Kascha. Zu gut für euch, für uns nicht gut genug.
Denn sorgt' er nicht um euch, und dacht' er an die Seinen,
Ihr lebtet wüst wie vor, wir brauchten nicht zu weinen.
Tetka. Weil euer Trutz vergällt ihm jeden Tag,
Gab er dem Kummer sich und welkte hin, erlag.
Domaslav. Wenn's nun auch so, und wenn die Sorg' um uns
Beschwert sein Leben, gar es ihm geraubt,
Laßt das uns nicht entgelten, hohe Frauen,
Belohnt, mit dem wir nahn, das kindliche Vertrauen,
Vollendet was begann des Vaters hohes Haupt.
Lapak. Die Krone die er trug, dies Land, sein Reich
Verschmäht sie nicht und nehmt, wählt eine unter euch.
Domaslav. Ihr stammet, wissen wir, von höhern Mächten,
Wir sind ein dunkles Volk, unkundig in den Rechten;
Der Stab, der in Fürst Krokus Händen lag,
Wer, als sein eignes Blut, zu halten ihn vermag?
Alle (auf die Knie sinkend).
Nehmt unsre Krone! Wählet! Kascha, du!
Kascha.
Unter Sternen schweif ich,
In der Tiefe walt ich;
Was Natur vermag und kann
Ist mir willig untertan.
Das Leblose lebt,
Des Lebend'gen Dasein ist Tod.
Ich mag nicht herrschen über Leichen,
Geht zu andern mit euern Reichen,
Was ist mir gemein mit euch?
Lapak. So nimm denn Tetka du dich unser an!
Tetka.
Was sein soll ist nur Eins,
Was sein kann ist ein Vieles,
Ich aber will sein einig und Eins.
Nutzen und Vorteil zählen,
Aus Wahrheit und Lüge wählen,
Recht erdenken das kein Recht,
Dafür sucht einen Sündenknecht.
Mein sonnig Reich strahlt hellres Licht,
Von mir! Ich mag eure Krone nicht!
Lapak. So laßt ihr uns denn hilflos und verwaist!
Wo ist Libussa eure jüngste Schwester?
Tetka. Sie ist nicht heim. Allein, wenn auch zu Hause,
Sie folgt euch nicht.
Domaslav. Laßt uns es doch versuchen.
Tetka. Ich sag euch, sie verweigert's.
Lapak. Gut. Doch hören,
Anhören soll sie uns. Erlaubt zu harren.
Kascha. Seht ihr so gern noch einmal euch verschmäht,
So wartet bis sie naht. Geht dort hinein!
Ihr aber gebt was sie am meisten lockt,'
Gebt ihnen Speis' und Trank, und damit gut.
Domaslav. Wir nehmen unsern Urlaub, hohe Frauen.
Kascha. Gehabt euch wohl! Und, wenn nicht eure Fürstin,
Bin ich euch Freundin doch.
(Die Abgeordneten werden durch eine Pforte links abgeführt.)
Nun aber ihr!
Stellt euch ringsum, senkt eure düstern Schleier,
Und feiert still und trauernd das Gedächtnis
Des edlen Manns, der unsern Kreis verließ.
Nacht um uns und Dunkel,
Damit in uns es Licht!
(Alle verhüllen sich, die Szene verwandelt sich.)
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Kurze Waldgegend. Es ist noch dunkel.
Primislaus tritt auf, ein weißes Roß am Zügel führend, auf dem
Libussa sitzt.
Primislaus. Hier ist der Ort, den du mir hast bezeichnet.
Der Weg nach Budesch dies, dies die drei Eichen,
Gelöst hab ich mein Wort.
Libussa. Sei drum bedankt.
Primislaus. Nun soll ich von dir scheiden, dich verlassen,
Dich nie mehr wiedersehn vielleicht?
Libussa. Vielleicht.
Primislaus. Du bist kein Weib um das man werben könnte?
Libussa. Ich hab es schon verneint.
Primislaus. Träf' ich dich wieder,
Je wieder, glaub, ich würde dich erkennen,
Wär's unter Tausenden. Doch du auch mich?
Im Dunkel fand ich dich, im Dunkel scheid ich.
Gib mir ein Zeichen dran du mich erkennst
Wenn ich dich wiederseh.
Libussa. Es ist nicht nötig.
Primislaus. Doch wenn rückkehrend ich in meine Hütte
Ein Kleinod fände das dir angehört?
Libussa. Bring es hierher, ich werde darnach senden
Und lös es gern um Gold und jeden Preis.
Primislaus. Für mich ist Gold kein Preis. So laß uns scheiden!
Dein Schleier und die schimmernden Gewande,
In denen ich den Fluten dich entriß,
Hier eingebunden trägt's des Pferdes Rücken.
Nur eine Kette noch, es war dein Gürtel,
Der unter meiner Retterhand zerstückt,
Doch fügt' ich neu die goldnen Hakenglieder,
Neig mir dein Haupt und trag den neuen Schmuck.
(Libussa senkt ihr Haupt, er hängt ihr die Kette um den Hals.)
So zier ich dich du Schöne, Hehre, Hohe;
Für wen? ich weiß nicht; ist's doch nicht für mich.
Und so leb wohl!
Libussa. Auch du!
Primislaus. Nur noch drei Schritte.
Dort teilt, von selber kennbar, sich der Weg
Und leicht gelangst du wieder zu den Deinen,
Wenn du den Waldpfad rechts nur sorglich meidest,
Die du, ein Märchen, kamst, und eine Wahrheit scheidest.
(Das Pferd leitend.)
Vertrau dem Pferd, es trägt dich gut und sicher.
(Beide ab.)
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Vorhof auf dem Schloß der Schwestern.
Kascha, Tetka und ihre Jungfrauen in derselben Stellung wie am Schluß
der vorletzten Szene.
Kascha. Das Totenopfer ist nach Recht vollbracht,
Nun laßt uns sorgen für die Lebenden.
(Alle erheben sich.)
Libussa ist nicht hier. Auch war sie, scheint es,
Bei unsers Vaters Tode nicht.
Swartka. So ist's.
Kascha (zu Tetka).
Was sagt der Geist in dir?
Tetka. Er schweigt. Nur dunkel
Ertönt es wie von Not und Fährlichkeit.
Kascha (die starr auf den Boden gesehen hat.).
Sie ist in jener Lagen einer, spricht's mir,
Aus denen Glück und Unglück gleich entsteht,
Am Scheideweg von Seligkeit und Jammer.
Horch! Spricht ein Mann?
Tetka. Wo?
Kascha. Nein, Libussa spricht.
Allein sie ist begleitet.
Tetka. Wie auch immer!
Sie sei gefunden und ihr Heil bewahrt.
Die Diener sendet aus, die Männer alle
Mit Leuchten, Fackeln in den dunkeln Wald.
Ihr andern aber steigt dort auf die Zinnen!
Die Opferpauke tön', ein fernes Zeichen,
Dem Ohr der Irrenden bekannter Schall.
Und alle ruft: Libussa. Auf!
Die Mädchen (zum Teile den Wall hinaneilend).
Libussa!
(Der Ton eines fernen Horns wird gehört. Alle stehen unbeweglich.)
Dobra. Das sind sie; ja, Libussens Mägde. Wlasta
Und Dobromila auf der Herrin Spur.
Tetka (heftig).
Libussa, hier!
(Der Ton des Horns etwas näher.)
Sie ist's. Tut auf die Pforten
Und eilt entgegen ihr mit Licht und Beistand.
(Man öffnet. Einige gehen hinaus, andere bleiben in der Brüstung des
Tors stehen, darunter Swartka.)
Swartka. Sie kommt, und hoch zu Roß. Und Wlasta, Dobromila
Begleiten sie und blasen in ihr Horn.
(Libussa wird in der Torbrüstung sichtbar. Sie hat einen weißen Mantel
übergeworfen und ein Federbarett auf dem Kopfe. Wlasta und Dobromila
gewaffnet hinter ihr.)
Libussa. Führt nur das Pferd zurück zu den drei Eichen,
Und trefft ihr einen Mann, stellt's ihm zurück.
(Eine Jungfrau geht.)
Wart ihr besorgt?
Tetka. Wie sehr!
Kascha. Ich nicht, ich wußte
Du kamst.
Libussa. Doch lag einmal die Sorge nah.
Im Wald verirrt, nicht Wegesspur, noch Führer,
Ein Gießbach wollte sich das Ansehn geben
Als sei er fürchterlich. Da kam mir Hilfe.
(Vor Tetka tretend und ihr ins Auge blickend.)
Doch unser Vater, gelt!
Tetka. Ja wohl.
Libussa (an ihrem Halse).
O meine Schwester!
Und ich war fern!
Tetka. Wie kam's?
Libussa (sich aufrichtend).
In all der Zeit
Als ich an seinem Bette saß und wachte,
Da schwebte vor den Augen des Gemüts,
Hatt' ich's gehört nun, oder wußt' ich's sonst,
Das Bild mir einer Blume, weiß und klein,
Mit siebenspalt'gem Kelch und schmalen Blättern;
Die gib dem Vater, sprach's, und er genest.
In feuchten Gründen, schien es, wachse sie,
Das Tal von Budesch mußt' ich immer denken.
Da nahm ich Korb und Griffel und ging hin.
Ich suchte und er starb. Solang ich lebe
Will büßen ich die unfreiwill'ge Schuld,
Und dies mein Aug', es sei vom heut'gen Tag
Geweiht den Tränen um den Edlen, Guten.
Tetka (sie umarmend).
Ja wohl Libussa, Trauer sei und Klage
Geschäft uns und Erholung allen Drei'n.
Kascha. Sag Zwei'n.
Libussa (gereizt).
Warum? Wen schließest du nur aus?
Kascha. Die, welcher obliegt mehr als ihn beklagen:
Zu folgen ihm in seiner harten Pflicht.
Des Czechenvolkes Erste sind im Schloß;
Sie fordern von Fürst Krokus Töchtern eine
Als Herzogin für das verwaiste Land.
Libussa. Nehmt ihr's, ich nicht!
Kascha. So sprachen wir schon beide.
Doch sähe gern der Vater unvollendet
Was er für dieses dunkle Volk getan?
Und heißt es sein Gedächtnis hoch nicht ehren,
Fortsetzen, wenn auch schwach, was er begann?
Libussa. Doch welche nimmt's?
Kascha. Laßt denn das Los entscheiden.
Libussa. Wie nur?
Kascha. So hört was ich mir ausgedacht.
Uns jeder gab der Vater, der nun tot,
Am Jahrestag von unsrer Mutter Scheiden
Ein kostbar Kleinod mit der Eltern Bild
In halberhobner Arbeit dargestellt,
Als Gürtel eingefaßt in goldne Spangen.
Und da die Zierde gleich, so sagt der Name
Der Eignerin mit Sorgfalt eingeprägt:
Libussens bin ich, Tetkas oder Kaschas.
Die Gürtel nun, des Vaters letzte Gabe
Und geistiges Vermächtnis noch dazu--
Sprach er doch ja: so oft ihr sie vereint,
Will ich im Geist bei euch sein und mit Rat--
Laßt legen uns in diese Opferschale.
Tetka, die Ernste, trete dann hinzu
Und deren Namen, blind sie greifend, faßt,
Die ist befreit, und also auch die Zweite.
Der Dritten Gürtel wird zum Diadem
Sie folgt, ob ungern, in die Fürstenwohnung.
Seid ihr's zufrieden?
Libussa (Barett und Mantel abgebend und in Bauerntracht dastehend).
Wohl.
Tetka. Libussa, du?
Wie sonderbar gekleidet.
Libussa (sich betrachtend).
Sonderbar?
Vergaß ich's doch beinah! Je, gute Tetka,
Der Zufall kommt und meldet sich nicht an,
Auftauchend ist er da; und wohl uns, wenn beim Scheiden
Er äußerlich verändert nur uns läßt.
Das Kleid ist warm, und also lieb ich es.
Tetka. Doch wir--?
Libussa (das Geschmeide vom Halse nehmend).
Hier ist mein Gürtel.
Tetka (ihren Gürtel ablösend).
Hier der meine.
Kascha (Libussens Geschmeide nehmend).
Am Hals?
Libussa. Und doch er selbst, wie ich dieselbe.
Kascha. Das ist dein Gürtel nicht.
Libussa. Wie wäre das?
Kascha. Die Ketten wohl; allein der Mutter Bildnis,
Das Mittelkleinod fehlt mit deinem Namen,
O Unbesonnene!
Libussa. Was schmähst du mich?
(Die abgesendeten Jungfrauen kommen zurück.)
Dobromila. Wir waren, hohe Frau, bei den drei Eichen,
Wie du befahlst, und suchten jenen Mann.
Doch kam er nicht und war nicht aufzufinden.
Libussa. Nun, es ist gut. (Vor sich hin.) Das hat mir der getan!
(Die Jungfrauen ziehen sich zurück.)
Kascha. Die Nacht im Wald, in Bauerntracht gehüllt,
Verloren deines Vaters Angedenken.
Libussa. Mein Vater lebt, ein Lebender, in mir,
So lang ich atme lebt auch sein Gedächtnis.
Kascha. Die Liebe knüpft sich gern an feste Zeichen,
Der Leichtsinn liebt was schwankend so wie er.
Libussa. Mit einem Wort löst' ich die Rätsel leicht,
Doch würdet ihr's entstellen und verkehren.
Drum halt nur was du weißt, mein sichres Herz!
Kascha (Libussas Geschmeide hinwerfend).
Der Kreis getrennt. Du kannst mit uns nicht losen.
Libussa (auf deren Wink eine Jungfrau das Geschmeide aufhebt).
Nicht losen? Und wer weiß, ob ich's auch will?
Ein Schritt aus dem Gewohnten, merk ich wohl,
Er zieht unhaltsam hin auf neue Bahnen,
Nur vorwärts führt das Leben, rückwärts nie.
Ich soll nicht losen? Und ich will es nicht.
Wo sind die Männer aus der Czechen Rat?
Den Vater will ich ehren durch die Tat,
Mögt ihr das Los mit dumpfen Brüten fragen:
Ich will sein Amt und seine Krone tragen.
Tetka. Libussa, oh!
Kascha. Hör erst auf mich, Libussa!
Wenn ich gekränkt dich mit zu raschem Wort--
Libussa. Du kränktest mich nicht mehr, ich seh's, als dich.
Doch was ich sprach, es bleibt. Mein Wort ein Fels.
Und mag ich's nur gestehn! Denk ich von heut
Mich wieder hier in eurer stillen Wohnung
Beschäftigt mit--weiß ich doch kaum womit--
Mit Mitteln zu den Mitteln eines Zwecks,
Mit Mond und Sternen, Kräutern, Lettern, Zahlen,
Dünkt's allermeist einförmig mir und kahl.
Dies Kleid es reibt die Haut mit dichtern Fäden
Und weckt die Wärme bis zur tiefsten Brust
Mit Menschen Mensch sein dünkt von heut mir Lust,
Des Mitgefühles Pulse fühl ich schlagen,
Drum will ich dieser Menschen Krone tragen.
Heraus Wladiken! Czechenvolk heraus!
Die Jungfrauen (rufen).
Libussa Herzogin! Der Böhmen Fürstin!
(Domaslav, Biwoy, Lapak und die übrigen Abgeordneten aus der Pforte links.)
Domaslav. Täuscht unser Ohr und hörten wir genau?
Erkürt der Böhmen Fürstin, unsre Frau?
Und welche will--?
Libussa. Hier ist von Wollen nicht,
Von Müssen ist die Rede und von Pflicht.
Und da nun eine muß aus unsrer Zahl,
So will ich und begebe mich der Wahl.
Lapak. Libussa, du?
Libussa. Die Jüngste aus dem Kreise
Und minder gut vielleicht als sie und minder weise,
Auf ihnen würde Hohes gut beruhn;
Doch handelt sich's um irdisch niedres Tun,
Wo zu viel Einsicht schädlich dem Vollbringen,
Fernsichtigkeit geht fehl in nahen Dingen.
Wenn nun des Vaters Geist auf mir beruht,
So fügt sich's wie es kann und, hoff ich, gut.
Seid ihr's zufrieden?
Die Abgeordneten (kniend).
Hoch Libussa, hoch!
Der Böhmen Herzogin, der Czechen Fürstin!
Libussa. Steht auf! sind's diese nicht und dieser Ort
Was euch zu Boden zieht. Doch hört mein Wort.
Es hielt euch fest des Vaters strenge Rechte
Und beugt' euch in heilsam weises Joch.
Ich bin ein Weib und, ob ich es vermochte,
So widert mir die starre Härte doch.
Wollt ihr nun mein als einer Frau gedenken,
Lenksam dem Zaum, so daß kein Stachel not,
Will freudig ich die Ruhmesbahn euch lenken,
Ein überhörtes wär' mein letzt' Gebot.
So wie ich ungern nun von hinnen scheide,
Lenkt' ich zurück dann meinen müden Lauf
Und träte bittend zwischen diese beide;
Ihr nähmet, Schwestern, mich doch wieder auf?
Kascha. Wenn du's noch kannst, von Irdischem umnachtet.
Tetka. Wer handelt geht oft fehl.
Libussa. Auch wer betrachtet!
Domaslav. Nicht fruchtlos sollst du, zweimal nicht uns mahnen,
Nimm unsern Schwur darauf und unsrer Untertanen.
Libussa. Dies letzte Wort, es sei von euch verbannt,
In Zukunft herrscht nur eines hier im Land:
Das kindliche Vertraun. Und nennt ihr's Macht,
Nennt ihr ein Opfer das sich selbst gebracht,
Die Willkür, die sich allzu frei geschienen
Und, eigner Herrschaft bang, beschloß zu dienen.
Wollt ihr als Brüder leben, eines Sinns,
So nennt mich eure Fürstin und ich bin's;
Doch sollt' ich zwein ein zweifach Recht erdenken,
Wollt' eher ich an euch euch selbst als Sklaven schenken.
Seid ihr's zufrieden so?
Alle. Wir wollen!
Libussa. Nun so kommt.
Allein vergäßt ihr was uns allen frommt,
(auf ihre Schwestern zeigend)
Da diese hier den Rücktritt mir versagen,
So ging' ich hin es meinem Vater klagen.
Lebt, Schwestern, wohl! Auf Wiedersehn, und bald!
Ihr andern folgt und jubelt durch den Wald.
Ihr Mädchen mir voraus, und stoßt ins Horn,
Bis jetzt mir nächst, steht billig ihr nun vorn.
Und so, gehobnen Haupts, mit furchtlos offnen Blicken,
Entgegen kühn den kommenden Geschicken.
Die Männer. Libussa hoch! der Böhmen Herzogin!
(Man hat Libussa wieder den Mantel und das Federbarett gegeben; sie geht,
die Mädchen vor ihr her, die Männer schließen. Alle mit Fackeln und Jubel
durch das mittlere Tor ab.)
Kascha. Hast du gehört?
Tetka. Ja wohl.
Kascha. Nun?
Tetka. Ich bedaure sie,
Sie wird's bereun, und früher als sie denkt.
Kascha. Die Roheit kann des Höhern nicht entbehren,
Doch hat sie's angefaßt, will sie's in sich verkehren,
Wer nicht wie Menschen sein will, schwach und klein,
Der halte sich von Menschennähe rein.
Komm mit!
Tetka. Wohin?
Kascha. An unser täglich Werk.
Ihr aber reinigt mir so Hof als Hallen,
Was hier geschehn, es sei in Traum zerfallen.
(Die Schwestern mit Begleitung ab.)
Dobra. Nun wir denn auch ans Werk und gib mir Kunde
Ob gutes Zeichen eintritt diese Stunde.
Welch Sternbild herrscht?
Swartka (auf der Höhe der Mauer).
Die Jungfrau blinkt, doch nein,
Ich irrte mich, es ist des Löwen Macht,
Der auf sein Böhmen schaut.
Dobra (gen Himmel blickend).
Hältst du auch sichre Wacht?
Swartka (mit halbem Leibe über die Brustwehr gelehnt und laut ausrufend).
Der Osten graut, dem Tage weicht die Nacht!