Ach ja!! --

_Weihnachtsmann_

Die muß man pflegen und warten

Und sehr behutsam putzen und hüten.

Erst sehen sie aus wie ganz kleine Blüten,

Gelb und grün und rot und blau,

Und man weiß es noch nicht ganz genau,

Wie sie werden, man kann es noch nicht sehen;

Dann wachsen Gesichterchen ...

_Anneliese_

(klatscht in die Händchen)

Ach, ist das schön!

_Weihnachtsmann_

Ja, und schließlich, wenn sie reifen,

Wachsen die Haare, die Schühchen, die Schleifen.

Und ganz zuletzt, wenn alles geglückt,

Werden sie vorsichtig abgepflückt.

(Die Kinder stehen ganz versunken.)

_Peterchen_

Ach ja, nun weiß man doch, wie es geht.

_Anneliese_

Wie so ein liebes Püppchen entsteht.

_Weihnachtsmann_

Und hier und dort wachsen Weihnachtsbäumchen;

Um die ganze Wiese läuft so ein Säumchen

Von kleinen, größeren und ganz großen,

Und sie werden mit Zuckerwasser begossen. --

Das alles tut der Printenmann.

_Die Kinder_

(staunend)

Und sieht sich dabei so lecker an!

_Pfefferkuchenmännchen_

(mit komischen Bücklingen)

Natürlich, natürlich, viel gibt's zu tun,

Immer geschäftig, kein' Zeit zu ruhn!

Vom vielen Arbeiten und Mühn

Kommt's, daß ich Weihnacht so mürbe bin,

Daß ich so gebräunt und lecker aussehe

Und so schnick schnack auf der Zunge zergehe!

(Er macht einen grotesken Sprung.)

_Peterchen_

(nachdenklich)

Ja, aber, Printenmännchen, das heißt,

Tut es nicht weh, wenn man von dir abbeißt?

_Pfefferkuchenmännchen_

Oh, wenn ich erlaubt bin, dann kitzelt es mich,

Und dann freue ich mich fürchterlich;

Aber, wenn ich verboten bin, oh jeh,

Dann tut das Abbeißen furchtbar weh.

_Weihnachtsmann_

Ja ja, wenn die Kinder das nur wüßten,

Sie ließen von ihren Naschgelüsten. -- --

Und nun kommt her und seht es liegen

Das Christkindchen in seiner Wiegen.

Es schläft, um sich das Herz zu stärken

Zu allen seinen Liebeswerken.

Derweil muß ich es wiegen und warten

Hier oben im stillen Weihnachtsgarten;

Und wenn unsere Stunde gekommen ist,

In der Winterszeit, zum heiligen Christ,

Dann weck' ich es ganz leise, leise,

Und wir machen uns auf die weite Reise

Durch Nacht und Wälder, durch Schnee und Wind,

Dorthin, wo artige Kinder sind.

(Die beiden Kinder falten die Händchen und knien andächtig an der Wiege

nieder. Von fernen Harfen und Geigen ertönt die Melodie: »O, du

fröhliche ...« Während der Musik glühen an den Bäumchen um die Wiege

Lichter auf. Als das Lied verklungen ist, stehen die Kinder auf, und der

Weihnachtsmann steckt ihnen je ein Pfefferkuchenpaketchen in das

Körbchen.)

_Weihnachtsmann_

Das ist für die Reise, schmeckt wunderschön! --

Bleibt brav, und Weihnacht auf Wiedersehen!

_Sandmännchen_

Kommt schnell, es ist Zeit, kommt schnell, es ist Zeit,

Der Weg ist noch weit, der Weg ist noch weit!

(Die Kinder eilen zu dem Bären, erklettern ihn auf dem Leiterchen und

nehmen hintereinander Platz.)

_Sandmännchen_

Hopp, Petz, jetzt geht's zur Kanone, hopp hopp!

Nun lauf' deinen allerschnellsten Galopp!

(Der Bär rollt schnell fort. Ein lautes Sausen beginnt.)

Vorhang.

_Verwandlung._

(Das Sausen tönt fort und der Vorhang teilt sich wieder. Man erblickt

den Bären im Mittelgrunde; auf dessen Rücken das Sandmännchen, die

Kinder und den Maikäfer, eng umschlungen und vornüber geneigt. Vom Winde

durch die schnelle Fahrt flattert das Fell des Bären, die Haare der

Kinder, die Zipfelmütze und der Mantel des Sandmännchens und die kleine

Geige des Maikäfers. Im Hintergrunde sieht man den bestirnten

Nachthimmel langsam vorüberziehen. Das Sausen tönt fort als der Vorhang

sich wieder schließt.)

_Verwandlung._

(Sternenlose Nacht ringsum. Auf einem kleinen, grauen Hügel steht eine

gewaltige, silbern schimmernde Kanone, mit der Mündung zum Himmel

gerichtet. Eine kleine Leiter lehnt am Rad. Es ist weiter nichts zu

sehen. Man hört noch immer das Sausen in der Luft, der Bär rollt mit

seinen Reitern heran.)

_Sandmännchen_

Halt, Petz! -- Hier sind wir am Ziel der Reise!

(Er rutscht von seinem Sitz, lehnt das Leiterchen an den Bären, und die

Drei klettern herunter.)

_Sandmännchen_

So, Petz, nun lauf' du auf deine Weise

Nach Hause in den Bärenstall!

Schön Dank bis auf das nächste Mal!

(Er klopft den Bären, und der rollt fort.)

_Sandmännchen_

(in Positur)

Jetzt, meine Herrschaften, kommt das große Abenteuer. -- Erst will ich

mal sehen, ob die Kanone auch hübsch sauber ist. (Er lehnt die Leiter an

die Mündung und guckt hinein.) Na, es ist noch nicht so ganz besonders.

Maikäfer, gib mir mal den Wischer her! (Der Maikäfer reicht einen

Wischer, der am Boden lag. Das Sandmännchen putzt mit komischer

Gründlichkeit den Lauf. Beim Putzen:) Wenn der Lauf -- nämlich nicht --

spiegelblitzeblank -- ist -- dann scheuert ihr euch -- beim

Herausfliegen -- die Nasen ab. -- Und das wollen wir doch lieber --

nicht machen! -- (Er ist mit dem Putzen fertig.) So, nun ist er blank,

wie eine Kakaobüchse. Jetzt geht es geschmiert. (Er kommt herunter.)

Hört also mal ganz genau her. Ich werde euch jetzt da hinein laden. Habt

ihr Angst?

_Die Kinder_

Nein, Sandmännchen!

_Sandmännchen_

Gut! Also, zuerst kommt der Maikäfer dran, der ist der Dickste; dann

Peterchen und dann Anneliese. Und wenn ich zähle, eins -- zwei -- drei

-- so macht ihr bei »drei« die Augen zu; da geht's nämlich los. Ihr

fliegt dann einer nach dem anderen oben auf den Mondberg und dort

angekommen, macht ihr die Augen wieder auf. Habt ihr verstanden?

_Die Kinder_

Ja, Sandmännchen!

_Sandmännchen_

Oben aber ist ein Wald, und in dem Walde hängt das Beinchen an einem

Baum, und von diesem Baume müßt ihr es herunternehmen und dem Maikäfer

mit Spucke wieder ankleben. Habt ihr verstanden?

_Die Kinder_

Ja, Sandmännchen!

(Der Maikäfer tanzt herum.)

_Sandmännchen_

Halt du! -- Da gibt's nichts zu tanzen! -- Jetzt wird hier aufgepaßt! --

Wenn ihr also in dem Walde seid, und der böse Mondmann sollte euch sehen

und euch zu Leibe gehen wollen, dann fürchtet euch nur nicht; denn die

Elemente stehen euch bei. Wenn ihr euch aber gar nicht mehr wehren

könnt, dann ruft nur eure Sternchen an, die helfen euch sicher. Habt ihr

verstanden?

_Die Kinder_

Ja, Sandmännchen!

_Sandmännchen_

Und wenn die Morgenröte kommt, dann ist es Zeit; sie warnt euch; dann

müßt ihr die Erde anrufen, und die gute Erde wird euch sogleich wieder

aufnehmen. Habt ihr verstanden?

_Die Kinder_

Ja, Sandmännchen!

_Sandmännchen_

So, und nun lebt wohl, ihr lieben, artigen Kinderchen! Ich wünsche euch

von Herzen Glück zu eurem großen Abenteuer!

_Die Kinder_

Danke schön, liebes, gutes Sandmännchen!

_Anneliese_

Gib mir einen Kuß!

(Das Sandmännchen küßt.)

_Peterchen_

Mir auch!

(Das Sandmännchen küßt.)

_Sandmännchen_

So, und nun ist es die höchste Zeit! Komm her, Maikäfer -- du bist der

Erste.

_Maikäfer_

(springt ängstlich herum)

Summ -- summ -- wenn es schießen tut,

Hab' ich Angst, hab' ich Angst, ich gehe kaputt!

_Sandmännchen_

Was? Schäm' dich, du alter Kerl! Du willst Angst haben? Für Ihn wird die

ganze Geschichte gemacht, und da strampampelt Er hier? -- Will er wohl

gleich! --

(Der Maikäfer kommt ängstlich, das Sandmännchen packt ihn, zieht ihn auf

die Leiter und stopft ihn oben in den Lauf hinein.)

So, und nun die Augen zumachen!

(Das Sandmännchen tritt an das hintere Ende der Kanone.)

Peterchens Mondfahrt: Ein Märchenspiel · 第 21 / 32 题