Lestyák überflog den Brief zerstreut, verwirrt, dann schob er ihn den
Richtern hin, damit diese sehen sollen, wie heikel die Potentaten mit
dem Kecskeméter Oberrichter umgehen.
Unterdessen bemerkte er, bis über die Ohren rot werdend, den
forschenden Blick Olaj Begs, der immer auf ihm ruhte. Er saß auf
Nadeln unter unangenehmen Gefühlen; hierzu gesellte sich die Stunden
andauernde Flut der Geständnisse, der Dunst des Saales. Ein Schwindel
überkam ihn und gerade wollte er den Vorsitz an Poroßnoki abgeben, als
draußen ein Entsetzensschrei laut wurde und sich durch die Gassen
wälzte, immer näher und näher kommend, die Fenster erschütternd.
Die Richter liefen entsetzt zum Fenster und taumelten totenbleich
zurück. Der Ráró lief wild gegen das Stadthaus, auf ihm saß
niedergebunden der alte Lestyák mit dem Kaftan -- aber ohne Kopf. Aus
dem Rumpfe tropfte das Blut. Das Pferd und der Kaftan waren mit Blut
bedeckt.
Neuntes Kapitel.
Die Haare Poroßnokis standen zu Berge.
»Entsetzlich!«
Der Oberrichter fiel mit dem Gesichte auf den Tisch und schluchzte.
»Unfaßbar!« bemerkte Olaj Beg, als man ihm erklärte, daß der Alte im
Kaftan bei einer Truppe des Großveziers war.
Herr Agoston befaßte sich mit dem Oberrichter.
»Kommen Sie, mein edler Herr. Lösen wir den Gerichtshof auf. Auch die
Grenzen der Pflicht übersteigt der große Schmerz, der Sie betroffen.«
Max schauerte zusammen und wischte die Thränen aus den Augen.
»Ich bin stark. Keinen Schritt weiche ich von hier, bis ich nicht
Rache genommen habe für meinen Vater. Dies hat man nicht im
Türkenlager gethan.«
Sofort befahl er, daß man den Leichnam nach Hause trage und denselben
wasche. Zwei berittene Trabanten aber sollten die Blutspuren
verfolgen, bis sie den Kopf und die Erklärung des Rätsels fänden.
»Den Kaftan nehmet ihm ab und bringet ihn herauf,« ergänzte Poroßnoki
die Ordre.
Nach kurzer Zeit brachte Pintyö weinend den blutigen Mantel. Olaj Beg
und Mollah Cselebit sprangen in die Höhe und eilten den Saum zu
küssen, als sie aber näher kamen, verzog der Beg sein häßliches
Gesicht.
»Bei Allah, das ist nicht der echte Kaftan! Es fehlt das Zeichen des
Scheik--ül--Islam.«
Mollah Cselebit legte seine Hände über die Brust und wiederholte
gedankenvoll:
»Das ist nicht das heilige Kleid.«
Die Kecskeméter Bürger, die unter den Zuhörern saßen, sahen erstarrt
den Oberrichter an.
»Verrat!« rief Kristof Agoston.
Franz Kriston sprang von der Zeugenbank auf und stellte sich vor den
Oberrichter.
»Verantworten Sie sich! Der Schlüssel war Ihnen anvertraut.«
»Ich weiß von nichts,« sagte der Oberrichter gereizt. (Er war wie das
Eisen: desto härter, je mehr man es schlägt.)
»Welch' großer Schlag, welcher Schlag für Kecskemét!« rief Poroßnoki
die Hände ringend.
Wie der weggeschleuderte Stein, so schwirrten die Stimmen in der Luft:
»Tod dem Schuldigen!«
»So ist's! Auch ich werde es aussprechen.«
Zwischenrufe wurden laut.
»Er gehört nicht auf den Präsidentenstuhl, sondern auf die
Anklagebank.«
»Ruhe!« schrie der Oberrichter und klirrte mit dem Säbel, der, seitdem
er geadelt wurde, immer vor ihm auf dem Tisch lag. »Hier sitze ich im
Präsidentenstuhl und hier bleibe ich. Ich will sehen, wer sich zu
rühren getraut, wenn der Oberrichter von Kecskemét Ruhe gebietet.«
Nur auf den Friedhöfen herrscht eine solche grauenhafte Stille, wie
sie nun eintrat.
»Wer ist der Elende, der seinen Stachel gegen mich ausstreckt? Wenn
ich gewußt hätte, daß der Mantel nicht der echte ist, hätte ich in
demselben meinen eigenen Vater gesendet? Das Ding ist unbegreiflich.
Gott hat es gefallen, eine Prüfung zu senden über Kecskemét, jedoch
verzagen wir nicht, denn was immer auch geschehe, noch herrscht hier
eine starke Hand. Deswegen, mein lieber Herr Senator Kriston, eilen
Sie sofort und tragen Sie den Türken nach Talfája die verlangte
Brandschatzung, damit nicht aus zwei Übeln drei werden.«
Kriston ging sofort, bevor er aber noch zur Thür gelangt war, öffnete
sich diese mit großem Geräusch und herein stürzte Czinna. Sie war
weiß, wie eine Lilie, ihr Gang unstät, aus ihren schönen Augen
stürzten Thränen.
»Was suchst du hier?« fuhr sie der Oberrichter an, seine Brauen
zusammenziehend. »Geh' nach Hause weinen!«
»Hier ist mein Platz!«
Und sie stürzte in die Knie. Ihr roter, unten mit Spitzen versehener
Rock hob sich ein wenig in die Höhe und ließ ihre entzückenden Knöchel
sehen.
Olaj Beg schleuderte den Sessel von sich.
»Das ist sie, das ist sie! Mein Herr Max Lestyák, sehen Sie sich diese
hier an. Dieses Mädchen war bei mir im Lager. Nie erblicke ich Mekka,
wenn es nicht wahr ist.«
Poroßnoki und Agoston richteten ihre Augen starr auf den Oberrichter,
der merklich verlegen wurde und bis über die Ohren rot war. Dies war
seine schwache Seite. Nun fing er an, die Energie zu verlieren. Czinna
beugte traurig den Kopf.
»Nie sah ich dich, guter Mann.«
Der Oberrichter warf ihr einen dankbaren Blick zu, wie wenn er sagen
wollte: »Du hast mich nur wiedergegeben,« dann zischte er zwischen den
Zähnen: »Alles fällt, stürzt, es war alles verfehlt.«
»Was willst du, mein Kind?« fragte jetzt der Szenteser Franz Balogh.
»Warum stehst du nicht auf?«
Der Brust des Mädchens entrang sich ein krampfhaftes Schluchzen.
»Ich bin an allem Schuld. Ich bin die Schuldige. Ich habe den
Schlüssel der Eisentruhe dem Vater Lestyáks gegeben, da zu ihm aus
einer fremden Stadt Leute mit der Bitte kamen, er möge ihnen einen
Mantel, wie der unsrige ist, für fünftausend Goldstücke nähen.«
Ein gefahrdrohendes Gemurmel folgte diesen Worten. Der Oberrichter
wendete sein bleiches Antlitz gegen die Wand. Auf diesen Schlag war er
nicht vorbereitet.
»Wie konntest du dies thun?« schrie Poroßnoki, »sei aufrichtig, die
Aufrichtigkeit kann deine Sünde mildern.«
Czinna drückte ihre Hände aufs Herz, ihre langen Wimpern schlossen
sich. Sie glaubte vor Schande vergehen zu müssen und doch mußte sie es
sagen in dieser traurigen Stunde.
»Weil ich liebe, ich liebe Max Lestyák mehr als mein Leben, mehr als
diese Stadt. Der Alte hat viertausend Goldstücke für mich bestimmt,
damit sein Sohn, der seit dritthalb Jahren mit mir im Brautstand lebt,
mich zur Frau nehme. Er hat es bisher nicht gethan, weil wir beide arm
sind. Ich habe seinen Worten Glauben geschenkt und ihm den Schlüssel
übergeben.«
Ihr bleiches Gesicht rötete sich, aus der weißen Lilie wurde eine
Rose, aber nur auf eine halbe Minute.
»Welcher Skandal!« brüllte Herr Agoston. »Wenn ich nur bis an mein
Lebensende in Waitzen geblieben wäre.«
»Was dann?« fragte Poroßnoki unruhig.
Der Oberrichter faßte krampfhaft die Sessellehne, die Welt drehte sich
im Kreise, vor seinen Augen tanzten die winzigen Buchstaben, die der
Schriftführer aufs Papier warf. Seine Lippen biß er blutig: »Nur jetzt
noch, nur eine halbe Stunde noch soll ich keine Schwäche zeigen.«
»Und dann?« nahm Czinna das Wort mit ersterbender Stimme. »Ja, dann.
Was geschah mir? (Mit ihrer Hand rieb sie ihre marmorglatte Stirn.) Er
ging zur Eisentruhe, bei Nacht nahm er den Kaftan mit und nähte dann
einen ähnlichen. In der vergangenen Nacht nahmen ihn die Besteller
mit.«
»Alles ist klar,« murmelte Poroßnoki. »Er war ein stolzer Meister und
glaubte, wollte es zeigen, daß beide gleich sind. Und heute zog er ihn
an, damit er die Wirkung seines Prachtwerkes genieße.«
»Und wer waren die Besteller?« frug der Szegediner Börcsök. Er dachte
bei sich: »Ob es nicht die Unserigen waren?«
»Ich weiß es nicht,« antwortete Czinna. »Auch der Entseelte wußte es
nicht. Das Ganze geschah im Geheimen. >Eine weit liegende Stadt<, mehr
sagte er mir nicht.«
»Die Stadt müssen wir auffinden,« meinte Herr Agoston traurig.
»Wir werden sie finden,« sagte mit dumpfem Ton der Oberrichter. Dies
war sein erstes Wort während des Geständnisses.
»Dies wird der Fall sein, wenn es eben der Fall sein wird,« meinte
Herr Permete mit bitterem Ton, »jetzt aber sind Sie ein Mann beim
Urteilsspruche, wenn Sie es zu sein vermögen.«
Es war nicht anders, als wenn Herr Permete frisches Blut in seine
Adern gegossen hätte. Ihn, Max Lestyák, fordert man auf, ein Mann zu
sein! Seine Augen sprühten Funken.
»Das werde ich auch sein,« sprach er rauh und zog ein mit Siegel
versehenes Dekret aus der Tasche. Er stand auf und begann feierlich zu
lesen: »Wir Leopold I. von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich ....«
Seine Stimme versagte, sie wurde zum Röcheln, seine Hände zitterten,
nach Luft schnappend reichte er das Dekret Herrn Agoston hin.
»Lesen Sie es vor!« Dann setzte er matt hinzu: »Ich bin ja auch nur
ein Mensch!«
Wie wenn es ihm aber leid thäte, dies gesagt zu haben, rief er Pintyö
zu:
»Man muß die Fenster öffnen. Mir ist nicht gut .... Die erstickende
Atmosphäre!«
Herr Agoston verlas unterdessen das königliche Dekret, das auf
Diebstahlsfakten und auf Verrat das Standrecht für das Gebiet der
Stadt Kecskemét verkündete und den Magistrat von Kecskemét mit dem
Blutbannrechte bekleidete.
Es folgt die Abstimmung.
Dem Herrn Poroßnoki gehört das erste Votum:
»Dieses Mädchen hat die Stadt verraten. Ich verurteile sie zum Tode
durch das Schwert.«
Nach ihm folgte Herr Börcsök.
»Schwert!« sagte er kurz.
Mollah Cselebit sagte:
»Sie hat es aus Liebe gethan. Sie ist nicht schuldig.«
Nun kam an Herrn Franz Balogh die Reihe:
»Sie wußte nicht, daß für die Stadt ein so entsetzliches Unglück
daraus erwachsen konnte. Sie thue Buße.«
Es herrschte eine Stille, daß man das Pochen der Herzen, das Schwirren
eines zum Fenster hereingeflogenen Schmetterlings hören konnte. Zwei
Voten verlangten den Tod, die beiden anderen beließen das Leben. Es
folgte in der Abstimmung der Czegléder Lebzelter, er dachte lange
nach, aus seiner Stirn perlte der Schweiß.
»Es wird ein wenig Kerker auch genügen,« stöhnte er.
Diejenigen, deren Herz voller Teilnahme für das Mädchen war, atmeten
frei auf, sie wollten nicht, daß diesen herrlichen Hals das Richtbeil
vom Körper trenne. Nur Herr Agoston war noch zurück.
»Tod!« rief er rauh.
Wieder standen die Voten gleich. Der Präsident hatte zu entscheiden.
Welch' fürchterliche Scene! Der Oberrichter erhob sich mit
bewundernswürdiger Seelenruhe: elastisch dehnte sich seine Gestalt, er
nahm den neben seinem Säbel liegenden Stab zur Hand, und drehte an
demselben. Der Stab krachte; er war entzweigebrochen.
»Tod!« sagte er vernehmbar und ruhig.
Das Mädchen sah ihn entsetzt an, dann stürzte sie mit einem
markerschütternden Aufschrei zusammen. Aus den Reihen der Zuhörer
tönte Gezisch mit Eljenrufen untermengt.
»Er ist doch ein großer Mann!« flüsterten die Kecskeméter einander zu.
»Ein schlechter Mensch!« murmelte Mollah Cselebit.
Der Oberrichter kümmerte sich um all' dies nicht, er verließ den
Richtertisch, jetzt verpflichtete ihn nichts mehr. Er beugte sich über
seine Geliebte, hob sie auf, küßte sie und flüsterte ihr ins Ohr:
»Befürchte nichts, ich rette dich.«
»Er hat zwei Herzen,« meinte Herr Permete zu seinen Kameraden.
Und der Mann mit den zwei Herzen verließ den Saal mit sicheren,
männlichen Schritten, wie wenn nichts geschehen wäre, dann ging er
nach Hause, sperrte sich mit dem geköpften Leichnam ins Zimmer ein und
redete stundenlang zu demselben:
»Warum hast du das gethan, warum hast du es gethan? Schau, welch'
Unglück du auf dich, auf mich und auf sie heraufbeschworen hast. Du
warst kein schlechter Mensch, ich weiß es wohl .... Der Ehrgeiz war
dein Henker. Man hat in dir dieses ungarische Ungeheuer erweckt. Aus
Ehrgeiz hast du den Kaftan gemacht, aus Ehrgeiz hast du den unsrigen
weggegeben. Du hast auch das arme Mädchen mit hineingerissen, wenn du
nur dies nicht gethan hättest, ihr Herz war der Hebel. Du hast ihn
gefunden. Alles zerfiel. Hier stehe ich gebrochen ... Ich konnte den
Schatz nicht ermessen, welchen ich in jenem Mädchen besaß ...«
Dann verfügte er sich in das andere Zimmer und suchte den großen mit
Gold gefüllten Korb hervor ...
»Da nimm's hin, Erzsi! Gehe in den Garten und streue es unter das
Volk!«
Das weinende Mädchen gaffte und staunte, gehorchte aber dann dem
mächtigen Oberrichter der Stadt und streute die funkelnden Dukaten mit
vollen Händen in den Sand der Straße, in die Furchen, zwischen das
Gestrüpp. Der Oberrichter sah eine Weile vom Fenster aus dem Treiben
der Leute zu, wie sie um das Gold drängten und balgten.
Als aber Erzsi zurückkehrte, war er nicht mehr da. Er war nirgends.
Wann er weggegangen, wohin er gegangen, niemand, niemand hatte ihn
gesehen. In Kecskemét hat keine Seele mehr mit ihm gesprochen.
* * * * *
Für den vierten Tag war Czinnas Enthauptung anberaumt worden.
Drei Tage brachte sie in der Armesünderzelle zu. Sie betete vor dem
Kruzifix, auf welchem Tag und Nacht der Glanz zweier Wachskerzen
flimmerte.
Diese Zeit reichte für alle Vorbereitungen hin. Die Zimmerleute
erbauten das Blutgerüst gegenüber dem grünen Thore des Stadthauses;
Paul Fekete war als Vertrauensmann damit beauftragt worden, den
Scharfrichter aus Fülek zu holen. (Die Senatoren hatten anderes zu
thun, sie forschten in den Kecskeméter Teichen nach dem verschwundenen
Oberrichter.)
Endlich am vierten Tage, als von dem Turme der St. Nikolauskirche die
neunte Stunde schlug, entstand eine große Bewegung in der versammelten
Volksmenge. Es erklang die Armesünderglocke.
Jetzt bringt man Czinna auf den Richtplatz. Sie ist mit einem
einfachen weißen Rock bekleidet, welchen fast ganz das aufgelöste
lange Haar bedeckt.
Dem wird gleich Gáspár Szekeres, der Barbier abhelfen. Flugs war er
mit seiner Scheere zur Verurteilten geeilt und mit einem Schnitt war
es um das schöne Haar geschehen ... damit's den Scharfrichter nicht in
seiner Arbeit hindere. Dann stellte sich Franz Kriston auf einen Stuhl
und verlas das Todesurteil.
Nun ergriff Pater Bruno das Mädchen bei der Hand, um es auf das Podium
zu führen, wo der Scharfrichter wartete, das scharfgeschliffene
Richtschwert in der einen, die weiße Binde in der anderen Hand
haltend. Damit werden ihr die Augen verbunden.
»Entsetzlich, das mit anzusehen!« sprach Frau Paul Nagy und schloß die
Augen.
»So schön und sie muß sterben --« seufzte Gerson Zeke.
»Noch einen Augenblick,« erklärte Frau Fábián, »-- und es giebt ein
heiratsfähiges Mädchen weniger.«
»Die sind noch immer dicht genug gesäet,« meinte Johann Szomor.
»Noch nie habe ich eine solch' traurige Exekution mit angesehen,«
sagte Stefan Tóth mit wichtiger Miene, »und doch habe ich schon viele
gesehen. Erstens giebt es kein einziges nasses Auge. Auch der alte
Bürü ist schon eine ganze Woche fort mit seiner Fiedel. Zweitens ist
in diesem Falle von nirgendsher das Wehen des Gnadentuches zu
erwarten; drittens ....«
Er hatte keine Zeit, den begonnenen Satz auszusprechen, denn eine
große Staubwolke entstand auf der Czegléderstraße, schmucke
Kuruczen-Hußáren mit gezogenem Säbel stürmten mit großem
Schlachtenlärm zum Richtplatz heran. Voran einige mit herabgelassenem
Helmvisier, auf schönen Pferden.
»Der Feind, der Feind!« schrie die Menge und zerstob in alle
Windrichtungen.
Eine große Verwirrung entstand. Pater Bruno sprang vom Podium herab
und mit klappernden Zähnen stürzte er dem Stadthause zu:
»Es wird das ein Wunder sein. Um mich kommt man, man führt mich schon
weg!«
Auch die Senatoren suchten ihr Heil in der Flucht. Der Scharfrichter
ließ das Richtschwert fallen, auch er flüchtete.
Das Ganze war das Werk eines Augenblickes; der eine gepanzerte Krieger
erklomm im Nu mit seinem Rosse das Blutgerüst und schwang das Mädchen
wie eine Feder in den Sattel. Niemand stellte sich ihm in den Weg,
niemand fragte, was er wolle? Auch er fragte niemand, ob es erlaubt
sei. Die kleine Abteilung verschwand, wie sie gekommen, in einer
Nebengasse.
Langsam kamen die erschreckten Einwohner wieder hervor. Die Senatoren
freuten sich, daß man nur Czinna mitgenommen und sonst nichts. Es sei
kein Schade um das Mädchen.
Der Henker machte ein saures Gesicht; man möge ihm Arbeit geben, da er
sich von so weit herbemüht hat.
Viele, die hinter den Umzäunungen die Szene mit angesehen hatten,
schwuren bei Himmel und Erde, daß der Held mit dem herabgelassenen
Helmvisier, der auf das Blutgerüst gesprengt war, niemand anders sei,
als Max Lestyák. Man erkannte ihn an seiner Gestalt, an seinen
Bewegungen, an seinen glänzenden, nußbraunen Augen. Man suche ihn
nicht im Wasser des stillen Teiches.
Frau Johanna Deák, die eine vertrauenswürdige Person ist, hörte, wie
Czinna dem Helden unterwegs zuflüsterte:
»Wirst du noch einmal warten, bis mein Haar wieder gewachsen ist?«
Der Held antwortete ganz vernehmlich:
»Nein, Czinna, nein, ich warte nicht.«
* * * * *
Ob es so war, oder nicht, der Himmel weiß es. Von diesem Tage
angefangen aber suchte man Max Lestyák nicht mehr unter den Toten,
sondern erwartete ihn täglich zurück.
Wenn er verschwand, so hatte er wohl seinen Grund dazu gehabt. Er ging
den Kaftan suchen und nahm auch seine Braut mit. Was ist da weiter
dabei! (Er hat gut daran gethan.)
Einmal, Ihr werdet es sehen, wird er wieder nach Hause kommen auf
einem Eisenschimmel mit goldenem Zügel, den Kaftan umgeworfen.
Einstens, wenn eine große Gefahr Kecskemét bedrohen wird, kommt er
nach Hause, setzt sich in den Oberrichterstuhl und fährt wie ein Blitz
zwischen die Feinde.
Sie warteten lange, lange. Auch jene sind schon ausgestorben, die als
Kinder dem Kaftan nachgelaufen sind, jedoch auch die Enkel der Enkel
harren noch immer seiner Heimkehr.
Ende.