Erster Auftritt

Zimbeln und Flöten und verworrener Volkszuruf in der Ferne. Rhamnes

stürzt herein.

Rhamnes.

Auf, auf vom weichen Schlaf! Sie kommt, sie naht!

O daß doch nur die Wünsche Flügel haben

Und träg der Fuß, indes das Herz lebendig.

Heraus ihr faulen Mädchen! Zögert ihr?

Der trifft euch nicht, der Jugend vorschnell nennt.

(Eucharis, Melitta und Dienerinnen aus dem Säulengange.)

Melitta.

Was schiltst du uns, da sind wir ja!

Rhamnes.

Sie naht.

Melitta.

Wer?--Götter!

Rhamnes.

Sappho naht!

Geschrei (von innen).

Heil, Sappho, Heil!

Rhamnes.

Jawohl, Heil, Sappho, Heil! Du braves Volk!

Melitta.

Doch was bedeutet--

Rhamnes.

Nun bei allen Göttern

Was frägt das Mädchen auch so wunderlich.

Sie kehret von Olympia, hat den Kranz,

Den Kranz des Sieges hat sie sich errungen;

Im Angesicht des ganzen Griechenlands,

Als Zeugen edlen Wettkampfs dort versammelt,

Ward ihr der Dichtkunst, des Gesanges Preis.

Drum eilt das Volk ihr jauchzend nun entgegen,

Schickt auf des Jubels breiten Fittichen

Den Namen der Beglückten zu den Wolken.

Und diese Hand war's, ach, und dieser Mund,

Der sie zuerst der Leier Sprach' entlocken

Und des Gesanges regellose Freiheit

Mit süßem Band des Wohllauts binden lehrte.

Volk (von innen).

Heil Sappho, Sappho Heil!

Rhamnes (zu den Mädchen).

So freut euch doch!

Seht ihr den Kranz?

Melitta.

Ich sehe Sappho nur!

Wir wollen ihr entgegen!

Rhamnes.

Bleibt nur, bleibt!

Was soll ihr eurer Freude schlechter Zoll?

Sie ist an andern Beifall nun gewohnt!

Bereitet lieber alles drin im Hause,

Nur dienend ehrt der Diener seinen Herrn.

Melitta.

Siehst du an ihrer Seite--

Rhamnes.

Was?

Melitta.

Siehst du?

Hoch eine andre, glänzende Gestalt,

Wie man der Leier und des Bogens Gott

Zu bilden pflegt!

Rhamnes.

Ich sehe! Doch ihr geht!

Melitta.

Und erst nur riefst du uns!

Rhamnes.

Ich rief euch, ja!

Ihr solltet wissen, daß die Herrin naht,

Ihr solltet wissen, daß euch Freude Pflicht,

Doch freuen mögt ihr euch nur drin im Haus.

Der Mann mag das Geliebte laut begrüßen,

Geschäftig für sein Wohl liebt still das Weib.

Melitta.

So laß uns nur--

Rhamnes.

Nicht doch! Nur fort, nur fort!

(Er treibt die Mädchen fort.)

Nun mag sie kommen, nun wird Albernheit

Ihr vorlaut nicht die schöne Feier stören.

Sappho(#9062) · 第 4 / 40 题