C. Traubenzucker.

[Sidenote: Vorkommen, Zusammensetzung und Eigenschaften.]

Der =Traubenzucker= (Kartoffelzucker, Stärkezucker, Glycose, Dextrose)

ist eine feste Zuckerart, die sich neben einem flüssigen, nicht

krystallisirbaren Zucker, der =Levulose= oder =Chylariose= (von [Greek:

gylarion, Syrup)

in vielen süssen Früchten neben Rohrzucker im Honig findet und sich auf

chemischem Wege bildet

a) durch Umwandelung der Stärke, des Dextrins, des Rohrzuckers, des

Gummis durch verdünnte Säuren und die sogenannte Diastase;

b) durch Behandeln von Cellulose und ähnlichen Pflanzenstoffen mit

verdünnten Säuren;

c) durch Spaltung gewisser Stoffe der organischen Chemie (der

sogenannten Glycoside) wie des Amygdalins, Salicins, Phloridzins,

Populins, Quercitrins, der Galläpfelgerbsäure u. s. w., welche durch

die Einwirkung von verdünnten Säuren oder von Synaptase (Emulsin) in

Traubenzucker und in andere Substanzen zerfallen.

Der Traubenzucker findet sich in den Obstsorten in folgender Menge (in

Mittelzahlen ausgedrückt):

Pfirsiche 1,57 Proc.

Aprikosen 1,80 "

Pflaumen 2,12 "

Reineclauden 3,12 "

Mirabellen 3,58 "

Himbeeren 4,00 "

Brombeeren 4,44 "

Erdbeeren 5,73 "

Heidelbeeren 5,78 "

Johannisbeeren 6,10 "

Zwetschen 6,26 "

Stachelbeeren 7,15 "

Rothbirnen 7,45 " (nach Fresenius)

Birnensorten 8,02-10,8 Proc. (nach E. Wolff)

Aepfel 8,37 Proc. (nach Fresenius)

" 7,28-8,04 Proc. (nach E. Wolff)

Sauerkirschen 8,77 Proc.

Maulbeeren 9,19 "

Süsskirschen 10,79 "

Trauben 14,93 "

Der Traubenzucker, C_{6}H_{12}O_{6}, H_{2}O, krystallisirt aus einer

wässerigen Lösung in hemisphärischen Warzen oder in blumenkohlähnlichen

Gestalten. Er ist weniger leicht löslich in Wasser, als der Rohrzucker;

er bedarf zu seiner Lösung 1-1/3 Th. seines Gewichtes kalten Wassers; in

kochendem Wasser ist er in allen Verhältnissen löslich und es bildet sich

ein Syrup, der zwar zuckersüss schmeckt, welcher sich aber nicht in Fäden

ziehen lässt, wie der Rohrzuckersyrup. Man braucht 2-1/2 Mal so viel

Traubenzucker als Rohrzucker, um dem nämlichen Volumen Wasser die gleiche

Süssigkeit zu ertheilen. Bei 120° hat der Traubenzucker die Formel

C_{6}H_{12}O_{6}. Bei 140° verliert er von Neuem Wasser und geht in

Caramel über. Mit ätzenden Alkalien erhitzt, wird die Traubenzuckerlösung

schon bei 60-70° unter Bildung von Aldehydharz und humusähnlichen

Substanzen zersetzt. Eine mit Kali versetzte Traubenzuckerlösung reducirt

in der Siedehitze Kupferoxydhydrat zu Kupferoxydul, Silberoxyd zu

metallischem Silber, Goldchlorid zu metallischem Gold. Eine Mischung von

Ferridcyankalium und Kali zersetzt beim Erhitzen den Traubenzucker unter

Entfärbung der vorher gelb gefärbten Flüssigkeit. Unter dem Einflusse der

Fermente erleidet der Traubenzucker mannichfache Umwandelungen; die

Produkte variiren je nach der Natur der Fermente und den Bedingungen,

unter denen man arbeitet. Die Hefe, sowie sie sich bei der Gährung der

Bierwürze bildet, zerlegt den Traubenzucker in Alkohol und Kohlensäure.

100 Kilogr. Traubenzucker geben:

51,11 " Alkohol,

48,89 " Kohlensäure.

Unter gewissen, noch nicht festgestellten Bedingungen (der Temperatur

und der Concentration) findet man in der gegohrenen Flüssigkeit

Homologe des Alkohols, nämlich Propylalkohol, Butylalkohol und

Amylalkohol, ausserdem unter allen Umständen Glycerin und kleine Mengen

von Bernsteinsäure und Milchsäure. Wenn die Fermente, anstatt sauer zu

sein, in Folge einer freiwilligen Zersetzung alkalisch reagiren, so

verwandeln sie den Traubenzucker in Milchsäure, ohne dass

Gasentwickelung stattfindet. Gewöhnlich bleibt die Umwandlung aber

nicht bei der Bildung der Milchsäure stehen, es tritt

Wasserstoffentwickelung ein und die Milchsäure zersetzt sich in

Buttersäure und Essigsäure. Unter gewissen Umständen erleidet der

Traubenzucker die schleimige Gährung und verwandelt sich in Mannit und

einen gummiähnlichen Körper.

[Sidenote: Darstellung des Traubenzuckers.]

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 90 / 167 题