3) Galläpfel und andere gerbstoffhaltige Körper und Eisensalze,

4) nach dem Verfahren von =Persoz= jun. u. A. Kupferchromat und

oxalsaures Anilin.

Das erstere und zweite Schwarz heisst schlechtweg =Holzschwarz=, das

dritte =Schwerschwarz=. Das Holzschwarz mit Eisenbeize wird hergestellt

durch Mordanciren der Seide mit Ferrinitrat (Rostbeize, _Rouille_) und

Ausfärben mit Blauholz; es ist billiger und findet besonders für leichte

Stoffe, Bänder u. s. w. Anwendung; eine unangenehme Eigenschaft dieser

Farbe besteht darin, dass sie durch die Einwirkung selbst verdünnter

Säuren geröthet wird. Theurer und umständlicher ist das Schwerschwarz,

dafür hat es aber auch den grossen Vortheil, dass es durch Säuren nicht

verändert wird, dass ferner die Seide in Schwerschwarz eine Gewichtsmenge

farbegebender Substanzen aufnimmt, die 60, 80, ja selbst 100 Proc. ihres

eigenen Gewichtes beträgt[173]. Der Seidenfärber muss auf Verlangen für

100 Pfund rohe Seide 160, 180-200 Proc. schwerschwarzgefärbte abliefern.

In Deutschland wendet man als gerbsäurehaltige Substanz Knoppernextract

oder sogenannten »schwarzen Seidengrund«, ein in Böhmen fabricirtes sehr

adstringirendes Extract, an. Oft ist die schwarze Seide im höchsten Grade

mit Farbe gesättigt, wodurch das Zeug eine scheinbar grosse Stärke

erhält, während die Farbe unhaltbar ist und das Zeug abfärbt. Eine solche

Farbe heisst =Dunst=farbe. Unter dem Mikroskop beobachtet man, dass die

Farbe den Seidenfäden nur lose anhaftet. Das Schwerschwarzfärben wird

ausgeführt, indem man die Seide zuerst =gallirt=, d. h. durch ein

gerbsäurehaltiges Bad zieht und dann mit Eisensalzen ausfärbt

(=Mailänderschwarz=); das Schwarz, welches einen Grund hat von

Blutlaugensalz und salpetersaurem Eisen führt den Namen

=Blaukesselglanz=.

[173] Die zu Schuhschnüren bestimmte Seide giebt sogar 225 Proc.

gefärbte Seide auf 100 rohe.

Wohl keine Farbe in der Seidenfärberei hat von jeher zu so viel

Spekulationen Veranlassung gegeben, als die Herstellung des

Schwerschwarz, da der Zweck, den man in dem gegebenen Falle zu

erreichen beabsichtigt, ein doppelter ist, man will nämlich

=Schwarzfärben=, dann will man aber auch =erschweren=. Das erstere

geschieht durch diejenigen Gerbematerialien, die wie Galläpfel u. s. w.

eisenbläuende Gerbsäure enthalten, das zweite, das Erschweren, beruht

auf der Eigenschaft der Gerbstoffe, sich leicht und vollständig mit

thierischen Stoffen, also auch mit der Seide verbinden zu können.

Ebenso wie beim Gerben des Leders die Haut an Masse und Gewicht

zunimmt, ebenso wirkt die Gerbsäure auf die Seidenfaser ein, indem sie

dieselbe anschwellen, voluminöser und deshalb auch schwerer macht. Je

reicher an Gerbsäure das Bad ist, desto schwerer wird bis zu einer

gewissen Grenze die Seide werden müssen. Ob man ein Eisenoxyd oder ein

Eisenoxydulsalz zum Ausfärben anwendet, ist nicht gleichgültig;

gallirte Seide durch ein Oxydbad gezogen, wird sogleich schwarz, durch

ein Oxydulbad dagegen zuerst blos schwärzlichviolett, dann aber an der

Luft nach und nach auch schwarz. Wenn nun gleich die Wirkung des

Oxydulsalzes der Wirkung des Oxydsalzes im endlichen Resultate gleicht,

so hat dennoch für bestimmte Zwecke bald dieses, bald jenes seine

besonderen Vortheile: bei geringeren Mengen von Gerbsäure ist das

Eisenoxyd zulässig und nützlich, bei grossen Massen von Gerbsäure

dagegen nur das Oxydul anwendbar. Das neuerdings aufgekommene Verfahren

des Schwarzfärbens der Seide mit =Anilinschwarz= vermittelst

Kupferchromat und oxalsaurem Anilin soll vorzügliche Resultate geben.

Eine =blaue Färbung= wird der Seide mittelst =Indig=, =Berlinerblau=,

=Blauholz= und =Anilinblau= ertheilt. Man wendet seltener die Indigküpe,

als den gereinigten schwefelsauren Indig (den abgezogenen Indig) an. Um

mit Berlinerblau zu färben, taucht man das Zeug zuerst in ein Gemenge von

Wasser, Raymond'scher Flüssigkeit[174] und Zinnchlorür, wäscht es mit

Wasser aus und zieht es durch eine siedendheisse Seifenlösung. Nach dem

Auswaschen taucht man es in eine Lösung von Ferrocyankalium, die mit

etwas Salzsäure angesäuert worden ist. Man erhöht die Schönheit der

Farbe, wenn man die gefärbte Seide durch ammoniakhaltiges Wasser zieht.

Mittelst =Anilinblau= (zu dem sich in neuerer Zeit des Naphtylblau

gesellt) ist die Färbung der Seide eine sehr einfache, indem man nur die

zu färbende Seide in eine Lösung der Farbstoffe (in Weingeist, Holzgeist

oder bei Anwendung von in Wasser löslichem Anilinblau auch in Wasser) zu

bringen und darin zu lassen hat, bis die gewünschte Nüance zum Vorschein

gekommen ist. Die =rothe Färbung= wurde bis auf die neueste Zeit mittelst

Safflor (Carthamin), Cochenille und Orseille, namentlich mit

französischem Purpur hervorgebracht, gegenwärtig wendet man allgemein

hierzu das Fuchsin, das Corallin und das Magdalaroth (Naphtalinroth) an.

Die Operation des Färbens ist bei Anwendung von allen rothen Theerfarben

höchst einfach, indem man die Seide in der Lösung der Farbstoffe bis zur

Erzielung der gewünschten Nüance verweilen lässt. Das Anilinroth ist, was

Lebhaftigkeit, Intensität und Reinheit der Farbe betrifft, die schönste

aller rothen Farben, an Beständigkeit wird es jedoch vom Magdalaroth

übertroffen. Die =Orseille= findet in der Seidenfärberei ebenfalls

häufige Anwendung, obgleich ihr in dem Anilinviolett ein mächtiger

Concurrent erwachsen ist. =Gelb= färbt man durch Wau, zu welchem man,

wenn eine ins Orange ziehende Farbe erhalten werden soll, etwas Orlean

setzt, oder in der modernen Färberei durch =Martinsgelb=. Zuweilen

erzeugt man auf Seide durch die Einwirkung von Salpetersäure ein

=Hellgelb= durch die Bildung von =Pikrinsäure=, das durch die Einwirkung

der Alkalien dunkler wird. Um Orangegelb zu erzeugen, zieht man die Seide

durch eine alkalische Orleanlösung. Zu =ordinärem Grün= wird mit Wau,

Quercitron, Gelbholz, oder mit Pikrinsäure gelb und dann mit

Indigcomposition, Indigcarmin oder Anilinblau blau gefärbt; zu =solidem

Grün= färbt man erst mit _Bleu-Raymond_ blau und dann mit Gelbholz auf

verschiedene Weise grün. Seit einigen Jahren findet zum Grünfärben der

Seide fast nur noch das Anilingrün (Emeraldin) Anwendung. Zu =Lila=

wendet man Anilinviolett, Orseille oder Blauholz und Zinnchlorid

(Pensé-Physikbad) an.

[174] Die Raymond'sche Flüssigkeit besteht aus einer Lösung von

Eisenvitriol in Salpetersäure und ist identisch mit Rostbeize

oder Rouille. Das vermittelst dieser Flüssigkeit hervorgebrachte

Blau heisst =Raymond's-Blau=. Das =Napoleonblau=, viel brillanter

als das Raymondblau, erhält zuerst ein Eisenbad mit Zinnsalz,

nachfolgt ein mit Schwefelsäure angesäuertes Bad von

Ferrocyankalium.

[Sidenote: Baumwollfärberei.]

=Baumwollfärberei.= Man färbt die =Baumwolle= als Garn oder als Zeug, am

häufigsten wol als Garn. Sie ist weit schwerer ächt zu färben als Wolle

und bedarf eine weit kräftigere Beize. =Blau= erzeugt man auf Baumwolle

vermittelst der Vitriolküpe, Berlinerblau (Chemischblau), Campecheholz

und Eisenvitriol, und einer Lösung von Kupferoxyd in Ammoniak, welches

letztere beim Trocknen ein schönes Hellblau giebt. =Gelb= erzeugt man

durch Avignonkörner, Wau, Gelbholz, Quercitronrinde, Orlean, Eisenacetat

und Chromgelb, =Grün= durch Vitriolküpe und Quercitron, =Braun= durch

Eisensalz, Quercitron und Krapp oder durch Manganoxydhydrat. =Schwarz=

färbt man entweder mit Anilinschwarz ächt, oder indem man zuerst in der

Vitriolküpe blau grundirt, hierauf mit holzessigsaurem Eisen anheizt und

dann in einem Bade von Galläpfeln und Blauholz ausfärbt. Die

=Theerfarben=, namentlich die vom Anilin abgeleiteten Farben, welche von

der Baumwollfaser nicht ohne weiteres aufgenommen werden, lassen sich mit

Hülfe einer Beize, am besten einer Lösung von Tannin in Alkohol auf

Baumwolle befestigen. Auch das =Animalisiren= der Baumwollfaser mit

Albumin oder Caseïn, wobei die vegetabilische Faser gewissermaassen mit

einer Schicht Thiersubstanz plattirt und dadurch den Anilinfarbstoffen

gegenüber der Woll- und Seidenfaser ähnlich gemacht wird, findet

Anwendung. Ebenso benutzt man zum Mordanciren der Baumwolle Oelbeize oder

auch Schmierseife.

Bei der =Baumwollrothfärberei= ist der Krapp besonders wichtig; mit der

Zeit gewinnt wol auch das künstliche Alizarin (aus dem Anthracen) für

die Rothfärberei der Baumwolle eine gewisse Bedeutung. Man

unterscheidet =Ordinärroth= und =Türkischroth=; ersteres wird auf

ungeöltem Grunde, letzteres auf Garne oder Gewebe gefärbt, die vorher

mit Oelbeizen behandelt worden sind.

[Sidenote: Türkischrothfärberei.]

Das =Türkischroth= (Adrianopelroth, indisch Roth), das nach dem Waschen

der Stoffe (Garn oder Gewebe) noch schöner und lebhafter wird, erhält

man auf folgende Weise; man unterscheidet folgende vier Operationen: 1)

Das =Beizen= des Garnes mit Oel geht in dem =Mistbade=, einer Mischung

von eigenthümlich saurem Olivenöl (Tournantöl) mit Potasche, Schafkoth

und Wasser, und in dem =Weiss=- oder =Hauptölbade=, einem Gemisch von

Tournantöl, Potasche und Wasser vor sich. Man lässt die Zeuge darauf an

der Luft liegen, wodurch ein Theil des Tournantöles, das von der

Baumwolle aufgenommen worden ist, sich verändert und dieselbe =beizt=

oder =mordancirt=. Das nicht verbundene Oel wird durch Potasche- oder

Sodalösung entfernt. 2) Das =Galliren= (Schmacken, Sumachen) wird mit

einer Abkochung von Galläpfeln oder Sumach verrichtet; die gallirte

Baumwolle in einer mit Natriumcarbonat neutralisirten Lösung von Alaun

durchgearbeitet, getrocknet und nochmals alaunt. 3) Das =Ausfärben=

oder Krappen geschieht mit einer Abkochung von =Krapp= oder geeigneten

=Krapppräparaten=. 4) Das =Schönen= und =Rosiren=, wodurch das gefärbte

Garn die scharlachrothe Nüance erhält, durch Erhitzen mit Seifenlösung,

Zinnchlorür und Salpetersäure. Hierdurch wird ein Theil der mit dem

Farbstoff verbundenen Thonerde durch Zinnoxyd ersetzt. Obgleich die

Türkischrothfärberei in Europa schon seit Jahrhunderten eingeführt und

vielfach verbessert worden ist, so ist doch in dieser langen Zeit keine

genügende Erklärung dieses Processes gegeben worden, und die Theorie

derselben noch ziemlich im Dunkeln. Es ist wahrscheinlich, dass durch

die Einwirkung des Kothes (der auch bis zu einem gewissen Grade durch

ein Gemenge von phosphorsauren Salzen mit Leim ersetzt werden kann) das

Zeug eine Art von Animalisation erleidet, durch welche dasselbe die

Eigenschaft erhält, schönere und glänzendere Farben anzunehmen, als

wenn es nur mit mineralischen Substanzen gebeizt worden wäre. Neuere

Untersuchungen haben ferner gezeigt, dass das dabei in grosser Menge

angewendete Oel, in Berührung mit der Luft sich zersetzt und mit der

animalisirten Faser sich verbindet, vielleicht ebenso wie der Thran mit

der thierischen Faser in der Sämischgerberei. =Persoz=, =Jenny= u. A.

sind der Ansicht, dass das Oel die Hauptrolle bei der

Türkischrothfärberei spiele. Trotzdem scheint es, als wenn eine

Verbindung von Aluminium-Oleat und Aluminium-Tannat, combinirt mit den

entsprechenden Zinnverbindungen die Fixirung der Krappfarbstoffe auf

der gewissermaassen gegerbten animalisirten Baumwollfaser begünstige.

Das eigenthümliche Feuer des Türkischroth rührt nach =Wartha= (1870)

von einer eigenthümlichen Fettsäureverbindung her, welche indessen der

Faser nicht stark anhaftet und derselben durch Aether und Ligroïn

entzogen werden kann.

[Sidenote: Färben der leinenen Zeuge.]

Das =Färben der leinenen Zeuge= geschieht ähnlich wie bei der

Baumwolle, doch ist in Folge der eigenthümlichen Beschaffenheit der

Leinfaser die Verwandtschaft derselben zu Farbstoffen weit geringer als

die der Baumwollfaser.

Der Zeugdruck.

[Sidenote: Zeugdruckerei.]

Der =Zeugdruck= hat zum Zweck, auf Baumwoll-, Leinen-, Woll- und

Seidenstoffen farbige Muster und zwar durch Drucken hervorzubringen. Der

wichtigste Theil desselben ist die =Baumwoll=- oder =Kattundruckerei=.

Sie beruht auf denselben Principien wie die Färberei, obgleich sie

ungleich grössere Schwierigkeiten zu überwinden hat, theils weil eben nur

einzelne Stellen Farben annehmen und andere farblos bleiben oder wieder

entfärbt werden, theils auch weil häufig mehrere Farben nebeneinander

erzeugt werden sollen. Ausserdem handelt es sich um gefällige und

geschmackvolle Vertheilung der Farben. Die in dem Kattundruck

angewendeten Farben zerfallen in zwei Abtheilungen, nämlich in solche,

die vermittelst gravirter Platten direkt auf das Zeug aufgetragen werden

(=Applications=-, =Schilder=- oder =Tafeldruckfarben=), und solche, die

man durch Eintauchen des Zeuges in die Farbenbrühe (=Kessel=- oder

=Krappfarben=) hervorbringt. Zu den ersteren gehören die Eisenfarben, das

Berlinerblau, der Krapplack, der Indig, die Cochenille und die meisten

Theerfarben, zu den letzteren der Krapp, die Cochenille, das Blauholz,

der Wau, der Sumach u. s. w.

Es giebt verschiedene Arten, die Zeuge zu bedrucken. Entweder man

bringt

1) die hinlänglich mit einem Verdickungsmittel und der Beize vermischte

Farbe auf das Zeug, oder man trägt

2) nur die verdickte Beize auf diejenigen Stellen des Zeuges auf, die

Farbe erhalten sollen und zieht darauf das Zeug durch die Farbenbrühe;

oder man färbt

3) das ganze Zeug, mit Ausnahme derjenigen Stellen, die eine andere

Farbe erhalten sollen; diese Stellen werden mit einer Substanz

(=Reservage=, Deckpappe, auch die =Schutzpappen= oder Schutzreserven

gehören hierher) bedeckt, die zu dem Farbstoff der Flotte keine

Verwandtschaft hat;

4) endlich kann man farbige Muster dadurch erhalten, dass man das Zeug

gleichmässig färbt und dann auf denjenigen Stellen, die anders gefärbt

worden sollen, die Farbe wieder wegnimmt; zu diesem Behufe wendet man

chemisch wirkende Substanzen, =Aetzbeizen=, =Aetzmittel=, =Enlevage=,

an.

[Sidenote: Beizen.]

Bei vielen Farben bedarf es der Einwirkung der Wasserdämpfe zur

Befestigung der Farben; man nennt solche Farben =Dampffarben=. Sind die

aufgedruckten Farben anorganische Farbstoffe (wie Ultramarin) oder Lacke

(wie Krapplack), welche man auf mechanischem Wege (mit Albumin, Caseïn,

Kleber) auf dem Gewebe befestigt, so heissen die Farben =Körperfarben=.

In der Zeugdruckerei wendet man leicht lösliche =Beizen= (_Mordants_) an,

deren Säure sich leicht von der Base trennt, so dass letztere mit der

Faser eine Verbindung eingehen kann. Meist wendet man als Beize

Aluminiumacetat (vergl. S. 296) und Ferriacetat an. Seltener findet der

Alaun oder eine Auflösung von Thonerde in Natron (Natrium-Aluminat)

Anwendung. Um Bleichromat zu erzeugen, wendet man als Beize Bleiacetat

an; ebenso wendet man bisweilen Zinnverbindungen (vergl. S. 77) als Beize

an. In neuerer Zeit hat man die Anwendung des Caseïns, in seiner

Verbindung mit Kalk als Beize vorgeschlagen. Zu diesem Behufe löst man

Caseïn in verdünntem Ammoniak auf und vermischt mit dieser Lösung

frischen Kalkbrei. Mit der entstehenden Flüssigkeit (Caseïn-Kalk) tränkt

man das zu färbende Zeug. Durch Erwärmen wird die Verbindung unlöslich

und der Stoff ist so vollständig gebeizt, dass derselbe dem Waschen mit

alkalischen Flüssigkeiten widersteht. Um die Steifigkeit und Härte des

Zeuges zu verhindern, die bei der Anwendung des Caseïn-Kalkes als

Beizmittel entsteht, hat man vorgeschlagen, die Verbindung vor der

Anwendung mit Tournantöl zu vermischen, und sie dann erst auf das Zeug

aufzutragen. Baumwollenes Zeug verhält sich darauf wie Wolle und ist

befähigt, dieselben Farben aufzunehmen. Auch das Albumin, der Kleber und

die Gerbsäure finden als Mordant in dem Zeugdruck Anwendung.

[Sidenote: Verdickungsmittel.]

Man giebt den Beizen und Farben vor dem Auftragen eine dickliche

Consistenz. Als =Verdickungsmittel= wendet man Senegalgummi, Tragant,

Stärke, Leiokom, Dextrin, Salep, Mehl, Kleber, Pfeifenthon mit

Senegalgummi, Leim, Bleisulfat, Zucker, Melasse, Glycerin, zuweilen

auch Chlorzink und Zinknitrat an. Von der Beschaffenheit des

Verdickungsmittels ist die Güte der Farbe abhängig, am häufigsten

wendet man jetzt die geröstete Stärke oder das Leiokom (vgl. S. 433),

seltener aber Eiweiss an. Bei der Wahl des Verdickungsmittels ist zu

berücksichtigen, dass bei sehr sauren Beizen Stärke nicht angewendet

werden kann, weil sie durch die Säure ihre Consistenz verliert, dass

bei gewissen Metalllösungen, wie z. B. basischem Bleiacetat,

Zinnlösung, Rostbeize (Ferrinitrat) und Kupfernitrat, welche mit Gummi

coaguliren, Gummi zum Verdicken nicht benutzt werden darf.

[Sidenote: Reservagen.]

Wie schon erwähnt, trägt man im Zeugdruck zuweilen gewisse Substanzen vor

dem Färben des Zeuges an denjenigen Stellen auf, die =weiss= bleiben

sollen. Man nennt solche Substanzen =Reservagen= (Deckmittel,

Deckpappen). Gewöhnlich ist die Reservage ein Gemisch, das die Bestimmung

hat, das Indigblau zu verhindern, in aufgelöster Form an gewissen Stellen

auf das Zeug einzuwirken, so dass dasselbe an den Stellen, wo die

Reservage liegt, weiss bleibt, oder mindestens vor der Berührung mit dem

Zeug in das Indigblau, mithin in unlösliche Form übergehe. Die Reservagen

sind zusammengesetzt aus teiggebenden Substanzen, wie Pfeifenthon, Fett,

Oel, Bleisulfat, und aus Körpern, die leicht Sauerstoff abgeben, wie

Kupfersulfat und -acetat oder ein Gemenge von rothem Blutlaugensalz und

Natronlauge. Häufig setzt man zu den Reservagen zugleich eine Beize für

gewisse andere Farben (Thon- oder Eisenbeize) um die Stellen, welche

durch die Reservage in der Küpe weiss bleiben, darauf in einer anderen

Farbenbrühe (von Krapp und Quercitron) auszufärben. Man nennt diese Art

von Druckerei =Lapis=, in Folge einer entfernten Aehnlichkeit, welche

einige dieser Muster mit dem Lasurstein (_Lapis lazuli_) haben. Die

sogenannte =weisse Reservage= für Walzendruck besteht z. B. aus Grünspan

oder Kupfervitriol, essigsaurem Bleioxyd, welche Substanzen mit Gummi-

oder Dextrinlösung verdickt und dann auf die Zeuge aufgetragen werden.

Den Tag darauf zieht man sie durch die Indigküpe, bis sie den

erforderlichen Grad von Intensität erlangt haben. Zuletzt zieht man sie

durch ein Bad von verdünnter Schwefelsäure, bis die Reservage weiss ist.

Der Vorgang hierbei ist folgender: So wie der reducirte Indig mit dem

Kupferoxyd in Berührung kommt, verwandelt er sich auf Kosten des

Sauerstoffs des Kupferoxydes in Indigblau, das sich unlöslich in der

Reservage niederschlägt. Das Behandeln mit verdünnter Schwefelsäure hat

zum Zweck, das in der Reservage befindliche Kupferoxydulhydrat

wegzunehmen und das unlösliche Indigblau auszuwaschen.

Ausser den Kupferoxydsalzen wendet man zu weissen Reservagen auch

_Quecksilberchlorid_ und _Zinkvitriol_ an; ersteres wirkt ähnlich dem

Kupferoxydsalz, letzterer dadurch, dass der Zinkvitriol mit dem

Indigweiss eine unlösliche Verbindung eingeht, die sich an den

reservirten Stellen niederschlägt.

[Sidenote: Aetzmittel.]

[Sidenote: Säuren.]

[Sidenote: Oxydirende Mittel.]

Die =Aetzmittel= (Aetzpappen) haben die Bestimmung, auf bereits gefärbten

Zeugen auf chemischem Wege weisse Stellen hervorzubringen; dies geschieht

entweder durch Auflösen der Beizen (=Druck mit Aetzbeizen=) oder durch

Zerstören der Farben (=Enlevagendruck=). Um das erstere zu

bewerkstelligen, bedient man sich einer Säure, die sich mit der Base

verbindet (Phosphorsäure, Arsensäure, Milchsäure, Oxalsäure,

Kieselflusssäure); um durch Enlevagendruck Farben zu zerstören, wendet

man ozonabgebende Mittel wie Chlorkalk, Chromsäure, ein Gemenge von

rothem Blutlaugensalz mit Natronlauge, Kaliumpermanganat, einen Brei aus

Brom und Thon, Salpetersäure, die sämmtlich ozonisirten Sauerstoff

abgebend (oxydirend) wirken, oder Zinnchlorür und Eisenvitriol, welche

Sauerstoff aufnehmend (reducirend) wirken, an. Eine der am häufigsten

angewendeten sauren =Aetzbeizen= ist die Weinsäure, die besonders zum

Auflösen der Thonerde und des Eisenoxydes der Beize angewendet wird.

Bisweilen wird sie mit Natriumbisulfat vermischt angewandt. Ein roth-

oder blaugefärbtes Zeug, das an den zu bleichenden Stellen mit einem

Gemenge von Weinsäure, Pfeifenthon und Gummi bedeckt worden ist, verliert

sogleich an den bedruckten Stellen seine Farbe, wenn es in ein Bad von

Chlorkalk getaucht wird. Als Enlevage auf Berlinerblau ist in neuerer

Zeit Fluorkalium in Vorschlag gebracht worden. Das Wegbeizen des

Indigblau's durch oxydirende Mittel beruht darauf, dass das im Wasser

unlösliche =Indigblau= durch Sauerstoffaufnahme in =Isatin= übergeht,

welches löslich ist und leicht durch Waschen mit Wasser entfernt werden

kann:

C_{16}H_{10}N_{2}O_{2} + 2O = C_{16}H_{10}N_{2}O_{4}

Indigblau. Isatin.

Man wendet zur Zerstörung des Indigblau's =Chromsäure= an, die unter

Sauerstoffabgabe zu Chromoxyd reducirt wird. In der neueren Zeit hat

=Mercer= vorgeschlagen, zum Bleichen des Indigs in der Zeugdruckerei ein

Gemenge von Kali und Ferridcyankalium anzuwenden. Zu diesem Zwecke tränkt

man das in der Indigküpe blaugefärbte Zeug mit einer Lösung von rothem

Blutlaugensalz, und druckt dann mit Leiokom verdicktes Aetzkali auf.

Durch das Kali wird das Ferridcyankalium in Ferrocyankalium verwandelt

und das Indigblau durch den dabei freiwerdenden Sauerstoff in Isatin

übergeführt:

Ferridcyankalium 4K_{3}FeCy_{6} }

Kali 4KOH } geben

Indigblau C_{16}H_{10}N_{2}O_{2} }

{ Ferrocyankalium 4K_{4}FeCy_{6}

{ Isatin C_{16}H_{10}N_{2}O_{4}, 2H_{2}O

[Sidenote: Reducirende Mittel.]

Von den reducirenden Aetzmitteln ist das wichtigste das =Zinnchlorür=,

das bei mit Eisenoxyd gefärbten Zeugen Anwendung findet. Bringt man

Zinnchlorür mit Eisenoxyd zusammen, so bildet sich leicht lösliches

Eisenchlorür, das durch Waschen entfernt wird, und unlösliche Zinnsäure

(richtiger Zinnoxydul-Oxyd), die für Roth und Gelb als Beize dient.

[Sidenote: Baumwolldruckerei.]

=Baumwolldruckerei.= Der Druck auf Baumwolle kann geschehen 1) durch

Färben aus dem Kessel, 2) durch Tafeldruck, oder 3) durch Aetzdruck.

Bei dem =Färben aus dem Kessel= (Kessel- oder Krappfarbendruck) trägt man

die mit einem Verdickungsmittel verdickte Beize, zu welcher man

gewöhnlich ein wenig Farbebrühe (Blende) gesetzt hat, um sie aufgedruckt

zu erkennen, vermittelst Dessinformen (Model, Druckmodel) oder

vermittelst gravirter Platten oder Walzen auf. Zum Handdruck wendet man

einen Drucktisch an, der mit wollenem Zeug, dem Drucktuch, überzogen ist.

Auf diesen Tisch wird das Zeug ausgebreitet und auf letzteres mit

Druckformen die Beize aufgedruckt. Die Druckformen sind entweder von Holz

(Birnbaumholz, Buxbaumholz, Tannenholz) oder bestehen aus Metallstiften

und Figuren, die in dem Holz der Form befestigt sind. Erstere heissen

=Holzformen=, letztere =Stippelformen=; auf den sogenannten =gemischten

Formen= sind breitere Partien der Zeichnung in Holzschnitt, die feineren

aber durch Stifte hervorgebracht, die man zwischen jene eintreibt. Damit

die Beizen gleichförmig aufgetragen werden, wendet man einen =Rahmen=

(das Chassis), auf welchen man ein Stück weisses Tuch nagelt, und einen

Bottich mit der sogenannten =falschen Farbe= an, der zur Hälfte mit einer

dicken Gummilösung oder mit Leinsamenschleim angefüllt ist. Auf dieser

Flüssigkeit schwimmt ein mit Wachstuch überspannter Rahmen, der vorher

mit Fett überzogen worden ist. Man trägt nun die Beize mittelst einer

Bürste oder eines Pinsels auf den Rahmen auf. Auf dieses setzt der

Drucker die Form, so dass die erhabenen Stellen Beize aufnehmen, bringt

sie dann auf das auf dem Drucktische befindliche Zeug und schlägt mit der

Faust oder mit einem hölzernen Hammer auf die Rückseite der Form, damit

sich alle Theile der Form vollständig abdrucken. Werden mehrere Beizen

auf einmal mittelst besonderen Bürsten auf den Rahmen aufgetragen und

dann auf das Zeug gedruckt, so erreicht man die mannigfaltigsten Nüancen

(den Irisdruck oder Fondudruck).

Um das Verfahren beim Druck zu beschleunigen, hat man verschiedene

Maschinen in Anwendung gebracht, so z. B. die von =Perrot= in Rouen im

Jahre 1833 erfundene =Perrotine=; diese Maschine arbeitet mit 3-4

hölzernen, platten Formen (=Perrotineformen=, Holzmodel, auf welche die

Zeichnung in Tafeln, Stereotypplatten ähnlich, aus leichtflüssiger

Legirung aus Zinn Wismuth, Kadmium etc. aufgenagelt wird) von der

Breite des Zeuges, welche die Beizen oder Farben erhalten und sie durch

solche auf das Zeug abdrucken. Anstatt der Druckplatten wendet man seit

längerer Zeit sehr häufig Platten oder Walzen an. Bei den =Walzen=-

oder =Rouleauxdruckmaschinen= ist das Muster in einen kupfernen

Cylinder eingravirt, der durch die Maschine umgedreht wird. Unter

demselben befindet sich eine hölzerne mit Tuch überzogene Walze, die

zum Theil in die Farbe taucht und den Cylinder mit Farbe speist. Dicht

dabei ist ein Abstreichmesser (der Doctor oder Rakel), das von den

erhabenen Stellen des Cylinders die überschüssige Farbe entfernt, und

sie nur in den Vertiefungen, welche das Dessin darstellen, lässt.

Nach beendigtem Aufdruck der Beizen ist es nothwendig, das Zeug einige

Zeit lang ruhen zu lassen, ehe man zum =Ausfärben= schreitet. Es ist dies

namentlich bei Thonerde- und Eisenbeizen nothwendig, damit eine innige

Verbindung der Beize mit dem Zeug stattfinden kann. Nach dem Trocknen und

Ruhen der Beizen muss das Zeug vor dem Ausfärben von dem

Verdickungsmittel, der zum Erkennen angewendeten Blende, hauptsächlich

aber von dem unverbundenen Theile der Beize befreit werden. Bei Zeugen

aber, die in Krapp ausgefärbt werden sollen, ist die Reinigung der Zeuge

im =Kühkothbade= (das Kühkothen) nothwendig. Gewöhnlich setzt man etwas

Kreide zu, um die Essigsäure oder Beizen zu sättigen. Obgleich eine

genügende Theorie der Wirkung des Kuhkothes noch nicht aufgestellt ist,

so sind doch alle Kattundrucker darüber einig, dass seine Anwendung

unerlässlich sei. Nach =Mercer= und =Blyth= lässt sich der Kuhkoth durch

gewisse Phosphate und Arseniate ersetzen; diese Chemiker schlagen vor,

ein Gemenge von Natriumphosphat und Calciumphosphat anzuwenden.

Neuerdings hat man auch Natriumsilicat als Kuhkothsalz anzuwenden

vorgeschlagen. Nach dem Behandeln im Kuhkothbad wird das gebeizte Zeug

gewaschen und alsdann ausgefärbt. Leicht lösliche Farbstoffe werden in

Auflösung angewendet, dies ist der Fall bei der Cochenille, dem

Quercitron, dem Wau, dem Safflor u. s. w.; andere, die sich nur schwer in

Wasser lösen, wie die Farbstoffe des Krapps, werden ungekleinert als

Krapp oder Garancine in das Färbebad gebracht. Wenn verschiedene Beizen

aufgedruckt worden sind, so versteht es sich von selbst, dass mit einem

einzigen Färbebad verschiedene Farben erhalten werden können. So kann man

mit Krapp roth in allen Abstufungen, schwarz, braun und violett färben,

wenn Thonerde und Eisenbeize, und ein Gemenge beider aufgedruckt wurde.

Da die Farbe nur an denjenigen Stellen haftet, an welchen sich Beize

befindet, so kann der Farbstoff von dem übrigen Zeug leicht entfernt

werden. Letzteres geschieht durch Waschen, Behandeln mit Kleie und Seife,

und Auslegen auf den Rasen. Bei mit Krapp gefärbten Zeugen bleicht man

mit einer Lösung von Chlorkalk oder mit Javelle'scher Lauge (vergl. S.

244). Einzelne Farben, denen, so wie sie aus dem Färbebade kommen, der

Glanz und die Nüance abgeht, werden geschönt (avivirt). Bei dem

Türkischroth geschieht dies durch längere Zeit fortgesetztes Sieden mit

einer Lösung von Seife und Zinnchlorid.

[Sidenote: Tafelfarben.]

Das Verfahren, eingedickte Farben und Beizen gemeinschaftlich

aufzutragen, nennt man =Tafeldruck=, und die dazu angewendeten Farben

=Applications=- oder =Tafelfarben= (topische Farben). Man kennt zwei

Arten von Tafelfarben, die eine Art wird im gelösten Zustand aufgedruckt

und geht auf der Faser nach und nach in die unlösliche Form über, die

_andere_ Art druckt man unlöslich auf und verdickt sie mit plastischen

Substanzen, mit deren Hülfe sie der Faser adhäriren. Zu der letzteren Art

gehören die Körperfarben (z. B. der Ultramarindruck). Durch Behandeln der

gefärbten Zeuge mit heissem Wasserdampf werden viele Tafelfarben auf

Baumwollgeweben fixirt und heller gemacht. Die so erzeugten Farben

heissen =Dampffarben=; ihre Herstellung spielt eine wichtige Rolle im

Zeugdruck. Zu diesem Zwecke lässt man die bedruckten Zeuge 2-3 Tage lang

trocknen und spannt sie sodann in einem Raume auf, der durch heisse

Wasserdämpfe bis auf 100° erhitzt ist. Die Dauer der Operation des

Fixirens durch Dampf ist von der Temperatur und der Natur des Dessins

abhängig; sie variirt zwischen 20-45 Minuten. Auf welche Weise der Dampf

die Befestigung der Farben bewirkt, ist nicht genau bekannt. Um =blau=

(Applicationsfarbe) zu erhalten, trägt man Opermentküpe (vergl. S. 682)

mit Natriumcarbonat und Gummipulver verdickt auf, und wäscht das Zeug 24

Stunden nach dem Auftragen der Farbe aus. =Dampfblau= erhält man durch

Aufdrucken einer mit Stärke verdickten Lösung von Ferrocyankalium,

Weinsäure mit kleinen Mengen von Schwefelsäure, Trocknen, Lüften und

Dämpfen. =Gelb= wird auf die bekannte Weise durch Tränken mit Bleiacetat

und Ziehen durch eine Lösung von Kaliumbichromat dargestellt. Zu =Grün=

nimmt man eine Mischung von Bleichromat und Berlinerblau.

[Sidenote: Aetzdruck.]

Bei dem =Aetzdruck= sucht man, wie oben erwähnt, durch Aetzmittel an

gewissen Stellen des Zeuges die Farbe wegzunehmen. Die Operation,

vermittelst welcher die ganze Oberfläche des Stückes mit Beize bedeckt

wird, heisst das =Klotzen= (Aufklotzen, Grundiren). Dies geschieht, indem

man das Zeug mit einer Lösung der Beize imprägnirt und dann durch zwei

mit Tuch umwickelte Walzen durchlaufen lässt, wodurch theils das Zeug

gleichmässig mit der Beize getränkt, theils von dem Ueberschuss derselben

befreit wird. Nachdem die Beize aufgetragen worden ist, wird das Zeug

getrocknet. Während die aufgedruckten =Aetzbeizen= den Zweck haben, das

mordancirte Zeug stellenweise von der Beize zu befreien, damit es an

diesen Stellen beim Ausfärben keine Farbe annehme, wirken die =Enlevagen=

zerstörend auf die Farbe selbst. Säuren, wie Oxalsäure, Citronensäure,

Weinsäure, Milchsäure, Phosphorsäure, Arsensäure, Kieselflusssäure, eben

so auch das Zinnchlorid, gehören demnach zu den Aetzbeizen, unterchlorige

Säure, Chromsäure, Mercer's Liquor und überhaupt die ozonabgebenden

Mittel zu den Enlevagen. Für Thonerde- und Eisenbasen bedient man sich

folgender Aetzbeizen: für =Eisenbasen= einer Lösung von Oxalsäure und

Weinsäure in Wasser, zu welcher man Citronensaft und gebrannte Stärke und

Dextrin als Verdickungsmittel und etwas Lösung von Indig in Schwefelsäure

zum Blenden der Aetzbeize setzt; bei =Thonerdebasen= einer Lösung von

Kaliumbioxalat (Sauerkleesalz), Weinstein, Weinsäure und Glaubersalz in

Wasser, zu welcher man Kleister als Verdickungsmittel fügt. Der Zweck des

Aetzens ist aber nicht allein, die Farben zu zerstören oder weisse

Stellen zu erzeugen, sondern auch, bunte andersgefärbte Stellen auf dem

gefärbten Zeug hervorzubringen. Letzteres geschieht, indem man zu dem

Aetzmittel Farbe setzt; diese Farben müssen, wenn als Aetzmittel

Enlevagen von Chlor angewendet werden, unorganische, wie Bleinitrat,

Berlinerblau u. s. w., sein. Um auf einem einfarbigen Grund gefärbte

Aetzungen hervorzubringen, bedient man sich z. B. bei türkischroth

gefärbten Zeugen folgenden Verfahrens: Um =weiss= zu erhalten, trägt man

eine Aetzbeize, bestehend aus Weinsäure, Wasser, arabischem Gummi und

gerösteter Stärke auf, für =blau= ein Gemenge von Weinsäure,

Berlinerblau, Zinnsalz, Stärke und Wasser, für =gelb= Bleinitrat,

Weinsäure, Stärke und Wasser, für =grün= ein Gemenge von Gelb und Blau,

für =schwarz= eine mit Ferrinitrat versetzte concentrirte Abkochung von

Blauholz. Wenn man die mit diesen verschiedenen Beizen bedruckten Zeuge

durch eine Lösung von Chlorkalk oder Javelle'sche Lauge zieht, so wird an

den bedruckten Stellen die Farbe des Grundes zerstört, und es nimmt die

Farbe der Beize die Stelle derselben ein. Zur Zerstörung der Grundfarbe

wendet man auch Chromsäure an, die, indem sie zu Chromoxyd reducirt wird,

zur Hervorbringung von braunen Nüancen Veranlassung giebt.

[Sidenote: Druck mit Anilinfarben.]

Die =Theerfarben= in Bezug auf Zeugdruckerei sind fast durchweg

Dampffarben. Das Aufdrucken und die Befestigung auf das Zeug geschieht

auf verschiedene Weise, entweder 1) druckt man das verdickte Mordant auf

und befestigt es durch Trocknen und Lüften oder durch Dämpfen, und färbt

es dann in der Lösung des Theerfarbstoffes (Roth, Violett, Blau) aus; die

Farbe haftet dann an den mordancirten Stellen; oder 2) man verdickt das

Mordant, welches vorher mit dem Theerfarbstoff versetzt wurde, druckt die

Mischung auf, trocknet und dämpft sie. Die als =Mordants= im Anilindruck

angewendeten Substanzen sind bei dem Anilindruck ziemlich zahlreich,

zuerst ist hier zu erwähnen das Eiweiss aus Eiern, dann das Blutalbumin,

namentlich das unter Mitwirkung von Terpentinöl durch Ozon gebleichte;

ferner die verschiedenen Kleberapparate, so der nach =W. Crum='s Angabe

in schwacher Natronlauge gelöste Kleber, oder nach =Scheurer-Rott= eine

Lösung von Kleber in einer schwachen Säure, oder nach =Liès-Bodard= eine

Lösung in Calcium-Saccharat, oder endlich nach dem Verfahren von =Hanon=

durch beginnende Fäulniss löslich gemachter Kleber. Anstatt des Klebers

kann man auch anwenden Caseïn entweder in Aetzlauge oder in Essigsäure

gelöst, oder Leim oder gerbsauren Leim nach dem von =Kuhlmann= und

=Lightfoot= vorgeschlagenen Methoden. Den genannten stickstoffhaltigen

Körpern reihen sich an das Tannin, die fetten Oele und gewisse

Oelpräparate wie die Oelschwefelsäure, Palmitinschwefelsäure und

Glycerinschwefelsäure, und gewisse Harze z. B. der Schellack aufgelöst in

Alkalien, Borax etc.

Der Anilinfarbendruck mit =Hülfe von Kleber= geht auf folgende Weise

vor sich: Weizenkleber, in bekannter Weise durch Auskneten von

Weizenmehl mit Wasser und Entfernen der Stärke durch Auswaschen

dargestellt, wird in einem geeigneten Gefässe so lange sich überlassen,

bis er in Folge der Bildung einer Säure schleimig und hinlänglich

flüssig geworden ist. Im Sommer ist der Kleber gewöhnlich nach 5-6

Tagen genügend flüssig, im Winter in 8-10 Tagen. Hierauf reinigt man

die schleimige Masse dadurch, dass man den darin enthaltenen Kleber

wieder unlöslich macht; dies geschieht durch Sättigen der Säure mit

einer Lösung von Natriumcarbonat. 5 Kilogr. Kleber erfordern in diesem

Zustande gewöhnlich 560 Grm. einer Sodalösung von 1,15 spec. Gewicht.

Der hierdurch unlöslich ausgeschiedene Kleber wird ausgewaschen und in

Natronlauge von 1,080 spec. Gewicht (auf 5 Kilogr. wendet man 435 Grm.

Lauge an) gelöst und die Lösung mit 3,5 Liter Wasser verdünnt. Nachdem

das Zeug mit dieser Mischung bedruckt und geklotzt und dann getrocknet

worden ist, wird es gedämpft und dann gespült. Die Lösung des

Anilinfarbstoffs wird nun als Färbebad benutzt, durch welches das

mordancirte Zeug passirt wird; oder man druckt dieselbe auch auf das

mit der Kleberbeize imprägnirte und dann gedämpfte und gewaschene Zeug

auf, wonach man den Stoff zur Befestigung der Farbe nochmals dämpft.

Der Kleber lässt sich übrigens ohne die angegebene Reinigung anwenden,

wenn man ihn so lange aufbewahrt, dass er den höchsten Grad der

Flüssigkeit erreicht; in diesem Falle vermischt man ihn mit ungefähr

dem dritten Theile seines Gewichts Natronlauge von 1,08 spec. Gewicht.

Soll _Caseïn_ als Mordant Anwendung finden, so mischt man dasselbe mit

Natron, und nachdem das Zeug mit dieser Mischung bedruckt oder

imprägnirt worden ist, bedruckt man es mit dem Anilinfarbstoffe.

Ganz verschieden von der vorstehenden Methode in der Herstellung von

Aufdruckfarben aus Anilinpräparaten ist 3) das Verfahren von =Gratrix=

und =Javal=, welches auf zweierlei Weise ausgeführt wird, entweder

[Greek: a]) bilden sie eine Verbindung des Anilinfarbstoffs mit

Gerbstoff (Tannin), verdicken mit Senegalgummi und drucken diese

Mischung auf das mit Zinnmordant oder einer andern Beize imprägnirte

Zeug auf; oder [Greek: b]) sie drucken eine verdickte

Galläpfelabkochung auf das, wie oben angegeben, präparirte Zeug auf,

wodurch sich eine Verbindung von Zinntannat u. s. w. bildet, und

passiren den Stoff nach dem Trocknen durch eine saure Lösung des

Anilinfarbstoffs. Um (nach [Greek: a]) die Verbindung von Gerbstoff mit

dem Farbstoff zu erzeugen, setzt man zu einer Lösung des

Anilinfarbstoffs so viel einer frisch bereiteten Galläpfelabkochung

oder besser Tanninlösung, als zur vollständigen Fällung des Farbstoffs

erforderlich ist. Der Niederschlag wird auf einem Filter gesammelt,

ausgewaschen und in Essigsäure, Alkohol oder Holzgeist aufgelöst. Die

Lösung wird mit Gummi verdickt und dann aufgedruckt. Nach dem Drucken

wird die Waare gedämpft und gewaschen mit oder ohne Anwendung von

Seife, was von der verlangten Nüance abhängig ist; die rothe Farbe

erheischt namentlich ein Seifenbad. Nach dem zweiten (sub [Greek: b]

erwähnten) Verfahren wird das Zeug mit Natriumstannat imprägnirt und

dann eine mit Senegalgummi verdickte Lösung von Gerbstoff oder dergl.

aufgedruckt. Das Zeug wird dann gedämpft und die Beize durch ein

gewöhnliches Fixirungsbad befestigt. Das Färben geschieht in einem

gewöhnlichen Krappfärbekessel, der mit Wasser angefüllt ist, das mit

Essigsäure angesäuert und bis auf etwa 50° erhitzt wurde. Man legt das

Zeug ein, indem man nach und nach den nöthigen Farbstoff, in Essigsäure

gelöst, zugiebt. Sobald aller Farbstoff zugesetzt worden ist, erhitzt

man nach und nach bis zum Kochen. -- =Anilinschwarz= wird (vergl.

S. 663) erst auf dem Zeuge (mittelst Kaliumchlorats, Kupferchlorids,

Ferridcyanammoniums oder frisch gefällten Schwefelkupfers)

hervorgebracht; in ähnlicher Weise auch neuerdings =Naphtylaminviolett=

(vergl. S. 667).

[Sidenote: Appretur der bedruckten Zeuge.]

Nachdem die Zeuge bedruckt worden sind, beendigt man die Arbeit durch

=Appretur=, die darin besteht, dieselben mittelst einer Stärkelösung zu

tränken, wodurch die Zeuge mehr Festigkeit erhalten, sie darauf zu

trocknen, zusammenzulegen und zu pressen. Bei der Appretur der

Möbelkattune setzt man der Stärkelösung weisses Wachs zu. Um gedruckten

Mousselinen den beliebten sammetähnlichen Angriff zu geben, setzt man der

Stärke während des Kochens mit Wasser, eine kleine Menge Wallrath zu.

[Sidenote: Das Bedrucken von Leinwand.]

[Sidenote: Wolldruckerei.]

[Sidenote: Seidendruckerei.]

[Sidenote: Mandarins.]

[Sidenote: Bandanas.]

Das =Bedrucken von Leinwand= beschränkt sich auf die Darstellung

indigblauer Farbentücher mit hellblauen oder weissen Figuren oder

ähnlicher einfacher Artikel. Bei dem =Wollzeugdruck= wendet man

vorzugsweise den Tafeldruck und den Druck auf vorher mit einem

Zinnchloridbade behandelte Zeuge an. Die Fixirung der Farben geschieht

mittelst Dampf. Man unterscheidet ausserdem bei der Wolldruckerei 1)

die =Golgasdruckerei= und 2) die =Berilldruckerei=. Bei der ersteren,

die jetzt nur noch selten angewendet wird, beizt man den Golgas, ein

leichtes flanellartiges Gewebe, mit Alaun und Weinstein und presst (auf

der sogenannten =schottischen Presse=) denselben darauf zwischen

hölzernen oder bleiernen Formen (Golgasformen), die nur so weit

durchbrochen sind, als die Farbe hindurch und in das Zeug eindringen

soll, daher zu jedem Stück Zeug zwei Formplatten erforderlich sind. Die

Farbenbrühen werden durch die Oeffnungen der Form eingegossen. Der

Theil, der nicht mit der Wollfaser in Verbindung tritt, läuft hindurch

und wird in einem untergestellten Gefässe angesammelt. Die Erzeugung

des Musters kommt daher bei dem Golgasdruck darauf zurück, dass man die

dem Muster entsprechenden Theile des Wollstoffs durch Pressung

verhindert, die Farbe aufzunehmen. -- Bei der =Berill=druckerei druckt

man die mit Stärke verdickten Tafelfarben mittelst messingener Formen

auf leichte Flanelle heiss auf und entfernt das Verdickungsmittel

=nicht=. Man erhält so farbige erhabene Muster. Das Verfahren bei der

=Seidendruckerei= ist im Allgemeinen dasselbe wie bei dem

Baumwolldruck. Entweder druckt man Tafelfarben auf, die man mit

Wasserdämpfen befestigt, oder man druckt verschiedene Beizen auf und

färbt dann in der Farbenbrühe aus. Eine eigenthümliche Art der

Seidendruckerei gründet sich auf die Eigenschaft der Salpetersäure,

seidene und wollene Stoffe dauernd gelb zu färben, die meisten

Farbstoffe zu zerstören, auf Harze und Fette aber erst nach längerer

Zeit einzuwirken. Man nennt diese Art der Druckerei =Mandarinage= und

die auf diese Weise bedruckten Zeuge =Mandarins=. Um mit Salpetersäure

auf den mit Indig gefärbten Grund gelb zu ätzen, druckt man auf das

seidene Zeug eine Reservage aus Harz und Fett auf, taucht es sodann 2-3

Minuten lang in ein bis auf 50° erwärmtes saures Bad aus 1 Th. Wasser

und 2 Th. Salpetersäure und bringt es darauf in fliessendes Wasser.

Nach dieser Operation lässt man das Zeug in einer mit Potasche

versetzten Seifenlösung sieden. Die nicht reservirten Stellen sind

schön gelb. -- Bei dem =Bandanasdruck=, durch welchen man auf ächt

krapproth gefärbten Taschentüchern weissgeätzte Figuren erzeugt, werden

die Stoffe ähnlich wie bei dem Golgasdruck zwischen zwei bleierne, mit

Ausschnitten versehene Platten gepresst. Eine mit etwas Schwefelsäure

versetzte Lösung von Chlorkalk dringt an jenen Stellen in das Zeug ein,

welche den Ausschnitten entsprechen und nimmt daselbst das Roth hinweg.

Auf gleiche Weise werden die geätzten Stellen z. B. gelb gefärbt, indem

man eine Lösung von Bleiacetat und sodann eine Lösung von Kaliumchromat

hindurchtreibt.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 121 / 167 题