XXII.

Unweit der Stadt Rijssel, auf einem ungewöhnlich großen Felde, war das

französische Lager aufgeschlagen. Die unzähligen Zelte, die für so viele

Menschen nötig waren, bedeckten fast eine halbe Meile Landes. Da ein

hochaufgeworfener Wall das Lager einfaßte, hätte man von fern glauben

können, daß man eine befestigte Stadt vor sich habe, wenn nicht das Wiehern

der Pferde, die Rufe der Söldner, der Rauch der Wachtfeuer und die Tausende

flatternder Wimpel die Anwesenheit eines Lagers verraten hätte. Die

Abteilung, in der die edlen Ritter wohnten, war an den kostbaren

Standarten und gestickten Fähnlein zu erkennen. Während hier samtene Zelte

von verschiedenerlei Farben standen, traf man in der anderen Abteilung nur

kleine Zelte von Leinwand oder Stroh an. Es scheint unglaublich, daß ein so

zahlreiches Heer nicht vor Hunger umkam; denn in jenen Zeiten führte man

selten Lebensmittel mit sich; aber es war im Gegenteil an allem Überfluß.

Das Getreide lag im Schmutz herum, und die besten Lebensmittel wurden unter

die Füße getreten. Die Franzosen gebrauchten ein gutes Mittel, sich mit

allem zu versorgen und sich zu gleicher Zeit bei den Vlaemen verhaßt zu

machen. Unaufhörlich zogen große Söldnerscharen aus der Verschanzung, um

das Land zu durchstreifen und alles zu rauben, zu plündern und zu

vernichten. Die wilden Kriegsknechte hatten die Absicht ihres Feldherrn

Robert d'Artois vollständig begriffen; um sie auszuführen, vollbrachten sie

die furchtbarsten Greuel, die man im Kriege nur begehen kann. Als Sinnbild

der Verwüstung, mit der sie Flandern bedrohten, hatten sie kleine Besen an

ihre Speere gehängt, womit sie andeuten wollten: sie kämen, um Flandern

auszukehren und zu säubern; und in der Tat, sie unterließen nichts, um

diese Drohung auszuführen. Schon nach wenigen Tagen stand im ganzen

südlichen Teile des Landes kein einziges Haus mehr, nicht eine Kirche, kein

Schloß, kein Kloster, ja selbst kein Baum mehr. Alles war zerstört und

vernichtet. Man achtete weder Alter noch Geschlecht. Frauen und Kinder

wurden ermordet und ihre unbegrabenen Leichen den Raubvögeln zur Speise

gegeben.

In dieser Weise begannen die Franzosen den Kampf. Nicht die mindeste

Furcht, nicht die geringste Reue regte sich im Herzen der fremden

Bösewichte bei ihrem schändlichen Unternehmen; gestützt auf ihre übergroße

Macht, hielten sie sich für unüberwindlich; desto feiger und schändlicher

war ihr Tun. Bei ihren ehrlosen Waffen hatten sie geschworen, daß ganz

Flandern das gleiche Los treffen solle!

Am selben Morgen, da Gwijde die schöne Aufgabe erfüllte, die treuen Dienste

De Conincks und Breydels zu belohnen, hatte der französische Feldherr die

vornehmsten seiner Ritter zu einem prächtigen Gastmahl geladen.

Das Zelt des Grafen d'Artois war ungemein lang und breit und in

verschiedene Räume eingeteilt; da waren Gemächer für die Ritter, andere für

die Schildknappen und Waffenträger, für die Leibdiener und Köche und für

verschiedene andere Personen seines Gefolges. In der Mitte war ein großer

Saal, der abwechselnd zu Gastmählern oder Versammlungen des Kriegsrats

bestimmt war und gar viele Ritter fassen konnte. Die gestreifte Seide des

Zeltes war mit unzähligen kleinen silbernen Lilien bedeckt; an der

Vorderseite über dem Eingang hing das Wappen des Hauses Artois; ein wenig

weiter auf einer Erhöhung flatterte das große Lilienbanner Frankreichs. In

diesem prächtigen Gemach, das mit reichen Teppichen ausgehangen war, hatte

man lange geschnitzte Tische und Samtsessel aufgestellt. Wahrlich, ein

Palast konnte nicht mehr Reichtum und Pracht entfalten!

Oben an der Tafel saß Robert Graf d'Artois. Er hatte bereits ein hohes

Alter erreicht, war aber noch voll Lebenskraft; eine Narbe auf seiner

rechten Wange zeugte von seiner Tapferkeit im Krieg und verlieh seinen

Zügen noch mehr Strenge. War auch sein Gesicht durch tiefe Furchen und

braune Flecken entstellt, so blitzten doch seine Augen noch mit allem Feuer

männlicher Leidenschaft unter seinen buschigen Brauen hervor. Sein Gebaren

war wild, und seine kühnen Blicke ließen den unerbittlichen Krieger

erkennen.

Neben ihm zur Rechten saß der greise Sigis, König von Melinde; das Alter

hatte sein Haar gebleicht und sein Haupt gebeugt, und doch wollte er dieser

Schlacht beiwohnen. In der Gesellschaft so vieler alter Kriegskameraden

fühlte er den Mut in sein Herz zurückkehren und gelobte sich innerlich,

noch manche rühmliche Waffentat auszuführen. Das Gesicht des alten Fürsten

flößte die größte Ehrfurcht ein; Milde und Seelenruhe waren darin

ausgedrückt. Der gute Sigis würde die Vlaemen gewiß nicht bekämpft haben,

wenn ihm der Stand der Dinge bekannt gewesen wäre; aber man hatte ihn

gleich vielen anderen hintergangen, hatte vorgegeben, die Vlaemen wären

schlechte Christen, und man täte also ein gottgefälliges Werk, wenn man sie

bis auf den letzten Mann ausrottete. In dieser Zeit leidenschaftlichsten

Glaubenseifers genügte es, jemanden der Ketzerei zu beschuldigen, um ihm in

jedermann einen Todfeind erstehen zu lassen.

Zur Linken des Feldherrn saß Balthasar, König von Majorka, ein wilder und

tapferer Krieger; seine Züge bezeugten das hinlänglich. Der starre Blick

seiner schwarzen Augen war schier unerträglich. Wilde Freude erheiterte

sein Antlitz, da er hoffte, sein Reich, das ihm von den Mauren entrissen

war, wieder zu erhalten. Neben ihm saß Châtillon, der frühere Landvogt von

Flandern, der Mann, der das Werkzeug der Königin Johanna, die Ursache alles

geschehenen Unglücks war. Seine Schuld war es, daß so viele Franzosen in

Brügge und Gent ermordet worden waren; er war die Ursache der schrecklichen

Metzelei, die noch bevorstand. Welche Ströme nach Rache schreienden Blutes

lasteten auf dem Haupte dieses Tyrannen! Er gedachte, wie ihn die Brügger

schmachbedeckt aus ihrer Stadt verjagt hatten und rechnete auf gewaltige

Rache; es schien ihm unmöglich, daß die Vlaemen der vereinigten Macht so

vieler Könige, Fürsten und Grafen widerstehen könnten, und innerlich

jubelte er bereits, und sein Gesicht war fröhlich.

Auf ihn folgte sein Bruder Gui de Saint-Pol, der nicht minder rachsüchtig

war als er; weiter konnte man auch Thibaud, Herzog von Lothringen, zwischen

den Herren Johann von Barlas und Renauld von Trier bemerken; er war den

Franzosen mit sechshundert Pferden und zweitausend Bogenschützen zu Hilfe

gekommen.

Rudolf von Nesle, ein tapferer und edelmütiger Ritter, saß neben Herrn von

Ligny an der linken Seite der Tafel. Seine Züge verrieten Unzufriedenheit

und Betrübnis, und es war deutlich zu merken, daß ihm die grausamen

Drohungen, welche die Ritter gegen Flandern ausstießen, nicht behagten.

In der Mitte der rechten Seite, zwischen Louis von Clermont und dem Grafen

Jean d'Aumale, saß Gottfried von Brabant, der den Franzosen Berittene

zugeführt hatte.

Neben ihnen bewunderte man die hohe Gestalt des Seeländers Hugo van Arckel;

er ragte weit über die anderen Ritter empor, und sein kräftiger Wuchs

verriet hinlänglich, wie furchtbar ein solcher Kämpfer auf dem Schlachtfeld

sein mußte. Dieser Ritter war seit langen Jahren nirgend anders denn in dem

einen oder anderen Kriegslager zu Hause gewesen; seiner Tapferkeit und

großen Waffentaten wegen überall berühmt, hatte er eine Abteilung von

achthundert unverzagten Männern um sich versammelt und zog mit ihnen in

alle Lande, wo es nur etwas zu kämpfen gab. Mehrmals hatte er den Sieg

durch seine Gegenwart dem Fürsten, dem er diente, zugewandt; er wie seine

Leute waren mit Narben bedeckt. Dies beständige Kämpfen war sein Leben und

seine Erholung; Ruhe war ihm unerträglich. Er hatte sich in das

französische Lager begeben, weil er dort viele seiner Waffenbrüder gefunden

hatte; und da ihn lediglich die Lust zum Krieg leitete, so kümmerte er sich

wenig darum, für wen oder weshalb er kämpfte.

Unter anderem waren ferner noch die Herren Simon von Piémont, Louis de

Beaujeu, Froald, Kastellan von Douai, und Alin de Bretagne anwesend.

Eine weitere Ritterschar fand sich am unteren Ende der Tafel. Gleich als

hätten die Franzosen sie nicht zwischen sich haben wollen, saßen sie alle

nebeneinander auf dem am wenigsten ehrenvollen Platz. Wirklich hatten die

Franzosen darin nicht unrecht: diese Ritter waren verächtlich. Denn während

ihre Vasallen als echte Vlaemen den Feind erwarteten, waren ihre

Lehensherren im französischen Heere. Welche Verblendung trieb die

Abtrünnigen dazu, den Schoß ihrer Mutter gleich einer Schlange zu

zerfleischen? Sie fochten unter feindlicher Fahne, um das Blut ihrer

Landsleute auf vaterländischem Boden zu vergießen, vielleicht das Blut

eines Bruders oder das eines Busenfreundes; und weshalb? Um das Land, in

dem sie geboren waren, in Sklavenketten zu schlagen und den Fremden zu

unterwerfen.

Die Entarteten erkannten nicht, daß Schande und Verachtung über ihrem

Haupte schwebte; sie hatten kein Herz, um darin nagende Vorwürfe zu

empfinden! Die Namen dieser Abtrünnigen sind der Nachwelt erhalten

geblieben: Hendrik van Bautershem, Geldof van Winghene, Arnold van Eickhove

und sein ältester Sohn, Hendrik van Wilre, Willem van Redinghe, Arnold van

Hofstad, Willem van Cranendonc und Jan van Raneel waren unter den vielen

anderen die Vornehmsten.

Alle Ritter aßen von Tellern aus getriebenem Silber und tranken die

kostbarsten Weine aus goldenen Bechern. Die Gefäße, die vor Robert d'Artois

und den beiden Königen standen, waren kostbarer und größer als die der

anderen Herren; ihre Wappen waren kunstvoll darin eingegraben, und manch

unschätzbarer Stein glänzte an ihrem Rande. Während der Mahlzeit war viel

über den Stand der Dinge die Rede, und aus den Worten der Gäste konnte man

sehr wohl entnehmen, welch furchtbares Los dem verurteilten Flandern

zugedacht war.

»Ja, ja,« antwortete der Feldherr auf eine Frage Châtillons, »alles muß

vernichtet werden. Diese verwünschten Vlaemen sind nicht anders zu bändigen

als durch Feuer und Schwert; ließen wir diese Bauernschar leben, so hätten

wir nichts erreicht. Das muß ein Ende nehmen! Meine Herren! Laßt uns

kurzerhand vorgehen, damit wir unsere Schwerter nicht länger mehr mit

diesem schlechten Blute zu besudeln brauchen.«

»Fürwahr,« sprach Jan van Raneel, der Leliaert, »fürwahr, Herr d'Artois,

Ihr habt recht. Es ist nicht möglich, mit diesen Meuterern anders fertig

zu werden. Sie sind zu reich und würden sich bald über uns erhaben glauben.

Sie wollen bereits nicht mehr anerkennen, daß wir, die wir doch auch aus

edelm Blute entsprossen sind, sie als unsere Untertanen behandeln

dürfen, -- als ob das Geld, welches sie mit ihrer Hände Arbeit gewonnen

haben, ihr Blut veredeln könnte! Sie haben sich in Brügge und Gent Häuser

gebaut, die unsere Schlösser an Pracht übertreffen; ist das nicht eine

Schmach für uns? Gewiß, wir dürfen das nicht länger ertragen.«

»Wenn wir nicht alle acht Tage von neuem Krieg führen wollen,« bemerkte

Willem van Cranendonc, »so müssen alle Zunftleute erschlagen werden, denn

die Verbleibenden werden sich nicht ruhig verhalten; deshalb finde ich, daß

Herr d'Artois allen Grund hat, keinen zu verschonen.«

»Und was werdet ihr tun, wenn ihr all eure Vasallen ermordet habt?« fragte

der gewaltige Hugo van Arckel lachend. »Meiner Treu! Dann könnt ihr eure

Ländereien selbst pflügen. Eine schöne Aussicht, wahrhaftig.«

»O,« antwortete Jan van Raneel, »ich weiß ein gutes Aushilfsmittel: wenn

Flandern von dieser starrköpfigen Bande gesäubert ist, werde ich

französische Freigelassene aus der Normandie rufen und ihnen meine

Ländereien übergeben.«

»Auf diese Weise könnte Flandern wirklich ein Teil Frankreichs werden. Das

ist ein guter Vorschlag; ich werde dem König das vorstellen, damit er die

anderen Lehnsherren auffordert, sich auch dieses Mittels zu bedienen. Ich

glaube, das dürfte so schwer nicht sein.«

»Gewiß nicht, mein Herr. Findet Ihr meinen Gedanken nicht gut?«

»Ja, ja, das wollen wir schon zuwege bringen; laßt uns aber zuvor damit

beginnen, den Platz zu säubern.«

Bei diesen Worten verfinsterte innerer Gram die Züge Rudolfs von Nesle,

denn sein Edelmut sträubte sich gegen solche Grausamkeit. Er sagte

leidenschaftlich:

»Aber, Herr d'Artois, ich frage Euch, sind wir Ritter oder nicht, und

schätzen wir unsere Ehre so gering, daß wir ärger als die Sarazenen hausen

sollen? Ihr treibt die Grausamkeit zu weit; ich versichere Euch, es wird

uns nur Schande bringen vor der ganzen Welt. Wir wollen das Heer der

Vlaemen bekämpfen und besiegen, aber damit auch genug! Nennt dies Volk

nicht einen Haufen Bauern, wir werden genug damit zu tun haben! Und

unterstehen sie nicht dem Sohn ihrer Fürsten?«

»Konstable von Nesle,« rief Artois leidenschaftlich, »ich weiß, daß Ihr die

Vlaemen über alle Maßen liebt. Diese Liebe ehrt Euch, in der Tat!

Sicherlich flößt Euch Eure Tochter solch liebevolle Gesinnung ein?«[34]

[34] Adela, die Tochter Rudolfs von Nesle, war mit Wilhelm van

Dendermonde, einem der Söhne des alten Grafen von Flandern,

verheiratet.

»Herr d'Artois,« antwortete Rudolf, »daß meine Tochter in Flandern wohnt,

hindert mich nicht, ein ebenso guter Franzose zu sein wie nur irgendeiner;

mein Schwert hat das zur Genüge bewiesen, und ich habe deshalb allen Grund

zu glauben, daß diese Ritter Euren scherzenden Worten kein Gehör schenken

werden. Aber etwas liegt mir mehr am Herzen: die Ehre der Ritterschaft; und

ich versichere Euch, daß Ihr diese in große Gefahr bringt.«

»Was heißt das?« rief der Feldherr, »soll man daraus etwa verstehen, daß

Ihr die Meuterer verschonen wolltet?! Haben sie den Tod etwa nicht

verdient, als sie siebentausend Franzosen ohne Gnade ermordet haben?«

»Ohne Zweifel haben sie sich des Todes schuldig gemacht, und deshalb werde

ich auch die Krone meines Fürsten so schwer als möglich rächen. Aber nur an

denen, die mit den Waffen in der Hand gefunden werden. Ich berufe mich auf

diese Ritter: ziemt es sich wohl, daß wir unser Schwert zu einem

Henkerswerk gebrauchen und wehrlose Leute ermorden, während sie auf dem

Felde pflügen?!«

»Er hat recht!« rief Hugo van Arckel ergrimmt, »wir streiten gegen keine

Mauren, meine Herren, und es ist ein schändliches Werk, das uns da

aufgetragen wird. Bedenkt, daß wir es mit Christen zu tun haben! In meinen

Adern strömt auch deutsches Blut, und ich werde nicht leiden, daß man meine

Brüder wie Hunde behandelt; sie führen Krieg in offenem Feld und müssen

deshalb den Gesetzen des Krieges gemäß bekämpft werden.«

»Ist es wohl möglich,« erwiderte d'Artois, »daß Ihr diesen schlechten

Bauern das Wort redet? Unser Fürst, der ja nur zu gut ist, hat bereits

jedes Mittel versucht, um sie zu bändigen, aber alles war vergebens. Wir

sollten also unsere Leute ermorden, unseren König höhnen und schmähen

lassen und dann noch das Leben dieser aufrührerischen Schurken schonen?

Nein, das soll nicht geschehen! Ich weiß, welche Befehle mir gegeben sind,

und werde sie vollziehen.«

»Herr d'Artois,« fiel Rudolf von Nesle noch leidenschaftlicher ihm ins

Wort, »ich weiß nicht, welche Befehle Ihr empfangen habt, aber ich sage

Euch, daß ich ihnen nicht Folge leisten werde, wenn sie mit der Ehre der

Ritterschaft in Widerspruch stehen; selbst der König hat nicht das Recht,

meine Waffen zu entehren. Und hört, meine Herren, ob ihr anderer Ansicht

seid oder nicht: heute morgen bin ich in aller Frühe aus dem Lager

gegangen, überall fand ich die Zeichen der schrecklichsten Verwüstung. Die

Kirchen sind verbrannt und die Altäre beraubt, die Leichen von kleinen

Kindern und Frauen liegen haufenweise auf den Feldern und werden von den

Raben zerfleischt. Ich frage euch, handeln so ehrliche Krieger?«

Bei diesen Worten erhob er sich von der Tafel und nahm die Zeltdecke auf:

»Seht, meine Herren,« fuhr er fort und wies auf das Feld, »laßt eure Augen

nach allen Richtungen schweifen, überall gewahrt ihr die Flammen der

Verwüstung; der Himmel ist düster vom Rauch, dort hinten steht ein ganzes

Dorf in Flammen. Was bedeutet solch ein Krieg? Das ist schlimmer, als wenn

die grausamen Normannen wiedergekommen wären, um die Welt in eine

Mördergrube zu verwandeln!«

Robert d'Artois wurde rot vor Zorn, er rückte ungeduldig auf seinem Sessel

hin und her und rief:

»Genug davon! Ich werde nicht dulden, daß man so in meiner Gegenwart

spricht! Ich weiß, was ich zu tun habe! Flandern muß gesäubert werden, ich

kann ihm nicht helfen. Diese Redensarten mißfallen mir sehr, und ich

ersuche den Herrn Konstable, sich nicht länger in dieser Weise zu äußern.

Er mag sein Schwert rein erhalten, wir werden das auch tun; die Handlungen

unserer Söldner können uns nicht zur Schande gereichen. Laßt uns deshalb

dies ärgerliche Gespräch abbrechen, und ein jeder tue seine Pflicht.«

Er erhob seine goldene Trinkschale und rief: »Auf Frankreichs Ehre und der

Meuterer Vernichtung!«

Rudolf von Nesle wiederholte: »Auf Frankreichs Ehre!« und legte absichtlich

besonderen Nachdruck auf diese Worte; ein jeder sah daraus, daß er nicht

auf die Vernichtung der Vlaemen trinken wollte. Hugo van Arckel legte seine

Hand an den Becher, der vor ihm stand, erhob ihn jedoch nicht und sagte

auch nichts. Alle anderen wiederholten den Ruf des Feldherrn und tranken

auf die Vernichtung der Vlaemen.

Seit einigen Augenblicken hatten die Züge Hugos van Arckel einen

eigentümlichen Ausdruck angenommen: man konnte Mißvergnügen und Ärger

darauf lesen. Er blickte starr auf den Feldherrn, dann rief er aus:

»Ich würde mich schämen, noch auf Frankreichs Ehre zu trinken.«

Robert d'Artois flammte zornig auf; er schlug mit seiner Trinkschale auf

den Tisch, daß die Trinkgefäße der anderen Ritter in die Höhe sprangen, und

schrie:

»Herr d'Arckel, Ihr sollt auf Frankreichs Ehre trinken; ich verlange es!«

»Mein Herr,« entgegnete Hugo mit erkünstelter Ruhe, »ich trinke nicht auf

die Verwüstung eines Christenlandes. Ich habe lange in allen Gegenden

gekämpft, aber noch nie habe ich Ritter angetroffen, die ihr Gewissen mit

so schrecklichen Übeltaten hätten beschweren mögen.«

»Ihr sollt mir Bescheid tun, das fordere ich!«

»Und ich will es nicht!« antwortete Hugo. »Hört, Herr d'Artois, Ihr habt

mir bereits gesagt, daß meine Leute zu hohe Bezahlung verlangten und Euch

zu teuer kämen. Wohlan, Ihr sollt nicht mehr zu bezahlen haben, ich will

unter Eurem Heere nicht mehr dienen; so hat unser Streit ein Ende.«

Alle Ritter, selbst der Feldherr, wurden ob dieser Worte bestürzt, denn sie

empfanden den Abzug Hugos als einen großen Verlust. Der Seeländer stieß

seinen Sessel zurück, warf einen seiner Handschuhe auf den Tisch und rief:

»Meine Herren, ich sage, daß ihr alle lügt! Ich höhne euch ins Gesicht. Das

ist mein Handschuh, wer Lust hat, mag ihn aufnehmen; ich fordere ihn auf

den Kampfplatz!«

Fast alle Ritter griffen ungestüm danach, auch Rudolf von Nesle; aber

Robert d'Artois hatte sich so hastig herzugedrängt, daß er ihn vor den

anderen ergriffen hatte.

»Ich nehme Eure Herausforderung an,« sprach er, »kommt, wir wollen gehen!«

Der alte König Sigis von Melinde richtete sich auf und erhob zum Zeichen,

daß er sprechen wollte, seine Hand über den Tisch. Die große Ehrfurcht, die

beide Kämpfer vor ihm empfanden, hielt sie zurück; sie blieben schweigend

stehen, um ihn zu hören. Der Greis sprach: »Meine Herren, laßt euren Eifer

sich ein wenig abkühlen und schenkt meinem Rate Gehör. Ihr, Graf Robert,

seid in diesem Augenblick nicht Herr Eures Lebens; wenn Ihr fallt, wird das

Heer Eures Fürsten ohne Feldherr und deshalb der Unordnung und

Zersplitterung ausgesetzt sein; das dürft Ihr nicht wagen. Euch, Herr van

Arckel, frage ich, ob Ihr an der Tapferkeit des Herrn d'Artois zweifelt?«

»Keineswegs,« antwortete van Arckel, »ich erkenne gern an, daß Herr Robert

ein unverzagter, mutiger Ritter ist.«

»Wohlan,« fuhr König von Melinde fort, »Ihr hört es, Feldherr, man tritt

Eurer Ehre nicht zu nahe; so bleibt Euch nur noch die Schmach zu rächen,

die Frankreich widerfahren ist. Ich rate euch beiden, den Kampf bis auf

einen Tag nach der Schlacht zu verschieben. Meine Herren, gebt es nur alle

zu: ist mein Rat nicht auf eine weise Vorsicht gegründet?«

»Ja, ja,« antworteten die Ritter, »es sei denn, daß der Feldherr einem von

uns die Gunst erzeigen wollte, den Handschuh für ihn aufzunehmen.«

»Schweigt,« rief Artois, »davon will ich nichts hören! Herr van Arckel,

willigt Ihr in diese Verzögerung?«

»Das geht mich nichts an. Ich habe meinen Handschuh hingeworfen, und der

Feldherr hat ihn aufgenommen; er mag also die Zeit festsetzen, ihn mir

wiederzugeben.«

»So sei es,« sprach Robert d'Artois, »wenn die Schlacht nicht bis

Sonnenuntergang dauert, werde ich Euch noch am gleichen Abend aufsuchen.«

»Gebt Euch die Mühe nicht,« antwortete Hugo, »ich werde eher bei Euch sein,

als Ihr es denkt.«

Sie riefen sich noch einige Drohungen zu, doch das dauerte nicht lange. Der

alte König Sigis unterbrach sie:

»Meine Herren, es ziemt sich nicht, daß Ihr länger darüber sprecht! Laßt

uns die Becher noch einmal vollschenken und vergeßt Euren Mißmut. Setzt

Euch nieder, Herr van Arckel.«

»Nein, nein!« rief Hugo, »ich setze mich nicht nieder, ich verlasse sofort

das Heer. Lebt wohl, meine Herren, wir werden einander auf dem Schlachtfeld

wiedersehen: Gott behalte euch unter seinem Schutze!«

Damit verließ er das Zelt und rief seine achthundert Mann zusammen; kurz

danach hörte man Trompetenschallen und das Waffengeklirr einer abziehenden

Rotte. Hugo van Arckel verließ das Lager der Franzosen und kam noch am

gleichen Abend zu den Vlaemen, denen er seine Dienste anbot. Es läßt sich

leicht denken, mit welcher Freude sie ihn empfingen; denn man rühmte ihn

und seine Leute als unüberwindlich, und sie verdienten auch diesen Namen.

Die französischen Ritter hatten sich wieder zu Tische gesetzt und tranken

tüchtig. Während sie noch über Hugos Vermessenheit sprachen, trat ein

Herold in das Zelt und verbeugte sich ehrerbietig vor den Rittern. Seine

Kleidung und seine Waffen waren mit Staub bedeckt, und der Schweiß rann ihm

von der Stirn. Alles verriet, daß er in größter Hast herbeigeeilt und fast

außer Atem gekommen war. Die Ritter betrachteten ihn neugierig, während er

ein Pergament unter seinem Harnisch hervorzog, es dem Feldherrn überreichte

und sprach:

»Mein Herr, diese Urkunde wird Zeugnis dafür ablegen, daß ich von Herrn van

Lens aus Kortrijk zu Euch gesandt bin, um Euch unsere Not zu klagen.«

»Wohlan, sprecht!« rief von Artois ungeduldig, »kann Herr van Lens das

Kastell von Kortrijk nicht gegen einen Haufen Landstreicher verteidigen?«

»Gestattet mir, Euch zu sagen, daß Ihr Euch täuscht,« antwortete der Bote.

»Die Vlaemen besitzen ein Heer, das keineswegs zu verachten ist; sie sind

über dreißigtausend Mann stark und haben Pferde und Kriegsgerät im

Überfluß; sie bauen furchtbare Wurfmaschinen, um das Kastell zu bestürmen.

Unsere Lebensmittel und Pfeile sind zu Ende, und wir haben bereits

begonnen, einige unsrer schlechtesten Pferde zu verzehren. Sollten Eure

Hoheit noch einen Tag länger zögern, den Herrn van Lens zu entsetzen, dann

werden inzwischen alle Franzosen in Kortrijk erschlagen sein; denn es gibt

keinen Ausweg, um zu entkommen. Die Herren van Lens, Montenay und Rayecourt

bitten demütigst, daß Ihr sie aus dieser Gefahr erretten wollet.«

»Meine Herren,« rief Robert d'Artois, »welch herrliche Gelegenheit; schöner

können wir sie uns gar nicht wünschen. Alle Vlaemen haben sich bei Kortrijk

zusammengerottet! Wir gehen hin, greifen sie an, und es sollen nicht viele

von ihnen entkommen; durch die Hufe unserer Rosse soll diesem schlechten

Volke sein Recht werden. Ihr, Bote, bleibt im Lager, morgen sollt Ihr mit

uns in Kortrijk sein. Nun noch einen Trunk zum Abschied, meine Herren. Geht

und rüstet eure Scharen für den Marsch, wir müssen schleunigst aufbrechen.«

Kurz darauf verließen sie das Zelt, um dem Befehl ihres Anführers

nachzukommen. Von allen Seiten erklangen die Trompeten, um die Söldner aus

dem Felde zurückzurufen; die Pferde wieherten, die Waffen klirrten,

kriegerischer Lärm erscholl aus allen Teilen des Lagers. Einige Stunden

später waren die Zelte abgebrochen und auf die Troßwagen gepackt, und alles

war bereit. Wohl fehlten noch viele Söldner, die sich irgendwo mit Plündern

aufhielten; aber das konnte bei einem so zahlreichen Heere nicht auffallen.

Nachdem sich jeder Anführer an die Spitze seiner Scharen gestellt hatte,

bildeten die Ritter zwei Abteilungen, und das Heer zog in folgender Ordnung

aus der Verschanzung:

Die erste Abteilung, die mit fliegenden Standarten aus dem Lager kam,

bestand aus dreitausend ausgezeichneten leichtberittenen Kriegern; sie

hatten eine lange Streitaxt in der Hand, und lange Schwerter hingen an

ihrem Sattelknopf. Ihre Rüstung war nicht so schwer wie die der anderen

Reiter; deshalb ritten sie voraus und waren gleichsam für die ersten

Plänkeleien bestimmt. Unmittelbar darauf folgten viertausend Bogenschützen

zu Fuß; sie schritten stolz und in dichtgeschlossenen Reihen dahin, indem

sie ihr Gesicht mit großen viereckigen Schilden vor den Strahlen der Sonne

schützten. Ihre Köcher waren mit Pfeilen gefüllt, und ein kurzer Degen ohne

Scheide glänzte an ihrem Gürtel. Das waren die Kriegsleute, die aus dem

Süden Frankreichs gekommen waren; mehr als die Hälfte waren Spanier und

Lombarden. Jean von Barlas, ein tapferer Krieger, ritt neben diesen Scharen

auf und nieder und war ihr Oberbefehlshaber.

Die zweite Abteilung stand unter dem Befehl Renaulds von Trier und zählte

dreitausendzweihundert schwere Reiter. Sie saßen auf großen, kräftigen

Schlachtrossen und hatten ein breites, glänzendes Schwert rechts

geschultert; Harnische von Eisen umhüllten ihren Leib, und Platten aus

einem Stück waren überall um ihre Glieder geschnallt. Den größten Teil

dieser Leute hatte das Gebiet von Orleans geliefert.

Der Herr Konstable von Nesle führte die dritte Abteilung. Erst kam eine

Schar von siebenhundert edeln Rittern, in schimmernder Rüstung und mit

zierlichen Fähnlein an ihren Speeren; flatternde Federbüsche hingen von

ihren Helmen auf den Rücken herab, und ihre Wappen waren in allerlei Farben

auf ihren Harnischen dargestellt. Die Pferde waren vom Kopf bis zu den

Füßen mit Eisen bekleidet, und zierliche Troddeln hingen überall an ihrer

Seite. Mehr als zweihundert gestickte Standarten ragten über diese Schar

empor; das war unstreitig der herrlichste Ritterzug, den man in diesen

Zeiten sehen konnte. Alle waren auf das kostbarste bewaffnet. Hinter ihnen

kamen noch zweitausend Söldner zu Pferde, mit langen Marteelen oder

Waffenhämmern auf den Schultern, dann hing noch das Schlachtschwert an

ihrem Sattel. Sie waren aus Geschwadern zusammengesetzt, die zum stehenden

Heere Philipps des Schönen gehörten.

Die Spitze der vierten Abteilung führte Herr Ludwig von Clermont, ein

erfahrener Krieger. Sie bestand aus dreitausendsechshundert Lanzenreitern,

die das Königreich Navarra gestellt hatte. An ihrer gleichmäßigen

Bewaffnung konnte man wohl bemerken, daß es erlesene, wohlgeübte Truppen

waren. Vor dem ersten Gliede ritt der Fahnenträger mit der großen Standarte

von Navarra.

Robert Graf d'Artois, der Oberfeldherr des Heeres, hatte die fünfte, die

Hauptabteilung unter seinen Befehl genommen. Alle Ritter, die keine Leute

mitgebracht oder sie den anderen Scharen einverleibt hatten, befanden sich

bei ihm. Die Könige von Majorka und Melinde ritten an seiner Seite. Unter

allen anderen stach Thibaut II., Herzog von Lothringen, durch seine

kostbare Rüstung hervor; ebenso bemerkte man die stolzen Standarten der

Herren Johann Graf von Tarcanville, Angelin von Vimeu, Renold von

Longueval, Farald von Reims, Arnold van Wesemaal, Marschall von Brabant,

Robert von Mortfort und unzählige andere. Diese Abteilung übertraf die

dritte noch an Pracht. Die Helme der Ritter waren versilbert oder vergoldet

und ihre Harnische an den Gelenken mit goldenen Knöpfen verziert. Die

Sonne, die auf den blinkenden Stahl ihrer Rüstungen niederbrannte, hüllte

diesen herrlichen Zug in flammende Glut. Die Schlachtschwerter, die an

ihrer Seite hingen, schwankten hin und her und schlugen klirrend an die

eiserne Bedeckung der Pferde. So entstand ein fortwährendes Klingen und

Klirren, das den Zug wie Kriegsmusik auf dem Wege begleitete. Auf die edeln

Ritter folgten fünftausend Reiter mit Streitäxten und Waffenhämmern.

Außerdem gehörten zu dieser Abteilung noch sechzehntausend Fußmannen,

welche in drei Gruppen geteilt waren. Die erste bestand aus tausend

Armbrustschützen; sie hatten nur eine stählerne Brustplatte und einen

flachen, viereckigen Helm als Schutzwaffe; kleine Köcher voll eiserner

Pfeile hingen an ihrem Gürtel und lange Degen an ihrer Seite. Die zweite

Schar zählte sechstausend Mann. Sie war mit Keulen bewaffnet, die am dicken

Ende mit furchtbaren stählernen Spitzen beschlagen waren. Die dritte

bestand aus Helmhauern mit langen Beilen. Alle diese Leute waren aus der

Gascogne, der Languedoc und der Auvergne[35] gekommen.

[35] Französische Provinzen.

Herr von Châtillon, der Landvogt, führte den Befehl über die sechste

Abteilung. Deren zahlreiche Glieder bestanden aus dreitausendzweihundert

Söldnern zu Pferde. Auf die Wimpel ihrer Speere hatten sie flammende Besen

gemalt, zum Zeichen, daß sie Flandern säubern wollten; sie hatten die

schwersten Pferde vom ganzen Heer, und doch konnten auch diese nur mit Mühe

unter der Last all des Eisens, das sie bedeckte, vorwärtskommen.

Dann folgten die siebente und achte Abteilung; die erstere stand unter dem

Befehl von Johann Graf von Aumale, die andere unter dem Herrn Ferry von

Lothringen. Jede von ihnen umfaßte zweitausendsiebenhundert Reiter aus

Lothringen, der Normandie und der Picardie[36].

[36] Französische Provinzen.

Herr Gottfried von Brabant bildete mit seinen eigenen Vasallen, insgesamt

siebenhundert wohlgerüsteten Reitern, die neunte Abteilung.

Die zehnte und letzte Abteilung des Heeres war Herrn Gui de Saint-Pol

anvertraut; er mußte den Nachtrab bilden und das Gepäck des Heeres

bewachen.

Dreitausendvierhundert Reiter von allen Waffengattungen ritten voraus, dann

folgte noch ein großer Haufe Fußvolks mit Bogen und Schlachtschwertern. Im

ganzen waren es beinahe siebentausend Mann. Ein Teil von ihnen schwärmte

mit brennenden Fackeln vom Heere nach allen Richtungen hin aus, um alles,

was nur brennen wollte, zu vernichten. Endlich folgten unzählige Troßwagen,

die mit den Zelten und dem Kriegsgerät beladen waren.

So zog das französische Heer, in zehn Scharen geteilt und über

sechzigtausend Mann stark, langsam den Weg dahin, der nach Kortrijk führte.

Das Auge konnte diesen ungeheuren Zug in seiner ganzen Ausdehnung gar nicht

erfassen; die vordersten waren schon am Horizont verschwunden, ehe noch die

letzten das Lager verließen.

Tausende flatternder Wimpel wehten über dem wandernden Heere, und die Sonne

spiegelte sich herrlich blinkend in den Rüstungen der stolzen Truppen. Die

Pferde schnaubten und stöhnten unter ihrer Last; die Waffen schlugen

klirrend widereinander, und aus all diesen verschiedenen Tönen entstand ein

dumpfes Geräusch, das dem Brausen der stürmenden See glich. Überall, wohin

die vernichtenden Krieger gedrungen waren, stoben die Flammen in dichten

Rauchwolken zum Himmel empor. Nicht eine einzige Wohnung entging der

Verwüstung; die Chroniken bezeugen, daß kein Mensch, kein Tier verschont

wurde.

Flandern war von Rijssel bis Douai und Kortrijk so verheert, daß sich die

französischen Vandalen wohl mit Recht rühmen konnten, es wie mit einem

Besen ausgefegt zu haben.

Tief in der Nacht kam das Heer des Herrn d'Artois in die Nähe von Kortrijk.

Châtillon kannte die Gegend genau, weil er geraume Zeit in der Stadt

gewohnt hatte; deshalb wurde er zum Feldherrn gerufen, um den Platz zum

Lager zu bestimmen. Nach kurzer Beratung bogen sie mit den verschiedenen

Abteilungen ein wenig rechts ab und schlugen ihre Zelte auf dem Pottelberg

und den umliegenden Feldern auf.

Herr d'Artois nahm mit den beiden Königen und einigen vornehmen Herren

Besitz von dem Schlosse Hoogmosscher, das unweit des Pottelberges lag.

Zahlreiche Wachen wurden ausgestellt, und die übrigen begaben sich ganz

furchtlos zur Ruhe; in allzu großem Vertrauen auf ihre Übermacht hätten sie

nie geglaubt, daß man es wagen würde, sie anzugreifen.

Solcherart befanden sich die Franzosen etwa eine Viertelstunde vom Lager

der Zünfte; die Vorposten konnten einander in der Finsternis auf und ab

wandeln sehen.

Die Vlaemen hatten ihre Wachen verdoppelt und befohlen, daß man nur

bewaffnet zur Ruhe gehen dürfe.

Der Löwe von Flandern: ein historische Roman aus Alt-Belgien · 第 27 / 31 题