XXIV.

Mehrere Tage waren seit der Befreiung Loders vergangen, und noch hatte

man im Rappoltstein'schen Lager von den fahrenden Leuten keine anderen

Nachrichten über die Absichten der Gegner erhalten, als daß sie eifrig

rüsteten und in ihren Burgen und deren nächster Umgebung große Massen

reisigen Volks zusammenzogen, die sie jederzeit zu einem geschlossenen

Heerhaufen vereinigen konnten.

Das Gleiche war auch auf Seiten der Vertheidiger und Beschützer der

Hohkönigsburg geschehen, die nur der Weisungen eines noch nicht

gekürten Feldobersten harrten.

Zur Wahl eines solchen und zur Verabredung über die Aufstellung und

das gemeinsame Vorgehen der jetzt noch vereinzelten Streitkräfte

sollte nun auf der St. Ulrichsburg Kriegsrath gehalten werden, wozu

sämmtliche Rappoltstein'sche Verbündete, die Thierstein, Fleckenstein,

Andlau, Kageneck und Hattstadt eingeladen waren, und an dem auch

Egenolf theilnahm. Sie trafen an dem dazu bestimmten Morgen nach und

nach in Rappoltsweiler ein und ritten einzeln, wie sie kamen, das

Strengbachthal ein Stück hinauf, bis sie rechtsab in den Weg bogen, der

zur Burg empor führte.

Aber nicht unbeobachtet sollten sie dahin gelangen. Im Strengbachthal,

dicht am Wege, saß unter den breiten, tief gesenkten Zweigen einer

mächtigen Buche ein junger Kesselflicker, mit der Hantirung seines

Gewerbes beschäftigt. Die eine Hälfte seines Gesichts war mit einem

umgebundenen Tuche verhüllt, das auch sein linkes Auge fast ganz

bedeckte, und die andere Hälfte war, wohl durch Berührung mit den

unsauberen Händen, stark von Ruß befleckt. In dieser Verunstaltung

war von seinen Zügen nicht viel zu erkennen, zumal er eine Mütze mit

weit vorstehendem Schirm trug, wahrscheinlich, damit ihn bei der

Arbeit die Sonne nicht blendete. Neben ihm am Boden lag ein kleiner

Ranzen, einiges Handwerkszeug und eine Rolle Eisendraht, mit dem er

einen von langem Gebrauch im Feuer geschwärzten und beschädigten Topf

zusammenflickte.

Mit emsigem Fleiß betrieb der Bursche sein Handwerk nicht, denn er

band und bastelte nur dann an dem Topfe herum, wenn zufällig Leute des

Weges kamen. Sobald sie vorüber waren, ließ er die Hände müßig sinken

und spähte mit dem einen freigebliebenen Auge lauernd nach rechts und

links. Mit größter Aufmerksamkeit folgte sein glühender Blick den

ritterlichen Herren, die zu Pferde an ihm vorüberzogen. Er kannte sie

alle, vermied es aber, sie sein Gesicht sehen zu lassen. Hinter ihrem

Rücken jedoch nickte er ihnen boshaft lächelnd nach und nannte sich

leise die Zahl eines jeden, der wievielte er schon der Reihe nach war.

Jetzt kam Rudolf von Andlau, bemerkte den auf seine Arbeit Gebeugten

unter der Buche und rief, sein Pferd anhaltend, ihm zu: »He!

Kesselflicker! sind schon mehr Herren hier vorübergeritten?«

»Ja, Herr!« antwortete der Bursche, »sechs, einer nach dem andern, aber

kannte sie nicht, bin fremd hier.«

»Schon sechs? dann wäre ich ja der Letzte. Da muß ich mich eilen. Gott

helfe Dir von Deinem Zahnweh, armer Gesell!« sprach Andlau und ritt

weiter.

Als er ein paar Pferdelängen entfernt war, schob der Bemitleidete das

Tuch vom Munde zur Seite, fletschte dem Ritter zwei lückenlose Reihen

elfenbeinblanker Zähne nach und kicherte: »Dankt Schöpfer, Herr von

Andlau, wenn so gesunde Zähne habt wie ich! -- Also ist Siebenter, drei

Grafen Rappoltstein macht zehn, mit Egenolf elf, und zum Ballspiel

kommen da oben nicht zusammen. Warte ich, wie lange sie bleiben.«

Auf der St. Ulrichsburg waren die übrigen Herren schon zur Berathung

versammelt, hatten aber mit deren Beginn bis zur Ankunft des Letzten

gewartet. Graf Oswald von Thierstein war sammt seinem Bruder Wilhelm

von Allen aufs Freundlichste empfangen worden, und der ehemalige

Zwiespalt war völlig vergessen, denn Alle waren von dem friedlichen

Abkommen, das Schmasman in ihrer Aller Namen mit ihm getroffen hatte,

genau unterrichtet. Auch Andlau begrüßte ihn jetzt rückhaltlos als

Bundesgenossen.

Graf Wilhelm von Rappoltstein übernahm, von den Andern dazu

aufgefordert, den Vorsitz im Rathe und hatte vor sich auf dem Tische

einen Bogen Papier liegen, auf dem er mit einem Kohlenstift das

Gelände, die Berge und Thäler, die Lage der Ortschaften und die Wege

zeichnen wollte.

Er begann: »Liebe Herren! unsere Streitkräfte sind, wie ihr Alle wißt,

in den benachbarten Städten und Burgen ringsum so vertheilt, daß

wir dem zweifellos nahe bevorstehenden feindlichen Angriff überall

begegnen können. Schwerlich wird Burkhard daran denken, vor der

Hohkönigsburg lagerhaftig zu werden, und ebenso unersprießlich wäre

meines Erachtens unserseits die Absicht, die sehr starken Ottrotter

Schlösser Rathsamhausen und Lützelburg zu bestürmen; ich wenigstens

würde mit aller Entschiedenheit davon abrathen. Bleibt also nur übrig,

dem Feinde entgegenzuziehen und ihm die offene Feldschlacht anzubieten.

Dabei fragt es sich, auf welchem Wege er herankommen wird. Ich sehe da

nur zwei Wege. Entweder kommen die Rathsamhausen mit ihren Verbündeten

über Barr, Eichhofen, Dambach, oder sie kommen über Barr, Eichhofen,

hinter Ittersweiler um den Ungersberg herum nach Thannweiler und das

Weilerthal herab. Seht hier! so meine ich, daß sich auf die eine oder

die andere Weise ihr Anmarsch vollführen wird.«

Er zeichnete die Wege auf das Papier, während sich die Anderen über

den Tisch beugten und den Weisungen seines Stiftes aufmerksam folgten.

Darüber erhoben sich nun eingehende Erörterungen, in denen die von

einander abweichenden Meinungen verfochten und begründet wurden.

Graf Wilhelm hielt mit seiner eigenen Ansicht noch zurück und ließ

die Anderen streiten ohne sich einzumischen, bis die Minderheit

von der Mehrheit überzeugt wurde, daß der zuletzt genannte Weg der

wahrscheinlichere wäre, d. h. daß der Feind über Thannweiler durch das

Weilerthal anrücken würde.

»Das ist auch meine Meinung,« nahm Graf Wilhelm wieder das Wort, »denn

dieser Weg hat vor dem anderen viel voraus. Unsere Kundschafter,

die Spielleute, werden uns schnell genug benachrichtigen, und ihre

Meldungen werden bestätigen, daß ich Recht habe. In der fast sicheren

Voraussetzung also, daß die Rathsamhausen durch das Weilerthal kommen,

schlag ich euch folgenden Plan vor. Ihr Thiersteiner geht ihnen durch

die Gebirgsschluchten über Kestenholz in das Weilerthal entgegen.

Fleckenstein, Kageneck und Hattstadt schließen sich euch zwischen

Scherweiler und Kestenholz an, und ihr zusammen haltet den Feind

möglichst lange fest, daß er nicht aus dem Thale heraus kann. Wir

Rappoltsteiner ziehen mit Andlau durch das Strengbachthal über Markirch

in das Leberthal und über Leberau in das Weilerthal und fassen den

Feind von hinten. Dann sitzt er zwischen euch und uns eingekeilt in der

Mitte, kann weder vor- noch rückwärts und ist rettungslos verloren.«

Diesem Schlachtplane stimmten Alle unter voller Anerkennung seiner gut

durchdachten Ausführbarkeit ungetheilt zu und sahen sich schon als

Sieger, vorläufig allerdings erst auf dem Papiere, wo ihnen der Führer

des Wortes jetzt auch die Angriffswege gezeichnet hatte.

Graf Wilhelm fuhr fort: »Das Wichtigste, liebe Freunde, ist, daß wir

den rechten Zeitpunkt nicht verpassen, daß wir nicht zu früh und nicht

zu spät ausrücken und uns vom Anmarsch der Rathsamhausen nicht etwan

überraschen lassen. Von Deinem Schloß Ortenberg, Kageneck, blickt man

in die beiden Thäler tief hinein, und ich wollte wohl sagen, daß von

Deinem Thurm uns Allen sichtbare Fahnenzeichen gegeben werden könnten,

sobald die Vorhut des Feindes dort bemerkt wird. Aber das genügt mir

nicht, dadurch würde zuviel Zeit, uns zu sammeln, verloren gehen.

Wir müssen überall auf den Wegen zwischen unseren Lagern berittene

Wachtposten in nicht zu weiten Entfernungen von einander aufstellen,

die windschnell die Kunde vom Nahen des Feindes zurückbefördern.

Ja, ich schlage vor, daß wir Tags über fortwährend unter Waffen und

vollständig gerüstet mit unseren Reisigen bleiben, um jeden Augenblick

bei der Hand zu sein.«

Auch diese Vorschläge fanden einstimmige Annahme. Dann wurde noch

für die Rappoltstein'sche Streitmacht Graf Wilhelm und für die

Thierstein'sche Friedrich von Fleckenstein zum Oberbefehlshaber ernannt.

Damit war der Kriegsrath zu Ende. Die Herren wollten nach einer

flüchtigen Begrüßung der Rappoltstein'schen Damen die St. Ulrichsburg

sofort wieder verlassen, um in den nöthigen Anordnungen nur ja nichts

zu versäumen, und Schmasman versuchte unter diesen Umständen auch

nicht, seine Gäste und Bundesgenossen länger bei sich zu halten. So

ritten sie denn mitsammen ab. --

Der junge Kesselflicker lag noch immer auf der Lauer am Wege, aber

jetzt ohne auch nur zum Schein noch zu arbeiten und an einer anderen

Stelle als vorher, höher hinauf im Walde und mehr durch Gesträuch

gedeckt, wo er weniger gesehen werden und besser hören konnte, was die

zurückkehrenden Herren etwa unter einander reden würden.

Als sie an ihm vorüber kamen, hörte er Hermann von Hattstadt zu dem

neben ihm reitenden Johann von Kageneck sagen: »Ich glaube nicht, daß

sie vor vier, fünf Tagen kommen.« Kageneck antwortete: »So denk' ich

auch, und es ist ganz in meinem Sinne, daß wir ihnen entgegenziehen

und ihnen die Feldschlacht bieten.« Mehr konnte der Lauscher vor dem

Schnauben und Hufgetrappel der Pferde nicht verstehen.

Sobald die Reiter außer Sicht waren, sprach er zu sich: »Also vier

Tage dünken die sich noch sicher. Nun Beine in die Hand nehmen und

laufen, laufen, daß ihnen schon in zwei Tagen auf Hals kommen.« Eine

gute Weile blieb er in seinem Versteck noch liegen; dann kroch er, den

beschädigten Topf wegwerfend, daraus hervor und wollte sich auf den

Heimweg machen.

Da hörte er den Berg herunterkommende Schritte. Er lugte behutsam

um einen Baumstamm und erkannte in dem Nahenden zu seinem Schrecken

den Grafen Egenolf. Was jetzt thun? fliehen oder bleiben? Zwei

Möglichkeiten schossen ihm durch den Kopf, wie dieses unerwünschte

Wiedersehen enden konnte, und rasch entschlossen ging er dem allein

Daherwandelnden entgegen.

Als beide zusammentrafen, redete der bergan Steigende mit soviel wie

möglich verstellter Sprechweise den Herabkommenden an und fragte:

»Verzeiht, Herr! geht es hier hinauf zur Ulrichsburg?«

Egenolf, in seinen Gedanken mit weit abliegenden Dingen beschäftigt,

gab, ohne sich den Frager recht anzusehen, kurz zur Antwort: »Ja; was

willst Du dort?«

»Armer Kesselflicker findet da vielleicht Arbeit.«

Egenolf lachte: »Auf der Ulrichsburg werden wohl Kessel und Töpfe

zerbeult und zerbrochen, aber nicht wieder geflickt.«

»Will's doch versuchen, Herr. Ist's noch weit hinauf zur Burg? bin

müde, möchte dort oben ruhen und rasten.«

Dem Grafen klang aus der Stimme des jungen Kesselflickers etwas ins

Ohr, das ihn seltsam berührte wie eine fern auftauchende Erinnerung.

»Wo kommst Du her?« frug er, den halb Vermummten nun aufmerksamer

betrachtend.

»Habe keine Heimstatt, Herr, muß wandern und wandern, mein Brod zu

verdienen.«

Immer mehr fühlte sich Egenolf von dieser Stimme betroffen, und

gespannt frug er: »Bursch, wo haben wir uns schon gesehen?«

Da riß der Gesell die Mütze vom Kopf und das Tuch vom Gesicht, wischte

sich damit schnell den Ruß von der Wange und lachte: »Kennt mich Graf

Egenolf jetzt?«

Egenolf starrte den ihm keck Gegenüberstehenden eine Sekunde lang

sprachlos an, bis er zornbebend losbrach: »Haschop! -- Du -- Du wagst

es, meine Wege zu kreuzen?«

»Haschop wagt es,« sprach das verkleidete Mädchen zutraulich.

»Weißt Du nicht, Unglückliche, daß ich Dir den Tod geschworen habe, wo

ich Dich finde?«

»Hat mir Vater gesagt, glaub's aber nicht. Graf Egenolf mordet seine

Haschop nicht,« erwiederte sie mit einem innigen Blick.

»Ich thu's!« rief er in gärender Wuth und machte eine Bewegung, als

wollte er sich auf sie stürzen, die, ihn fest im Auge behaltend, sich

nicht von der Stelle rührte. »Wolltest Du doch die Gräfin Leontine

ermorden, Giftmischerin!«

»Nein, o nein!« entgegnete sie rasch, »war kein Gift, wollte schöne,

stolze Gräfin nur lützel erschrecken zum Entgelt für Peitschenhieb vom

Pferd herab. Und -- Ihr wißt nicht, wie's thut, verlassen werden von

Einem, der vormals --«

»Schweig!« unterbrach er sie heftig. Aber er selber schwieg jetzt,

verwirrt nach Worten suchend. Sein Athem flog, seine Hände zuckten

wie zum Erwürgen bereit. Endlich stieß er, sich mühsam beherrschend

hervor: »Was schaffst Du hier? wozu bist Du gekommen? Du bist Deines

Lebens keinen Tag sicher hier, und wenn ich auch meine Hand nicht mit

Deinem Blute beflecken will, so bist Du doch verloren, wenn Dich der

Pfeiferkönig entdeckt. Ich kann Dich nicht schützen, und ich will es

auch nicht.«

»In dieser Tracht sucht mich Niemand,« sagte sie, gefallsüchtig auf

das Ebenmaß ihres schlanken Wuchses zeigend, »nicht mal Ihr kanntet

Eure Haschop.« Unwillig furchte er die Stirn. Sie aber fuhr mit

schmeichlerischem Ton und einem verführerischen Lächeln fort: »Und

was ich hier will? Euch noch einmal sehen, Graf Egenolf, letztes Mal,

Abschied nehmen auf ewig, oder -- oder soll ich -- soll ich bleiben und

wieder --?«

»Bist Du von Sinnen?« brauste er auf. »Nicht mehr denken will ich an

Dich. Fort, fort! laß Dich nie mehr blicken! Du bist todt für mich,

todt und vergessen, -- mußt es sein.«

»Muß ich sein? todt und vergessen?« Ein unheimliches Licht flackerte in

den Augen der Zigeunerin auf, das aber schnell wieder erlosch. »Dann

lebt wohl, Graf Egenolf!« sprach sie wehmüthig und fügte bittend hinzu:

»Nur diesen einen noch, den letzten, allerletzten!« Und mit sehnsüchtig

ausgebreiteten Armen und verlangenden Lippen näherte sie sich ihm in

zitternder Erregung.

Er wies sie schroff ab, einen Schritt von ihr zurückweichend.

Da flammten Haß und lechzende Rachgier unter ihren schwarzen Brauen

hervor, und mit einem Panthersprunge warf sie sich auf ihn. Mit ihrem

linken Arm umschlang sie seinen Nacken, und im gleichen Augenblick

fühlte er unversehens einen Kuß auf seinem Munde und einen Messerstich

an seiner Hüfte. Egenolf wollte die Tückische packen und festhalten,

aber schlangenhaft geschmeidig entglitt sie ihm, und hohnlachend: »Nun

wirst an mich denken!« floh sie in das Gebüsch, gleich so spurlos darin

verschwindend, daß er sie nicht verfolgen konnte.

Er stand regungslos, wie betäubt von dem mordlichen Überfall und bohrte

den Blick in den schweigenden Wald. Da spürte er es feucht werden

unter seiner Gewandung. Das brachte ihn zum Bewußtsein dessen, was

geschehen war, und er preßte die Hand auf die Wunde, das sickernde

Blut zu dämmen. Der Stoß war niedriger gegangen, als er gezielt war,

hatte den Knochen getroffen und war daher nur wenig eingedrungen; zwei

Daumenbreit höher, und er wäre verhängnißvoll geworden. Egenolf wandte

sich und schritt eilig wieder bergan.

Unterwegs stieg ihm die Vermuthung auf, die sich allmählich zur

Überzeugung steigerte, daß Haschop nicht seinetwegen gekommen war zu

dem Versuche, wieder mit ihm anzubandeln, sondern als von Rathsamhausen

entsandte Späherin, die jeden Weg und Steg hier kennend zu solchem

Dienste durchaus geeignet war. Er mußte es seinem Vater mittheilen, daß

sie hier in unmittelbarer Nähe der Burg umlauert und beobachtet wurden,

damit man seine Maßregeln danach treffen konnte. Aber die Zigeunerin

nennen und seinem Vater den Verlauf seiner Begegnung mit ihr erzählen

durfte er nicht und sann nun darüber nach, wie er seinen Bericht über

das Erlebniß, das ihn doch tiefer erschüttert hatte, als er sich selber

eingestehen mochte, gestalten sollte.

Auf der St. Ulrichsburg kleidete er sich um und verband sich die Wunde,

die ihm trotz des Schmerzes, den sie ihm verursachte, von so geringer

Bedeutung schien, daß er hoffte, sie den Seinigen verheimlichen zu

können.

Darauf begab er sich zu seinem Vater und meldete ihm die gemachte

Entdeckung mit den Worten: »Vater, wir werden auskundschaftet; unweit

des Burgweges sah ich einen Kesselflicker umherschleichen. Er kann

leicht erlauscht haben, was die von hier abreitenden Herren etwa über

den Kriegsrath unter einander gesprochen haben.«

»Einen Kesselflicker? also einen von Burkhards rußigen

Schutzbefohlenen,« sagte Schmasman. »Warum hast Du ihn nicht

festgenommen und eingebracht? vielleicht hätte man Geständnisse von ihm

erpressen können.«

»Ich konnte ihn nicht greifen; er verschwand blitzschnell im Walde, so

daß nichts mehr von ihm zu sehen war,« gab Egenolf verlegen zur Antwort.

»Schade! da müssen wir nun auf unserer Hut sein und unsere Bereitschaft

mit doppelter Eile betreiben,« sprach Schmasman. »Habe Dank für Deine

Wachsamkeit!«

»Es war ja nur ein Zufall, Vater, daß ich den Kesselflicker sah,«

erwiederte Egenolf und schied aus seines Vaters Gemach mit ernsten

Gedanken über das, was er verschwiegen hatte.

Aber etwas Gutes hatte das gefährliche Abenteuer doch zur Folge, -- die

Beschleunigung der Schlagfertigkeit. Damit tröstete er sich über die

empfangene Wunde, und es däuchte ihm eine günstige Vorbedeutung, als

wäre er durch dieses kleine Opfer an vergossenem Blut nun gegen eine

Verwundung in dem bevorstehenden Kampfe gefeit.

Die Hohkönigsburg: Eine Fehdegeschichte aus dem Wasgau · 第 38 / 49 题