Der Nürnberger Herd (_lat. focus, foculare, focarium_[197]) tritt
uns in allen bekannt gewordenen Fällen in einer Form entgegen, die
überhaupt einen Abschluß in seiner Entwicklung bezeichnet. Er ist
von Grund auf aus Backsteinen erbaut, wie wir denn auch schon in
Anton Tuchers Haushaltbuch (Bibliothek des Litterarischen Vereins in
Stuttgart CXXXIV. 1877. S. 101) zum Jahre 1513 die Bemerkung finden:
»_Item adi 2 settember .. für kalg und 8 hertstain mein kuchenhert czu
pessern 2 [Symbol: Pfund] 20 [Symbol: Pfennig]._« Der Kern des Herdes
ist hohl, so daß man diesen Innenraum, zu dem der Zugang durch gewölbte
Öffnungen in den Herdwänden vermittelt wurde, dazu benützte, um
dortselbst einen Vorrat Brennholz aufzubewahren und zu trocknen (vergl.
Fig. 1, 2, 4 u. 5, ferner ~Boesch~, Ein süddeutsches bürgerliches
Wohnhaus vom Beginne des 18. Jahrhunderts. Mitteilungen 1897. S. 62
Taf. IX.). Die erwähnte Öffnung ist an dem Herde des Puppenhauses B.
mit einer großen Holzthür verschlossen, E. hat eine zweiflüglige Thür
und bei D. verschließen gar vier große schwarz gestrichene Holzthüren
den inneren Herdraum.
Nur ein Herd ist mir bekannt geworden, der die angegebenen
Eigenschaften nicht aufweist. Derjenige nämlich im Frhr. von
Fürer’schen Schlosse zu Haimendorf, der eine Breite von 1,40 m.,
eine Länge von 2,90 m. und eine Höhe von 0,58 m. besitzt, hat eine
~Herdplatte~ die aus einem einzigen großen Sandsteine besteht, der
hinten auf einer Mauerleiste, vorn aber auf drei Sandsteinfüßen ruht
(vergl. Fig. 6), wodurch der Herd eine tischförmige Gestalt bekommt,
ähnlich wie der siebenbürgisch-sächsische Herd eines Bauernhauses in
Grossau, den J. R. Bünker in den »Mitteilungen der Anthropologisehen
Gesellschaft in Wien« XXIX. S. 219 beschrieben und Fig. 83 abgebildet
hat.
In allen übrigen Fällen fand sich eine gemauerte Herdplatte, deren
äußerer Rand, abgesehen von der Wandseite, mit einer Holzleiste von
etwa 20 cm. Breite eingefaßt ist. Diese ~Holzumrahmung~ ist bei A.
(vgl. Fig. 4) C. und D. blendend weiß angestrichen, und man kann sich
denken, daß die Hausfrau ihren Stolz darein setzte, die Kante stets
blitzsauber zu erhalten[198].
Nun aber zeigen schon Fig. 4 u. 5, daß jene Kante zum Teil eine
Unterbrechung erleidet durch ein aus Backstein aufgeführtes
~Herdmäuerchen~, welches um eine Backsteinhöhe, also ca. 8 cm.,
den Herdrand überragt. Bei B. legt es sich über die halbe Breitseite
des Herdes, ähnlich wie es auch bei Bösch a. a. O. Taf. IX. an der
linken Herdseite vorhanden zu sein scheint, bei D. läuft es über die
ganze rechte Seite, bei A. (Fig. 4) liegt es an der Rückwand und
springt noch um etwa ein Drittel der rechten Seitenwand vor. Auf diesem
Vorsprunge ist es zu der Höhe von vier Backsteinlagen also ca. 32 cm.
ausgewachsen und strebt, treppenförmig abgesetzt, mit vier Stufen zur
Küchenwand empor. Ähnlich ist bei F. rechts und links ein dreistufiger
Aufbau. Selbst bei H. (vgl. Fig. 5) wo schon ein neuer Abschnitt in der
Entwicklung des Herdes sich darstellt, zeigen sich die Ausläufer des
Herdmäuerchens, das nur bei E. fehlt.
[Illustration: Fig. 4. Herd des Puppenhauses A.]
J. R. ~Büncker~ hat dieses Herdmäuerchen auch im
siebenbürgisch-sächsischen Bauernhause vorgefunden, wo es noch heute
den alten Namen »_willestein_« führt. Jedenfalls ist es eine sehr alte
Vorrichtung, und zufälliger Weise trifft eine der wenigen bekannt
gewordenen Erwähnungen derselben für bayrisches Gebiet zu, wenn im 12.
Jahrhundert »_wihelstain_« glossiert wird durch: »_taedifer, lapis vel
ferrum super quo ponunter taedae_« (Schmeller-Frommann, Bayerisches
Wörterbuch^2 II, 882)[199]. Leider ist es mir nicht gelungen, neues
Material zur Geschichte des »_wihelstaines_« ausfindig zu machen, und
so muß ich mich begnügen, einiges von dem hier abzudrucken, was in Joh.
Wolff’s »Vorarbeiten zum siebenbürgisch-deutschen Wörterbuche« (aus
dem Nachlaß abgedruckt im »Archiv des Vereines für siebenbürgische
Landeskunde« N. F. XXVII, 3. Heft 1897) sich darüber findet. Dortselbst
heißt es auf Seite 648: »_willestein (wiləštein, -štin_) m.
Herdstein, halbspannenhoher Block aus Lehm und Ziegelstücken an der
Feuerstatt, auf welchen das vordere Ende der Brände gelegt wird; das
hintere Ende liegt auf dem _brantert_[200]. Obwohl vielerorts verdrängt
durch andere Ausdrücke, namentlich durch _wiləštīsken_ und
einfaches _štīskən_ (Stösschen, An-, Aufsatz), die man zur
Bezeichnung des Mäuerchens, an dem nichts von Stein ist, passender
gefunden hat, und obwohl mit dem alten Ofen auch der Wilstein mehr und
mehr verschwindet, so hat sich das Wort dennoch in vielen Gemeinden
des alten Stuhlslandes bis heute behauptet;... In Deutschland ist das
Wort, wie es scheint, erloschen; im 15. Jahrhundert muß es auch dort,
gewiß in Mittelfranken, noch bestanden haben. Ein Weistum von Bacharach
(zwischen Bingen und St. Goar am linken Rheinufer) bestimmt 1407:
Wär es, daß einer einen anderen erschlüge, so soll der Schultheiss
und ein Vogt sein Haus schliessen, und _waz von farender habe da
innen funden wurde vom wilstein an bis zur fursten usz, daz sij der
herren_ (Grimm, Weist. 2, 217 f.)... In anderer beachtenswerter Form
kennen wir den Ausdruck seit kurzem auch aus der Schweiz. Der Herd
ist im sogen. burgundischen Hause meist von ungefähr zwei Fuß hohen
Steinplatten eingefaßt. An dieser Einfassung ist in einigen Dörfern
des Kantons Bern die Benennung _bilstein_ haften geblieben... Darnach
stammt der Ausdruck aus einer Zeit, wo auch im deutschen Hause wie
hierlands in der Hirten- und Zigeunerhütte heute noch die blanke Erde
(der _iərən_) die Feuerstätte war und ein Steinkreis den Feuerraum
umschloß.«
Diese Auslassungen sind für ein Wörterbuch geschrieben und gehen aus
von dem Interesse für das Wort. Zu der Geschichte des Wilsteines als
Gegenstand bleibt uns jedoch noch manches zu bemerken. Zunächst betone
ich im Gegensatze zu Wolff nochmals, daß in den Puppenhäusern der
Wilstein offenbar als aus Backsteinen aufgeführt durch die Bemalung
charakterisiert wird, wie es denn überhaupt von vornherein nicht
glaublich erscheint, daß eine mit _-stein_ zusammengesetzte Bezeichnung
an einem Gegenstande sich hätte halten sollen, »an dem nichts von Stein
ist«. Wir werden im Gegenteil nachher sehen, wie sich alsbald eine neue
Bezeichnung durchringt, nachdem durch eine Änderung im Material auch
der alte Name unzutreffend geworden war. Ferner kann ich die Frage
nach dem Zwecke des Wilsteines durch Wolffs Bemerkungen noch nicht für
endgiltig erledigt halten. Es ist leider nicht ersichtlich, ob Wolff
die von ihm beschriebene Benützung selbst gesehen hat, nach der das
eine Ende der Brände auf dem Wilstein, das andere auf dem Feuerbock
liegt. Eine Bemerkung darüber wäre sehr wünschenswert gewesen, mir
wenigstens scheint diese Feuerungsart kaum glaublich zu sein, weil
sie wegen allzustarken Zuges entschieden höchst unvorteilhaft gewesen
wäre. Die einfachsten Sparsamkeitsrücksichten weisen darauf hin, daß
man das eine Ende der Holzscheite auf den Wilstein legt, das andere
aber unmittelbar auf den Feuerungsboden, das ist in unserem Falle die
Herdplatte. Diese Art, die einzelnen Brände einseitig hoch zu legen,
ist meines Wissens in der That überall gebräuchlich, wo man am offenen
Feuer kocht. Natürlich ist dadurch nicht ausgeschlossen, daß man in der
ganzen Reihe der Brände abwechselnd das rechte und dann das linke Ende
der einzelnen Scheite hochlegt, indem man dem Wilstein parallel noch
einen Feuerbock oder einen einfachen Stein aufstellt[201].
So viel scheint mir dagegen mit Sicherheit aus Wolff’s
Zusammenstellungen hervorzugehen, daß wir ~in dem Wilstein den
Vorläufer des Feuerbockes zu erkennen haben~, der dadurch
charakterisiert ist, daß er als Teil des Herdes mit dem Mauerwerk
desselben organisch verbunden war. Wenn nun zu dem Wilstein noch ein
zweiter durch irgendwelche praktische Bedürfnisse erforderter, in
der oben geschilderten Weise parallel zu ihm aufgestellter Stein als
Scheitunterlage hinzu kam, so ging auch auf diesen, der jetzt frei
beweglich war, die Bezeichnung »Wilstein« über, ja sie wurde sogar --
sprachlich betrachtet mit Unrecht -- auch angewandt auf das »_ferum,
super quo ponuntur taedae_«, wie die oben angeführte Glosse beweist.
Wie lange es dauerte, bis sich für dieses Eisen die Bezeichnung
»Feuerbock« in Nürnberg festsetzte, weiß ich nicht. Ich werde später
darauf zurückkommen. ~Unter dem Namen des »Feuerbockes« versah das
neue Eisen die Funktionen des »Wilsteines«, der seinen alten Namen
bewahrte, im übrigen aber~, zumal wo zwei Feuerböcke auf dem Herde
standen, ~nutzlos wurde~. Nutzlos, so scheint es mir, wurde der
alte Wilstein Jahrhunderte lang fortgeerbt, und er konnte sich nur
deshalb so lange erhalten, weil der Herd sich des in der Einleitung
geschilderten konservativen Verhaltens unserer Vorfahren zu erfreuen
hatte, die mit ihm gewisse rechtliche Begriffe verbanden, wie die aus
dem Bacharacher Weistume von Wolff zitierte »zweifellos formelhafte
Wendung«: _vom wilstein an bis zur fursten usz_ zur Genüge beweist.
Diese rechtlichen Rücksichten wurden -- was übrigens auch durchaus
nicht überraschend ist -- noch durch religiöse Beziehungen unterstützt.
Eine bei Schmeller a. a. O. angeführte, aus dem 14. Jahrhundert
stammende Glosse »_lar: wihelstain_«, scheint mir dafür beweiskräftig
zu sein. Zwar ließe sich einwenden, daß _lar_ in diesem Falle nur
schlechthin »Herd« bedeute, dagegen ist jedoch zu bemerken, daß dann
»_wihelstain_« geradezu die Bedeutung des »Herdes« angenommen haben
müßte, was anderweitig nicht bezeugt ist, vor allem aber spricht
der Umstand dagegen, daß an der betreffenden Stelle auch »_focus:
fiurstat_« besonders aufgeführt ist. Man müßte hier also bei _lar_ die
mythologischen Beziehungen empfinden, -- vergl. _lares_ und _penates_
ahd. _hûsgota_ oder _herdgota_. Graff 4, 151 -- und daraus, daß man es
mit _wihelstain_ glossierte, erhellt, daß auch der Wilstein der Träger
solcher mythologischen Beziehungen war (s. o. S. 166 Anm. 12.)
Man sieht, die wenigen Erwähnungen des Wilsteines gruppieren sich
doch so glücklich zu einander, daß wir über Zweck und Bedeutung
desselben eine Reihe von Vermutungen aufstellen können, die den
Vorzug großer Wahrscheinlichkeit besitzen. Alles jedoch klärt sich
nicht, denn die Frage muß unbeantwortet bleiben, welchen Zweck der
oben geschilderte treppenförmige Ausbau des Wilsteines (vgl. Fig. 4)
gehabt habe. Die Möglichkeit, daß er als Untersatz für die erste Form
des Bratspießlagers gedient hätte, der wir später begegnen werden,
und dessen höhere oder niedere Aufstellung er reguliert hätte, daß er
dann später nutzlos geworden, aber gleich dem eigentlichen Wilstein
gewohnheitsmäßig beibehalten wäre, diese Möglichkeit will ich als eine
sonst nicht zu begründende Vermutung hier nur andeuten. --
[Illustration: Fig. 5. Herd des Puppenhauses H.]
Die einfache Herdplatte genügte nun den Ansprüchen der Kochkunst
nicht auf die Dauer, schon am Ausgange des Mittelalters muß eine
Ergänzung des einfachen Herdes vorgenommen sein, die in größeren
Küchen wenigstens seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts des öfteren
angetroffen wird: zu der Herdplatte kam, entweder unmittelbar auf
dieselbe aufgesetzt, oder doch dicht an den Herd herangebaut, ein
~Backofen~. Zwar ist das Backen von allerlei Speisen im Ofen gewiß
so lange bekannt, als es überhaupt Bäckeröfen gab, aber diese großen
Backöfen waren früher auch wohl die einzige Gelegenheit, mit der man
gebackene Speisen bereiten konnte. In manchen Gegenden Deutschlands
werden ja heute noch die seltenen Festbraten beim Bäcker gebacken[202],
und bis auf diesen Tag schickt jeder Nürnberger sein Spanferkel zum
Bäcker, weil die eigene Bratröhre entweder gar nicht oder nur mit
übermäßig starkem Feuerungsverbrauch zu der nötigen intensiven Wärme
erhitzt werden kann. Diese Abhängigkeit vom Bäcker war aber auf die
Dauer für größere Küchenansprüche unerträglich, und so entstanden die
kleineren Bratöfen in der Küche. Schon in dem, aus einer Würzburger
Pergamenthandschrift des 14. Jahrhunderts entnommenen »~Buche von
guter Speise~« (hrsg. Bibliothek d. Lit. Ver. Stuttgart. IX.
1844) findet sich so oft die Bemerkung: »_schiuzzez in einen ofen
und laz in backen_«[203], daß man versucht ist, schon für jene Zeit
die Möglichkeit eigener Küchenbacköfen anzunehmen, wie denn ein
Jahrhundert später, im Jahre 1450, nach der von ~Meringer~ und
~Bancalari~ angezogenen Stelle aus ~Aeneas Silvius~ die
Unterscheidung von Back- und Stubenöfen in Österreich bezeugt ist[204].
Wenn allerdings Anton Tucher an der schon oben zitierten Stelle
zum 2. Sept. 1513 (a. a. O. S. 101/2) notiert: »_fur kalg und 8
herdstain mein kuchenhert czu pessern 2_ [Symbol: Pfund] _20_ [Symbol:
Pfennig]«, für ein taglun dem Kuncz stainmecz, auch mein ofenschlott
czu pessern, thut alles 7 [Symbol: Pfund], »_mee darein 2 grosze
eiszne ofenplech 4_ [Symbol: Pfund] _5_ [Symbol: Pfennig]«[205] so
scheint mir doch wegen der Art, wie Tucher sich ausdrückt, fraglich
zu sein, ob die _ofenplech_ zu dem _kuchenhert_ gehörten. A. Schulz,
a. a. O. S. 114 und ebenso Grimm W. B. VII, 1162 halten freilich die
Zusammengehörigkeit für so selbstverständlich, daß sie die nicht cursiv
gedruckte Stelle ruhig streichen, ohne auch nur die Lücke irgendwie
anzudeuten. Für das folgende Jahr 1514, welches als Druckjahr des
~Straßburger Hausratgedichtes~ angenommen wird, haben wir dann aber
einen sicheren Beleg, wenn es dortselbst fol. c. Ia (Hampe a. a. O.)
heißt:
»_Ein oͤfelin ist guͦt zuͦ fladen bachen
Vnd eyns dar vff man vil der wasser brynt_.«
[Illustration: Fig. 6. Herd des v. Fürer’schen Schlosses in Haimendorf.]
Der Herd in Haimendorf (Fig. 6) sowohl wie auch derjenige auf dem
von Boesch a. a. O. Tafel IX. reproduzierten Blatte zeigen diese
Erweiterung, der erstere außerdem noch einen eingemauerten Waschkessel,
der letztere noch einen Aufsatz, den ich für eine Aschengrube halten
möchte. Auch »~Die Nürnbergische wohl unterwiesene Köchin~.
Nürnberg. G. N. Raspe 1779« setzt den Backofen offenbar als weit
verbreitet voraus, sie behandelt das Braten am Spieß oder im
»~Oefelein~« als gleichwertig, wenn sie z. B. S. 480 bei der
Vorschrift, »Einen Pohlnischen Braten zu machen« sagt: »_stecke ihn an
einen Spiesz oder brate ihn im Oefelein_«. Noch heute heißt das mit dem
Sparherde verbundene Bratrohr bei Nürnberg das »_Ufla_«[206].
Nach alle dem würde ich immerhin zweifelhaft sein, ob ich mich der
von J. R. ~Bünker~, a. a. O. S. 207 -- bei der Beschreibung des
dortselbst unter Fig. 62 abgebildeten Herdes -- ausgesprochenen Ansicht
anschließen sollte, wo es heißt: »Der im Hintergrunde des Herdes links
stehende Branntweinbrennkessel und die rechts stehende Aschengrube sind
neue Zuthaten«. Oder wenn die Erhaltung der betr. Objekte ihr kurzes
Alter klar erwiese, so würde sich wenigstens die Frage erheben, ob sie
nicht auch in früherer Zeit schon möglich gewesen wäre, was mir nach
den obigen Ausführungen durchaus nicht unwahrscheinlich ist. --
Den interessanten Herd des Puppenhauses H bilde ich in Fig. 5 ab.
Ungefähr ein Drittel der Herdfläche ist mit einer Eisenplatte (a)
überdeckt, die von einer größeren Kupferplatte (b) umschlossen ist,
welche den ganzen übrigen Teil der Herdfläche bedeckt. Der Wilstein (c)
umfaßt in der aus der Zeichnung ersichtlichen Weise die Wandseite des
Herdes. An dieser Seite ist auch -- und das scheint mir das Wichtigste
an diesem Herde zu sein -- der Bratofen in das Innere des früher
völlig hohlen Herdraumes verlegt: d. ist die Öffnung der Bratröhre,
e. das Feuerloch und f. der Aschenkasten. In der hinteren Ecke der
Kupferplatte b. bildet g. das Loch für den Rauchabzug. Deutlich sieht
man hier die Ansätze zu der neuen Entwicklung, die das Erscheinen
des modernen Sparherdes vorbereitete. -- An der inneren Seite von c
(oberhalb der Bratröhre d) befindet sich ein Krampen, dessen Bestimmung
mir nicht klar ist. Aus Rücksicht auf ihn ist an der entsprechenden
Stelle der Eisenplatte a ein viereckiger Einschnitt ausgespart, damit
sie beim Abheben ungehindert über den Krampen hinweg gleiten kann. --
Von den übrigen Teilen der Herdausrüstung bleibt mir nur noch wenig
zu sagen. Über den Herd, der bei A. E. G. und in Haimendorf in der
Mitte der Wand, bei B. C. D. und F. in einer Ecke der Küche steht
(vgl. auch Fig. 1 u. 2), spannt sich die Kutten (vgl. Schmeller I,
1312), der weite ~Rauchmantel~[207] (_infumibulum_[208]), der in
Haimendorf an seinen beiden vorderen Ecken noch durch eine von der
Decke herabsteigende Eisenstange getragen wird. Um den Rauchmantel
ziehen sich mehrere Holzrahmen zum Aufstellen von Kochgeschirren,
ebenso finden sich bei D. und E. an der unteren inneren Kante des
Rauchmantels eine Reihe nach innen vorstehender Holzpflöcke zum
Anhängen von Gerätschaften. -- Erwähnen will ich wenigstens eine Stelle
aus Grimm, W. B. II, 296, wo es heißt: »_brände heißen auch die zwei
hölzer im rauchfang, woran man das fleisch hängt_«. Ich habe den Namen
hier freilich nicht konstatieren können.
Vom Rauchmantel aus steigt der Rauch in den Schlot[209]. Derselbe ist
in den Steinhäusern von Stein, wie denn Anton Tucher (a. a. O. S.
101) im Jahre 1513 seinen Schlot vom Steinmetzen ausbessern läßt, in
Holzhäusern aber hat sich der hölzerne Schlot sehr lange erhalten.
~Heyne~ hat schon auf die von ~Schmeiler~ II, 537 zitierte
Würzburgische Feuer-Ordnung verwiesen, die im Jahre 1721 erlassen und
noch 1790 erneuert wurde, nach der die hölzernen Schlõte zusammen mit
den Strohdächern verboten wurden.
Hölzern wie vielfach der Schlot ist nun auch das ~Ofenrohr~,
das in den drei angezogenen Nürnbergischen Dichterstellen (s. o.
pg. 130-132) sich findet, und das von der »Haushalterin« pg. 202
ausdrücklich unter den Geräten »von Holtz-werck« genannt wird. So fügt
es sich denn auch ganz gut in die Reihe der übrigen Holzgeräte ein,
wo es A. ~Schultz~ (a. a. O. S. 118) nicht in den Zusammenhang
zu passen schien[210]. Gerade das »Oefelein«, der Bratofen, hatte
diesen bis zum Ansatz des Schlotes oder auch nur ein Stück an der Wand
sich heraufziehenden Rauchabzug (vgl. ~Boesch~ a. a. O. Taf. IX)
sehr nötig, da es sonst wohl an dem wünschenswerten Durchzuge gefehlt
hätte. Einen eigenen Schornstein brauchte das Ofenrohr natürlich nicht,
sondern es ließ seinen Rauch mit durch den Herdschlot aufsteigen, eine
Einrichtung, die völlig dem üblichen Gebrauche entsprach, der sogar den
Rauch von den Feuerstellen dreier verschiedener Stuben in einen Schlot
leiten konnte, wie es z. B. für Freising schon im Jahre 1335 bezeugt
ist (vgl. Heyne, a. a. O. S. 240 Anm. 109).
Neben Herd und Öfelein steht nun -- nicht nur zu Heiz- sondern auch
zu Kochzwecken verwandt -- die unter dem Eisenwerk aufgeführte
»~Glut~- oder ~Kohlpfanne~« (lat. _arula, batilla, foculus,
ignitabulum_), die ein sehr häufig genanntes Gerät ist[211]. Außer den
eisernen muß es aber auch schon seit alters solche aus Thon gegeben
haben, der Name ~Glut~- oder ~Feuerhafen~, der des öfteren
bezeugt ist (Grimm W. B. III, 1593), beweist das, denn »unter hafen
ohne näheren adjectivischen zusatz versteht man in der regel nur
den irdenen topf, wie man auch bei topf zunächst an einen irdenen
denkt«[212]. Ebenso kann man die Bezeichnung »_glut-scherb_«, die für
Nieder-Altaich bezeugt ist (Dieffenbach 52b unter _arula_) zum Beweise
anführen, allein es bedarf dessen kaum, denn Dürers bekannter Stich
vom Jahre 1514 »Melencolia« zeigt am linken Rande deutlich einen mit
einem Handgriffe versehenen irdenen Feuertopf, über dessen Glut ein
Schmelztiegel aufgestellt ist, und bis heute haben sich die irdenen
Gluthäfen im Gebrauche der Nürnbergischen Marktfrauen erhalten.
Denjenigen in der Küche von Haimendorf bilde ich Fig. 7 ab.
Die eisernen Glutpfannen treten uns in zwei verschiedenen Formen
entgegen. Die erste finden wir z. B. bei A. (vgl. Fig. 8.) Der
eigentliche Kohlenkasten, an den Seiten mit Luftlöchern versehen, hat
innen einen Rost, auf dem die Kohlen liegen, und ist oben mit einem
Gitterwerk zum Aufsetzen der Häfen ausgestattet. Um zu verhüten, daß
die durch die Luftlöcher fallende Asche das Zimmer beschmutzt, steht
der mit einem hölzernen Handgriffe versehene Boden des Kohlenkastens an
den Seiten über -- ähnlich wie bei unseren Vogelbauern --. Der Kasten
ruht auf vier Beinen, die unten umgebogen sind, und an den oberen
Enden, blattförmig ausgezogen, der Pfanne eine Art Bekrönung verleihen.
Dieser Blattschmuck -- künstlerisch mehr oder weniger vollendet --
scheint ein durchgehendes Charakteristikum dieser Glutpfannen zu sein,
er findet sich noch bei B. und G., sowie in der Küche des Museums,
ferner in etwas veränderter Form bei der auch sonst abweichenden
Glutpfanne von C. (vgl. Fig. 9.)
Die zweite vornehmere Form der Glutpfannen, die gewiß weniger der Küche
als dem Wohnzimmer angehört, wird repräsentiert durch ein im Nürnberger
Saal des Museums (Zimmer 43) befindliches Exemplar (Fig. 10). Dasselbe
besteht in einem Kohlenbecken mit blumenförmig angeordneten Luftlöchern
-- an anderen Exemplaren sind sie weniger dekorativ eingeschnitten
-- und mit zwei am oberen Rande angebrachten Tragringen von Messing.
Dieses Becken wird eingesetzt in eine, auf einem dreibeinigen Ständer
ruhende Krone, die ihrerseits zwei Tragringe und außerdem drei nach
außen herabhängende blattförmige Stifte besitzt. Die letzteren können
über das eingesetzte Kohlenbecken herübergeklappt und als Unterlage für
einen Kochtopf benützt werden. -- Eine zweite ähnliche Pfanne befindet
sich in demselben Zimmer, schließlich eine sehr schlicht gehaltene bei
B. --
Nicht zum Kochen, sondern nur zum Wärmen bezw. zum Warmhalten
der aufgetragenen Speise dienen die ~Wärmebecken~ (franz.
réchaud)[213]. Ein sehr einfaches, in Messing ausgeführtes Beispiel
derselben befindet sich in der Küche des Albrecht-Dürer-Hauses in
Nürnberg. Ich bilde es unter Fig. 11 ab.
* * * * *
Bei den einfachsten ~Herdgeräten~, nämlich bei denjenigen, die
zur Bereitung und Unterhaltung des Herdfeuers und zur Bedienung
des Herdes benützt werden, ist ein formales Interesse meist kaum
vorhanden, so daß es genügt, ihre Namen zusammenzustellen: Von dieser
Zusammenstellung selbst glauben wir aber deshalb hier nicht abstehen
zu sollen, weil gerade unter den Herdgeräten so viel Namen und Formen
sich zeigen, daß es ohne eingehende Forschung oft schwer sein wird, die
Zusammengehörigkeit von Gerät und Benennung festzustellen.
Neben dem fächerförmigen ~Wedel~ (_foculare_) und dem
~Blasbalg~ (lat. _follis_, _folliculus_, _sufflabulum_,
_sufflatorium_, _foculare_, _flabellum_, _flabrum_,
_venticapium_)[214], den schon eine Miniatur des 14. Jahrhunderts
in der noch heute üblichen Form darstellt[215] erscheint
zunächst die ~Kolhenschaufel~ (lat. _pala_, _thuribulum_,
_infurnibulum_, _batillus_)[216], für die Grimm W. B. V, 1589 schon
in einem rheinischen Vocabularium des 15. Jahrhunderts einen Beleg
findet. (Vgl. Fig. 2: an die verspringende Herdecke gelehnt.) Die
~Feuerzange~ (lat. _forceps_, _tenacula_, _tanalia_)[217] dient
zum Anfassen der glühenden Kohlen, ihre Gestalt entspricht in allen
mir bekannt gewordenen Fällen völlig derjenigen auf Fig. 3 und --
besonders deutlich -- auf Fig. 2, wo sie über den Herdrand gelegt
ist, sowie derjenigen, die ~Meringer~ in den »Mitteilungen der
Anthropologischen Gesellschaft in Wien« XXI, S. 125 in Figur 143
abgebildet hat. In der Form ihr durchaus gleich, nur kleiner, ist
die ~Bratwurstzange~, die man infolge dessen leicht mit ihr
verwechselt, zumal wenn es sich um die Miniaturformen der Puppenhäuser
handelt.
Der ~Feuerhaken~[218] tritt uns in B. in der Form entgegen, die
Fig. 12 wiedergibt. Er ist dort ganz aus Eisen, sein Griff läuft in
eine Tülle aus, die am Handende mit einer Öse einen Ring zum Aufhängen
trägt. Die ~Ofenkrücke~ (_tractula_, _rutabulum_, _fornaculum_,
_fornalium_) ist nach Folz (s. o. S. 131) ein Gerät, »_da mit mons feir
zw samen ruck_.« Sie ist schon lange in Gebrauch und wird bereits ahd.
erwähnt[219]. Sie besteht aus einer Stange, die am einen Ende durch
ein Brett von der Form eines Kreissegmentes hindurchgetrieben ist,
und noch heute wird sie -- zumal vom Bäcker -- zum Räumen des Ofens
benutzt[220], oder auch um die Glut zum aufbewahren zusammenzuschieben,
wie ~Bancalari~ aus Berchtesgaden berichtet[221]. Nicht so alt
wie die Ofenkrücke scheint die ~Ofengabel~ zu sein. Ich habe
im mittelalterlichen Latein keine eigene Bezeichnung dafür finden
können. Sie wird vielmehr gleich der Ofenkrücke mit _rotabulum_
übersetzt, obwohl aus der Zusammensetzung mit _-gabel_, die die Form ja
deutlich beschreibt, hervorgeht, daß es sich um ein ganz anderes Gerät
handelt[222]. An einer anderen Stelle wird sie gleich dem Feuerbock mit
_audena_ bezeichnet[223].
Von der Ofengabel wohl zu trennen ist die Hafengabel, die ~Grimm~, W.
B. nicht kennt, und von der A. ~Schultz~ a. a. O. S. 117 mit Unrecht
sagt, sie diene dazu, das Fleisch aus den Töpfen herauszunehmen. Es
handelt sich dabei um das Gerät, das J. R. ~Büncker~ auch in der
deutschen Heanzerei in Westungarn unter dem Namen »Fua’gåp’l« gefunden
und in den »Mitt. d. Anthrop. Ges. Wien«. XXV, S. 122 durch Fig.
173/4 abgebildet hat, und es dient dazu, mit seinen beiden Zinken die
Kochhäfen an ihrem Henkel zu fassen und über das Herdfeuer oder in
den Ofen zu schieben. Die Hafengabel in Haimendorf besteht aus einer
eisernen Gabel -- mit zwei 20 cm. langen Zinken und einer 12 cm. langen
Tülle -- und aus einem Holzstiel von 1,25 m. Länge, die von G. dagegen
ist ganz von Eisen, ihr Stab ist vierkantig, an einer Stelle jedoch
1¼ mal um sich gedreht, eine Vorrichtung, die wohl verhüten sollte,
daß die Stange sich beim Aufheben eines schweren Hafens von selbst
verdrehen möchte. Am Griffende ist der Stab zu einem Öhr umgebogen. Den
zu der Hafengabel sich gesellenden »~Ofenwagen~«, den ~Büncker~ a. a.
O. beschreibt, habe ich nicht gefunden. Er wird dazu benützt, um den
mit der Hafengabel gehaltenen Hafen von der Herdplatte aus durch das
Mauerloch in die Röhre des in der Stube befindlichen Ofens hineinrollen
zu lassen. --
Ein Gerät, über welches etwas mehr zu sagen ist, stellt sich in dem
~Kesselringe~ dar, welcher Name des öfteren belegt ist, ohne
daß es doch bislang völlig klar geworden wäre, um welchen Gegenstand
es sich dabei handle. Der Grund liegt darin, daß der Name Kesselring
offenbar für zwei verschiedene Geräte zugleich benützt worden ist.
Inbetreff des einen derselben ist es kein Zweifel, daß es sich dabei
um einen aus Stroh geflochtenen Ring handelt, welcher dem vom Feuer
abgesetzten fußlosen Kessel als Unterlage zu dienen und ihm einen
festen Halt zu geben hatte, wie es eine von Grimm W. B. V, 627
angeführte Stelle beschreibt: »_und da es kaum gar, satzte man den
kessel auf einen ströhernen kesselring, vater, mutter und kinder
drum herum, und aßen das ganze kalb auf einmal auf._« Nur mit der
Vorstellung dieses strohernen Ringes läßt es sich meines Erachtens
auch vereinigen, daß ~Fischarts~ Gargantua 74a von den spanischen
Halskrausen, sagen kann: »_(die frau) nehet ihm reine (leinene) krägen
mit toppelkrösigen kesselringen_«, oder daß ~Grimmelshausen~ den
Kesselring wie einen Panzerkragen verwenden lassen kann: Simplicissimus
I, 241, »_der kesselring gerieth mir in die händ, den hieng ich an den
hals._«
[Illustration: Fig. 7 bis 17.]
Dagegen würden jene beiden Stellen geradezu unsinnig sein, wenn man
annehmen wollte, daß der Kesselring eine Art von Kesselhaken sei, weil
ein von Grimm a. a. O. zitiertes Vocabular schreibt: »_cacabus hale vel
rink_«. Man vergleiche nur einmal bei ~Dieffenbach~ a. a. O. 86b,
wie cacabus als Bezeichnung für alle möglichen Geräte benützt wird.
Wenn man sieht, wie es dort wechselnd mit _kachel_, _hafen_, _deckel_,
_kessel_, _kesselhaken_, _kelter_ glossiert ist, so wird man nicht mehr
im Zweifel sein, daß die eben dort sich findende Glosse: _hale vel
rinck_ nur besagen soll, daß _cacabus_ die beiden verschiedenen Geräte,
sowohl die _hale_ wie den _rinck_ bezeichnen könne. Nicht aber wird man
mit ~Grimm~ a. a. O. herauslesen wollen, daß _hale_ und _rinck_
zwei verschiedene Namen desselben Gerätes seien. Die Schwierigkeit
ist nun aber noch dadurch vermehrt worden, daß Stieler in seinem
großen Wörterbuche: »Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs
.. gesammelt von dem Spaten. Nürnberg. Joh. Hofmann 1691« Sp. 1649
ebenfalls für den Kesselring einen lateinischen Ausdruck setzt, den er
sonst für den Kesselhaken verwendet. Dort schreibt er: »_keszelring,
climacter, de quo suspendunter lebetes,_« während er Sp. 760 sagt:
»_haͤngel siue haͤnkel quoque est climacter, instrumentum in
gradus scansile, de quo ahena et lebetes suspendimus. dicitur etiam
alibi Kajutte_«, woraus mit Sicherheit hervorgeht, daß climacter, ein
Ausdruck, für den ich weder bei Du Cange noch bei Dieffenbach Belege
finde, die Bedeutung des Kesselhakens hat.
Jedenfalls ersieht man aus diesen beiden Stellen, daß thatsächlich
dieselben lat. Namen für Kesselhaken und Kesselring gebraucht wurden,
und doch ist auch das Zweite mit »Kesselring« bezeichnete Gerät etwas
durchaus anderes als ein Kesselhaken, es ist nämlich der Henkel,
mit dem der Kessel an den Kesselhaken angehängt wird. Dieses zu
konstatieren, sind wir durch die gütige Hilfsbereitschaft des Herrn
Oberstleutnant Kindler von Knobloch-Berlin befähigt worden, der uns
die mit Fig. 13 und 14 wiedergegebenen Skizzen der Wappen des Colmarer
Geschlechtes Kesselring und des Überlinger Geschlechtes Kessenring
freundlichst mitgeteilt und folgende Notizen hinzugefügt hat. Ad.
Fig. 13: »Ludwig Kesselring von Nidernhardt (wohl richtiger K. zum
Niederhoff, wie die Familie sonst genannt wird) wurde von Kaiser
Rudolf II. d. d. Prag 1604. 2. 8. unter Besserung seines Wappens
(durch gekrönten offenen Helm) in den Adelstand erhoben. (Akten im k.
k. Adelsarchiv in Wien; Wappen im dortigen Wappenbuche II fol. 89a).
Denselben Schild zeigt schon das Siegel des Ludwig Kesselring, Obersten
Meisters in Colmar 1488«. Ad. Fig. 14: »Jacob Kessenring erhielt
vom Kaiser Karl V. d. d. Burgos in Castilien 1528. 3. 2. ein Wappen
mit dem Lehen Artikel. In Schwarz ein mit den Vorderpranken einen
roten Kesselring haltender goldener Löwe mit roter Krone und Zunge.
Stechhelm: der Löwe wachsend. Helmdecken rotgolden. (Akten des k. k.
Adelsarchivs in Wien. Das Original des Wappenbriefes befindet sich im
Stadtarchiv Überlingen).«
Durch die beiden Wappen ist die Gestalt des Kesselringes sicher
bezeugt, wir glauben auch aus ihnen entnehmen zu dürfen, daß er
unabhängig vom Kessel als selbständiges Gerät betrachtet wurde. Um
seine Verbreitung zu bestimmen, dürfte es von Nutzen sein, wenn
wir hier wiedergeben, was uns Herr Schulrat Keszelring-Bayreuth
in gütiger Bereitwilligkeit mitgeteilt hat, daß neben seiner aus
Schlesien stammenden Familie ihm noch eine andere in Sachsen ansäßige
Familie Kesselring bekannt sei, wie denn auch der Name in Thüringen
verschiedentlich zu finden ist.
Dieses zweite als »Kesselring« bezeichnete Gerät dürften wir wohl,
weil zum Kessel gehörig, in die Reihe der Kochgeräte zu rechnen haben,
wir hatten uns hier jedoch damit zu beschäftigen, da das erstere, der
Strohkranz, als Herdgerät anzusprechen ist. --
Als einfachere Herdgeräte sind hier noch ein paar solche zu nennen,
die ~zur Versorgung und Instandhaltung des Herdes~ dienen. Der
Stülp _(repofocillum)_[224], der Feuerdeckel, der des Nachts zum
Schutze gegen die Feuersgefahr über die glühenden mit Asche bedeckten
Kohlen gestürzt wird, ist wie schon sein Name anzeigt niederdeutscher
Herkunft[225]. Das Museum besitzt einen solchen von friesischer
Herkunft und einen zweiten -- unbekannter Provenienz -- von Messing
in der »Küche.« Ob und wie weit dieses gewiß sehr praktische und
nützliche Gerät in das oberdeutsche Gebiet eingedrungen ist, vermag
ich nicht anzugeben. In unserem Puppenhause F. befindet sich jedoch
ein solches Gerät, welches aus einem einviertelkreisförmig gebogenen
Stück Messingblech mit zwei Füßen besteht, während jene beiden
anderen Exemplare völlig der mit Handgriff versehenen Hälfte eines
Messingkessels gleichen.
~Der Besen~ (_virgae_, _verriculum_)[226] dient zum Abkehren der
Herdplatte. Unsere Fig. 1 zeigt ihn deshalb neben dem Herde an
die Wand gelehnt, wie ihn auch Marperger a. a. O. S. 686 bei den
Herdgeräten unter dem Namen _scopae_ aufführt[227]. Außer ihm
wird der ~Flederwisch~ (_scopulae plumeae_)[228], der Gansflügel,
zum Abkehren gebraucht, wie auch schließlich jeder beliebige
Lumpenwisch (_penicellum_)[229] dazu benutzt wurde. »Ein pessen,
strowisch vnd flederwisch« haben wir schon (S. 132) von ~Hans Sachs~
genannt gefunden. -- Auf den ebendort wie auch von ~Folz~ erwähnten
~Panzerfleck~ gehe ich hier nur deshalb ein, weil ~A. Schultz~ a. a.
O. S. 118 sagt, er sei in diesem Zusammenhange nicht zu erklären. Aus
Hans Sachsens Worten geht deutlich hervor, daß er zu dem »_spülstant_«
gehört, und so sagt denn Grimm W. B. VII, 1430 sehr richtig, er sei
»ein stück von einem drahtpanzer, zum reinigen der Kochgeschirre
gebraucht... baslerisch wird ein zum reinigen der pfannen gebrauchtes
kleines drahtgeflecht noch harnischblätz genannt«. Auch ~Rochholz~,
Deutscher Glaube und Brauch im Spiegel der heidnischen Vorzeit II, S.
112 nennt im alemannischen Hause »ein Stück Drahtpanzer, Harnischplatz
genannt, womit man Pfannen und Kessel fegt.«
* * * * *
Der Leser verweile hier eine kurze Zeit zu flüchtiger Erinnerung, damit
nicht vor der Fülle der Geräte, die uns vor Augen geführt werden, vor
der Menge der Namen, denen wir begegnen, der Überblick verloren gehe.
Wir hatten zunächst die verschiedenen Feuerstellen kennen gelernt, den
Herd mit seinen Nebenerscheinungen und die Glutpfanne. Darauf sind uns
die einfacheren Herdausrüstungsgegenstände bekannt geworden, ich möchte
sagen »das kleine Herdgerät,« nämlich Wedel, Blasbalg, Kohlenschaufel,
Feuerzange, Feuerhaken, Ofenkrücke, Ofengabel, Hafengabel, Kesselring,
Stülp, Besen und Flederwisch. Wir wenden uns nunmehr dem »~großen
Herdgerät~« zu, wenn ich diese Trennung beibehalten darf, das sind
der Feuerbock, ferner die Gegenstände, die als Diener und Träger der
Kochgeräte dienen, und schließlich diejenigen, die als Bratgeräte
schon eine selbständige Haushaltsfunktion zu verrichten haben und an
Bedeutung fast den Kochgeräten gleichstehen, mit denen sie nur deshalb
nicht zusammengestellt werden können, weil die Kochgeräte ursprünglich
alle zugleich auch zum Auftragen der Speisen benützt werden konnten,
während die Bratgeräte -- mit seltener Ausnahme -- sich nicht vom Herde
zu trennen pflegten und zum Auftragen besondere Serviergeräte nicht
entbehren mochten.
* * * * *
Indem wir dem ~Feuerbocke~ unsere Aufmerksamkeit zuwenden,
wollen wir es wagen, über denjenigen Gegenstand uns zu äußern, der in
mehrfacher Beziehung wohl der wichtigste von allen Herdgeräten ist,
der zum mindesten bislang am meisten das Interesse der Ethnologen
in Anspruch genommen hat, der aber gerade deshalb noch vielfache
Schwierigkeiten bereitet, weil seine Geschichte für uns durchaus
noch nicht mit der wünschenswerten Klarheit zu erkennen ist. Was wir
also hier bieten, erhebt nicht etwa den Anspruch, als abschließend
zu gelten, wie denn überhaupt diese Ausführungen nur als Beiträge
erscheinen wollen.
~R. Meringer~ hat sein Urteil über das Alter des Feuerbockes
in folgenden Worten ausgesprochen: »Eines, scheint mir, bleibt bei
manchem noch Zweifelhaften: daß der Feuerbock eine Erfindung sehr
alter Zeiten ist. Das ist mir die Hauptsache, und diese wird man gerne
gelten lassen[230].« Diese Behauptung stützt sich mit Recht auf eine
Anzahl von erhaltenen prähistorischen Feuerböcken, die ~Meringer~
zum Teil selbst abbildet[231], und die zum anderen Teile von ~M.
Hoernes~, Zur prähistorischen Formenlehre, besprochen und abgebildet
sind[232]. Schon vorher hatte ~Meringer~ sein Forschungsergebnis
formuliert mit den Worten: »Der Feuerbock ist in prähistorischer Zeit
erfunden worden und ist nur von einem Teile der Germanen angenommen
worden[233].« Für uns erhebt sich demnach die Frage: wann ist der
Feuerbock nach Deutschland gekommen?
Im germanischen Norden hat es nie Feuerböcke gegeben[234]. Ein
gemeingermanisches Gerät ist es also nicht, und auch die uns durch die
angegebenen Nachweisungen bekannt gewordenen prähistorischen Feuerböcke
stammen sämtlich aus Italien oder wenigstens aus Gegenden, die unter
dem Einflüsse römischer Kultur standen. Das nördlichste Exemplar wurde
im Flußbette der Sihl gefunden. Es scheint also völlig an Belegen dafür
zu fehlen, daß der Feuerbock schon in prä- oder frühhistorischer Zeit
in Deutschland vorhanden gewesen sei. Die erste Erwähnung finde ich in
Karls d. Gr. Capitulare de villis vom Jahre 816, wo in Cap. 42 verlangt
werden: »in supellectili villarum: vasa aerea, plumbea, ferrea, lignea,
~Andedi, andenae~, cramaculi«[235]. Ein unanfechtbarer Beleg! aber
leider vermag er uns fast nichts zu sagen, denn mit Recht wird sich
alsbald die Frage erheben, ob hier wirklich eiserne Feuerblöcke gemeint
seien. Schon die Nennung, von ~zwei~ Namen, die sonst beide als
lateinische Bezeichnungen für den Feuerbock verwandt werden, macht
uns stutzig. Es müssen doch zwei verschiedene Geräte gemeint sein!
Ferner, wenn es auch klar ist, daß es sich um Geräte handelt, die im
Gebrauche die Funktionen des »_andena_« genannten römischen Feuerbockes
erfüllten, wer sagt uns, daß wirklich eiserne Feuerböcke gemeint seien?
Jeder, der sich einmal mit Glossensammlungen beschäftigt hat, wird uns
recht geben, wenn wir behaupten, daß mit _andena_ ebenso gut wie der
Feuerbock auch der Wilstein übersetzt werden konnte.
Die Erwähnung in dem Capitulare bleibt also immerhin ein höchst
unsicherer Beleg. Ebenso ist auch die aus dem Jahre 1053 stammende
Stelle bei Papias Lombardus: »_andena, instrumentum ferreum foci_«
für Deutschland deshalb nicht zu verwerten, weil sie italienische
Verhältnisse im Auge hat[236]. Die erste uns bekannt gewordene
deutliche und sicher deutsche Erwähnung des Feuerbockes ist darum erst
die aus dem 12. Jahrhundert stammende, oben auf Seite 166 mehrfach
besprochene Glosse: »_wihelstain, taedifer, lapis vel ferrum super quo
ponuntur taedae_«.
Wir haben früher auf Seite 168/9 die Ansicht ausgesprochen, daß in dem
Wilstein der Vorläufer des Feuerbockes zu erkennen sei, und wir sehen
mit Vergnügen, daß auch ~Meringer~ zu derselben Meinung gelangt
ist, die er in die Worte faßt: »Bei dieser Art der Feuerung wird zuerst
ein Holzscheit quer gelegt und die anderen werden rittlings über ihn
gelegt. Das quer liegende Holzscheit kann durch einen Stein, eine
gemauerte Leiste des Herdes, einen beweglichen Thonuntersatz vertreten
werden. Das letzte Stadium dieser Entwicklung ist der Feuerbock,
den auch der Kamin übernommen hat«[237]. Eben in die Zeit, wo in
Deutschland dieses »letzte Stadium« erst kürzlich eingetreten war, muß
unseres Erachtens die Wilsteinglosse fallen. ~Damit ist also unsere
Ansicht ausgesprochen, daß in Deutschland erst um die Zeit des 11.-12.
Jahrh. der Feuerbock den Wilstein aus dem Gebrauch zu verdrängen
begonnen hat.~ Völlig verdrängt hat er ihn bis heute noch nicht, nur
sehen wir die merkwürdige Erscheinung, daß er dem in manchen Gegenden
nicht zu bezwingenden Alten hier und da seinen neuen Namen aufgezwungen
hat. ~Meringer~ berichtet: »Mehrfach habe ich im Gebirge gemauerte
Herdleisten gesehen, welche ebenfalls Feuerrösser genannt wurden. (Dazu
Anm.: Levissohn hat auch bei Aussee in einer kaiserl. Holzknechthütte
solche Stollen gesehen, die Feuerrösser genannt wurden.) Sonst thut
ein Ziegelstein zur Not denselben Dienst«[238]. Nicht nur der am
Herde festsitzende Wilstein, sondern auch das Bindeglied zwischen
ihm und dem Feuerbock, der freibewegliche Feuerstein, wenn ich in
diesem Zusammenhange so sagen darf, hat sich also erhalten, wie auch
~Bancalari~ -- freilich nicht für Deutschland -- bezeugt: »In der
slavisch bewohnten Valle Resia, südlich Pontebba, benützt man steinerne
roh behauene Feuerhunde«[239].
Das verkennen wir zwar durchaus nicht, daß ein glücklicher Fund
vielleicht noch ältere Feuerböcke, deren deutscher Ursprung sicher
bezeugt ist, zu Tage fördern und klar beweisen mag, daß schon Karls
Capitulare nur den Feuerbock und nicht etwa den Wilstein meine oder
nur westfränkische, höchstens rheinische Verhältnisse im Auge habe,
aber soviel scheint uns sicher zu sein: ~wenn an der Stelle Baierns,
wo die Wilsteinglosse geschrieben wurde, noch im 12. Jahrhundert
der Feuerbock den Namen seines Vorgängers tragen konnte, so kann er
unmöglich lange vorher dorthin gekommen sein.~
Später finden wir den Feuerbock dann in ganz Deutschland verbreitet, wo
er unter den verschiedensten Namen erscheint: als Feuerbock, Feuerroß,
Feuerhengst, Feuerhund, Brantert, Brandeisen, Brandreide, Brandbock,
Brandruthe etc.[240]. Auch in der mittelalterlich-lateinischen
Litteratur ist er sehr oft genannt, wohl am meisten von allen
Herdgeräten, und es ist uns gelungen -- ohne drei zweifelhafte
Ausdrücke und abgesehen von vielen Nebenformen -- allein 23
verschiedene lateinische Benennungen des Feuerbockes ausfindig zu
machen: _andela_, _anderius_, _andedus_, _andasium_, _brandanale_,
_branderium_, _caminale_, _canis_, _canteriolus_, _chenetus_,
_chiminale_, _focarius_, _ignitabulum_, _incipiendium_, _epigergium_,
_ipogirgium_, _lignigerium_, _lander_, _tressetus_, _tedale_,
_tedarium_, _tedifera_, _tubolofola_[241]. Außerdem nennt Grimm, W.
B. III, 1589 den Feuerbock mit dem allgemeinen Ausdruck _fulcrum_,
und nach Dieffenbach 493a wird auch _repofocillum_, sonst den Stülp
bezeichnend, einmal mit _brandysen vel -reyde_ glossiert. _Igniferrum_
kann ich trotz Dieffenbach 285a: _igniferrum, ignitabulum furysen_
nicht für den Feuerbock in Anspruch nehmen, weil sich ebendort die
Glosse findet: _Ignimen, igniferrum, ferrum cum quo perforatur aliquid_.
Alle diese Erwähnungen dürften reichlich genügen, um den Gebrauch
des Feuerbockes in Deutschland während der letzten Jahrhunderte des
Mittelalters zu erweisen. Dennoch ist es sehr auffallend, daß Hans
Folz weder in dem Meistergesange noch in dem Spruchgedichte (s. o. S.
130/131) den Feuerbock erwähnt[242]. Daß er ihn für selbstverständlich
gehalten hätte, kann man nicht als Grund anführen, denn er nennt
auch viele andere selbstverständliche Sachen, die noch dazu unter
den Herdgeräten bedeutend unwichtiger sind. Andererseits, daß er ihn
nicht gekannt hätte, scheint auch kaum glaublich zu sein, zumal wir
für das Jahr 1516 einen deutlichen Nürnbergischen Beleg haben. Damals
schrieb nämlich Tucher in sein Haushaltungsbuch[243]: »_fur grosz eisen
in ofen, so man einhaiczt, die scheit vorn darauf zu legen, wigt 11_
[Symbol: Pfund] _dafür par bezalt 65_ [Symbol: Pfennig]«. Immerhin giebt
auch diese Stelle zu denken. Weshalb drückt sich Tucher -- noch dazu
in einem Haushaltungsbuche, das doch nur seinem allerpersönlichsten
Gebrauche dienen sollte -- so umständlich aus? Kannte er den für
Nürnberg später bezeugten Ausdruck »Feuerbock« noch nicht?
Nach England scheint der Feuerbock erst in der Zeit des 14.-15.
Jahrhunderts gekommen zu sein, wie wir im Anschluß an ~Wright~
glauben möchten. Derselbe vergleicht a. a. O. S. 162 die Vocabularien
der Mitte des 13. Jahrhunderts mit denjenigen des 15. Jahrhunderts,
und es zeigt sich dabei, daß erst in den letzteren sich findet: _a
»gobard«, explained in the MS. by ipegurgium_.
Die Feuerböcke treten, besonders wenn sie in vornehmeren Häusern
bezeugt sind, meist paarweise auf. Das gilt schon von dem auch noch
in anderer Beziehung interessanten Bericht über die Küchen Pavias,
den ungefähr im Jahre 1320 der Anonymus Ticinensis in seiner Schrift
»De laudibus Papiae« lieferte: »_Habent etiam ab utroque latere
ignis instrumenta ferrea, pluribus necessitatibus apta, quae quia
sub igne ponuntur, graece ypopiria, vulgariter autem ibi Brandanalia
vocantur_«[244]. Ebenso zitiert Du Cange I, 250 (Artikel anderius) eine
Stelle vom Jahre 1376 aus einem Inventar S. Capellae Parisiensis: »_Duo
cheneti siue Anderii ferri_«. Fünfzehn Jahre später, i. J. 1391, finden
wir in dem Hausrat des Bischofs von Speier »in dem hofe zu Franckford«:
_In studorio domini: item 2 par brantreiden_[245]. Noch das Inventar
des Landauerklosters führt zwei Feuerböcke auf.
Kleinere Haushaltungen haben sich dagegen gewiß immer mit einem
Feuerbock begnügt, und infolgedessen ist es ganz zutreffend, wenn Hans
Sachs, der doch nur den nötigen Hausrat zusammenstellt, auch nur über
»das fewer pöcklein« spricht.
~Die Form der einfachen Feuerböcke~ ist leicht beschrieben. Wir
unterscheiden grundsätzlich zwei verschiedene Arten: den vierbeinigen
und den dreibeinigen Feuerbock. Der erstere ist unzweifelhaft der
ältere, alle die oben erwähnten prähistorischen (altitalischen und
römischen) Exemplare sind vierbeinig. In historischer Zeit hat der
vierbeinige Feuerbock an beiden Seiten je einen Bügel (vergl. Fig.
15), der dreibeinige dagegen hat den Bügel nur an der Seite, die mit
zwei Beinen versehen ist. Der ersten Art, die sich auch auf Fig. 2 u.
3 darstellte, gehören fast alle uns bekannt gewordenen Nürnbergischen
Feuerböcke an, nämlich die Exemplare von A. B. D. E. (zwei Exempl.),
eins in der Küche des Museums (H. G. 5737) und schließlich dasjenige
in Haimendorf. Mittelalterliche Abbildungen dieser Art habe ich
ebensowenig wie Meringer (Mitt. d. Anthropol. Ges. Wien. XXI, 138a)
ausfindig machen können, und auch die mittelalterlichen Schriftquellen
sagen über die Form nichts aus.
Nur als eine -- gewiß nicht häufige -- Nebenart des vierbeinigen
Feuerbockes zu betrachten, ist der große fünfbeinige, den Wright auf
der Feuerstätte der großen Halle zu Penshurt (Kent) gefunden und a. a.
O. S. 450, Nr. 290 publiziert hat. Nach jener Abbildung ist unsere Fig.
16 gezeichnet.
Die dreibeinige Form des Feuerbockes haben wir in Nürnberg überhaupt
nicht unter den Herdgeräten gefunden. Zwei völlig gleiche als
Kamingeräte verwendete Exemplare des 16.-17. Jahrhunderts, welche
unser Museum besitzt, hat schon Meringer, a. a. O. XXI, S. 139, Fig.
167, abgebildet. Wir geben in Fig. 17 eine Darstellung davon. Diese
Art, die bequemer als die vierbeinige an die Wand anzulehnen war,
scheint mit Vorliebe für Kaminheizzwecke benützt worden zu sein.
Havard, Dictionnaire hat in den Artikeln »andier« (I, 76 mit zwei Abb.)
»chenet, chien de feu« (I, 818 ff. mit zehn Abb.) und »landier« (III,
239 mit vier Abb.) eine Reihe in Frankreich befindlicher, künstlerisch
ausgeführter Exemplare des 14.-18. Jahrhunderts abgebildet, die sich
aus deutschen Sammlungen wohl noch werden vermehren lassen[246].
Havards Anschauungen werden aus den Worten klar, die er unter Art.
»landier« schreibt: »_Au mot andier, on a pu voir que l’ustensile dont
nous parlons remonte au moins au XIII^e siècle. Il est probable qu’il
est encore plus ancien et qu’il vit le jour au moment où la cheminée
quitta le centre de la cuisine pour venir s’ adosser à la muraille._«
Damit ist zugleich ausgesprochen, daß Havard für Frankreich ein sehr
hohes Alter der Feuerböcke annimmt. --
Wie dem Feuerbocke dann neben der Erfüllung seines eigentlichen
Zweckes, die Scheite zu stützen, noch weitere Haushaltsfunktionen
übertragen wurden, und wie er infolgedessen mannigfache formale
Veränderungen und Erweiterungen erfuhr, darauf werden wir später
zurückkommen. --
[Illustration: Tafel VII.
Holzstatue des heiligen Georg.