Das =Bleiacetat= (Bleizucker, essigsaures Bleioxyd)

((C_{2}H_{3}O)_{2}} O_{2} + 3H_{2}O)

( Pb} )

besteht in 100 Theilen aus:

58,71 Bleioxyd,

27,08 Essigsäure,

14,21 Wasser,

krystallisirt in vierseitigen Säulen, die sich in 1,66 Th. Wasser und 8

Th. Alkohol lösen; beim Erhitzen zerlegt es sich in Bleicarbonat, das

zurückbleibt und in sich verflüchtigendes Aceton. Mit Schwefelsäure

bildet es Bleisulfat und Essigsäure. Man stellt es dar, indem man

Bleiglätte oder besser noch Massicot in bleiernen oder verzinnten

kupfernen Pfannen, mit destillirtem Essig oder Holzessig behandelt, die

geklärte Flüssigkeit abdampft und in Porcellanschalen oder hölzernen

Kästen krystallisiren lässt. Aus 100 Th. Bleiglätte erhält man 150 Th.

Bleizucker. Man wendet denselben in der Färberei, zur Bereitung der

essigsauren Thonerde (Rothbeize), bei der Firnissbereitung und zur

Darstellung von Farbematerialien, namentlich von Bleiweiss und Chromgelb,

an. Von dem =dreibasisch essigsauren Bleioxyd= (dem Bleiessig) wird bei

der Bleiweissfabrikation die Rede sein.

[Sidenote: Bleichromat.]

[Sidenote: Chromeisenstein.]

=Bleichromat=. Den Ausgangspunkt für das Bleichromat und für alle

Chrompräparate bildet der =Chromeisenstein=, der wesentlich aus

Eisenoxydul und Chromoxyd (FeO, Cr_{2}O_{3} oder Cr_{2}FeO_{4}) besteht,

also ein Magneteisenstein ist, in welchem das Eisenoxyd durch das

isomorphe Chromoxyd ersetzt ist. Ebenso findet sich häufig ein Theil des

Chromoxydes durch Thonerde und Eisenoxyd, ein Theil des Eisenoxyduls

durch Magnesia und Chromoxydul vertreten. Er ist eisengrau bis

pechschwarz. Von dem Gehalte an Chromoxyd ist der Werth des

Chromeisensteins abhängig. Nach den Analysen von =Clouet= (1869) enthielt

im Durchschnitte

Chromeisen von Baltimore 45 Proc. Chromoxyd

" " Norwegen 40 " "

" " Frankreich 37-51 " "

" " Kleinasien 53 " "

" " Ungarn 31 " "

" vom Ural 49,5 " "

" von Californien 42,2 " "

[Sidenote: Kaliumchromat.]

=Kaliumchromat.= a) =Gelbes= oder =neutrales Kaliumchromat= CrO_{2}}

O_{2} / K_{2}} oder K_{2}CrO_{4} wird dargestellt, indem man gemahlenen

und geschlämmten Chromeisenstein mit Potasche und Salpeter gemengt auf

der Sohle eines Flammenofens schmilzt. Durch den Sauerstoff des Salpeters

werden Chromoxyd und Eisenoxydul höher oxydirt, ersteres zu Chromsäure.

Aus der zerstossenen Masse zieht man durch Kochen mit Wasser das

gebildete Kaliumchromat, unzersetzt gebliebenes Kaliumcarbonat und etwas

Kaliumaluminat und Kaliumsilicat aus. Die Lösung wird durch Holzessig

zersetzt, wodurch Thonerde und Kieselerde zu Boden fallen, und darauf bis

zum Erscheinen einer Salzhaut abgedampft. Das Kaliumchromat krystallisirt

in citronengelben undurchsichtigen Säulen heraus, die sich leicht in

Wasser, nicht aber in Alkohol lösen und grosse Neigung zeigen, in

Kaliumbichromat überzugehen. Schwefelsäure und Salpetersäure verwandeln

es sogleich in diese Verbindung. b) Das =doppelt-chromsaure Kali= oder

=Kaliumbichromat= K_{2}Cr_{2}O_{7} krystallisirt in wasserfreien,

morgenrothen Prismen, die sich in 10 Th. Wasser lösen. Die Lösung wirkt

in hohem Grade ätzend. Bei starkem Erhitzen entwickelt es Sauerstoff,

während Chromoxyd und Kaliumchromat zurückbleibt. Man stellt dieses Salz

durch Behandeln der neutralen Verbindung mit Salpetersäure oder

Schwefelsäure dar. Salpetersäure ist vorzuziehen, weil man hier neben dem

Kaliumchromat den leicht zu verwerthenden Salpeter erhält, welcher in der

Mutterlauge bleibt, nachdem das chromsaure Kali durch Krystallisation

ausgeschieden worden ist.

=Jacquelain= hat in der neueren Zeit, wie jedoch schon früher

=Stromeyer=, empfohlen, das Kalksalz als Ausgangspunkt zur Darstellung

der chromsauren Salze zu benutzen; er schlägt vor, Chromeisenstein mit

Kreide unter häufiger Erneuerung der Oberfläche zu glühen, die fein

gemahlene Masse in heissem Wasser zu vertheilen und unter stetem

Umrühren Schwefelsäure bis zur schwach sauren Reaction zuzusetzen. Das

Kalksalz, welches nach dem Glühen Calciumchromat war, ist nach dem

Behandeln mit Wasser und Schwefelsäure in Calciumbichromat

übergegangen. Ausser dieser Verbindung enthält die Lösung noch etwas

schwefelsaures Eisenoxyd, das mittelst Kreide gefällt wird. Die Lösung

enthält nur noch Calciumbichromat und etwas Gyps. Das Kaliumbichromat

lässt sich aus diesem Salze einfach darstellen, indem man eine Lösung

von Kaliumcarbonat auf Calciumbichromat einwirken lässt, es bildet sich

Calciumcarbonat, während die Lösung des Kaliumbichromates zum

Krystallisiren abgedampft wird. =Tilghman= schlägt vor,

gepulverten Chromeisenstein mit 2 Th. Kalk und 2 Th. Kaliumsulfat

gemengt, 18-20 Stunden lang in einem Flammenofen zu glühen. Eine andere

von demselben vorgeschlagene Methode besteht darin, Chromeisenstein mit

Feldspathpulver und Kalk zu glühen. Nach =Swindells= soll man den

Chromeisenstein, mit einem gleichen Gewicht Chlornatrium oder

Chlorkalium gemengt, in einem Flammenofen bis zur angehenden

Weissglühhitze unter fortwährendem Darüberleiten von stark erhitzten

Wasserdämpfen erhitzen. Es entsteht Natrium- oder Kaliumchromat. Die

wichtigste Verbesserung in der Darstellung des Kaliumchromates besteht

in der Ersetzung des Salpeters durch Potasche und der Anwendung eines

Ofens, welcher der atmosphärischen Luft zu dem Gemisch zu treten

erlaubt, sodass die Oxydation des Chromeisens auf Kosten des

atmosphärischen Sauerstoffs vor sich geht; endlich auch in dem Zusatz

von Kalk, wodurch nicht allein an Alkali gespart, sondern auch die

Oxydation wesentlich erleichtert wird, indem die Masse eine teigige

Consistenz annimmt, welche mit Leichtigkeit umgerührt werden kann.

Letzterer Umstand ist nicht unwichtig, denn, wendet man Alkali allein

an, so schmilzt das Gemisch zu einer dünnen Flüssigkeit, in welcher der

Chromeisenstein zu Boden sinkt und die Luft mithin auf ihn nicht

einwirken kann.

[Sidenote: Anwendungen des Kaliumchromates.]

Vor dem Jahre 1820 fand das Kaliumchromat nur zur Darstellung von

Bleichromat Anwendung. Ersteres wurde damals auf kostspielige Weise aus

dem Chromeisenstein durch Calciniren desselben mit Salpeter

dargestellt. Im genannten Jahre ermittelte =Köchlin= die Anwendbarkeit

des Bichromates als Aetzbeize auf Türkischroth, wodurch der Impuls zu

einer ausgedehnten Anwendung dieses Salzes gegeben wurde. Hierauf

folgten andere technische Anwendungen, namentlich in der Färberei, von

welchen speciell erwähnt sei die Erzeugung von Chromgelb und

Chromorange im Zeugdruck, das Chromschwarz mit Blauholz, die Oxydation

von Katechu und von Berlinerblau, der Enlevagendruck, um Weiss auf

indigoblauem Grunde zu erzeugen, das Bleichen von Palmöl und ähnlichen

Fetten, die Herstellung von gewissen Zündmassen in der Zündholz- und

Zündrequisitenfabrikation, die Darstellung von chromsaurem

Quecksilberoxydul und Chromoxyd für die Porcellanmalerei und Decoration

der Thonwaaren und in jüngster Zeit die Fabrikation von =Smaragdgrün=

oder =Vert Guignet=, das als Körperfarbe im Zeugdruck häufige Anwendung

findet. Grosse Mengen von Kaliumchromat finden auch in der

Theerfarbenindustrie zur Fabrikation von Anilinviolett, Anilingrün und

von Alizarin aus Anthracen Anwendung. Neuerdings wird das Kaliumchromat

auch zur Darstellung von Chlorgas verwendet, ebenso auch zuweilen zum

Entfuseln des Branntweins und zum Reinigen des aus Holzessig

dargestellten Essigs. Der Verbrauch von Bichromat für die genannten

Zwecke ist ein so bedeutender, dass die Darstellung dieses Salzes einen

nicht unwichtigen Gewerbzweig ausmacht[11]. In den letzten Jahren sucht

man in dem Zeugdruck das Kaliumbichromat durch das =zweifach-chromsaure

Ammoniak= zu ersetzen.

[11] Nach =J. Persoz= (1869) giebt es sechs Fabriken, die sich mit der

Darstellung von Kaliumchromat befassen, nämlich zwei in

Schottland, eine in Frankreich, eine zu Drontheim in Norwegen und

eine zu Kazan am Ural. Alle Fabriken produciren jährlich gegen

60,000 Centner.

[Sidenote: Bleichromat.]

Man unterscheidet dreierlei Verbindungen der Chromsäure mit dem Blei,

nämlich neutrales Bleichromat (Chromgelb), basisches (Chromroth) und ein

Gemenge von neutralem mit basischem (Chromorange). Das =neutrale

Bleichromat= oder =Chromgelb= PbCrO_{4} stellt man auf zweierlei Weise

dar: entweder 1) durch Niederschlagen von Kaliumchromat mit Bleiacetat

oder 2) aus Bleisulfat oder Chlorblei. Nach der ersten Methode stellt man

zunächst eine Bleiauflösung dar, wozu man sich kleiner Holzbottiche

bedient, die terrassenförmig geordnet sind. Man füllt die Bottiche mit

gekörntem Blei, schliesst die Hähne und gibt in den obersten Bottich eine

Füllung von Essig. Nach etwa 10 Minuten öffnet man den Hahn am Boden und

lässt die Flüssigkeit in den zweiten, von da in den dritten und vierten

Bottich laufen. Der Essig kommt in dem Sammelbottich an, ohne erhebliche

Bleimengen aufgenommen zu haben. Es soll auch durch diese erste Operation

das Blei nur benetzt und zur Oxydation geneigt gemacht werden. Die

Bottiche bleiben ohne Essigfüllung stehen, bis das Blei sich mit einem

bläulich weissen Häutchen bedeckt. Der oberste Bottich erhält dann seine

Essigladung; nach 1/2-1 Stunde erfolgt die Entleerung des Essigs in den

zweiten Bottich u. s. f., bis die gesättigte Bleilösung, basisches

Bleiacetat (Bleiessig) enthaltend, unten im Sammelbottich anlangt. Zum

Behufe der Chromgelbfabrikation wird die Lauge mit so viel Essig

versetzt, dass sie eben sauer zu reagiren beginnt und dann zum Abklären

in einen grösseren Laugenbottich gebracht. In einem zweiten Laugenbottich

hält man sich eine Auflösung von 25 Kilogr. Kaliumbichromat in 500 Liter

Wasser vorräthig. Man giesst von der Bleilauge so lange in die

Chromlösung, als noch in letzterer ein Niederschlag erfolgt, wäscht den

Niederschlag aus, versetzt ihn, wenn eine ordinäre Sorte Chromgelb

hergestellt werden soll, mit Gyps, Schwerspath oder auch Permanentweiss

(gefälltes Bariumsulfat) und trocknet ihn. Nach =Liebig= stellt man

Chromgelb aus dem Bleisulfat, welches in grosser Menge aus den

Kattundruckereien zu erhalten ist, dar, indem man dasselbe mit einer

warmen Lösung von gelbem Kaliumchromat digerirt. Je nachdem grössere oder

geringere Mengen des Bleisulfates in Chromat übergeführt wurden,

entstehen mehr oder weniger hellgelbe Farben.

Nach =Habich= giebt es zwei Doppelverbindungen von Chromat mit Sulfat,

welche den Formeln PbSO_{4} + PbCrO_{4} und 2PbSO_{4} + PbCrO_{4}

entsprechen. Die =erste= derselben bildet sich, wenn eine Lösung von

Kaliumbichromat mit der entsprechenden Menge Schwefelsäure versetzt und

mit der Bleilösung gefällt wird. Die =zweite= Verbindung entsteht, wenn

der Schwefelsäurezusatz etwa um das Doppelte erhöht wird. Sie zeigt

dieses Aufquellen im feuchten Zustande nicht, sondern bildet nach dem

Trocknen eine feurige, fast schwefelgelbe Farbe von feurigem Bruche.

Nach =Anthon= erhält man ein schönes Chromgelb, wenn man 100 Th. frisch

gefälltes Chlorblei mit einer Lösung von 47 Th. Kaliumbichromat

digerirt.

[Sidenote: Chromroth.]

Das =basische Bleichromat= oder =Chromroth= (Chromzinnober,

österreichischer Zinnober), PbCrO_{4} + PbH_{2}O_{2} ist eine rothe

Farbe, welche in neuerer Zeit vielfach als Anstreichfarbe angewendet

wird, und entsteht aus dem neutralen Bleichromat dadurch, dass man

demselben die Hälfte seiner Chromsäure durch Kali, entweder durch

Schmelzen mit Salpeter oder durch Kalilauge entzieht. Nach =Liebig= und

=Wöhler= stellt man das Chromroth dar, indem man Salpeter (am

zweckmässigsten ein Gemenge nach gleichen Theilen von Kalium- und

Natriumnitrat) bei ganz schwacher Glühhitze zum Schmelzen bringt und

nach und nach in kleinen Antheilen reines Chromgelb einträgt. Die Masse

im Tiegel wird mit Wasser ausgezogen und das sich abscheidende

Chromroth nach gutem Auswaschen getrocknet. Das so erhaltene Chromroth

ist von prächtig zinnoberrother Farbe und besteht aus lauter glänzenden

Krystallpartikelchen. Auf nassem Wege stellt man nach =Dulong= das

Chromroth durch Fällen von essigsaurem Bleioxyd mit einer Lösung von

Kaliumchromat, zu welchem Kali gesetzt worden ist, dar. Alle

Chromrothe, von dem dunkelsten Zinnoberroth bis zur matten Mennigfarbe,

unterscheiden sich von einander nur durch die Grösse der Krystalle, aus

welchen das Pulver besteht. Zerreibt man nämlich Chromroth von der

verschiedensten Nüance zu einem gleichförmig feinen Pulver, so

resultirt bei allen ein Produkt von gleicher Dunkelheit und die

brillante mit dem Zinnober wetteifernde Farbe ist verschwunden. Soll

demnach ein Chromroth von grosser Farbentiefe hergestellt werden, so

muss man der Krystallbildung Vorschub leisten und insbesondere jede

Störung derselben durch Umrühren u. s. w. vermeiden. Gemenge von

neutralem und basischem Bleichromat kommen in verschiedenen Nüancen

unter dem Namen =Chromorange= in den Handel. Man erhält sie durch

Fällen von basischem Bleiacetat (Bleiessig) mit Kaliumchromat, durch

Kochen von Chromgelb mit Kalkmilch, oder endlich durch Behandeln von

Chromgelb mit einer zur Ueberführung in Chromroth nicht hinreichenden

Menge Kali. =Anthon= empfiehlt zur Darstellung von Chromorange 100 Th.

Chromgelb mit 55 Th. Kaliumchromat oder 12-18 Th. Aetzkalk zu Kalkmilch

gelöscht, zu behandeln.

[Sidenote: Chromoxyd.]

Das =Chromoxyd= Cr_{2}O_{3}, das in der Glasfärberei, Porcellan- und

Glasmalerei unter dem Namen =Chromgrün= vielfache Anwendung findet,

wird auf verschiedene Weise dargestellt. Im wasserfreien Zustande

wendet man es als Schleifmaterial, zum Ueberziehen der Streichriemen

der Rasirmesser und als unzerstörbare und unnachahmliche Druckfarbe für

gewisse Banknoten an. Am schönsten und in einem Zustande, der in

technischer Beziehung allen Anforderungen entspricht, erhält man es

durch Glühen von chromsaurem Quecksilberoxydul. Leider ist die

Darstellungsart zu complicirt und zu kostspielig, um im Grossen

angewendet zu werden. =Lassaigne= schlägt vor, gleiche Moleküle von

gelbem Kaliumchromat und Schwefel zu glühen und die geglühte Masse mit

Wasser auszuziehen. Nach =Wöhler= mischt man gelbes Kaliumchromat mit

Salmiak, glüht und laugt mit Wasser aus, wobei das Chromoxyd

zurückbleibt. Man erhält es auch durch Calciniren eines Gemenges von

Kaliumbichromat mit Kohle und Auslaugen des entstandenen

Kaliumcarbonates mit Wasser. =Chromoxydhydrat= (nach der Formel

Cr_{4}H_{6}O_{9} zusammengesetzt) kommt seit einiger Zeit entweder für

sich oder in Verbindung mit Borsäure oder Phosphorsäure als schöne

grüne Farbe und als Ersatzmittel des Schweinfurter Grüns unter den

Namen =Mittlergrün=, =Smaragdgrün=, =Pannetier's Grün=, =Arnaudon's

Grün=, =Matthieu-Plessy's Grün= im Handel vor. =Guignet's Grün= besteht

in 100 Th. aus

Chromoxyd 76,25

Borsäure 11,71

Wasser 12,04

------

100,00

Nach =Scheurer-Kestner= ist jedoch die Anwesenheit der Borsäure im

=Guignet='schen Grün blos eine zufällige und nicht nothwendige.

[Sidenote: Chromalaun.]

Der =Chromalaun= Cr_{2}} / K_{2}} 4SO_{4} + 24H_{2}O, in dunkelvioletten

oktaedrischen Krystallen auftretend, bildet sich in grosser

Menge als Nebenprodukt bei der Fabrikation gewisser Theerfarben

(Anilinviolett, Anilingrün, Anthracenroth). Er findet Anwendung als

Mordant in der Färberei, zum Unlöslichmachen von Leim und Gummi, so wie

zur Anfertigung wasserdichter Stoffe. Häufig stellt man auch aus ihm

wieder Kaliumchromat dar.

[Sidenote: Chromchlorid.]

Das =Chromchlorid=, Cr_{2}Cl_{6}, am besten durch Zersetzen von

Schwefelchrom mit Chlor dargestellt, ist eine in violetten Blättchen

krystallisirende, glänzende, glimmerartige Masse, die als

Farbematerial, besonders in der Buntpapierfabrikation, Anwendung finden

kann.

[Sidenote: Bleiweiss.]

[Sidenote: Bleiweissfabrikation nach der holländischen Methode.]

[Illustration: Fig. 29.]

[Illustration: Fig. 30.]

Das =Bleiweiss= (basisches Bleicarbonat von der Formel 2PbCO_{3} +

PbH_{2}O_{2}) wird auf verschiedene Weise dargestellt. Man unterscheidet

die =holländische=, =französische= und =englische Methode=. Die

=holländische Methode= der Bleiweissfabrikation ist auf die Erscheinung

begründet, dass metallisches Blei in Berührung mit Essigdämpfen,

Kohlensäure und Sauerstoff bei geeigneter Temperatur in Bleiweiss

verwandelt wird. Die Mittel, nach dieser Methode Bleiweiss zu fabriciren,

sind verschieden. In Holland und Belgien, auch in einigen deutschen

Fabriken, wird das Blei in dünnen, spiralförmig gewundenen Blechen in

irdene, inwendig glasirte Töpfe (Fig. 29) gesetzt, auf deren Boden sich

ordinärer mit Bierhefe gemischter Essig befindet; die Töpfe werden mit

Bleiplatten bedeckt und in Pferdemist eingegraben. Ein derartig

vorgerichtetes Mistbad (Fig. 30) wird =Looge= genannt. Durch die in dem

Pferdemiste eintretende Gährung wird die Temperatur erhöht, der Essig

verdampft und giebt dadurch unter Mitwirkung des Sauerstoffs zur Bildung

von basischem Bleiacetat Anlass. Durch die in dem gährenden Miste

erzeugte Kohlensäure wird das basische Bleiacetat ((C_{2}H_{3}O)_{2}}/Pb}

O_{2}, 3PbH_{2}O_{2}) zersetzt in Bleiweiss und neutrales Bleiacetat.

In den meisten Fabriken Deutschlands und namentlich Oesterreichs (so zu

Klagenfurt und Wolfsberg in Kärnthen) hat man den Gebrauch des Düngers

gänzlich beseitigt. Man nennt diese Methode der Bleiweissdarstellung das

Kammerverfahren. Anstatt der Töpfe werden =geheizte Kammern= benutzt, in

denen der Länge nach in mehrfachen Reihen über einander Latten sich

befinden, über welche die Bleiplatten, dachförmig gebogen, gehängt

werden. Der Boden der Kammern ist mit einer Schicht Lohe, Früchten,

Weinlager, faulenden Stoffen u. s. w. bedeckt, durch welche Essig langsam

durchsickert. Rationeller ist folgende Einrichtung: Der Boden der Kammer

ist eine mit durchlöcherten Dielen bedeckte Kufe, in welcher sich

erwärmter Essig befindet. Durch die Oeffnungen der Dielen gelangen die

Essigdämpfe in die Kammern. In allen diesen Fällen werden die Bleibleche

von ihrer Oberfläche nach innen zu, allmälig in Bleiweiss verwandelt.

Dieses Rohprodukt wird von dem Gehalte an Bleiacetat durch Auswaschen von

dem unangegriffenen, metallischen Blei durch Schlämmen befreit und kommt

dann erst als reines Bleiweiss in den Handel. Eine jetzt in England

gebräuchliche Modification der holländischen Bleiweissfabrikation besteht

darin, dass man das feingekörnte, mit 1 bis 1,5 Proc. Essig befeuchtete

Blei in die, vom Boden aus mit Dampf auf ungefähr 35° erwärmten Fächer

eines hölzernen Kastens bringt, in welchen ein Strom von Kohlensäure und

hinreichend Dampf geleitet wird, um die Atmosphäre im Innern und das Blei

eben feucht zu halten. Nach 10-14 Tagen ist die Umwandlung vollendet. Das

rohe Bleiweiss wird wie gewöhnlich gewaschen und geschlämmt.

[Sidenote: Nach der englischen Methode.]

Nach der =englischen Methode= wird Blei in einem Kessel geschmolzen, aus

welchem es auf die Sohle eines grossen Flammenofens fliesst, zu welchem

ein Gebläse fortwährend Luft führt. Das Blei zertheilt sich, bietet der

Luft eine grosse Oberfläche dar und fliesst zu einer Rinne, deren

Seitenwände mit kleinen Oeffnungen durchbohrt sind, durch welche die

Bleiglätte abfliesst, während das schwerere Blei auf dem Boden der Rinne

bleibt. Die fein zertheilte Bleiglätte, welche man auf diese Weise

erhält, wird mit 1/100 ihres Gewichtes in Wasser aufgelösten Bleizuckers

befeuchtet und hierauf in horizontale Tröge gebracht, die oben

verschlossen sind und unter einander communiciren. In diesem Zustande

wird durch die Bleiglätte ein Strom von unreiner Kohlensäure geleitet,

die in einem Flammenofen durch Verbrennung von Koks erzeugt wird. Die

Gebläse, welche den Flammenofen speisen, bringen einen hinreichenden

Druck hervor, um das Gas durch Röhren, die durch kaltes Wasser abgekühlt

werden, bis zu der Glätte zu treiben. Krücken, die durch eine

Dampfmaschine bewegt werden, rühren das Oxyd beständig um, wodurch die

Verbindung der Kohlensäure mit dem Oxyd begünstigt wird. Das auf diese

Weise erhaltene Bleiweiss deckt sehr gut und wird von den Engländern dem

auf nassem Wege erhaltenen vorgezogen.

[Sidenote: Bleiweissfabrikation nach der französischen Methode.]

[Illustration: Fig. 31.]

Die =französische Methode= oder das Verfahren von =Thénard= und =Roard=

ist das bei weitem allgemeinere Verfahren der Bleiweissfabrikation. Da

dasselbe auch das rationellste ist, so verweilen wir ein wenig länger bei

demselben. Die Methode besteht darin, Bleiglätte in Essigsäure

(rectificirtem Holzessig) aufzulösen, um eine Lösung von basischem

Bleiacetat (Bleiessig, (C_{2}H_{3}O)_{2}} / Pb} O_{2} + 2PbH_{2}O_{2}) zu

erzeugen. Indem man dann durch diese Lösung Kohlensäuregas leitet, werden

zwei Moleküle Bleioxyd als Bleiweiss ausgefällt, während neutrales

Bleiacetat, in Lösung zurückbleibt. Indem man die zurückbleibende Lösung

von Neuem mit Bleiglätte digerirt, bildet sich wieder basisches

Bleiacetat (Bleiessig), aus welchem durch Kohlensäure abermals zwei

Moleküle Bleioxyd als Bleiweiss ausgefällt werden.

[Sidenote: Der Apparat der Bleiweissfabrikation zu Clichy.]

In =Clichy= bei Paris stellt man auf normale Weise das Bleiweiss in

folgendem Apparate durch Zersetzen des Bleiessigs (basisches Bleiacetat)

mittelst Kohlensäure dar. In dem Bottich _A_ (Fig. 31) bewirkt man die

Auflösung von Bleiglätte in Essigsäure, welche durch den Rührer _BC_

beschleunigt wird; aus diesem Bottich fliesst die Lösung des dreibasisch

essigsauren Bleioxydes in das aus verzinntem Kupferblech bestehende

Reservoir _E_, in welchem sich metallisches Blei, Kupfer und andere

unlösliche Substanzen absetzen. Die klare Flüssigkeit fliesst aus _E_ in

den zur Zersetzung bestimmten Kasten, der mit einem Deckel bedeckt ist,

durch welchen 800 Röhren bis ungefähr 32 Centimeter tief unter das Niveau

der Flüssigkeit führen. Diese Röhren sind durch die gemeinsame grössere

Röhre _gg_ verbunden, welche wiederum mit dem Waschkasten _P_ in

Verbindung steht. In diesem Waschkasten sammelt und reinigt sich die

Kohlensäure, welche in einem kleinen Kalkofen _G_ durch die Zersetzung

von 2-1/2 Maasstheilen Kreide und einem Maasstheile Koks unter Mitwirkung

von atmosphärischer Luft erzeugt wird. Früher wurde die Kohlensäure

durch Verbrennen von Holzkohle erzeugt. Nach Verlauf von 12 bis 14

Stunden ist die Zersetzung beendigt. Man lässt die über dem Bleiweiss

stehende klare Lösung von neutralem essigsauren Bleioxyd in den Kasten

_i_ und den Bodensatz in das Reservoir _O_ fliessen. Vermittelst einer

Pumpe _R_ pumpt man die Lösung von dem neutralen essigsauren Bleioxyd in

den Bottich _A_ zurück und fängt die Operation von Neuem an. Das in dem

Reservoir _O_ befindliche Bleiweiss wird wiederholt mit Wasser gewaschen

und das erste Waschwasser mit der Flüssigkeit in dem Bottich _A_

vereinigt. Das ausgewaschene Bleiweiss wird getrocknet. Um Kohlensäuregas

behufs der Bleiweissfabrikation wohlfeil darzustellen, ist vorgeschlagen

worden, ein Gemenge von kohlensaurem Kalk, Kohle und Braunstein zu glühen

(CaCO_{3} + C + 3MnO_{2} = Mn_{3}O_{4} + CaO + 2CO_{2}); man verwendet

wohl auch die Kohlensäure, die sich bei der Gährung der Bierwürze und

Branntweinmaische entwickelt, oder man benutzt endlich, wo sich die

Gelegenheit darbietet, das der Erde entströmende Kohlensäuregas, indem

man es durch ein Pumpwerk aufsaugt und durch Röhren dahin leitet, wo es

benutzt werden soll. Bei Brohl in der Nähe des Laacher Sees wurde auf

diese Weise die Kohlensäure zur Bleiweissfabrikation benutzt.

Nach der jetzt nicht mehr gebräuchlichen Methode von =Button= und

=Dyer= wird ein inniges Gemisch von schwach befeuchteter Bleiglätte mit

einer geringen Menge Bleizuckerlösung in einen langen steinernen Trog

gebracht und dann unter fortwährendem Durcharbeiten mittelst einer

Maschine heisses Kohlensäuregas darüber geleitet. Ist alle Bleiglätte

in Bleiweiss verwandelt, so wird die Masse gemahlen. Nach =Pallu=

(1859) bringt man (mittelst der Centrifugalmaschine) fein zertheiltes

Blei auf eine schiefe Ebene und befeuchtet es daselbst mit Essigsäure.

Nach einer Stunde etwa ist das Blei in essigsaures und in kohlensaures

Salz übergegangen. Darauf lässt man über die geneigte Ebene eine

Bleizuckerlösung fliessen, welche das krystallisirte Acetat auflöst und

das Bleiweiss fortführt und letzteres in einem Bottich absetzt. Die

darüber stehende klare Flüssigkeit wird über eine zweite Tafel gegossen

u. s. f. Nach einem ähnlichen Principe stellt =Grüneberg= (1860)

Bleiweiss dar, indem er gekörntes Blei der Rotation und der

gleichzeitigen Einwirkung von Luft, Essigsäure und Kohlensäure

aussetzt.

[Sidenote: Bleiweiss aus Bleisulfat.]

Das =Bleisulfat= (PbSO_{4}) wird in ansehnlicher Menge als Nebenprodukt

bei verschiedenen chemischen Operationen, z. B. bei der Darstellung der

essigsauren Thonerde aus Alaun und Bleizucker, oder bei der Essigsäure

aus Bleizucker und Schwefelsäure, als werthloses Nebenprodukt erzeugt,

das der schwierigen Reduction wegen bis jetzt nicht mit Vortheil auf

metallisches Blei verarbeitet werden und seines geringen

Deckungsvermögens wegen auch nicht anstatt Bleiweisses Anwendung finden

konnte. Seit einiger Zeit hat man in Frankreich angefangen, das

schwefelsaure Bleioxyd durch kohlensaure Alkalien in Bleiweiss

umzuwandeln. Man wendet zu diesem Zwecke kohlensaures Ammoniak oder

Natriumcarbonat an. =Payen= empfiehlt diese Methode für Gegenden, in

denen schwefelsaures Bleioxyd zu haben ist. Um das Bleisulfat

vortheilhaft auf metallisches Blei zu benutzen, wird dasselbe

lufttrocken mit 67 Proc. Kreide, 12-16 Proc. Kohle und 37 Proc.

Flussspath gemischt, in einem Ofen geschmolzen. Es wird hierbei zuerst

Bleicarbonat gebildet, das sodann durch die Kohle reducirt wird; auf

der andern Seite entsteht schwefelsaurer Kalk, mit welchem der

Flussspath zu Schlacke zusammenschmilzt:

(PbSO_{4} + CaCO_{3} + 2C + nFl_{2}Ca = Pb + 3CO + CaSO_{4} +

nFl_{2}Ca).

Auf nassem Wege kann man es reduciren, indem man es, wie =Bolley= will,

mit Zink und Wasser zusammenbringt, wobei Chlorzink und metallisches

Blei entsteht. Nach dem Vorschlage von =Krafft= führt man das

Bleisulfat durch Kochen mit Bariumacetat in Bleizucker (und in

Barytweiss) über.

[Sidenote: Theorie der Bleiweissfabrikation.]

Abgesehen von der zuletzt erwähnten Darstellungsart des Bleiweisses aus

dem schwefelsauren Bleioxyd, ist die Bleiweissbildung nach allen

angeführten Methoden abhängig:

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 26 / 167 题