Sie fragt nicht: »Dein Namen?«

Sie haben sich ja gefunden, um einander ein neues Geschlecht

zu sein.

Sie werden sich hundert neue Namen geben und einander alle

wieder abnehmen, leise, wie man einen Ohrring abnimmt.

Im Vorsaal über einem Sessel hängt der Waffenrock, das

Bandelier und der Mantel von dem von Langenau. Seine

Handschuhe liegen auf dem Fußboden. Seine Fahne steht steil,

gelehnt an das Fensterkreuz. Sie ist schwarz und schlank.

Draußen jagt ein Sturm über den Himmel hin und macht Stücke

aus der Nacht, weiße und schwarze. Der Mondschein geht wie

ein langer Blitz vorbei, und die reglose Fahne hat unruhige

Schatten. Sie träumt.

War ein Fenster offen? Ist der Sturm im Haus? Wer schlägt

die Türen zu? Wer geht durch die Zimmer? -- Laß. Wer es auch

sei. Ins Turmgemach findet er nicht. Wie hinter hundert

Türen ist dieser große Schlaf, den zwei Menschen gemeinsam

haben; so gemeinsam wie _eine_ Mutter oder _einen_ Tod.

Ist das der Morgen? Welche Sonne geht auf? Wie groß ist die

Sonne. Sind das Vögel? Ihre Stimmen sind überall.

Alles ist hell, aber es ist kein Tag.

Alles ist laut, aber es sind nicht Vogelstimmen.

Das sind die Balken, die leuchten. Das sind die Fenster, die

schrein. Und sie schrein, rot, in die Feinde hinein, die

draußen stehn im flackernden Land, schrein: Brand.

Und mit zerrissenem Schlaf im Gesicht drängen sich alle,

halb Eisen, halb nackt, von Zimmer zu Zimmer, von Trakt zu

Trakt und suchen die Treppe.

Und mit verschlagenem Atem stammeln Hörner im Hof:

Sammeln, sammeln!

Und bebende Trommeln.

Aber die Fahne ist nicht dabei.

Rufe: Cornet!

Rasende Pferde, Gebete, Geschrei,

Flüche: Cornet!

Eisen an Eisen, Befehl und Signal;

Stille: Cornet!

Und noch einmal: Cornet!

Und heraus mit der brausenden Reiterei.

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Aber die Fahne ist nicht dabei.

Er läuft um die Wette mit brennenden Gängen, durch Türen,

die ihn glühend umdrängen, über Treppen, die ihn versengen,

bricht er aus aus dem rasenden Bau. Auf seinen Armen trägt

er die Fahne wie eine weiße, bewußtlose Frau. Und er findet

ein Pferd und es ist wie ein Schrei: über alles dahin und an

allem vorbei, auch an den Seinen. Und da kommt auch die

Fahne wieder zu sich und niemals war sie so königlich; und

jetzt sehn sie sie alle, fern voran, und erkennen den

hellen, helmlosen Mann und erkennen die Fahne ...

Aber da fängt sie zu scheinen an, wirft sich hinaus und wird

groß und rot ...

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Da brennt ihre Fahne mitten im Feind und sie jagen ihr nach.

Der von Langenau ist tief im Feind, aber ganz allein. Der

Schrecken hat um ihn einen runden Raum gemacht, und er hält,

mitten drin, unter seiner langsam verlodernden Fahne.

Langsam, fast nachdenklich schaut er um sich. Es ist viel

Fremdes, Buntes vor ihm. Gärten -- denkt er und lächelt. Aber

da fühlt er, daß Augen ihn halten und erkennt Männer und

weiß, daß es die heidnischen Hunde sind --: und wirft sein

Pferd mitten hinein.

Aber, als es jetzt hinter ihm zusammenschlägt, sind es doch

wieder Gärten, und die sechzehn runden Säbel, die auf ihn

zuspringen, Strahl um Strahl, sind ein Fest.

Eine lachende Wasserkunst.

Der Waffenrock ist im Schlosse verbrannt, der Brief und das

Rosenblatt einer fremden Frau. --

Im nächsten Frühjahr (es kam traurig und kalt) ritt ein

Kurier des Freiherrn von Pirovano langsam in Langenau ein.

Dort hat er eine alte Frau weinen sehen.

Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke · 第 7 / 7 题