Es gereicht mir zur grossen Freude, das vorliegende Buch meines
vortrefflichen Freundes bei den deutschen Lesern einführen zu können, da
es nicht nur eine Frage behandelt, deren wissenschaftlich begründete
Beantwortung einen umgestaltenden Einfluss auf die Lebensanschauung
jedes Gebildeten ausüben muss, sondern dies auch in einer sehr
vorurtheilsfreien, ruhigen Weise thut, welche wohlthätig von der leider
nur zu häufig vortretenden Gereiztheit, und, der Verbreitung gesunder
Ansichten sehr hinderlichen Einseitigkeit bei Besprechung ähnlicher oder
verwandter Fragen absticht.
So wenig es mir anstehen würde, das Werk besonders zu empfehlen, so kann
ich doch nicht umhin, ausser auf die äusserst vollständige Mittheilung
des Thatbestandes vorzüglich auf die Einleitung zur zweiten Abhandlung
aufmerksam zu machen. Es ist wohl selten nicht bloss die Continuität der
menschlichen Bestrebungen über gewisse Fragen zur Klarheit zu
gelangen, sondern auch die genetische Abhängigkeit der einzelnen
Beantwortungsversuche so bündig dargestellt worden, wie hier. Auch sei
mir erlaubt darauf aufmerksam zu machen, wie der Verfasser, ein
erklärter Anhänger Darwin's, ausdrücklich darauf hinweist, welch' grosse
Aufgaben wir in Folge der Darwin'schen Theorie noch zu lösen haben. Es
wird damit besonders denen ein wissenschaftlicher Dienst erwiesen,
welche zu glauben scheinen, dass sich die Naturforscher nun leichten
Kaufs über alle Schwierigkeiten hinwegsetzen zu können meinten. Dass
sich der Verfasser in Bezug auf den Inhalt der dritten Abhandlung
lediglich an die anatomischen Thatsachen gehalten hat, ohne auf das
geologische Detail einzugehen (über welches sich leider neuerdings ein
unerquicklicher persönlicher Streit in England erhoben hat), ist durch
das gleichzeitige Erscheinen des Buches von Sir Charles Lyell
hinreichend gerechtfertigt. Gerade die hier geäusserten Ansichten
dürften besonders den Anthropologen und Ethnographen zur Beherzigung zu
empfehlen sein.
=Leipzig=, im Juni 1863.
J. Victor Carus.