Wie solche Szenen, hat man auch in dieser Zeit schon Genrebilder
verwendet: so befindet sich in unserem Museum eine buntglasierte
Kachel, offenbar zu einem Fries bestimmt, mit der Darstellung
einer Hirsch- und Hasenjagd (Fig. 24), die von einer gleich rohen
Hand wohl nach der Vorlage eines Holzschnittes oder einer Plakette
hergestellt worden ist. -- Weit höher steht jene, gleichfalls genrehaft
aufgefaßte Kachel mit dem Engel und Tobias in einer Landschaft[87]
als Einsatzbild, deren Originalform im Besitze des Kunsthändlers
Fleischmann in Nürnberg war, und welche Friedrich Hirsvogel zuschreibt,
da die Landschaft seinen Radierungen nahe verwandt sei. Letzteres
ist aber durchaus nicht so sehr der Fall, und außerdem könnte ein
beliebiger Hafner einfach eine Radierung Hirsvogels als Vorlage
benutzt haben; daß die Umrahmung 20 oder 30 Jahre später ausgeführt
sein muß, ist ja auch Friedrich nicht entgangen, er hilft sich aber
mit der Annahme, daß auch für diese ein ursprünglicher Entwurf des
Meisters vorgelegen habe. Auf solche Vermutungen einzugehen, ist
natürlich unmöglich. Noch weniger brauchen wir uns mit den sehr
willkürlichen weiteren Attributionen Friedrichs zu befassen[88]; alle
die betreffenden Stücke, größtenteils Produkte einer viel späteren
Periode, werden an geeigneter Stelle erwähnt werden. Friedrich war
eben dermaßen begeistert für seinen Helden und daher von dem Wunsche
geradezu besessen, die ganze Neugestaltung des Ofenschema’s auf
ihn zurückzuführen, daß er sogar in notorisch nach Virgil Solis
gearbeiteten Stücken seinen Geist wiedererkennt, daß die eine andere
Stufe der Entwicklung verratenden Rothenburger Ofenmodel als Imitation
Hirsvogels gelten müssen, ja, daß er noch den später zu besprechenden
G. Vest und die gesamte Töpferei Kreussens unter seinen Einfluß stellt,
kurz, die Arbeit einer ganzen Generation einem Meister zuschreibt.
[Illustration: Fig. 26.
Grünglasierte Kachel (Mitte des 16. Jahrh.) im german. Museum (A. 542).
Aus: Lübke, Geschichte der Renaissance in Deutschland. Stuttgart. Ebner
& Seubert. 1882.]
[Illustration: Fig. 27.
Grünglasierter Kachelofen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. im
Merkel’schen Hause zu Nürnberg.]
So wenig wir dem Allen zustimmen können, ebensowenig darf auch, was
die Nürnberger Öfen betrifft, Hirsvogel, wenn überhaupt, als der
alleinige Neuerer gelten. Einmal, weil die Umänderung zum Greifen
nahe lag, und derselben überall siegreichen Richtung ihren Ursprung
verdankt, wie zahllose andere Erscheinungen im Kunstgewerbe. Dann auch,
weil wir einige gleichzeitige Öfen auf die Inspiration eines andern
selbstständigen Meisters zurückführen, nämlich Peter Flötner’s, dessen
Bedeutung für das Kunstgewerbe, wie wir gesehen haben, mindestens
der des Hirsvogel gleichkommt. -- An erster Stelle ist da zu nennen
der Ofen in der Stadtbibliothek, wohin er aus dem städtischen Leihhaus
verbracht wurde (Fig. 25). Die Vorderseite zeigt in einer Nische die
Gestalt des Sol, ziemlich genau nach der Flötner’schen Plakette[89]
gearbeitet, in vorzüglich scharfer Pressung, die beiden Nebenseiten
eine Vase mit Tierfüßen als Henkel, ein vielfach, besonders aber von
Flötner angewandtes Motiv. Auch die Architektur der Nische steht,
nach der Hungern Chronica und dem Krakauer Altar zu urteilen, dem
Meister nicht fern. Der Feuerraum ist aus einfachen Schüsselkacheln
zusammengesetzt, nur unten ist ein Fries angebracht, der in oblongen
Kacheln an der Vorderansicht einen Triton und eine Nereide einander
gegenüber zeigt, an den Seiten zweimal zwei gegen einander gerichtete
Männer mit Fackeln, deren Körper in Blätter und dann, wie auch der
Fischleib der ersteren in elegant gezeichnetes, zur Spirale gewundenes,
echt Flötnerisches Rankenwerk übergeht. Von den letztgenannten Kacheln
besitzt unsere Sammlung ein Exemplar (Fig. 26). Auch die an den Ecken
angebrachten Engelsköpfe mit gegeneinander geschwungenen Flügeln,
erinnern an Flötner. An und für sich wäre es nun leicht denkbar, daß
der Meister, wie für Sessel, Betten und Thüren, so auch Entwürfe für
Öfen gemacht hat; er könnte sogar, wie später Eisenhoit, die Formen
für einzelne Model selbst gearbeitet haben, jedenfalls aber nicht
die getreue Nachbildung der Plakette. Sind dagegen nur Plaketten und
Holzschnitte Flötners als Vorlage benützt worden, so müssen wir das
große Verständnis anerkennen, mit welchem der Bildner die Feinheit
seiner Ornamentik wiederzugeben verstand. -- Die Frage ist schon
deshalb nicht zu beantworten, weil wir Bedenken tragen müssen, die
Zusammensetzung des Ofens als ursprünglich anzusehen. Wenigstens
will uns die bärtige Herme an der Ecke des Aufsatzes mit der Maske
an ihrem Fußgestell etwas später dünken; der Ofen ist wohl in einer
Hafnerwerkstatt, welche die Model nach Flötner besaß, in der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts geschickt zusammengesetzt worden.
[Illustration: Fig. 28.