, wie betäubt von dem mordlichen Überfall und bohrte
den Blick in den schweigenden Wald. Da spürte er es feucht werden
unter seiner Gewandung. Das brachte ihn zum Bewußtsein dessen, was
geschehen war, und er preßte die Hand auf die Wunde, das sickernde
Blut zu dämmen. Der Stoß war niedriger gegangen, als er gezielt war,
hatte den Knochen getroffen und war daher nur wenig eingedrungen; zwei
Daumenbreit höher, und er wäre verhängnißvoll geworden. Egenolf wandte
sich und schritt eilig wieder bergan.
Unterwegs stieg ihm die Vermuthung auf, die sich allmählich zur
Überzeugung steigerte, daß Haschop nicht seinetwegen gekommen war zu
dem Versuche, wieder mit ihm anzubandeln, sondern als von Rathsamhausen
entsandte Späherin, die jeden Weg und Steg hier kennend zu solchem
Dienste durchaus geeignet war. Er mußte es seinem Vater mittheilen, daß
sie hier in unmittelbarer Nähe der Burg umlauert und beobachtet wurden,
damit man seine Maßregeln danach treffen konnte. Aber die Zigeunerin
nennen und seinem Vater den Verlauf seiner Begegnung mit ihr erzählen
durfte er nicht und sann nun darüber nach, wie er seinen Bericht über
das Erlebniß, das ihn doch tiefer erschüttert hatte, als er sich selber
eingestehen mochte, gestalten sollte.
Auf der St. Ulrichsburg kleidete er sich um und verband sich die Wunde,
die ihm trotz des Schmerzes, den sie ihm verursachte, von so geringer
Bedeutung schien, daß er hoffte, sie den Seinigen verheimlichen zu
können.
Darauf begab er sich zu seinem Vater und meldete ihm die gemachte
Entdeckung mit den Worten: »Vater, wir werden auskundschaftet; unweit
des Burgweges sah ich einen Kesselflicker umherschleichen. Er kann
leicht erlauscht haben, was die von hier abreitenden Herren etwa über
den Kriegsrath unter einander gesprochen haben.«
»Einen Kesselflicker? also einen von Burkhards rußigen
Schutzbefohlenen,« sagte Schmasman. »Warum hast Du ihn nicht
festgenommen und eingebracht? vielleicht hätte man Geständnisse von ihm
erpressen können.«
»Ich konnte ihn nicht greifen; er verschwand blitzschnell im Walde, so
daß nichts mehr von ihm zu sehen war,« gab Egenolf verlegen zur Antwort.
»Schade! da müssen wir nun auf unserer Hut sein und unsere Bereitschaft
mit doppelter Eile betreiben,« sprach Schmasman. »Habe Dank für Deine
Wachsamkeit!«
»Es war ja nur ein Zufall, Vater, daß ich den Kesselflicker sah,«
erwiederte Egenolf und schied aus seines Vaters Gemach mit ernsten
Gedanken über das, was er verschwiegen hatte.
Aber etwas Gutes hatte das gefährliche Abenteuer doch zur Folge, -- die
Beschleunigung der Schlagfertigkeit. Damit tröstete er sich über die
empfangene Wunde, und es däuchte ihm eine günstige Vorbedeutung, als
wäre er durch dieses kleine Opfer an vergossenem Blut nun gegen eine
Verwundung in dem bevorstehenden Kampfe gefeit.