ENDE DER EXPEDITION.

Am 7. Mai 1872 um 5 Uhr nachmittags langte die Dhow, welche meine

Expedition nach Zanzibar zurückführte, im Hafen an, und meine Leute,

hoch erfreut, sich einmal wieder so nahe ihrer Heimat zu finden,

feuerten eine Salve nach der andern ab. Die amerikanische Flagge wurde

aufgehisst, und alsbald sahen wir, wie die Hausdächer und Werfte von

Zuschauern, unter denen sich viele Europäer befanden, besetzt waren,

die ihre Gläser auf uns richteten.

Langsam kamen wir ans Ufer; ein Boot wurde ausgesetzt, um uns ans Land

zu bringen; wir stiegen hinein, und alsbald war ich bei meinem Freunde,

dem Consul, der mich in Zanzibar herzlich willkommen hiess. Bald darauf

wurde ich dem Pastor Charles New vorgestellt, der noch vor einigen

Tagen ein wichtiges Mitglied der englischen Expedition gewesen war,

einem kleinen, schmächtigen Herrn, der, obgleich er schwächlich aussah,

doch einen solchen Grad von Energie besass, dass er für diesen Körper

fast zu gross zu sein schien. Auch er beglückwünschte mich herzlich.

Nach einem reichlichen Mahle, dem ich in einer Weise, die meine

neuen Freunde in Erstaunen setzte, Gerechtigkeit widerfahren liess,

machte mir Lieutenant Dawson, ein kräftiger, starker, junger Mann,

von prächtiger Gestalt, stattlichem Aussehen, raschen, intelligenten

Zügen, einen Besuch und sagte:

„Herr Stanley, erlauben Sie, dass ich Ihnen gratulire.“

Dann erzählte er mir, wie er auf meinen Erfolg neidisch sei, wie ich

ihm den Wind weggefangen habe (ein seemännischer Ausdruck, den auch

Lieutenant Henn gebraucht hatte), wieder, als er von meinen Leuten

erfahren, dass Dr. Livingstone aufgefunden sei, sofort von Bagamoyo

nach Zanzibar übergesetzt sei und nach einer kurzen Unterredung mit Dr.

Kirk seine Stelle niedergelegt habe.

„Aber meinen Sie nicht, Herr Dawson, dass Sie auf den blossen

mündlichen Bericht meiner Leute hin etwas zu rasch darin verfahren

sind?“

„Das kann sein“, sagte er; „ich hörte aber, dass Herr Webb einen Brief

von Ihnen erhalten und dass Sie und Livingstone entdeckt hätten,

der Rusizi laufe in den See, sowie dass Sie des Doctors Briefe und

Depeschen bei sich hätten.“

„Ja, aber Sie haben doch alle diese Nachrichten nur von meinen Leuten

erhalten; Sie hatten doch nichts selbst gesehen und haben also Ihre

Stelle früher niedergelegt, als Sie persönliche Beweise für die

Thatsache besassen.“

„Nun, Dr. Livingstone ist doch aufgefunden und hat Hülfe bekommen, wie

Herr Henn mir sagte, nicht wahr?“

„Ja, das ist wahr. Er ist mit allem gut versehen, braucht nur einige

wenige Genussmittel, die ich ihm durch eine Expedition von 50 Freien

zukommen lassen will. Gewiss ist Dr. Livingstone aufgefunden und hat

Hülfe bekommen, und ich habe alle Briefe und Depeschen, die er seinen

Freunden schicken konnte, bei mir.“

„Glauben Sie denn nicht, dass ich vollständig richtig gehandelt habe?“

„Kaum; obgleich es vielleicht am Ende ganz dasselbe geworden wäre. Denn

ein grösserer Vorrath an Tuch und Perlen, als er schon hat, würde ihm

nur eine Last sein. Indessen Sie haben Ihre Befehle von der Königl.

Geographischen Gesellschaft. Da ich diese noch nicht gesehen habe, kann

ich nicht darüber urtheilen, was Sie am besten hätten thun müssen; doch

meine ich, Sie haben unrecht daran gethan, Ihre Führerschaft eher

niederzulegen, als Sie mich gesehen, denn dann hätten Sie wol eine

ausreichende Entschuldigung für die Niederlegung Ihres Amtes gehabt.

Ich wenigstens hätte bei der Expedition so lange ausgehalten, bis ich

mich mit meinen Auftraggebern besprochen, obwol in einem Falle wie

dieser der Befehl wahrscheinlich gelautet haben würde: “Kommen Sie nach

Hause„.“

„Wie die Sache aber liegt, habe ich doch wol recht gethan.“

„Es wäre jetzt ganz bestimmt unnütz, Livingstone aufzusuchen und ihm

Hülfe zu bringen, weil er sie bereits hat; aber Sie hatten vielleicht

andere Befehle?“

„Nur wenn ich ins Innere ging, sollte ich meine Aufmerksamkeit auch

auf die Erforschung des Landes wenden; da Sie mir aber beim Hauptzweck

zuvorgekommen sind, so bin ich gezwungen nach Hause zurückzukehren. Die

Admiralität hat mir nur Urlaub gegeben um Livingstone aufzusuchen und

durchaus nichts über die Erforschung des Landes gesagt.“

„Steht denn in Ihren Befehlen gar nichts darüber, was Sie zu thun

haben, falls Sie mit mir zusammenträfen?“

„Kein Wort, obwol die Thatsache meinen Auftraggebern bekannt war;

denn eins der Mitglieder der Geographischen Gesellschaft hat mir

privatim gesagt, vielleicht könnte ich auch Ihnen Hülfe bringen. Ich

wusste nichts von Ihrer Expedition, ausser was in Ihren Briefen an den

“Herald„ stand; wir hatten aber gehört, dass Sie am Fieber erkrankt

und vielleicht todt seien. Als ich hier ankam, hörte ich viel von

Ihnen reden, und man erzählte, dass Sie Livingstone gerade an dem Tage

aufgefunden hätten, wo wir hier ankamen; darauf legten wir aber nicht

viel Gewicht. Erst nachdem ich Ihre eigenen Leute gesprochen, bin ich

zu dem Schluss gekommen, dass ich überflüssig sei, und habe deshalb

mein Amt niedergelegt.“

„Warum hat man meinen Namen in den Ihnen mitgegebenen Instructionen

nicht erwähnt? Man wusste doch nach dem, was Sie sagen, dass ich mich

im Innern befände, und mochte ich auch ein noch so schwacher Reisender

sein, so war das doch immer eine Möglichkeit, die aufstossen konnte.“

„Um die Wahrheit zu sagen, man wünschte es nicht, dass Sie ihn

auffänden. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie eifersüchtig man

bei uns zu Hause auf Ihre Expedition ist.“

„Ich sollte Livingstone also nicht auffinden! Was geht es jene an, wer

ihn auffindet und ihm Hülfe bringt, wenn es nur wirklich geschieht?“

Das waren meine ersten erschütternden Nachrichten, und von diesem

Augenblick an betrachtete ich mich als einen bei den Engländern

verurtheilten Mann. Dass jemand so unmenschlich sein könnte, mir

Miserfolg zu wünschen, weil ich an der Spitze einer amerikanischen

Expedition stand, war mir nie in den Sinn gekommen. Bis zu diesem

Augenblicke hatte ich nie überhaupt daran gedacht, wie die Menschen

mein Glück oder Misgeschick ansehen würden. Ich hatte zuviel mit meiner

Aufgabe zu thun, um an so etwas Unvernünftiges, Unwahrscheinliches

zu denken, dass es Leute gäbe, welche lieber Dr. Livingstone

unwiederbringlich verloren geben, als wünschen würden, dass ein

amerikanischer Zeitungsschreiber ihn auffinde.

Ich war jedoch nicht lange in Zanzibar, ehe ich die in England

herrschenden Gesinnungen völlig durchschaute. Man zeigte mir

Ausschnitte aus Zeitungen, worin mehrere Mitglieder der Königl.

Geographischen Gesellschaft die amerikanische Expedition lächerlich

gemacht hatten und eins derselben sogar so weit gegangen war zu sagen,

es bedürfe des „eisernen Kopfes eines Engländers“, um ins Innere von

Afrika zu dringen. Dr. Kirk hatte sehr freundlich hingeschrieben und

es ausgesprochen, dass er sich blos auf mich verlasse; dafür war ich

ihm dankbar und bedauerte es, der Ueberbringer eines so zurückhaltend

formell gehaltenen Schreibens von Dr. Livingstone an ihn zu sein.

An jenem Abend schickte ich einen Knaben ins englische Consulat mit

Briefen des grossen Reisenden an Dr. Kirk und Herrn Oswald Livingstone.

Von den amerikanischen und deutschen Einwohnern wurde ich warm

begrüsst; sie hätten wirklich nicht mehr Gefühl an den Tag legen

können, wenn Dr. Livingstone ein ihnen theurer, naher Verwandter

gewesen wäre. Kapitän H. A. Fraser und Dr. James Christie lobten mich

auch sehr. Wie es scheint, hatten diese beiden Herren es versucht,

privatim eine Expedition auszusenden, um ihrem Landsmann Hülfe zu

schicken; aber sie ist aus irgendeinem Grunde nicht zu Stande gekommen.

Sie hatten 500 Dollars zu diesem löblichen Zweck zusammengesteuert.

Der Mann jedoch, dem sie das Commando anvertraut hatten, war von einem

andern für einen andern Zweck mit einem höhern Gehalt angeworben

worden. Statt jedoch sich darüber zu ärgern, dass ich das gethan,

was sie beabsichtigt hatten, gehörten sie zu meinen begeistertsten

Bewunderern.

Am nächsten Tage besuchte mich Dr. Kirk und gratulirte mir herzlich

zu meinem Erfolg. Er machte durchaus keine Anspielung auf den Inhalt

des von Dr. Livingstone erhaltenen Briefes. Auch Bischof Tozer kam und

dankte mir für den Dr. Livingstone geleisteten Dienst.

An diesem Tage entliess ich auch meine Leute, warb jedoch sogleich

wieder zwanzig von ihnen an, die sich zum „grossen Meister“ begeben

sollten. Bombay, der im Innern des Landes jeden Gedanken an

Geldbelohnungen verächtlich von sich gewiesen, in meiner grössten

Noth jedoch versucht hatte, mir in jeder Weise in den Weg zu treten,

erhielt ausser seinem Sold ein Geschenk von 50 Dollars, und ein jeder

der übrigen je nach seinem Verdienst 20–50 Dollars. Denn am heutigen

Tage mussten alle Feindseligkeiten begraben und alles Unrecht verziehen

werden. Diese armen Leute hatten ja nur ihrer Natur gemäss gehandelt,

und von Udschidschi bis an die Küste hatten sie sich vorzüglich

betragen, was ich nicht vergass.

Als ich mich in einem Spiegel erblickte, fand ich mein Aussehen

schrecklich abgezehrt und verändert. Jedermann bestätigte meine

Ansicht, dass ich viel älter geworden und mein Haar ergraut sei.

Kapitän Fraser hatte bei seiner Begrüssung gesagt: „Aber Sie sind älter

als ich, mein Herr!“ und mich überhaupt nicht erkannt, bis ich ihm

meinen Namen gesagt. Selbst dann machte er die spasshafte Bemerkung,

er glaube, dies wäre ein zweiter Tichbornefall. Ich hatte mich selbst

in der kurzen Periode von dreizehn Monaten, nämlich vom 23. März 1871

bis zum 7. Mai 1872, so sehr verändert, dass meine Identität kaum

festzustellen war.

Auch Lieutenant Henn kam am Morgen nach meiner Ankunft zu mir und bat

um Erlaubniss, den Auftrag, den ich vom Dr. Livingstone erhalten, zu

sehen, was sofort geschah. Ich füge hier eine Abschrift des Auftrags

bei:

„Unyanyembé, 14. März 1872.

Ich habe durch die Benutzung von Sklaven zu Karavanen, die mir durch

den englischen Consul zugeschickt worden, so viele Verluste erlitten,

dass, wenn Herr Stanley noch einem derartigen Trupp begegnet, ich

ihn ersuche, sie umkehren zu lassen, übrigens aber in der ganzen

Angelegenheit nach eigenem Gutdünken zu verfahren.

~David Livingstone.~“

„Das bezieht sich aber gar nicht auf unsere Expedition,“ sagte

Lieutenant Henn.

„Natürlich nicht,“ erwiderte ich, „es bezieht sich nur auf

Sklavenkaravanen. Mit Ihrer Expedition habe ich überhaupt gar nichts

zu thun. Was mich betrifft, können Sie thun, was Sie wollen. Aber

Sie fragten mich gestern Abend, wie Sie sich erinnern werden, ob Dr.

Livingstone bereits Hülfe habe. Darauf antworte ich Ihnen abermals

“Ja„, und hier sind die Sachen (die von Livingstone selbst aufgestellte

Liste zeigend), welche er zu haben wünscht. Wenn Sie trotzdem glauben,

zu ihm ziehen zu müssen, so rathe ich Ihnen, das zu thun. Jedenfalls,

meine ich, sollten Sie die Waaren nicht eher verkaufen, was Sie, wie

ich höre, vorhaben, bis Sie von der Königl. Geographischen Gesellschaft

Nachrichten haben. Diese hat vielleicht andere Absichten mit Ihnen, da

sie jetzt schon so viele Kosten auf diese Expedition verwendet hat.“

„Ich werde mein Amt niederlegen und die ganze Sache dem jungen

Livingstone überlassen.“

„Thun Sie, was Sie wollen. Sie müssen Ihre eigenen Angelegenheiten am

besten beurtheilen können.“

„Ich weiss, was ich thun werde. Ich werde mit Kapitän Fraser nach

Kilima-Ndscharo gehen und dort eine gute Jagdpartie mitmachen. New

sagt mir, dass es in diesem Theil des Landes eine Menge Wild gibt.“

Lieutenant Henn ging denn auch direct aus dem amerikanischen Consulat,

um seine förmliche Entlassung einzureichen, und von nun ab befand

sich die Expedition in den Händen des Herrn Oswald Livingstone,

der sich dazu entschloss, die Vorräthe zu verkaufen und nur das

zurückzubehalten, was seinem Vater nützlich sein könne. Ehe er sie

jedoch verkaufte, sagte ich zu Dr. Kirk, es wäre doch das Beste,

sie aufzubewahren, weil die Königl. Geographische Gesellschaft sie

vielleicht anderweitig für Forschungsreisen zu verwenden wünsche.

„Nein,“ sagte Dr. Kirk, „diese Waaren gehören Dr. Livingstone und da er

sie nicht braucht, so kann man sie für ihn ohne viel Verlust in Geld

umsetzen.“

Von Pastor Charles New, einem auf der Ostküste von Afrika, einige

Meilen westlich von Mombasah wohnenden Missionär, erfuhr ich eine Menge

auf das Scheitern der englischen Expedition bezügliche Einzelheiten.

Obgleich er mir seine Bemerkungen mündlich mitgetheilt hat, so hat

er sie doch später in Gestalt eines an mich gerichteten Briefes

niedergelegt und ich ziehe hier dasjenige aus demselben aus, was auf

diese Angelegenheit Bezug hat:

Nach einem langen Aufenthalt in Ost-Afrika war ich im Begriff nach

England zurückzukehren, als ich in Zanzibar mit der englischen

Expeditionsgesellschaft zusammentraf. Ganz wider mein Erwarten und

auf Rath des Senats der Königl. Geographischen Gesellschaft wurde ich

ersucht, mich der Expedition anzuschließen. Nach vieler Ueberlegung

und einigem Zaudern that ich dies und nahm die Stelle eines

Dolmetschers und dritten Befehlshabers an. Mein vom Lieutenant Dawson

aufgesetzter Vertrag lautete so:

„Ich willige ein, meine Dienste der Expedition zur Aufsuchung

und Unterstützung Livingstone’s umsonst zu widmen und mich der

ursprünglich in England von der Königl. Geographischen Gesellschaft

organisirten Expedition unter folgender Bedingung anzuschliessen:

1) Sollte durch irgendeinen Zufall Lieutenant Dawson unfähig werden,

den Oberbefehl weiter zu führen, so werde ich Lieutenant William Henn

als den Befehlshaber der Expedition ansehen und mich seinen Befehlen

fügen.

2) Sollte Lieutenant William Henn auch ausser Stande sein, den

Befehl zu übernehmen, so werde ich ihn führen und alles thun, um

die Zwecke der Expedition, wie sie in den Institutionen der Königl.

Geographischen Gesellschaft niedergelegt sind, zu fördern.“

So lautete der von mir unterzeichnete Pact. Nachdem ich mich der

Expedition angeschlossen, that ich alles, um die Vorbereitungen zur

Abreise so viel wie möglich zu beschleunigen. Lieutenant Dawson,

Lieutenant Henn und ich selbst gingen mit den Waaren und Wächtern

über den Kanal nach Bagamoyo, um dort sofort Wa-Pagazi anzuwerben

und uns ohne Verzug auf den Weg zu begeben. Bei unserer Ankunft in

Bagamoyo trafen wir drei Leute, die ein paar Tage vor uns angeblich

von Ihnen aus dem Innern angekommen waren. Wir fragten dieselben aus

und erfuhren von ihnen, dass Sie mit Dr. Livingstone in Udschidschi

zusammengekommen und mit ihm ans Nordende des Sees gegangen seien,

den Rusizi in den See hätten fliessen sehen, dann nach Udschidschi

zurückgegangen und von dort östlich bis Unyanyembé zusammengereist

seien. Dort sei Dr. Livingstone mit der Absicht geblieben, seine

Forschungen fortzusetzen. Sie aber kehrten in aller Eile an die Küste

zurück; Sie seien schon in Ugogo und könnten in ein paar Tagen in

Bagamoyo eintreffen.

Darauf sprachen Dawson und Henn ihre Absicht aus, die Expedition

aufzugeben und nach England zurückzukehren auf Grund dessen, dass Sie

die ihnen in Afrika gestellte Aufgabe bereits gelöst hätten. An dem

Abend aber fragte mich Lieutenant Dawson, ob ich, falls es nöthig

erscheine, Dr. Livingstone noch weitere Hülfe zuzuschicken, willens

wäre, die Expedition zu leiten. Ich drückte meine Bereitschaft aus,

über diesen Vorschlag nachzudenken. Am nächsten Tage kehrte Dawson

nach Zanzibar zurück, um sich mit Dr. Kirk zu besprechen. Zwei Tage

darauf erhielt ich Briefe von Dr. Kirk und von Lieutenant Dawson.

Beide boten mir die Leitung der Unterstützungsexpedition an, da Herr

Oswald Livingstone, dem es sehr darum zu thun war, sich zu seinem

Vater zu begeben, darauf einging, sich meiner Leitung anzuvertrauen.

Ich schrieb an Dr. Kirk und theilte ihm meine Bereitwilligkeit

mit, die Hülfsexpedition zu führen. Mittlerweile aber hatte

Lieutenant Henn seine Ansicht geändert und bestand jetzt darauf,

den Oberbefehl zu führen. Ich war also genöthigt, mich zu seinen

Gunsten zurückzuziehen. Man hoffte jedoch, dass ich als Zweiter

dem Lieutenant Henn folgen würde und wäre das nöthig oder auch nur

möglich gewesen, so hätte ich dies auch gethan.

Die Expedition war aber keineswegs das, was sie ursprünglich in

England gewesen war. Sie war zu einer verhältnissmässig unbedeutenden

Reise nach Unyanyembé geworden, welche von zwei Leuten, die ein

wirkliches Interesse daran und genügende Energie und Ausdauer hatten,

leicht auszuführen war. Das war die Ansicht, die ich von der Sache

hatte. Deshalb zog ich mich, auf den Grund hin zurück, dass meine

Dienste nicht mehr gebraucht und meine Anwesenheit eine leichte

Aufgabe nur erschweren würde. Man hat allgemein angenommen, ich

habe mich schriftlich dazu verpflichtet, unter allen Umständen dem

Lieutenant Henn zu folgen. Das ist aber nicht der Fall. Mein erster

Pact bezog sich auf die Expedition, +wie sie ursprünglich in England

organisirt worden war+, und stellte fest, dass ich unter Lieutenant

Henn dienen wolle für den Fall, dass Lieutenant Dawson +durch

irgendeinen Unfall zum Oberbefehl unfähig geworden sei+. Lieutenant

Dawson war aber gar nicht durch +einen Unfall+ unfähig geworden,

sondern er reichte seine Entlassung ein. Und dieser Rücktritt, der

ursprünglich nicht vorhergesehen war, änderte, wie Dr. Kirk in seinem

Briefe an mich sagte, vollständig alle frühem Anordnungen und auf

dieser neuen Grundlage wurde mir die Expedition angeboten. Nachdem

Lieutenant Dawson sich zurückgezogen, mussten neue Einrichtungen

getroffen werden und jedes Individuum hatte die Freiheit, mitzugeben

oder sich zurückzuziehen, wie es wollte.

Ich hatte aber andere Gründe, um nicht eine zweite Stelle in dieser

Expedition unter dem Lieutenant Henn anzunehmen. Meiner Ansicht nach

ist er ungeeignet und unfähig, eine solche Expedition zu leiten.

Beim Abgange hatte er erklärt, sein Hauptzweck sei die Jagd, er

wolle versuchen, Büffel und Elefanten zu schiessen. Solch ein Mann

ist aber nach meiner Ansicht, nicht der richtige, um Dr. Livingstone

Hülfe zu bringen, und ich meine, man hätte mich nicht auffordern

sollen, unter ihm zu dienen. Wäre die ursprüngliche Expedition

unverändert geblieben, so wäre ich unter allen Umständen mitgegangen.

Noch ein Punkt: Lieutenant Henn hatte gedroht, von der Expedition

zurückzutreten, ehe wir irgendetwas von Ihrer Rückkunft gehört

hatten, und dadurch eine Unbeständigkeit an den Tag gelegt, welche

das übelste in Bezug auf seinen Erfolg als Befehlshaber versprach.

Als ich hörte, dass Lieutenant Henn mit seinem Rücktritt gedroht

hatte, machte ich bei Dr. Kirk einen Besuch, um mit diesem Herrn die

Angelegenheit zu besprechen. Ich zeigte Dr. Kirk, dass dieser Stand

der Dinge den Erfolg der Expedition sehr beeinträchtige, und schlug

ihm vor, die Leute von der Expedition zusammenzurufen, um zwischen

den Lieutenants Dawson und Henn ein besseres Einvernehmen zu Stande

zu bringen. Dr. Kirk sagte darauf: „Nein, thun Sie das nicht, Henn

wird Sie zwei oder drei Tage lang ins Innere begleiten und dann ruhig

zurückkehren.“ --

Hier wollen wir aufhören. Ich habe Herrn New eine Freundlichkeit

erwiesen, da ich eine sehr hohe Meinung von seinen Fähigkeiten für

seinen edeln, grossen Beruf habe, und bin überzeugt, er wird es mir

vergeben, wenn ich in freundlicher Weise seine eigenen kleinen Fehler

kritisire. Der Leser kann aus dem obigen Briefe ersehen, dass die

Herren Dawson, Henn und New nicht auf sehr freundschaftlichem Fusse

miteinander standen. In der That hätte ein Fremder nach dem, was man

sich in Zanzibar erzählte, gemeint, die drei Herren ständen auf sehr

gespanntem Fusse zueinander. Das schien aber nur äusserlich der Fall zu

sein; es lag keine tiefe Feindschaft zu Grunde. Auch war es für einen

wirklichen, ernstlichen Streit doch noch etwas zu früh. So lange sie

alle unter einem festen unumschränkten Führer standen, schlummerten

kleine Antipathien und kamen nicht zur Geltung; sobald sich aber dieser

Führer, Lieutenant Dawson, zurückzog, trat etwas Eifersucht hervor,

die durch die Frage angeregt wurde, welche Dawson an New richtete, ob

er in dem Falle, dass eine Hülfe nöthig, willens sei, den Befehl zu

übernehmen. Herr New wollte sich vorbehalten, darüber nachzudenken;

wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass Herr Henn gleichfalls den

Befehl haben wollte, da es nur ein gedankenloses Wort von ihm gewesen,

als er sagte, er wolle die Expedition aufgeben, denn damals war er

noch nicht zu einem endgültigen Schlusse gekommen. Nach zweitägiger

Ueberlegung erklärte Herr New seine Bereitwilligkeit, den Oberbefehl

anzunehmen, und gerade in diesem Augenblicke drückte auch Herr Henn

seinen Entschluss aus, mit der Hülfsexpedition zu ziehen. Da er nun

der Zweite dem Range nach war, so konnte er über dieses Recht nach

Belieben verfügen, und die verschiedenen Parteien hatten es ihm

bewilligt, da sie contractlich dazu verpflichtet waren. Herr New jedoch

hat nach seiner eigenen Auslassung seine Stelle niedergelegt und als

Entschuldigung dafür angeführt, „die Expedition sei nicht mehr das, was

sie gewesen“; doch ist Herr New darin etwas inconsequent, wenn er sagt,

dass sie sich wesentlich geändert habe. Freilich hatte der frühere

Führer sich zurückgezogen, aber nach seiner eigenen Version hatte er

sich dazu verpflichtet, dem Lieutenant Henn zu gehorchen, wenn der

Lieutenant Dawson durch einen Zufall unfähig gemacht sei. Der Zufall,

nämlich mein Erscheinen, trat ein und Lieutenant Dawson machte sich

durch seinen freiwilligen Rücktritt unfähig, den Oberbefehl zu führen.

Deshalb hatte Lieutenant Henn wirklich das Recht des Oberbefehls und

Herr Charles New musste ihm gehorchen. „Sollte durch irgend einen

Zufall Lieutenant Dawson unfähig werden, den Oberbefehl weiter zu

führen, so werde ich Lieutenant William Henn als den Befehlshaber der

Expedition ansehen und mich seinen Befehlen fügen.“ In diesem Pacte

steht nichts von der ursprünglichen Organisation.

Ferner sagt Herr New, die Sache „sei jetzt zu einer verhältnissmässig

unbedeutenden Reise geworden, welche von zwei Leuten, die ein

wirkliches Interesse daran und genügende Energie und Ausdauer hatten,

leicht auszuführen sei“. Darin stimme ich mit ihm überein und behaupte,

dass nicht nur zwei, sondern auch einer sich hätte hinbegeben und den

Plan viel besser als zwei sich zankende Leute hätte ausführen können.

Aber über die verhältnissmässige Geringfügigkeit weiche ich sehr

von ihm ab. Ich meine, es sei für einen Unerfahrenen viel schwerer,

eine Karavane nach Unyanyembé, als für einen Erfahrenen eine solche

von Unyanyembé weiter zu führen. Bis die Expedition nach Unyanyembé

gekommen, wäre sie in der Schule der Erfahrung erzogen und die spätere

Reise wäre im Verhältniss zu dem ersten Versuch auf einem neuen Gebiet

nichts gewesen, wenigstens habe ich das gefunden. Ich hatte mehr Mühe,

mit meinen Karavanen nach Unyanyembé zu ziehen, als in allen darauf

folgenden Reisen zusammengenommen. Die Erfahrung, die ich auf der

ersten Hälfte meiner Märsche gewonnen, setzte mich in den Stand, die

übrigen Reisen rasch und leicht abzumachen. Wenn Herrn Charles New’s

Erfahrung als afrikanischer Reisender irgendetwas werth war oder für

eine noch unerfahrene Gesellschaft nutzbar gemacht werden sollte, so

galt dies gerade von der Küste bis nach Unyanyembé und nicht auf der

weitern Reise.

Nachdem Lieutenant Henn und Herr Livingstone Unyanyembé erreicht, wären

sie meines Erachtens vollständig im Stande gewesen, die Karavane auch

ohne Herrn New überall hin zu führen; die auf dem Marsche erworbenen

Erfahrungen würden sie befähigt haben, ganz ohne ihn auszukommen. Mir

scheint es doch, dass Herr New, wenn er „nach einigem Zaudern“ darauf

einging, sich der Expedition anzuschliessen, als ein Mann wie Dawson

ihr Führer war, um ihr die Wohlthat seiner Erfahrungen zukommen zu

lassen, und wenn er, nach Dawson’s Rücktritt, Henn für unfähig hielt,

nach der Ansicht aller billig Denkenden um so mehr verpflichtet war,

sowol Henn als Livingstone mit seinen Erfahrungen beizustehen, bis er

ihnen beigebracht hätte, wie sie ohne ihn weiter reisen könnten. Dann

erst hätte sich Herr New, wenn er wollte, ohne irgendeinen Nachtheil

für seinen Ruf zurückziehen können.

Wenn auch Herrn Henn’s Hauptzweck die Büffel- und Elefantenjagd

gewesen, so befreite dieser Umstand doch Herrn New nicht von seiner

Pflicht, ihn zu begleiten, ihm Rath zu ertheilen und ihn für den

Fall, dass alles Wild fehlte, in der Treue gegen den Hauptzweck der

Expedition zu ermuntern, der sie alle ihre Unterstützung zugesagt

hatten. Obwol Lieutenant Henn von Natur einen unsteten, lebhaften

Charakter hatte, so zeigte er sich doch consequenter als Herr New,

selbst wenn sein Zweck nur die Jagd war, indem er zum zweiten mal

nach Bagamoyo ging; denn jener ging, nachdem er aus Bagamoyo nach

Hause zurückgekehrt war, nicht wieder an seinen Dienst, sondern gab

erst seine Stellung auf, bot dann seine Hülfe wieder an, und zog sich

wiederum zurück und zwar nur, weil man ihm den Oberbefehl angeboten

hatte, als Henn noch nicht ganz entschieden war und weil, nachdem

dieser sich zur Expedition entschlossen hatte, ihm der Oberbefehl als

das ihm gebührende Recht übertragen wurde und nicht an Pastor Charles

New.

Es war Herrn New’s Pflicht, unter Henn’s Commando, wie er es

übernommen, mitzugehen; wenn dann Henn die Vorhersage des Dr. Kirk zur

Wahrheit gemacht, hätte er mit Ehren selbst das Commando übernehmen

können, das er nach seiner eigenen Aussage so sehr zu haben wünschte.

Wenn nun auch Herr New keine beneidenswerthe Rolle in diesem Akte

der kleinen, nicht nachahmungswerthen Komödie spielt, so erscheint

er doch im ersten Akte fast wie ein Held, und ich bewundere ihn sehr

als einen wahren, ernsten und tapfern Mann. Nach einem neunjährigen

Aufenthalte in Afrika erhält er am Vorabend seiner Abreise nach

England, wohin er sich begibt, um seine geschwächte Gesundheit zu

stärken, eine Einladung, die englische Expedition als Dolmetscher zu

begleiten. Nach kurzem Zaudern unterstützt er sie aufs kräftigste und

verpflichtet sich, alles zu thun, was in seiner Macht steht, um die

menschenfreundliche Mission, welche diese kleine Anzahl Engländer

vorhat, zu fördern. Bis er von meinen Leuten erfährt, dass Livingstone

aufgefunden sei und Hülfe erhalten habe, gibt er sich seiner Aufgabe

mit der ganzen Energie seiner Natur hin; er segelt von Zanzibar nach

Mombasah, kehrt sofort mit 20 Soldaten als Schutz für die Expedition

zurück und gewinnt durch seine treue Hingabe an seine Aufgabe aller

Herzen. Herr New hat in Zanzibar einen sehr guten Eindruck unter den

dortigen Europäern hinterlassen, und es ist ihre einstimmige Meinung,

dass er, wenn ich nicht so bald an die Küste gekommen wäre, die grosse,

kostspielige Expedition in guter Ordnung durchgeführt hätte. Ich zögere

durchaus nicht, es auszusprechen, dass er wegen seiner energischen

Natur und langen Erfahrung für diese Aufgabe völlig geeignet war.

Der grosse Fehler der Organisation bestand aber in dem Versuch, so

viele nicht zueinander passende Charaktere zu einem harmonischen

Ganzen zu verbinden. Kein einziges Mitglied hatte die geringste

Charakterverwandtschaft zum andern. Der eine war ehrgeizig,

eigensinnig, übereilt und zum Angriff geneigt; der andere lebhaft,

dem Impuls des Augenblicks hingegeben und von Natur inconsequent;

der dritte energisch, reizbar, fromm und zu offenherzig; der vierte

schweigsam, ernst und bestimmt. New und Livingstone wären sehr

gut miteinander ausgekommen. Dawson wäre allein wol besser als in

Verbindung mit einem andern gewesen. Wenn Henn allein den Oberbefehl

gehabt, so würde er seine Pflicht in ehrenhafter Weise durchgeführt

haben, denn Energie und Ehrenhaftigkeit sind die beiden Hauptzüge

seines Charakters. Aber zu einem einheitlichen, harmonischen Organismus

fehlten dreien derselben alle Vorbedingungen, während der vierte

sich keiner Partei angeschlossen, sondern ein neutraler Zeuge der

Streitigkeiten geblieben war. Hätten sie die Expedition unternommen,

so würden sie sich gezankt haben und es wäre schmählicher gewesen,

als wenn sie gar nicht fortgezogen wären. Es war daher für den Ruf

der Engländer ein Glück, dass meine Ankunft ihre Expedition vor dem

völligen Untergange im Innern schützte.

In Zanzibar bieten sich wenige Gelegenheiten zur Abreise. Das englische

Kriegsschiff „Magpie“ war am Morgen nach meiner Ankunft zum Kreuzen

abgefahren, und wir erfuhren nachher, dass es, wie beabsichtigt, den

„Wolverine“ getroffen und durch dieses Kriegsschiff Briefe nach den

Sechellen und England weiter befördert hatte. Wenn es wahr ist, was man

mir gesagt hat, dass ein englisches Kriegsschiff auch nicht eine Stunde

selbst auf Dr. Livingstone gewartet haben würde, so habe ich kein

Recht, mich darüber zu beschweren, dass es nicht wartete, bis ich ihm

auch nur eine kleine Depesche über Herrn Livingstone mitgeben konnte.

Andererseits schien es mir aber sonderbar, dass der Kapitän eines

Kriegsschiffes mit seinem Fahrzeug auf die Jagd nach Bagamoyo fahren

könne, ein anderer dagegen nicht einmal ein paar Augenblicke warten

durfte, um einen Brief, der gute Nachrichten über Livingstone enthielt,

mitzunehmen.

Ein englischer Geistlicher hat mir zwar gesagt, dass ein britischer

Kreuzer sogar wenn Dr. Livingstone selbst in Zanzibar erschienen

wäre, sich nicht eine Stunde lang über seine Zeit aufhalten könne,

um ihn weiter zu befördern. Ich kann aber kaum annehmen, dass die

nothwendige Disciplin eines britischen Kriegsschiffes in einem solchen

Ausnahmsfalle nicht hätte gelockert werden dürfen.

Nachdem ich meine Expedition aufgelöst, machte ich mich daran, Dr.

Livingstone’s Bitte gemäss, eine neue zu formiren. Was der englischen

Expedition fehlte, kaufte ich mit dem von Herrn Oswald Livingstone

mir gegebenem Gelde. Auch die 50 Flinten wurden mir aus den Vorräthen

der englischen Expedition von ihm geliefert, ebenso die Munition,

das Hongatuch für die Wagogo und das für den Unterhalt der Truppen

bestimmte Tuch. Herr Livingstone arbeitete angestrengt im Interesse

seines Vaters und stand mir mit allen seinen Fähigkeiten bei. Er

übergab mir Nautische Almanache für die Jahre 1872, 1873 und 1874 zum

Einpacken; ebenso einen Chronometer, den Dr. Kirk aufbewahrt und der

früher Dr. Livingstone gehört hatte. Alle diese Dinge wurden nebst

einem Tagebuche, Couverts, Notizbüchern, Schreibpapier, Arzneimitteln,

eingemachten Früchten und Fischen, Wein, Thee, Messern, Gabeln und

Tafelgeräth, Zeitungen, Privatbriefen und Depeschen, sowie 1 Centner

feines amerikanisches Mehl und einige Kästchen Zwieback in luftdichte

Zinnkasten verpackt.

Bis zum 19. Mai hiess es, dass Herr Oswald Livingstone die Karavane

seinem Vater zuführen werde; aber ungefähr an dem Tage änderte er

seinen Entschluss und setzte mich durch ein paar Zeilen in Erstaunen,

in denen er mir mittheilte, er sei entschlossen aus Gründen, die er

für ausreichend und richtig halte, nicht nach Unyanyembé zu gehen. Ich

erlaubte mir, ihm die Andeutung zu machen, dass es seine Pflicht sei,

sich hinzubegeben, nachdem er bis nach Zanzibar gekommen. Aber offenbar

handelte er nach bester Erkenntniss, und wenn man in Betracht zieht,

dass Dr. Kirk ihm den Rath gegeben, nicht seine Gesundheit zu gefährden

und seine Studien zu unterbrechen, wo eine absolute Nothwendigkeit

seiner persönlichen Beaufsichtigung der Karavane nicht vorlag, so

glaube ich, dass er ganz recht gethan hat, den Plan aufzugeben. Denn

Dr. Kirk war seines Vaters Freund und früherer Genosse auf dem Zambezi;

und da der junge Livingstone viel Vertrauen in sein Urtheil und zwar

mehr als in sein eigenes setzte, war es natürlich, dass er den Rath des

Freundes seines Vaters befolgte.

Unter diesen Umständen war es meine Pflicht, den Befehlen Dr.

Livingstone’s nachzukommen und ihm einen guten, tüchtigen Führer, einen

Araber, für die Expedition nach Unyanyembé zu besorgen. In dieser

Absicht schrieb ich einen Brief an Dr. Kirk, worin ich ihn darum bat,

seinen Einfluss beim Sultan geltend zu machen. Die Antwort, die ich von

Dr. Kirk erhielt, lautete folgendermassen:

„Britisches Consulat zu Zanzibar, 20. Mai 1872.

Werther Herr!

Dr. Livingstone’s eigener Brief an Seyd Barghasch ist demselben

vor langer Zeit übergeben und erklärt worden; darauf habe ich ihm

aber mitgetheilt, dass Sie nicht mehr daran dächten, ihn um den

betreffenden verantwortlichen Leiter der Expedition zu bitten.

Unter den veränderten Umständen, wo Herr W. O. Livingstone den

Gedanken aufgegeben hat, seinem Vater zu folgen, werde ich mich sehr

freuen, Ihnen beim Sultan behülflich zu sein, und werde, wenn Sie es

wünschen, sofort zu ihm schicken und ihn darum bitten, den geeigneten

Mann auszusuchen, den Sie natürlich sich ansehen und nach Ihrem

besten Dafürhalten entweder verwerfen oder annehmen können.

Wie ich Livingstone fand; Zweiter Band · 第 71 / 88 题