1905 197
1906 190
1907 231
1908 186
1909 202
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zusammen 1006
Tabelle IId. #Sterblichkeit und Herkunft bei der jüdischen
Bevölkerung Berlins.#
Unter 100 verstorbenen Juden waren
von den Kindern über 15 Jahre alt zusammen
geboren in Berlin 152 (90½ %) 83 (10,5 %) 235 (24,6 %)
sonst in Deutschland 3 (1½ %) 553 (70,2 %) 556 (68,1 %)
im Ausland 13 (8 %) 153 (19,3 %) 166 (17,3 %)
Der Umstand, daß trotz des erheblichen Zuzuges tausender fremder Juden
die Besetzung der oberen Altersklassen, wie sich aus der Tabelle über
den Bevölkerungsaufbau ergibt, abgenommen hat, gibt zu dem Bedenken
Anlaß, das auch schon anderweitig bezüglich der Lebenskraft der
deutschen Juden ausgesprochen worden ist: es könne unter den
großstädtischen Juden die sprichwörtlich bekannte Lebensdauer
herabgesetzt werden. Eine Durchforschung der Krankheitsursachen der
Verstorbenen pro 1910 ergab eine unheimliche Anzahl von Gehirn- und
Herzschlag und Nierenleiden bei den jüngeren Leuten. Zuckerkrank waren
unter den 1000 verstorbenen Erwachsenen allein gegen 80, für die
luetische Infizierung sprach der Umstand, daß allein 18 an Tabes
zugrunde gingen, wobei die in den städtischen Anstalten untergebrachten
Tabiker in Buch usw. leider nicht mehr in Anrechnung gebracht werden
können. Wer daher auf eine durchgreifende Besserung der
Mortalitätsverhältnisse der Großstadtjuden rechnet, kann in dieser
Hoffnung leicht getäuscht werden. Ja, es liegt wohl eher Grund zur
Annahme vor, daß eine Verschlechterung der Mortalität in nächster Zeit
zu erwarten ist.[17]
* * * * *
Es ist hier nicht der Platz, eingehend über die Geburtenberechnung zu
sprechen. Schon #Prinzing# hat darauf hingewiesen, daß die Berechnung
der Geburten auf je tausend der Bevölkerung ein falsches Verfahren
darstellt. Die Ausscheidung der Geburten nach der Reihe, die sie
einnehmen, kennzeichnet bedeutend besser den Fruchtbarkeitsstand. Eine
Bilanz läßt sich aber nur folgendermaßen ziehen:
Wir nehmen 1000 Frauen im gebärfähigen Alter (15-50 Jahre), ohne dabei
zu berücksichtigen, ob sie ledig oder verheiratet sind. Und wir stellen
demgegenüber den entsprechenden Geburtenprozentsatz ein; in unserem
Falle haben wir 1905 28734 gebärfähige Jüdinnen. Dieselben müssen, um
die Rasse zu erhalten, innerhalb 35 Jahren so viel Kinder zeugen, daß
diese imstande sind, nach Abzug der Kindersterblichkeit später die
28700 Frauen und die dazu gehörigen Männer zu ersetzen.
Die Fruchtbarkeitsziffer läßt sich also leicht bestimmen, und zwar aus
dem Fruchtbarkeitsfaktor, der erstens 1:35 der im Fruchtbarkeitsalter
stehenden Frauen darstellt und zweitens aus dem Prozent der im
Unfruchtbarkeitsalter sterbenden Personen besteht. Nehmen wir an, 1000
gebärfähige Frauen haben nur pro Jahr 1:35 Geburten = 59,2 ‰. Dann
wird natürlich diese Zahl nicht genügen, die Bevölkerung zu ersetzen,
denn von diesen 59 ‰ gehen noch etwelche ab, die im Kindesalter
sterben, und hochgerechnet 50 erreichen nach 15 Jahren das gebärfähige
Alter. Also durch diese tausend gebärfähigen Frauen werden pro Jahr zu
wenig Kinder das Licht der Welt erblicken. Die Zahl 59 ‰ stellt
einen »Idealwert« dar, der ausdrückt, daß ohne Kindersterblichkeit
diese Ziffer genügen würde, eine Bevölkerung zu erhalten. Der
#»adäquate« Fruchtbarkeitswert wäre bei der jüdischen Bevölkerung ca.
72 Geburten auf 1000 gebärfähige Frauen#.[18]
Es kann an dieser Stelle nicht so sehr auf die Theorie dieser neuen
Berechnungsmethode eingegangen werden, es würde sonst den Gang unserer
Ausführungen zu sehr aufhalten, aber es mag gestattet sein zu bemerken,
daß die Methode bekannten Statistikern vorgeführt und als richtig
befunden worden ist.
Wenn wir nun die #Fruchtbarkeits#ziffer für Berlin studieren, so finden
wir, daß dieselbe betrug:
pro 1000 gebärfähige Frauen in #Berlin# in #Preußen# (Land)
jüdische Bevölkerung allgemeine Bevölkerung
1880 100,8 1885 105,0 }
1895 67,5 1895 95,8 } 150-160
1900 60,8 1900 84,3 }
1905 56,8 1905 75,6 }
Im Jahre 1910 sind die im gebärfähigen Alter stehenden Jüdinnen noch
nicht ausgezählt, eine genaue Berechnung läßt sich noch nicht
aufstellen. Da aber im allgemeinen die im gebärfähigen Alter stehenden
Jüdinnen wie früher ca. 29 % der Gesamtbevölkerung ausmachen dürften, so
dürfte die Fruchtbarkeitsziffer 50 betragen.
[Diagramm: #Fruchtbarkeitstabelle.# Vergleich adäquat. Fruchbarkeitswert
der Juden, wirkliche jüdische Fruchtbarkeit und Fruchtbarkeit der
allgemeinen Berliner Bevölkerung.]
Also schon im Jahre 1895 genügte die Fruchtbarkeitsziffer der Berliner
Juden dem Adäquatwert nicht, #im Jahre 1905 war sie um 20 % zu
gering# und 1910 hatte sie wahrscheinlich sich auf 30 % verringert. Wir
stehen also vor der Tatsache, daß schon heute die jüdische Bevölkerung
Berlins #nur so viele Kinder in die Welt setzt, um# ~zwei Drittel~ #der
bestehenden Familien zu ersetzen; der andere Teil fällt schon nach
einer Generation aus#.
Es fragt sich nun, ob wir auf Grund des Studiums der heutigen
Verhältnisse die Fruchtbarkeit der nächsten Jahre voraussagen können,
ob die Fruchtbarkeit in den Jahren 1913, 1914, 1915 sinken wird und
muß.
Eine Berechnung, die noch anderweitig, soviel wir wissen, auch nicht
geübt wurde, aber auf die wir nicht das Anrecht der Autorschaft erheben
wollen, falls dieselbe doch schon irgendwo angewandt wurde, ist
folgende:
Wir haben die gebärfähigen Frauen als diejenigen bezeichnet, die 15-50
Jahre alt sind, und dementsprechend möchten wir das zeugungsfähige
Alter der Männer für statistische Zwecke auf 20-55 Jahre festsetzen.
(Einige Ausnahmen, die sowohl Geburten von Mädchen unter 15 Jahren oder
Frauen über 50 Jahre und die Männer über 55 betreffen, glauben wir
ruhig vernachlässigen zu können). Während nun bei den alten Juden die
Unverheirateten in dem zeugungs- bzw. gebärfähigen Alter auf Grund
hundertfältiger Überlieferung eine Seltenheit darstellen, und während
auch noch bei der allgemeinen Bevölkerung in der früheren Zeit der
Ledige zur Minderheit gehörte, haben sich bei den Berliner Juden
folgende Verhältnisse herausgebildet: Es waren von den Männern (20-55
Jahre alt) 1895 verheiratet 48,4 %, bei den Frauen 48,8 %. Fünf Jahre
später war der Prozentsatz schon wesentlich gesunken, er betrug 47,4
bzw. 47,8 %. Also nicht einmal die Hälfte der geschlechtsreifen Juden
ist verheiratet. Da wir wissen, daß die außereheliche Fortpflanzung
bei den Juden keine nennenswerte Rolle spielt, so können wir schon
daraus schließen, daß die volle Zeugungsfähigkeit nicht ausgeübt werden
kann. (Bei der allgemeinen Bevölkerung liegen die Verhältnisse noch
wesentlich besser, wie unsere Berechnungen zeigen, siehe Tabelle VII.)
Was wissen wir nun von der Fortpflanzung der verheirateten Juden?
Betrachten wir einmal zuerst die Eheschließungen. Eine persönlich
vorgenommene Auszählung der eheschließenden Juden Berlins ergab
folgende Verhältnisse: Wir treffen unter den Heiratenden (1909) 64
Akademiker, etwa 200 selbständige Kaufleute und ebensoviele bei ihnen
Angestellte, 33 Handwerker und 57 Arbeiter (bei den rein jüdischen
Ehen). Bei den Mischehen 24 Akademiker, 56 selbstständige und 116
angestellte Kaufleute, 10 Handwerker, 80 Arbeiter. Wir ersehen daraus,
daß die Arbeiter bei den rein jüdischen Ehen ebensoviele wie die
Akademiker waren, beide je 10 %, das überwiegende Kontingent stellten
die Kaufleute. In den rein jüdischen Ehen haben die Akademiker fast nur
berufslose Frauen erwählt, die Kaufleute meist; bei den Angestellten
waren berufslose und berufstätige Jüdinnen in fast gleicher Zahl
vertreten, bei den Arbeitern überwog die vorher berufstätige Frau.
Tabelle XIa. #Berufsstellung der heiratenden Juden#.