1) durch =Rösten= und zwar in Schachtöfen, wobei die Verdichtung der
Quecksilberdämpfe in gemauerten oder eisernen Kammern vor sich geht wie
in Idria, oder in röhrenartig zusammengefügten Thongefässen (Aludeln)
wie zu Almaden in Spanien;
2) durch =Zerlegen= des Zinnobers in geschlossenen Räumen durch
Zuschläge wie durch Eisenhammerschlag oder durch Kalk, wie in Böhmen
und in der Pfalz.
[Sidenote: Verfahren in Idria.]
[Illustration: Fig. 47.]
[Illustration: Fig. 48.]
[Illustration: Fig. 49.]
Die Apparate, die zur Gewinnung des Quecksilbers in Idria Anwendung
finden, sind durch die Zeichnungen Fig. 47, 48 und 49 versinnlicht. _A_
ist ein Röstofen, welcher auf beiden Seiten mit einer Reihe von
Verdichtungskammern _C_, _C_ ... _D_ in Verbindung steht. Das zu röstende
Erz schüttet man in groben Stücken auf das Gewölbe _nn'_ des Ofens,
welcher mit zahlreichen Oeffnungen versehen ist, und füllt den Raum _V_
vollständig damit an; auf das Gewölbe _pp'_ kommt Erz in kleinen Stücken,
endlich auf _r r'_ bringt man Staub und die quecksilberhaltigen
Rückstände früherer Operationen. Nachdem der Ofen beschickt ist,
entzündet man das Brennmaterial, gewöhnlich Buchenholz, auf dem Roste.
Man steigert nach und nach die Hitze bis zum Dunkelrothglühen und erhält
sie darin 10-12 Stunden. Durch den stattfindenden starken Zug gelangt die
zum Rösten des Schwefels erforderliche Luft in den Ofen. Durch die hohe
Temperatur entweicht der Zinnober aus dem Erz in Dampfgestalt und
verwandelt sich durch die Einwirkung des Sauerstoffs der Luft in
schweflige Säure und metallisches Quecksilber (HgS + 2O = SO_{2} + Hg).
Die Verbrennungsprodukte entweichen durch ein Rohr in die massiven, mit
Cement überzogenen Verdichtungskammern _C C_..., deren Sohle aus
festgestampftem Thon in Form zweier gegen einander geneigter Ebenen
besteht, von welchen das condensirte Quecksilber in einer Steinrinne in
ein Reservoir aus Porphyr abfliesst. In der letzten Kammer fliesst aus
dem Wasserbehälter fortwährend kaltes Wasser ein. Die letzten Spuren von
Quecksilber verdichten sich in den Rauchkammern _D D_.
Um Brennmaterial und Zeit zu ersparen, hat man in der neueren Zeit in
Idria Versuche mit =Flammenöfen= angestellt, welche eine
ununterbrochene Quecksilberdestillation gestatten.
[Sidenote: Verfahren in Spanien.]
[Illustration: Fig. 50.]
[Illustration: Fig. 51.]
[Illustration: Fig. 52.]
Bei der Einrichtung in =Almaden= geschieht die Verdichtung der
Quecksilberdämpfe in =Aludeln=, d. i. birnförmigen, an beiden Enden
offenen Gefässen von gebranntem Thon, welche so in einander gefügt
werden, dass, wie Fig. 50 zeigt, das dünnere Ende des einen in das
weitere des anderen passt, und dass nach dem Lutiren der Fugen mit Thon
und Asche lange Reihen -- =Aludelschnüre= -- entstehen. Der Ofen _A_
(Fig. 51 und 52) ist ein cylindrischer Schachtofen, der durch ein
durchbrochenes Gewölbe in zwei Abtheilungen getheilt ist. In der untern
Abtheilung wird gefeuert, in die obere wird das Erz gebracht, in der
Weise, dass zu unterst grosse Stücke eines zinnoberhaltigen Sandsteines
gebracht werden, der wegen geringen Gehaltes keine weitere Scheidung
zulässt; auf diese Steine bringt man das reiche Erz. Ein Gewölbe
schliesst oben den Ofen; die Oeffnung zum Eintragen der obersten
Schichten ist mit einer lutirten Thonplatte bedeckt. Die Dämpfe treten
zuerst in die Kammern _c c_ und dann in die zwölf Aludelreihen. Jede
Reihe ist 20-22 Meter lang und zählt 44 Aludeln; es sind demnach 528
Aludeln in jedem Ofen. Die Reihen liegen auf dem geneigten =Aludelplan=.
Aus der am tiefsten Punkte liegenden Aludel bei _f_ fliesst das
verdichtete Quecksilber durch eine Rinne _g_ in die steinernen Behälter
_h h_. Die in den Aludeln nicht verdichteten Dämpfe gelangen in die
Kammer _B_, wo sie sich vollständig niederschlagen. Der Rauch entweicht
durch den Schornstein _b_. Das mit Russ verunreinigte Quecksilber wird
dadurch gereinigt, dass man es über eine etwas geneigte Fläche fliessen
lässt. Der Russ adhärirt der Fläche, während das Quecksilber ziemlich
rein in einen Sumpf abfliesst. Der russige Staub wird ebenso wie der in
der Kammer _B_ sich ansammelnde gesammelt und von Neuem destillirt. Die
in dem Ofen eingesetzte Erdmasse beträgt 250-300 Ctr., welche 25-30,
zuweilen, obgleich selten, 60 Ctr. liefert. Das Quecksilber wird in
schafledernen Beuteln oder auch in schmiedeeisernen Flaschen versendet.
[Sidenote: Gewinnung des Quecksilbers durch Zerlegen des
Schwefelquecksilbers durch Zuschläge.]
[Illustration: Fig. 53.]
=Verfahren zu Horzowitz in Böhmen.= Der mit Thoneisenstein brechende
Zinnober wird mit 1/4-1/3 Eisenhammerschlag (Eisenoxydul-Oxyd)
beschickt und in einem =Glockenofen= (Fig. 53) auf eiserne Teller oder
Schalen _b b_ gebracht, die an einem eisernen Dorne befestigt und mit
einer eisernen und in Wasser tauchenden Glocke _e e_ bedeckt sind. Die
Glocke befindet sich in einem gemauerten Ofenschachte und wird durch
Steinkohlenfeuer zum Glühen gebracht. Das niederfallende Quecksilber
sammelt sich in dem Wasser in _d_ an. Jede Glocke, deren sechs in einem
Ofen sich befinden, enthält 1/2 Ctr. Erz und 1/4 Ctr. Hammerschlag, zu
deren Verarbeitung 30 bis 36 Stunden erforderlich sind.
=Verfahren in der Rheinpfalz.= Die Gruben am Rosswalde bei Stahlberg,
nördlich von Rockenhausen, wurden schon im Jahre 1410 eröffnet. Man
gewann anfänglich Eisenkies und silberhaltige Kupfererze und lernte
erst später das Zugutemachen der Quecksilbererze. Etwas neuer als die
Gruben am Stahlberge sind jene im Landsberge bei Moschel, im Potzberge
bei Kusel und bei Wolfstein; übrigens fallen Entdeckung und Benutzung
der dortigen Quecksilbererzlagerstätten gleichfalls ins 15.
Jahrhundert. Der Zinnober ist in Sandstein eingesprengt. Der
Quecksilbergehalt des Gesteines macht gewöhnlich 0,005 und zuweilen
0,01 Proc. aus. Soll die Ausbeute an Quecksilber die Kosten des
Ausbringens lohnen, so muss der Quecksilbergehalt des Erzes 1/600
betragen. Man nimmt die Zersetzung des Schwefelquecksilbers in eisernen
Retorten, von denen 30-50 Stück in einem Galeerenofen liegen, durch
Kalk vor, wobei Quecksilberdämpfe entweichen und ein Gemenge von
Schwefelcalcium, unterschwefligsaurem und schwefelsaurem Kalk
zurückbleibt. Zu =Obermoschel= enthält jede Retorte ein Gemenge von 40
Pfd. reichem Erz und 15-18 Pfd. Kalk, und ist mit einer thönernen
Vorlage versehen, welche zur Hälfte mit Wasser gefüllt ist. Die
zusammengefügten Stellen werden mit Lehm lutirt. Man steigert allmälig
die Hitze bis zum Rothglühen. Jede Operation dauert zehn Stunden. Nach
deren Beendigung wird der Inhalt der Vorlagen in ein mit Wasser
gefülltes Thonbecken gezogen und darin verwaschen; das Quecksilber
bleibt darin zurück, das Wasser aber fliesst nebst einem schwarzen
Pulver (=Quecksilberschwarz=), wahrscheinlich aus fein zertheiltem
Quecksilber und Schwefelquecksilber bestehend, ab. Dieses schwarze
Pulver wird gesammelt und mit Kalk einer neuen Destillation
unterworfen. Am =Landsberge= werden sämmtliche Retorten jedesmal mit 5
Ctr. und 1-2 Ctr. Kalk besetzt. Die Destillation dauert sechs Stunden.
Drei Destillationen liefern ungefähr 1/2 Ctr. Quecksilber.
[Sidenote: Eigenschaften des Quecksilbers.]
[Sidenote: Anwendung des Quecksilbers.]
Das =Quecksilber= ist metallglänzend, zinnweiss, bei gewöhnlicher
Temperatur tropfbar flüssig, bei -39,5° wird es fest, dehnbar, es
siedet bei 360°. Sein spec. Gewicht = 13,5. Es verbindet sich mit
vielen Metallen und bildet mit denselben die =Amalgame=, es verbindet
sich leicht mit Blei, Wismuth, Zink, Zinn, Silber, Gold, schwer mit
Kupfer, nicht mit Eisen, Nickel, Kobalt und Platin. Auf dieser
Eigenschaft, sich mit den meisten Metallen zu verbinden, beruht seine
Anwendung zur Scheidung einiger Metalle, wie des Goldes und Silbers von
den Erzen (Amalgamation, Verquickung); man benutzt Amalgame zum
Spiegelbelegen, zur Feuervergoldung, für das Reibzeug der
Elektrisirmaschinen. Das Quecksilber findet ferner Anwendung zur
Anfertigung physikalischer Instrumente, zur Darstellung der Secretage
für Hutmacher (einer Lösung von Quecksilber in Salpetersäure), zur
Fabrikation des Sublimats, Zinnobers, Knallquecksilbers u. s. w. Für
die Naturwissenschaft ist das Quecksilber ganz unentbehrlich. Ohne
dasselbe würde die Gasometrie noch wenig ausgebildet sein und die
Wärmelehre, sowie die Lehre vom Luftdruck noch auf einem niedrigen
Standpunkte sich befinden. Neuerdings ist gefunden worden, dass durch
geeigneten Natriumzusatz zum Quecksilber das Auflösungsvermögen
desselben für gewisse Metalle (besonders Gold und Silber) beträchtlich
erhöht wird. Ferner ist die Beobachtung gemacht worden, dass Natrium
das Quecksilber in einen starren Körper überführt, der mit Leichtigkeit
und ohne die Anwendung geeigneter Gefässe transportirt und durch
Digestion mit schwefelsäurehaltigem Wasser leicht wieder vom Natrium
getrennt werden kann.
Quecksilberpräparate.
[Sidenote: Verbindungen des Quecksilbers.]
Von den Verbindungen des Quecksilbers, die technische Anwendung finden,
sind nachstehende Präparate die wichtigsten.
[Sidenote: Quecksilberchlorid.]
Das =Quecksilberchlorid= (Sublimat), HgCl_{2} (in 100 Th. 73,8 Th.
Quecksilber und 26,2 Th. Chlor) wird durch Sublimation eines Gemenges von
schwefelsaurem Quecksilberoxyd mit Kochsalz oder auf nassem Wege durch
Auflösen von Quecksilberoxyd in Salzsäure, oder endlich durch Kochen
einer Chlormagnesiumlösung mit Quecksilberoxyd (MgCl_{2} + HgO = HgCl_{2}
+ MgO) dargestellt. Im sublimirten Zustande bildet es eine weisse
kristallinische Masse, die bei 260° schmilzt, bei 290° siedet, sich in
13,5 Th. Wasser von 20° und in 1,85 Th. Wasser von 100°, ferner in 2,3
Th. kaltem und in 1,18 Th. siedendem Alkohol auflöst. Das
Quecksilberchlorid findet Anwendung zum Conserviren von Holz
(Kyanisiren), zur Bereitung von Anilinroth, im Zeugdruck als Reservage,
zum Stahlätzen und zur Darstellung anderer Quecksilberpräparate. Als
Holzconservationsmittel hat man jüngst die Verbindung HgCl_{2}, 2 KCl,
die man durch Kochen von Carnallit mit Quecksilberoxyd erhält, in
Vorschlag gebracht.
[Sidenote: Zinnober.]
Der =Zinnober= (Schwefelquecksilber, Quecksilbersulfid, Mercuriumsulfid)
HgS kommt, wie schon erwähnt, in der Natur als natürlicher Zinnober in
rothen, derben Massen oder in durchsichtigen, rothen Krystallen vor, und
war schon zu =Plinius=' Zeiten unter dem Namen =Minium= bekannt. Man
stellt jedoch den Zinnober, um ihn als Farbematerial anzuwenden, stets
künstlich und zwar auf =trockenem Wege= und =auf nassem= dar. Auf
=trockenem Wege= erhält man den Zinnober, indem man 540 Th. Quecksilber
mit 75 Th. Schwefel innig mengt und das entstandene schwarze Pulver in
eisernen Gefässen bei mässigem Feuer bis zum Schmelzen, und darauf in
irdenen, nur lose verstopften Gefässen im Sandbade erhitzt. Die
sublimirte Masse erscheint cochenillerothglänzend, im Bruche faserig; sie
giebt beim Zerreiben ein scharlachrothes Pulver, den =präparirten
Zinnober=, dessen Farbe um so schöner ist, je reiner die Materialien und
je freier die schwarze Verbindung von überschüssigem Schwefel war.
Einigen Chemikern zufolge soll man die Scharlachfarbe des Zinnobers
dadurch sehr erhöhen, dass man dem Gemenge vor dem Sublimiren 1 Proc.
Schwefelantimon zusetzt und den Zinnober nach dem Zerreiben Monate lang
an einem dunklen Orte mit verdünnter Salpetersäure digerirt oder den etwa
beigemengten Schwefel durch Digestion mit Kalilauge entfernt. Auf
=nassem= Wege erhält man den Zinnober, indem man =weissen Präcipitat=
(Mercur. praecipit. alb. s. Hydrarg. amidato-bichlorat., NH_{2}HgCl, das
man durch Fällen einer Auflösung von Quecksilbersublimat mit Ammoniak
erhält) mit einer Auflösung von Schwefel in Schwefelammonium digerirt
(=Liebig=) oder nach =Martius=, indem man 1 Th. Schwefel, 7 Th.
Quecksilber und 2-3 Th. concentrirter Schwefelleberlösung Tage lang mit
einander schüttelt. Nach der =Brunner='schen Methode, die den schönsten
Zinnober liefert, mengt man 114 Th. Schwefel mit 300 Th. Quecksilber und
setzt zur Beschleunigung des Processes etwas Kalilösung zu. Auf einfache
Weise geschieht das Mischen dadurch, dass man beide Bestandtheile in gut
verschlossene, starke Flaschen bringt und dieselben an irgend einen sich
hin und her bewegenden Balken einer Dampfmaschine oder den einer
Sägemühle befestigt. Die schwarze Verbindung wird mit einer Lösung von 75
Th. Kali in 400 Th. Wasser gemischt und im Wasserbade bei 45° erhitzt.
Nach einigen Stunden nimmt die Masse eine rothe Farbe an; sie wird zur
Abkühlung in kaltes Wasser gegossen, auf Filtern gesammelt, gewaschen und
getrocknet. -- Der im Handel vorkommende Zinnober wurde früher mitunter
mit Mennige, Eisenoxyd und Chromzinnober verfälscht; gegenwärtig kommt
nicht selten Gyps (bis zu 15-20 Proc.) beigemengt vor. Beim Erhitzen
bleiben diese Substanzen zurück. Mennige, das gewöhnlichste
Verfälschungsmittel des Zinnobers, lässt sich auch dadurch nachweisen,
dass ein mit Mennige verfälschter Zinnober beim Ueberziehen mit
Salpetersäure -- in Folge von Bleisuperoxydbildung -- braun wird und mit
Salzsäure behandelt Chlorgas entwickelt. Reiner Zinnober ist in
Natriumsulfhydrat (NaSH) leicht und vollkommen löslich.
[Sidenote: Knallquecksilber.]
Das =Knallquecksilber= oder =knallsaure Quecksilberoxyd=
C_{2}Hg_{2}N_{2}O_{2} besteht in 100 Theilen aus 77,06 Th.
Quecksilberoxyd und 23,94 Th. Knallsäure, vorausgesetzt, dass man die
Existenz der noch niemals für sich dargestellten Knallsäure zugiebt.
Nach einer neueren, wie es scheint, richtigeren Anschauung, die zuerst
von =Gerhardt= ausgesprochen wurde, ist das Knallquecksilber eine
Nitroverbindung und kann betrachtet werden als Cyanmethyl, in welchem
der Wasserstoff des Methyls durch Untersalpetersäure und durch
Quecksilber ersetzt worden ist C {Hg_{2}} / NO_{2}}, CN. Es wurde von
=Howard= entdeckt und früher =Howard's Knallpulver= genannt. Es wird im
Grossen auf folgende Weise dargestellt. Man löst bei gelinder Wärme 2
Pfd. Quecksilber in 10 Pfd. Salpetersäure von 1,33 spec. Gewicht und
versetzt die Lösung mit noch 10 Pfd. Salpetersäure. Die Flüssigkeit
wird in sechs tubulirte Retorten vertheilt und in jede Retorte zu der
noch warmen Flüssigkeit 10 Liter Alkohol von 0,833 spec. Gewicht
zugegossen. Misst man Quecksilber, Salpetersäure und Alkohol, so nimmt
man auf 1 Volumen Quecksilber 7-1/2 Volumen Salpetersäure und 10
Volumen Alkohol. Nach Verlauf von einigen Minuten beginnt eine grosse
Menge Gas sich zu entwickeln, und es bildet sich ein weisser
Niederschlag, der auf einem Filter gesammelt und zur Entfernung der
Säure mit kaltem Wasser gewaschen wird. Das Filter wird darauf mit dem
Niederschlage auf einem Kupferbleche oder auf einer Porcellanplatte,
welche durch Wasserdampf nicht bis zu 100° erwärmt wird, ausgebreitet
und getrocknet. Aus 100 Th. Quecksilber erhält man auf diese Weise
118-128 Th. Knallquecksilber; nach der Theorie müsste man 142 Th.
erhalten. Der getrocknete Niederschlag wird in kleine Partien getheilt
und eine jede derselben in Papier eingeschlagen, besonders aufbewahrt.
Das knallsaure Quecksilberoxyd bildet weisse, durchsichtige
Krystallnadeln, die bis zu 186° erhitzt oder heftig gestossen mit
starkem Knalle detoniren. Vorzüglich leicht explodirt das
Knallquecksilber auf Eisen, wenn es mit einem eisernen Instrumente
geschlagen wird. Mit 30 Proc. Wasser gemischt, lässt es sich ohne
Gefahr auf einer Marmortafel mit einem hölzernen Pistill fein reiben.
[Sidenote: Zündhütchen.]
Das Knallquecksilber wird in grosser Menge zum Füllen der =Zündhütchen=
gebraucht. Die =Zündhütchen= sind aus dünn gewalztem Kupferblech
gefertigt, die, um das Auseinanderspringen während des Entzündens zu
vermeiden, häufig an den Seiten gespalten sind. Um die Zündhütchen zu
füllen, reibt man 100 Th. Knallquecksilber auf Marmortafeln mit Reibern
oder Walzen aus Buchsbaumholz mit 30 Th. Wasser fein und setzt zu dem
Brei 50 Th. Salpeter, oder 62,5 Th. Salpeter und 29 Th. Schwefel, oder
60 Th. Mehlpulver. Der nasse Brei wird auf Papierunterlagen getrocknet
und vermittelst Haarsieben gekörnt. Die Körner werden auf Papier
ausgebreitet und in flachen Holzkästen getrocknet. Auf das in das
Zündhütchen gelegte Korn des Zündpulvers wird in manchen Fabriken ein
kleines Kupferplättchen gelegt, das fest auf die Zündmasse aufgepresst
wird. Andere Fabriken überkleiden das Korn mit einer weingeistigen
Lösung von Schellack, Mastix oder Sandarak, welche aber wegen der
oxydirenden Einwirkung auf das Kupfer zu verwerfen sind; am
zweckmässigsten ist eine Auflösung von Mastix in Terpentinöl. Das Korn
wird in dem Hütchen mit einer Harzauflösung befestigt und zum Schutze
vor der Feuchtigkeit mit dieser Lösung überzogen. Ein Kilogramm
Quecksilber, das man in Knallquecksilber verwandelt, ist zur Füllung
von 40,000 Zündhütchen ausreichend. Für Jagdflinten reicht diese Menge
für 57,600 Zündhütchen hin. Obgleich das Knallquecksilber weit
schneller explodirt als das Schiesspulver, so geschieht doch die
Explosion langsam genug, um ein Projectil fortschleudern zu können. Auf
diesem Umstande beruht die Möglichkeit, mit Zündhütchen ohne Pulver zu
schiessen.
Das Platin.
(Pt = 197,4; spec. Gew. = 21,0-23,0.)
[Sidenote: Platin. Vorkommen.]
Das Platin findet sich nur gediegen und zwar in geringer Menge in dem
=Platinerze=, das besonders in Südamerika (Columbia) im aufgeschwemmten
Lande und am Ural in Form kleiner, rundlicher, metallglänzender,
stahlgrauer Körner vorkommt. In der neueren Zeit hat man auch gediegenes
Platin unter Waschgold in Californien, im Oregongebirge, in Brasilien,
auf Haïti, ferner in Australien und auf der Insel Borneo gefunden,
endlich auch jüngst im norwegischen Kirchspiele Roeraas als
Körnereinsprengung in felsigem Gesteine[14]. Dass das Platin überhaupt
viel allgemeiner verbreitet sei, als man früher annahm, geht aus den
Untersuchungen =v. Pettenkofer='s hervor, in welchen nachgewiesen wird,
dass alles Silber, das nicht direct aus einer Scheidung herrührt, einen
geringen Platingehalt habe. Das Platin wurde von den Spaniern in Amerika
entdeckt, von denen es anfänglich für Silber gehalten wurde, bis 1752
=Scheffer= das Platin als eigenthümliches Metall erkannte.
[14] Auf den bei =Ibbenbüren= in Westfalen gelegenen Bleigruben soll im
Mai 1870 Platin gefunden worden sein.
[Sidenote: Platinerz.]
Die unter dem Namen =Platinerz=, gediegen Platin, rohes Platin, in dem
Handel vorkommenden Erze sind Gemenge von Platin mit Palladium, Rhodium,
Iridium, Osmium, Ruthenium, Eisen, Kupfer und Blei, und enthalten
ausserdem gewöhnlich noch Körner von Osmium-Iridium, Gold, Chromeisen,
Titaneisen, Spinell, Zirkon und Quarz. Nach der Zerstörung der
Gebirgsmassen, in denen es enthalten war, ist es von den Fluthen
fortgerissen worden. =Boussingault= fand in Südamerika in einem Gange von
verwittertem Syenit die primäre Lagerstätte des Platins, und am Ural ist
es jedenfalls der Serpentin, in welchem das Platinerz vorkommt, der durch
geologische Ereignisse zerstört und weggewaschen wurde, mit Zurücklassung
der darin enthaltenen schweren Mineralien, wie z. B. Chromeisen,
Titaneisen, Zirkon u. s. w. Auf Borneo findet sich dem Platinerz
Rutheniumsesquisulfuret beigemengt, welchem =Wöhler= (1866) den
mineralogischen Namen =Laurit= gab.
=Berzelius= (a), =Svanberg= (b und c), =Bleekerode= und =Weil= (e) fanden
bei der Analyse des =Platinerzes= von Ural (a), Columbien (b), Choco (c),
Borneo (d) und Californien (e):
a b c d e
Platin 86,50 84,30 86,16 71,87 57,75
Rhodium 1,15 3,46 2,16 -- 2,45
Iridium -- 1,46 1,09 7,92 3,10
Palladium 1,10 1,06 0,35 1,28 0,25
Osmium -- 1,03 0,97 0,48 0,81
Osmium-Iridium 1,14 -- 1,91 8,43 27,65
Kupfer 0,45 0,74 0,40 0,43 0,20
Eisen 8,32 5,31 8,03}
Kalk -- 0,12 -- } 8,40 7,70
Quarz -- 0,60 -- }
Im Durchschnitt beträgt nach =H. Deville= der Platingehalt bei
Platinerzen aus
Columbien 76,8-86,20 Proc.
Californien 76,5-85,50 "
Oregon 50,45 "
Australien 59,80-61,40 "
Sibirien 73,5-78,9 "
Borneo 57,75-70,21 "
Die jährliche =Ausbeute an Platin= beträgt 35-50 Centner, wovon auf den
Ural 28-40 Centner, auf Columbia und Brasilien 6-8 Centner kommen.
[Sidenote: Gewinnung des Platins aus den Platinerzen.]
Das Platin wird aus den Erzen (nach dem älteren, jedoch von den Pariser
Platinfabrikanten =Chapuis= und =Desmoutis & Quennessen= noch heutzutage
angewendeten Verfahren von =Wollaston=) auf folgende Weise gewonnen. Nach
dem Waschen werden dieselben bis zum Rothglühen erhitzt und darauf mit
Salzsäure behandelt. Dann übergiesst man diese Erze mit kaltem
Königswasser, um das Gold zu entfernen, filtrirt ab und behandelt den
Rückstand in einer Retorte von Neuem mit Königswasser. Die abdestillirte
Flüssigkeit enthält Osmiumsäure, der ungelöste Rückstand Osmium-Iridium,
Ruthenium, Chromeisenstein und Titaneisen, während in der Flüssigkeit
Palladium, Platin, Rhodium und eine geringe Menge Iridium enthalten sind.
Diese Lösung wird mittelst kohlensauren Natriums neutralisirt und mit
einer Lösung von Cyanquecksilber versetzt, wodurch das Palladium als
Cyanpalladium ausgeschieden wird[15]. Die vom Cyanpalladium abfiltrirte
Flüssigkeit wird durch Abdampfen concentrirt und mit einer gesättigten
Lösung von Salmiak versetzt, wodurch =Platinsalmiak= (PtCl_{4},
2NH_{4}Cl) mit einer Spur Iridium gefällt wird. Behufs der technischen
Anwendung ist diese geringe Beimischung des Platins vortheilhaft zu
nennen, da es dem Platin die zum Verarbeiten nöthige Härte ertheilt. Der
Platinsalmiak wird getrocknet und geglüht, wodurch das metallische Platin
als schwammige Masse, als =Platinschwamm=, zurückbleibt. Der
Platinschwamm wird in eisernen Cylindern, die mit stählernen Kolben
versehen sind, bei der Rothglühhitze zusammengepresst und diese Operation
so lange wiederholt, bis das Platin das Ansehen von geschmolzenem Platin
hat und zum Verarbeiten hinreichend compact ist. Nach =Descotil= und
=Hess= soll man die Platinerze behufs der Abscheidung des Platins mit der
2-4fachen Menge Zink zusammenschmelzen, die entstehende gleichartige
spröde Masse pulvern und sieben, mit verdünnter Schwefelsäure das Zink
und den grössten Theil des Eisens ausziehen, die zurückbleibende Masse
erst zur Entfernung von Eisen, Kupfer und Blei mit Salpetersäure und dann
mit Königswasser behandeln, welches den Rückstand seiner Zertheilung
wegen weit besser löst, und darauf wie gewöhnlich verfahren. =Jeanetty=
(in Paris) machte das Platin durch Zusatz von Arsen leicht schmelzbar und
entfernte das Arsen durch Verflüchtigen.
[15] Aus einer Legirung von Palladium mit Wasserstoff hat =Th. Graham=
(1869) Denkmünzen prägen lassen.
[Sidenote: Verfahren von Deville und Debray.]
Das vorzüglichste Verfahren der Gewinnung des Platins aus dem Platinerze
ist das von =H. Deville= und =H. Debray= im Jahre 1859 angegebene,
welches darauf beruht, dass das Blei alle Metalle des Platinerzes
auflöst, mit alleiniger Ausnahme des Osmium-Iridiums und des Eisens. Man
schmilzt das Platinerz in einem Flammenofen mit dem gleichen Gewicht
Bleiglanz zusammen (wobei das Eisen einen Theil des Bleiglanzes zersetzt
und daraus metallisches Blei abscheidet) und erhält dadurch einen
Regulus, auf dessen Grund das Osmium-Iridium sich befindet, während auf
dem Regulus eine Bleischlacke schwimmt. Der platinhaltige Regulus wird
hierauf auf dem Treibherde (siehe Silber) abgetrieben, wobei alle fremden
Metalle sich verflüchtigen oder sich in die Herdmasse ziehen, während das
zurückbleibende Platin durch Umschmelzen in Kalktiegeln gefeint wird; der
Kalk wirkt hierbei auf alle Unreinigkeiten des Platins wie Silicium,
Eisen, Kupfer u. dergl. ein und verwandelt sie in schmelzbare
Verbindungen, die sich in die poröse Masse der Schmelzgefässe ziehen. Das
Heizmaterial ist Leuchtgas, das mit Sauerstoff verbrannt wird. Um 1
Kilogr. Platin zu schmelzen, braucht man 100 Liter Sauerstoff und 300
Liter Leuchtgas[16]. Das nach der Schmelzmethode erhaltene Platin wird
noch unter den Hammer gebracht und geschmiedet, um es dicht zu machen.
[16] Die Firma =Johnson, Matthey u. Co.= in London hat auf der
internationalen Ausstellung des Jahres 1862 durch einen massiven,
2-1/3 Ctr. schweren Block von reinem Platin (im Werthe von 85,000
Frcs.) eine Probe dafür abgelegt, dass sie die Schmelzung der
grössten Massen Platin, die je auf einmal zur Verarbeitung kommen
dürften, nach der Schmelzmethode von =Deville= und =Debray= völlig
in der Gewalt hat.
[Sidenote: Eigenschaften des Platins.]
[Sidenote: Platinschwamm und Platinmohr.]
[Sidenote: Gehämmertes und geschmolzenes Platin und Anwendung
desselben.]
Das =Platin= ist ein fast silberweisses, doch etwas ins Stahlgraue
gehendes sehr glänzendes, hämmer- und streckbares Metall, das so weich
ist, dass es mit der Scheere geschnitten werden kann. Es lässt sich zu
fast mikroskopischen Drähten ausziehen; zu diesem Behufe überzieht man
einen Platindraht mit Silber und lässt das Stück durch die Drahtstrecke
gehen; wenn der Draht möglichst fein ausgezogen ist, behandelt man
denselben mit Salpetersäure, die das Silber löst, das Platin aber
unangegriffen lässt. Das spec. Gewicht des Platins ist 21,0-23,0. Es
lässt sich schweissen und im Knallgasgebläse schmelzen. Sein
Schmelzpunkt liegt bei 1460-1480° (nach =Deville=). Man kennt das
Platin als =Platinschwamm=, als =Platinmohr= und als =gehämmertes= und
=geschmolzenes Platin=. =Platinschwamm= und =Platinmohr= haben beide
die Eigenschaft, Gase und besonders Sauerstoff in ausserordentlich
bedeutender Menge in ihren Poren aufzunehmen; kommt daher
Wasserstoffgas mit diesen Körpern zusammen, so verbindet sich derselbe
mit dem Sauerstoff unter Mitwirkung des Platins als prädisponirenden
Körpers zu Wasser. Diese Verbindung geht aber unter so grosser
Wärmeentwickelung vor sich, dass das Platin ins Glühen kommt. Der
darauf geleitete Wasserstoff wird deshalb entzündet. Auf den eben
beschriebenen Vorgang gründet sich das bekannte =Döbereiner='sche
=Wasserstofffeuerzeug=. Der =Platinmohr= ist höchst fein zertheiltes
Platin, als schwarzes Pulver erscheinend, das man entweder darstellt,
indem man schwefelsaures Platinoxyd mit kohlensaurem Natron und Zucker
kocht, wodurch das Platinmohr als schwarzes Pulver zu Boden fällt, oder
indem man Zink mit Platin zusammenschmilzt und die Legirung mit
verdünnter Schwefelsäure behandelt. Der Platinmohr besitzt die
Eigenschaft, Sauerstoff zu absorbiren in noch höherem Grade als der
Platinschwamm, er dient zur Erzeugung von Essig aus Alkohol. Das
=gehämmerte Platin= kann durch Austreiben oder auch durch Schmelzen und
Giessen verarbeitet werden. Um seine Verarbeitung haben sich in neuerer
Zeit =Heraeus= in Hanau, ferner die Pariser Firmen Gebr. =Chapuis,
Desmoutis u. Quennessen, Godart u. Labordenave=, endlich und vor Allen
=Matthey= in London höchst verdient gemacht. Es dient zur Anfertigung
vieler chemischer und technischer Apparate, die durch hohe Temperatur
und die meisten Agentien nicht angegriffen werden, nichtsdestoweniger
aber mit der grössten Vorsicht zu behandeln und namentlich vor der
Berührung mit ätzenden Alkalien, schmelzendem Salpeter, freiem Chlor
(Königswasser), Schwefel (Schwefellebern), Phosphor, geschmolzenen
Metallen und leicht reducirbaren Metalloxyden zu hüten sind. Man
fertigt aus dem Platin Bleche, Drähte, Tiegel, Löffel, Löthrohrspitzen,
Blitzableiterspitzen, Retorten, Zangen, Kessel für Affinirwerkstätten
und Schwefelsäurefabriken[17]; man benutzt es ferner zur Construction
galvanischer Elemente, zu Senflöffeln, zu Galanteriewaaren, Uhrketten,
Dosen, zu Glühlampen und zum Ueberziehen von Kupferschalen, Porcellan,
Steingut und Glas. In der neueren Zeit hat man das Platin auch in der
Porcellanmalerei zur Hervorrufung eines grauen Tones angewendet. In
Russland hat man seit dem Jahre 1828 Platin zu Münzen und zwar zu
Drei-, Sechs- und Zwölfrubelstücken ausgeprägt; nach der Ukase vom 22.
Juni 1845 ist aber die Ausprägung von Platinmünzen (die im Ganzen
14,250 Kilogr. ausmachte) eingestellt, und sind die umlaufenden
zurückgezogen worden. In Frankreich fertigt man gegenwärtig aus Platin
Denkmünzen und Preismedaillen. (Die erste Platinmünze wurde in Paris
1799 durch den Graveur =Duvivier= geprägt. Sie trug das Bildniss des
Ersten Consuls. Im Jahre 1788 ward Ludwig XVI. eine Taschenuhr
überreicht, in welcher die Axe und die Zähne des Steigrades aus Platin
gefertigt waren.) Platindrahtgewebe werden, durch eine
Wasserstoffgasflamme glühend gemacht, als Leuchtmittel (Platingas)
benutzt. Nach =Kraut= enthält mancher Platindraht Barium oder eine
Bariumverbindung.
[17] Ein Concentrirkessel für Schwefelsäure (von =Matthey=) zur
täglichen Concentration von 8 Tonnen (= 160 Ctr.) Schwefelsäure
kostet bei =Johnson, Matthey u. Co.= 62,500 Frcs; ein Kessel für 5
Tonnen (= 100 Ctr.) 41,000 Frcs. Das zu letzterem Kessel
erforderliche Platin hat einen Metallwerth von 27,500 Frcs.
[Sidenote: Platinlegirungen.]
Das Platin schmilzt leicht mit den meisten Metallen zusammen. Wichtig
ist eine von =Deville= dargestellte Legirung aus 78,7 Th. Platin und
21,3 Th. Iridium, welche fast nicht von Königswasser angegriffen wird
und zugleich hart und hämmerbar ist. Legirungen mit 10-15 Proc. Iridium
widerstehen den Reagentien und dem Feuer weit besser als Platin, sie
sind strengflüssiger als letzteres, dabei härter und daher die aus
ihnen gefertigten Gefässe nicht so leicht aus der Form zu bringen. Auch
eine Legirung von 92 Th. Platin, 5 Th. Iridium und 3 Th. Rhodium
widersteht den Agentien besser als Platin (nach =Chapuis=). Eine dem
Gold in Bezug auf Farbe, Glanz und Dauer ähnliche Legirung besteht nach
=Bolzani= aus 3 Th. Platin und 13 Th. Kupfer. Eine Legirung von Platin
mit Gold zu chemischen Geräthen verarbeitet, soll nach =Percy= der
Einwirkung der Alkalien vortrefflich widerstehen. Mit Stahl nach
gleichen Gewichtsverhältnissen versetzt, bildet das Platin eine
Legirung, die als Spiegelmetall von keiner anderen Legirung übertroffen
wird; ihre Farbe ist weiss und ihr spec. Gewicht 9,862.
[Sidenote: Elaylplatinchlorür.]
Das =Elaylplatinchlorür= (PtC_{2}H_{3}Cl_{2}) wird erhalten, indem man
Platinchlorid in Weingeist auflöst, die Lösung im Wasserbade verdampft
und das Auflösen und Abdampfen mehrmals wiederholt. Wenn man in die
sehr verdünnte Lösung des Abdampfungsrückstandes Gegenstände aus Glas
oder Porcellan taucht und dieselben sodann über der Lampe erhitzt, so
erhalten sie einen spiegelnden Ueberzug von metallischem Platin. Eine
ähnliche Substanz wendet man zur Erzeugung von Platinlüster in der
Decoration von Porcellangegenständen an.
Das Silber.
(Ag = 108; spec. Gew. = 10,5-10,7.)
[Sidenote: Silber. Vorkommen desselben.]
Das Silber kommt in der Natur ziemlich häufig, und zwar theils gediegen
(meist goldhaltig), theils mit Arsen, Antimon, Tellur und Quecksilber
verbunden, theils als Schwefelmetall mit anderen Sulfureten vereinigt,
selten als Oxyd an Säuren gebunden vor. Die am häufigsten vorkommenden
Silbererze sind: Das =Silberglaserz= oder der =Silberglanz=, Silbergehalt
84-86 Proc. (Ag_{2}S), das =Dunkel-Rothgültigerz=, Silbergehalt 58-59
Proc. (3Ag_{2}S + Sb_{2}S_{3}), das =lichte Rothgültigerz=, Silbergehalt
64-64,5 Proc. (3Ag_{2}S + As_{2}S_{3}), der =Miargyrit= (Ag_{2}S +
Sb_{2}S_{3}), das =Sprödglaserz= (6Ag_{2}S + Sb_{2}S_{3}), Silbergehalt
67-68 Proc., der =Polybasit= [(Ag_{2}S, Cu_{2}S)_{9}, Sb_{2}S_{3}],
Silbergehalt 64-72,69 Proc., und das =Weissgültigerz= [(FeS, ZnS,
Cu_{2}S)_{4}, Sb_{2}S_{3} + (PbS, AgS)_{4}, Sb_{2}S_{3}], Silbergehalt
30-32,69 Proc. Ausserdem findet sich das Silber sehr häufig im
=Bleiglanz=, dessen Silbergehalt gewöhnlich zwischen 0,01-0,03 Proc.
schwankt, zuweilen 0,5, selten 1,0 Proc. erreicht, in den =Kupfererzen=:
Kupferglanz, Kupferkies und Buntkupfererz mit 0,020-1,101 Proc.
Silbergehalt, in den =Fahlerzen= (vergl. S. 44), in den =Zinkerzen=:
Zinkblende und Galmei u. s. w.
[Sidenote: Gewinnung des Silbers.]
Das hüttenmännische Verfahren der Darstellung des Silbers kann geschehen: