Von den 1,350,000 Centnern Stahl, welche Frankreich producirt, sind

Herd- und Puddelstahl 360,000

Cementstahl 150,000

Gussstahl 180,000

Bessemerstahl 660,000

------------------

1,350,000 Centner.

Eisenpräparate.

[Sidenote: Eisenvitriol.]

Der =Eisenvitriol= (grüner Vitriol, Kupferwasser, schwefelsaures

Eisenoxydul, Ferrosulfat (FeSO_{4} + 7H_{2}O) kommt in grünlichen

Krystallen im Handel vor, die einen zusammenziehenden, tintenartigen

Geschmack besitzen, an der Luft leicht verwittern und sich dabei mit

einem gelben Pulver -- basisch schwefelsaurem Eisenoxyd -- überziehen, zu

welchem zuletzt die Krystalle gänzlich zerfallen. 100 Th. krystallisirter

Eisenvitriol (im chemisch reinen Zustande) bestehen aus:

26,10 Th. Eisenoxydul,

29,90 " Schwefelsäure,

44,00 " Wasser.

[Sidenote: Darstellung des Eisenvitriols neben der Alaunfabrikation.]

[Sidenote: Darstellung des Eisenvitriols auf Bühnen.]

[Sidenote: Aus abdestillirtem Schwefelkies.]

[Sidenote: Aus Eisen und Schwefelsäure.]

Da die Alaunerze, welche zur Alaunfabrikation angewendet werden, stets

=Schwefelkies= (FeS_{2}), sei es als Eisenkies oder als Vitriolkies,

enthalten, welcher durch Verwittern und Rösten in schwefelsaures

Eisenoxydul und Eisenoxyd übergeht, so erhält man den Eisenvitriol sehr

häufig als Nebenprodukt bei der Alaunfabrikation, indem man die

eisenhaltigen Mutterlaugen abdampft und krystallisiren lässt. In einigen

Gegenden, wie zu Goslar am Harz, gewinnt man zuerst durch Abdampfen der

Flüssigkeit, die man durch Auslaugen der verwitterten Kiese erhalten hat,

Eisenvitriol, und setzt zu der zurückgebliebenen Lösung eine Kali- oder

Ammoniakverbindung, um daraus Alaun zu gewinnen. -- Aus Stein- und

Braunkohlenlagern, in denen sich häufig Schwefelkies und Magnetkies in

grosser Menge findet, die sich leicht zu Eisenvitriol und Schwefelsäure

oxydiren, gewinnt man den Eisenvitriol, indem man in einer mit Lehm

wasserdicht gemachten Grube das Erz ausbreitet und dort jahrelang liegen

lässt. Die Grube ist nach der einen Seite zu geneigt, auf dieser Seite

befindet sich ein ebenfalls wasserdichter Behälter. Wenn es auf diese

Haufen (=Bühnen=) regnet, so löst das Wasser den entstandenen

Eisenvitriol auf und fliesst in den Behälter, in welchem sich

Eisenabfälle befinden, um das Eisenoxyd in Oxydul umzuwandeln und die

freie Schwefelsäure abzustumpfen. Aus diesem Behälter pumpt man die

Lösung in die Abdampfpfannen, in welchen sie zur Krystallisation

abgedampft wird. In Gegenden, in welchen vortheilhaft aus Schwefelkies

Schwefel destillirt werden kann, benutzt man den abdestillirten

Schwefelkies (Schwefelbrand, Abbrand) durch Verwitternlassen und

Auslaugen auf Eisenvitriol. Aus den zur Eisenvitriolfabrikation

verwendeten Erzen gehen natürlicherweise mancherlei fremde Bestandtheile

in den Eisenvitriol über, die denselben verunreinigen. Zuweilen stellt

man den Eisenvitriol aus Eisenabfällen und Kammersäure oder solcher

Schwefelsäure dar, welche bereits zur Reinigung von Rohpetroleum etc.

gedient hat.

[Sidenote: Aus Spatheisenstein und Schwefelsäure.]

[Sidenote: Traubenvitriol.]

[Sidenote: Schwarzvitriol.]

Dort, wo die localen Verhältnisse es gestatten, gewinnt man

Eisenvitriol oft sehr wohlfeil durch Auskochen von gepochten

Eisenfrisch- und Puddelschlacken mit Schwefelsäure. Wo Spatheisenstein

(kohlensaures Eisenoxydul FeCO_{3}) rein vorkommt, kann man sich

desselben zur Bereitung des Eisenvitriols bedienen, indem man das

Mineral in Schwefelsäure löst und die Lösung zum Krystallisiren

abdampft. Die im Grossen erhaltene Eisenvitriollösung wird in die

Krystallisirgefässe gegossen, in welche man gewöhnlich Holzstäbe oder

Strohhalme gestellt hat. Die an den Stäben sich absetzenden Krystalle

bilden den sogenannten =Traubenvitriol=. Die am Boden und an den

Wandungen befindlichen Krystalle, die =Tafeln=, sind minder schön

krystallisirt. Durch verschiedene Metallsalze verunreinigt, existirt im

Handel eine fast dunkelbraune Art von Eisenvitriol, der sogenannte

=Schwarzvitriol=, der aber auch zuweilen auf den Hütten angefertigt

wird, indem man grünen Eisenvitriol durch einen Aufguss von

Erlenblättern oder Galläpfeln schwarz färbt.

[Sidenote: Anwendung des Eisenvitriols.]

Der Eisenvitriol dient hauptsächlich als Desinfectionsmittel, dann auch

in der Färberei zum Schwarzfärben, indem das Oxydul des Eisenvitriols

sich zu Oxyd oxydirt, und in diesem Zustande durch die in den

Galläpfeln, der Eichenrinde, dem Quercitron, dem Gelbholz, dem

Fustikholz u. s. w. enthaltene Gerbsäure in gerbsaures Eisenoxyd

verwandelt wird; es wird ferner angewendet zur Bereitung der Tinte, zum

Desoxydiren des Indigs (Bereitung der kalten Küpe), zum Reinigen des

Leuchtgases, zum Fällen des Goldes aus seinen Lösungen; zur Darstellung

von Berlinerblau und zum Blaufärben, zur Darstellung der rauchenden

Schwefelsäure und noch zu vielen anderen Zwecken.

[Sidenote: Eisenmennige.]

Die =Eisenmennige= (_minium de fer_), die seit einiger Zeit zum

Anstreichen als Ersatzmittel der gewöhnlichen Mennige empfohlen worden

ist, besteht aus Eisenoxyd und Thon und erscheint als ein feines Pulver

von dunkelrothbrauner Farbe. Eine holländische Eisenmennige bestand

aus:

Eisenoxyd 85,57

Thon 8,43

Wasser 6,00

------

100,00

Die Eisenmennige ist zum Anstreichen weit vortheilhafter als die

Bleimennige. Die Kosten eines Anstriches verhalten sich wie 20

(Eisenmennige) und 39 (Bleimennige). In vorzüglicher Qualität wird die

Eisenmennige in der Fabrik von =Schloer= und =Leroux= zu Hellziehen in

der bayerischen Oberpfalz producirt. --

[Sidenote: Blutlaugensalz.]

Das =gelbe Blutlaugensalz= (Ferrocyankalium, Kaliumeisencyanür,

blausaures Eisenoxydul-Kali oder Blausalz; K_{4}FeCy_{6} + 3H_{2}O), ist

ein in technischer Beziehung überaus wichtiger Körper. Das Blutlaugensalz

krystallisirt in grossen, blass citronengelben Prismen, die luftbeständig

und nicht giftig sind, bitterlich süss schmecken, sich in 4 Th. kaltem

und 2 Th. siedendem Wasser, aber nicht in Alkohol lösen. Es besteht in

100 Theilen aus:

37,03 Kalium,

17,04 Kohlenstoff, } Cyan,

19,89 Stickstoff, }

13,25 Eisen,

12,79 Wasser.

Bei der Temperatur des siedenden Wassers verlieren die Krystalle ihr

Wasser.

[Illustration: Fig. 16.]

[Illustration: Fig. 17.]

Im Grossen stellt man das Blutlaugensalz dar, indem man stickstoffhaltige

Kohle, wie die aus Horn, Blut, Klauen, Wollstaub, Lederabschnitten, mit

Potasche (d. h. möglichst schwefelfreies Kaliumcarbonat) in eisernen

Gefässen glüht. Man nimmt entweder auf 100 Th. Potasche 75 Th. einer

solchen Kohle, oder nach =Runge= auf 100 Th. Potasche 400 Th. Hornkohle

und 10 Th. Eisenfeile. Das Zusammenschmelzen der Rohmaterialien geschieht

entweder in geschlossenen eisernen Gefässen (Muffeln, Birnen) oder in

offenem Flammenofenfeuer. Die =Muffel= oder die Birne (Fig. 16) ist ein

ei- oder birnenförmiger gusseiserner Kessel _a_ von 1,2 Meter Durchmesser

in der Länge und 0,8 Meter in der Breite; ihre Seitenwände sind 12-15

Centim. stark. Am vordern Theile befinden sich eine Mündung von 27

Centim. Durchmesser mit einem kurzen, nach aussen etwas geschweiften Hals

und am hintern Theile ein kegelförmiger dreieckiger Zapfen von 27-30

Centim. Länge. Die Muffel ist in etwas geneigter Lage in einen Ofen

eingemauert (sodass der Zapfen etwas tiefer liegt als die Mündung) und

der Bauch in dem Ofenraum frei liegt und auf der untern und obern Seite

von der vom Rost _b_ aufsteigenden Flamme getroffen wird. Der Rauch zieht

durch _c_ ab. Die Maueröffnung _g_, durch die man zu dem Schmelzkessel

gelangt, ist durch eine eiserne Platte _m_ geschlossen, wobei jedoch die

der Birne entströmenden Gase ungehindert durch _c_ nach dem Schornstein

_e_ entweichen können. In der über dem Schmelzkessel befindlichen Pfanne

_i_ wird später die Lauge verdampft. Da diese Muffeln sehr bald

durchlöchert sind, so ist ihr Gebrauch sehr kostspielig. Durch Umdrehen

der Muffel im Ofen, sodass die durchlöcherte Stelle nach oben kommt, und

Verschmieren derselben mit Lehm kann sie allerdings noch einige Zeit

benutzt werden. Diese Gefässe sind jedoch jetzt fast überall durch

gusseiserne Kessel ersetzt, welche die Sohle eines =Flammenofens= bilden.

Der Kessel oder die Schale _a_ (Fig. 17) ist 10 Centim. dick, hat einen

Durchmesser von 1-1,8 Meter und einen etwa 10 Centim. hohen Rand. Auf den

Rost _b_ in einer Schachtfeuerung wird das Brennmaterial geworfen, dessen

luftfreie Flamme über die Feuerbrücke _g_ in den Schmelzraum und dann

nach dem etwas tiefer liegenden Fuchs _c_ in den Schornstein _e_ geht,

wenn man es nicht vorzieht, die Verbrennungsgase vorerst unter eine oder

zwei Abdampfpfannen zu führen. Die erhaltene schwarze Masse, die

sogenannte =Schmelze=, wird mit siedendem Wasser ausgezogen. Die

Flüssigkeit heisst die =Rohlauge= oder =Blutlauge=. Aus ihr krystallisirt

beim Erkalten Blutlaugensalz heraus, das durch Umkrystallisiren gereinigt

wird. Die ausgelaugten Rückstände (die =Schwärze= oder der =Satz=) werden

als Dünger verwendet.

Die Theorie der Bildung des Blutlaugensalzes ist folgende: Es treten

kohlensaures Kalium, schwefelsaures Kalium, stickstoffhaltige Kohle und

Eisen in Wechselwirkung. Durch die Einwirkung der Kohle entsteht Kalium

und Schwefelkalium. Letzteres giebt seinen Schwefel an das Eisen ab und

bildet Schwefeleisen, während zugleich der Stickstoff der Kohle durch

Veranlassung des Kaliums mit dem Kohlenstoff Cyan bildet, welches mit

dem Kalium zu Cyankalium zusammentritt. Beim Auslaugen der Schmelze mit

Wasser zersetzen sich Cyankalium und Schwefeleisen gegenseitig, wodurch

Blutlaugensalz und Schwefelkalium entsteht, welches aufgelöst in der

Mutterlauge zurückbleibt. Nach =Emil Meyer= (1868) ist es

vortheilhafter, zur Ueberführung des Cyans in Ferrocyan eine andere

Eisenverbindung als das Schwefeleisen zu wählen. Er empfiehlt in dieser

Beziehung Eisencarbonat. Das Ferrocyankalium krystallisirt überdies aus

Lösungen, die frei von Schwefelkalium sind, viel vollständiger und

reiner. =v. Liebig= hat nachgewiesen, dass in der Schmelze nur

Cyankalium und das Eisen, nicht aber Blutlaugensalz enthalten ist. Erst

durch Behandeln der Schmelze mit Wasser oder durch die Einwirkung von

feuchter Luft erzeugt sich Blutlaugensalz. Häufig setzt man bei dem

Schmelzprocesse Leder, getrocknetes Blut etc. unverkohlt zu, was den

Vortheil hat, dass das sich entwickelnde Ammoniak die Bildung von

Cyankalium veranlasst. Ein sehr zweckmässiges Material der

Blutlaugensalzfabrikation ist nach =P. Havrez= (in Verviers) der

=Wollschweiss=, welcher nicht nur das Kali, sondern auch eine gewisse

Menge Stickstoff und ausserdem Heizmaterial liefert. 100 Kil.

Wollschweiss enthalten 40 Kil. Kaliumcarbonat, 1-2 Kil. Cyankalium und

über 50 Kil. brennbare Kohlenwasserstoffe, deren Heizwerth mindestens

dem von 40 Kil. Steinkohle gleich ist.

Man hat auch versucht, durch die Einwirkung von =Ammoniak= auf

glühendes Kaliumcarbonat, sowie unter Mitwirkung des =Stickstoffs der

atmosphärischen Luft= Cyankalium zu erzeugen. Letztere Methode besteht

darin, dass man mit 30 Proc. Kaliumcarbonat getränkte, gepulverte

Holzkohle in stehenden, weiten, thönernen Cylindern 10 Stunden lang in

der Weissglühhitze erhält und Luft durchleitet. Die durchgeglühte Kohle

wird mit gepulvertem Spatheisenstein gemengt und ausgelaugt. Es hat

indessen nicht den Anschein, als ob dieses neue Verfahren für jetzt das

ältere zu verdrängen geeignet wäre. Mehr Aussicht auf Erfolg hat die

Darstellung von =Cyanbarium= mit Hülfe des atmosphärischen

Stickstoffes, da der Baryt erfahrungsmässig weit leichter als das Kali

Kohlenstoff und Stickstoff zu Cyan vereinigt, und die Ueberführung des

Cyanbariums in Blutlaugensalz. Nach dem Verfahren von =Gélis= (1861)

stellt man Blutlaugensalz durch gegenseitige Einwirkung von

=Schwefelkohlenstoff= und =Schwefelammon= dar; das so erhaltene

Sulfocarbonat wandelt man durch Schwefelkalium in Schwefelcyankalium

um, wobei Schwefelammon und Schwefelwasserstoff verflüchtigt werden.

Das Schwefelcyankalium endlich wird durch Glühen mit Eisen in

Blutlaugensalz (und Schwefeleisen) übergeführt. Nach einem im Jahre

1863 von =H. Fleck= beschriebenen Verfahren der

Blutlaugensalzfabrikation bildet sich durch Einwirkung eines Gemisches

von =schwefelsaurem Ammon=, Schwefel und Kohle auf schmelzendes

Schwefelkalium zunächst Schwefelcyankalium in der Schmelzmasse. Die

Hälfte des als schwefelsaures Ammon angewendeten Stickstoffes bleibt

als Cyan in der Schmelze, während die andere Hälfte als Schwefelammon

entweicht, welches wieder in schwefelsaures Ammon übergeführt wird. Das

Schwefelcyankalium setzt sich mit metallischem Eisen in Cyankalium und

Schwefeleisen um, welches letztere wieder dazu dient, um die Bildung

von Blutlaugensalz in der Schmelzlösung zu bewirken.

[Sidenote: Anwendung des gelben Blutlaugensalzes.]

Das gelbe Blutlaugensalz dient in der Technik zur Darstellung des

rothen Blutlaugensalzes, des Berliner Blaues, des Cyankaliums, in der

Färberei zur Erzeugung von Blau und Braunroth, sowie zur

oberflächlichen Umwandlung des Eisens in Stahl (Einsatzhärtung). Seit

etwa zwanzig Jahren wird es auch zur Fabrikation von sogenanntem

amerikanischem oder weissen Schiesspulver und gewissen Sorten von

Sprengpulver verwendet.

[Sidenote: Rothes Blutlaugensalz.]

Das =rothe Blutlaugensalz= (Ferridcyankalium, Kaliumeisencyanid oder

Gmelins Salz; K_{3}FeCy_{6}) ist ein ebenfalls in der Färberei häufig

angewendeter Körper. Dieses Salz krystallisirt in wasserfreien, schönen

rothen Säulen, die sich in 4 Th. Wasser lösen. Es besteht in 100 Theilen

aus:

35,58 Kalium,

21,63 Kohlenstoff } Cyan,

25,54 Stickstoff }

17,29 Eisen.

Man stellt es dar, indem man entweder durch eine Lösung des gelben

Blutlaugensalzes Chlorgas leitet, bis Eisenoxyd nicht mehr gefällt wird

und die Lösung zum Krystallisiren abdampft; oder auf trockenem Wege,

indem man fein zerriebenes gelbes Blutlaugensalz der Wirkung von Chlorgas

aussetzt, wobei es häufig umgerührt, oder in einem Fasse, welches sich

langsam um seine Achse dreht und in welches man das Chlorgas einleitet,

bewegt werden muss. Sobald man bemerkt, dass das Chlor unabsorbirt durch

die Masse hindurchgeht, muss die Operation unterbrochen und das Pulver

der Wirkung des Chlors entzogen werden. Man löst dann in möglichst wenig

Wasser; rothes Blutlaugensalz krystallisirt heraus, während Chlorkalium

gelöst bleibt:

K_{4}FeCy_{6} + Cl = KCl + K_{3}FeCy_{6}.

Gelbes Blutlaugensalz. Rothes Blutlaugensalz.

Nach =E. Reichardt= (1869) lässt sich das Chlor mit gutem Erfolge durch

Brom ersetzen. Das rothe Blutlaugensalz dient hauptsächlich zum

Blaufärben von Wollstoffen und (mit Natron- oder Kalilauge gemischt) als

Aetzmittel (Mercer's Liquor) in der Kattundruckerei.

[Sidenote: Cyankalium.]

Das =Cyankalium= oder blausaure Kali (KCy) findet in der galvanischen

Vergoldung und als Reductionsmittel vielfache Anwendung. Ausserdem wird

es in neuerer Zeit vielfach zur Herstellung des _Grénat soluble_

(isopurpursaures Kali) aus Pikrinsäure benutzt. Es steht zu erwarten,

dass diese Verbindung bald im Grossen und billiger dargestellt werden

wird, um eine noch ausgedehntere Anwendung zu erlangen. Man erhält es,

indem man getrocknetes Blutlaugensalz in einem Porzellantiegel erhitzt,

so lange noch Stickstoffgas entweicht. Am Boden des Tiegels sondert

sich Kohleneisen ab, während das darüber stehende Cyankalium abgegossen

wird (K_{4}FeCy_{6} = 4KCy + FeC_{2} + 2N). Aus 10 Th. Blutlaugensalz

erhält man 7 Th. Cyankalium. Dass das Cyankalium als Hochofenprodukt

sich bildet, ist Seite 13 angegeben worden. Nach =Liebig='s Methode

erhitzt man ein Mol. Blutlaugensalz mit einem Mol. kohlensaurem Kali.

Zehn Theile Blutlaugensalz geben nach diesem Verfahren 8,8 Th.

Cyankalium, das mit 2,2 Th. cyansaurem Kali gemengt ist. Für technische

Zwecke ist ein Gemenge von Cyankalium mit Cyannatrium (=Cyansalz=

genannt) bedeutend wohlfeiler. Man stellt es dar, indem man 9 Th.

trockenes gelbes Blutlaugensalz mit 2 Th. trockenem Natriumcarbonat

zusammenschmilzt. Die Masse schmilzt sehr bald und das Eisen des

Blutlaugensalzes sondert sich vollständig und leicht von der

dünnflüssigen Masse ab. Das so dargestellte Cyansalz wird an der Luft

minder leicht zersetzt als das Cyankalium und lässt sich bei weit

niedrigerer Temperatur darstellen.

[Sidenote: Berliner Blau.]

=Berliner Blau=, =Pariser Blau=, Eisencyanürcyanid. Man unterscheidet

drei verschiedene Sorten Berlinerblau, die sich von einander durch ihre

Bereitungsweise und ihre Zusammensetzung unterscheiden, nämlich das

neutrale, das basische Berlinerblau und ein Gemisch von beiden.

[Greek: a]) Das =neutrale Berlinerblau= (Pariserblau, Erlangerblau,

Hamburgerblau) wird erhalten, indem man eine Lösung von gelbem

Blutlaugensalz in eine Lösung von Eisenchlorid oder in die eines

Eisenoxydsalzes giesst. Es bildet sich ein prächtig blauer, sehr

voluminöser Niederschlag, welcher sich nur schwierig auswaschen lässt

und stets eine gewisse Menge gelbes Blutlaugensalz enthält, das durch

Auswaschen nicht entfernt werden kann.

[Greek: b]) Das =basische Berlinerblau= entsteht durch Fällen von

gelbem Blutlaugensalz mit Eisenoxydullösung, wodurch ein weisser

Niederschlag von Eisencyanür sich bildet, welcher an der Luft oder

durch oxydirende Agentien blau wird, indem ein Theil des Eisens sich

oxydirt, wodurch ein anderer Theil Eisencyanür jenes Cyan aufnimmt und

dadurch in Cyanid übergeht, welches sich mit dem übrig gebliebenen

Cyanür zu Berlinerblau vereinigt, welchem Eisenoxyd beigemischt ist.

Man giebt an, das basische Berlinerblau unterscheide sich von dem

neutralen dadurch, dass es im Wasser löslich sei. Dies ist insofern

nicht richtig, als die Löslichkeit dieser Verbindung durch einen Gehalt

an Blutlaugensalz bedingt ist.

[Greek: g]) Da man im Fabrikbetriebe aber weder reines Eisenoxydul-

noch ein reines Eisenoxydsalz anwendet, sondern immer ein oxydhaltiges

Eisenoxydulsalz, so besteht der Niederschlag anfangs immer aus einem

Gemenge von neutralem Berlinerblau mit weissem Eisencyanür, welches

später in basisches Berlinerblau übergeht. Das Berlinerblau des Handels

ist daher immer ein =Gemisch von neutralem mit basischem Berlinerblau=

in wechselnden Verhältnissen. Als Eisenoxydulsalz wendet man allgemein

Eisenvitriollösung an, die durchaus frei von Kupfer sein muss, indem

Kupfersalze mit Blutlaugensalz einen chocoladebraunen Niederschlag

geben.

[Sidenote: Aelteres Verfahren der Darstellung von Berlinerblau.]

Nach dem älteren Verfahren löst man den Eisenvitriol und den Alaun in

siedendem Regen- oder Flusswasser, klärt die Flüssigkeit durch

Decantiren und schüttet sie noch heiss unter beständigem Umrühren in

die heisse Blutlauge so lange, als noch ein Niederschlag erfolgt. Man

zieht die über dem Niederschlage stehende Flüssigkeit ab und ersetzt

sie durch frisches Wasser, lässt wieder absetzen und fährt damit fort,

bis alles schwefelsaure Kali entfernt ist. Man bringt nun den

Niederschlag auf Seihetücher zum Abtropfen und unterwirft ihn dann der

Anfeuerung. Zu diesem Zwecke erhitzt man den im Wasser suspendirten

Niederschlag bis zum Sieden, setzt dann Salpetersäure hinzu, kocht noch

einige Minuten, entleert das Ganze in einen Bottich und setzt englische

Schwefelsäure hinzu. Nach Verlauf von einigen Tagen wird der

unterdessen blau gewordene Niederschlag ausgewaschen, an der Luft etwas

getrocknet, ausgepresst, in kleine länglich viereckige Stückchen

zerschnitten, in schwach geheizten Trockenkammern getrocknet und

zuletzt in einem bis auf etwa 80° geheizten Raume getrocknet. Da sich

das Berlinerblau nach dem Austrocknen nur mit grosser Schwierigkeit in

den Zustand feinster Zertheilung zurückführen lässt, den es frisch

gefällt hatte, so bringt man es auch als Teig (_en pâte_) in den

Handel. Die dem Berlinerblau beigemengte Thonerde hat sich aufs

Innigste mit dem Blau gemischt und vergrössert so die Quantität, ohne

die Intensität der Farbe zu beeinträchtigen. Sind dem Berlinerblau

grössere Mengen Thonerde beigemengt, so wird seine Farbe natürlich

lichter und es heisst dann =Mineralblau=, obgleich man unter dieser

Benennung auch zu Pulver geriebene Kupferlasur oder durch Fällung von

salzsaurem oder salpetersaurem Kupferoxyd erzeugtes, mit Kalk

verunreinigtes Kupferoxyd versteht.

[Sidenote: Neuere Methoden der Darstellung von Berlinerblau.]

Nach neueren Methoden lässt sich das Berlinerblau auf folgende Weise am

besten herstellen: 1) Es beruht auf der Anwendung des Chlors im

Königswasser zur Zersetzung des weissen Niederschlags, in bekannter

Weise aus Blutlaugensalz und Eisenvitriol dargestellt. Der Eisenvitriol

muss möglichst oxydfrei sein. Es muss ferner die Blutlaugensalzlösung

noch heiss niedergeschlagen werden, damit eine Oxydation des

Niederschlages und die dadurch herbeigeführte vorzeitige Bläuung

desselben so viel als thunlich vermieden werde. Deshalb muss auch der

weisse Niederschlag sogleich und zwar möglichst schnell abfiltrirt

werden. Nur das durch oxydirende Einwirkung des Chlors, der

Salpetersäure etc. auf den weissen Niederschlag entstandene Blau

besitzt die erforderliche Intensität der Farbe, während der an der Luft

blau gewordene Niederschlag, selbst wenn er durch Digestion mit

Salzsäure von dem beigemengten Eisenoxydulhydrat befreit wurde, stets

eine wenig ausgiebige Farbe liefert. Das Auswaschen und Trocknen

erfolgt wie gewöhnlich. 2) Nach einem anderen Verfahren geschieht das

Anbläuen des weissen Niederschlages durch Eisenchlorid (oder

schwefelsaures Eisenoxyd), welches dadurch zu Eisenchlorür (oder

schwefelsaurem Eisenoxydul) reducirt wird, das man darauf anstatt des

Eisenvitriols zur Herstellung des weissen Niederschlages benutzt. 3)

Eine andere Methode gründet sich darauf, dass das Anbläuen des weissen

Niederschlages auch durch eine Auflösung von Manganchlorid

(Mn_{2}Cl_{6}) zu bewirken ist. Das Vortheilhafte dieser Methode ist

lediglich durch lokale Verhältnisse bedingt. Da der Handelswerth der

Manganerze von ihrem Gehalte an Mangansuperoxyd abhängt, die

gewöhnlichen Erze aber meistens ziemlich viel Manganoxyd beigemengt

enthalten, das denselben durch Salzsäure in der Kälte entzogen worden

kann, so liesse sich durch Digestion der Manganerze mit Salzsäure der

Handelswerth derselben steigern und zu gleicher Zeit ein

Anbläuungsmittel für die Fabrikation von Berlinerblau gewinnen. Auch

eine Auflösung von Chromsäure (gewöhnlich ein Gemisch von zweifach

chromsaurem Kali mit Schwefelsäure) lässt sich zum Anbläuen des weissen

Niederschlages anwenden, indessen ist auch diese Methode nur unter

gewissen Bedingungen anzuempfehlen, da das sich bildende Chromoxydsalz

in der Kegel schwer zu verwerthen sein wird.

[Sidenote: Turnbull's Blau.]

[Sidenote: Berlinerblau aus Steinkohlengas und Knochen.]

=Turnbull's Blau.= Wird eine Lösung von rothem Blutlaugensalz mit einer

Lösung von schwefelsaurem Eisenoxydul vermischt, deren Menge jedoch

nicht zu vollständiger Zersetzung des rothen Blutlaugensalzes

hinreicht, so erhält man den in England unter dem obigen Namen

bekannten Niederschlag, der wesentlich aus Fe_{2}Cy_{3}, 3 FeCy

besteht, ausserdem auch noch chemisch gebundenes gelbes Blutlaugensalz

enthält. Seit einigen Jahren ist von =Mallet=, ferner von

=Gautier-Bouchard= mit Erfolg versucht worden, Berlinerblau aus den

=Nebenprodukten der Gasfabrikation= aus Steinkohlen darzustellen, so

aus dem ammoniakalischen Wasser, ferner aus der zum Reinigen des Gases

angewendeten =Laming='schen Mischung und aus dem Kalk, womit das

Steinkohlengas gereinigt worden ist. Dieser =Gaskalk= enthält nicht nur

Cyancalcium und Cyanammonium, sondern auch ziemlich viel freies

Ammoniak. Um letzteres besonders zu gewinnen, setzt man den Gaskalk

Wasserdämpfen aus und leitet das sich entwickelnde Ammoniak in

Schwefelsäure. Das Zurückbleibende wird mit Wasser ausgelaugt. Die

Lauge enthält die Cyanverbindungen gelöst; aus ihr wird auf gewöhnliche

Weise Berlinerblau erzeugt. Nach Versuchen von =Krafft= geben 1000

Kilogr. Gaskalk, nach dem angegebenen Verfahren behandelt, 12-15

Kilogr. Berlinerblau und 15-20 Kilogr. Ammoniaksalz. =Phipson= giebt

an, 1 Tonne Newcastlekohle gäbe eine Quantität Cyan, welche 5-8 Pfd.

Berlinerblau entspricht. Auch bei der Fabrikation der Thierkohle stellt

man nebenbei Berlinerblau dar.

[Sidenote: Lösliches Berlinerblau.]

=Lösliches Berlinerblau.= Da das gewöhnliche Berlinerblau seiner

Unlöslichkeit im Wasser wegen nur als Deckfarbe Anwendung finden kann,

das basische Berlinerblau aber nur bei Gegenwart von Blutlaugensalz

sich löst, so ist die Entdeckung, dass reines Berlinerblau sich in

Oxalsäure löse und in dieser Gestalt als Saftfarbe Anwendung finden

könne, für die Farbentechnik von grosser Wichtigkeit. Nach dem von dem

Entdecker angegebenen Verfahren soll man das Berlinerblau 1-2 Tage lang

mit concentrirter Salzsäure oder auch mit concentrirter Schwefelsäure,

welche letztere nach dem Vermischen mit dem Berlinerblau mit einem

gleichen Quantum Wasser verdünnt wird, digeriren, darauf die Säure

beseitigen, das Berlinerblau vollständig auswaschen, trocknen und in

Oxalsäure lösen. Das zweckmässigste Mengenverhältnis zur Darstellung

einer haltbaren Lösung besteht in 8 Th. mit Schwefelsäure behandeltem

Berlinerblau, 1 Th. Oxalsäure und 256 Th. Wasser. Nach anderen Angaben

erhält man in Wasser vollkommen und leicht lösliches Berlinerblau 1)

durch Fällen einer wässerigen Lösung von =Eisenjodür= mit

=Blutlaugensalz=, sodass letzteres jedoch im Ueberfluss bleibt; 2)

durch Vermischen einer Lösung von Eisenchlorid in ätherhaltigem

Weingeist mit wässeriger Blutlaugensalzlösung.

Reines Berlinerblau ist dunkelblau, hat einen kupferähnlichen Glanz und

Strich, ist in Wasser und Alkohol unlöslich und wird durch alkalische

Lösungen und concentrirte Säuren, sowie durch Erhitzen zersetzt. Je

leichter und lockerer, um so besser ist es. Man verwendet es besonders

in der Wassermalerei und als Leimfarbe, seltener in der Oelmalerei. Die

vorzüglichste Anwendung findet das Berlinerblau in der Färberei für

Wolle und Baumwolle und in der Zeugdruckerei. Das Verfahren, es auf

Seide anzuwenden, heisst nach seinem Erfinder =_Bleu-Raymond_=. Das auf

Seide hervorgebrachte =_Bleu de France_= ist aus Berlinerblau, aber auf

eigenthümliche Weise ohne alle Eisenbeize, nur mit

Ferrocyanwasserstoffsäure (durch Behandeln von Ferrocyankalium mit

Schwefelsäure erhalten) dargestellt. Beim Kochen und gleichzeitiger

Einwirkung der Luft giebt diese Säure unter Freiwerden von Blausäure

Berlinerblau. Wie schon angeführt, enthält das Berlinerblau häufig

Thonerde, den geringeren und helleren Sorten (dem Mineralblau) sind

ausserdem Schwerspath und gefällter schwefelsaurer Baryt (Barytweiss),

Kaolin, Zinkweiss und Magnesia beigemengt. Nach den Angaben von =Pohl=

soll das Berlinerblau mit Stärkekleister, der mit Jodtinctur gebläut

ist, vermischt im Handel vorgekommen sein.

Das Kobalt.

(Co = 59; spec. Gew. = 8,7.)

[Sidenote: Metallisches Kobalt.]

Das Kobalt kommt in der Natur hauptsächlich als =Speiskobalt= (CoAs_{2}

mit 3-24 Proc. Kobalt und 0-35 Proc. Nickel) und als =Kobaltglanz=

(CoAsS, mit 30-34 Proc. Kobalt) vor. In neuerer Zeit stellt man in

Iserlohn und auf dem sächsischen Blaufarbenwerke Pfannenstiel bei Aue

=metallisches Kobalt= im Grossen dar. Es besitzt eine stahlgraue Farbe

mit einem Stich ins Röthliche, hat lebhaften Metallglanz, lässt sich gut

poliren, ist geschmeidig, dehnbar und übertrifft an Zähigkeit das Eisen.

Erst in sehr hoher Temperatur schmilzt es. Von verdünnten Säuren wird es

langsam, von Salpetersäure und Königswasser leichter aufgelöst.

[Sidenote: Kobaltfarben.]

Die auf Kobaltfarben zu verarbeitenden Erze werden, um das Kobalt zu

oxydiren, den Schwefel und das Arsen zu verflüchtigen, geröstet. Im

gerösteten Zustande heissen die Kobalterze =Safflor= oder =Zaffer=. Je

nach der Reinheit der gerösteten Kobalterze unterscheidet man ordinäre

(OS), mittlere (MS) und feine (FS und FFS) Safflore. Sie bestehen

wesentlich aus Kobaltoxyd, -Oxydul, Arsen, Nickel, mit Spuren von

Mangan-, Wismuthoxyd u. s. w. Die Safflore werden zur Darstellung der

=Kobaltfarben= angewendet. In Schweden stellt man Safflore durch Fällen

einer Lösung von schwefelsaurem Kobaltoxydul mit einer Lösung von

kohlensaurem Kali dar. Man stellt aus dem Safflor dar: die =Smalte=, das

=Kobaltultramarin=, das =Coeruleum= (Coelin) und das =Rinmann='sche

=Grün= (Kobaltgrün, Sächsischgrün), an welche sich das =Kobaltgelb=, das

=Kobaltviolett= und die =Kobaltbronze= anschliessen.

[Sidenote: Smalte.]

Es ist bekannt, dass Gläser durch Kobaltverbindungen blau gefärbt

werden. Schmelzt man Zaffer (unreines Kobaltoxydul) mit Kieselerde und

Kali zusammen, so erhält man ein intensiv blaues Glas, das im

feingemahlenen Zustande unter dem Namen =Smalte= oder =blaue Farbe=

bekannt ist. Der Erfinder derselben ist der böhmische Glasmacher

=Christoph Schürer=, welcher in der Mitte des 16. Jahrhunderts lebte.

Er verkaufte sein Geheimniss den Engländern, welche Farbemühlen

anlegten und das Kobalt aus Sachsen kommen liessen. Zu gleicher Zeit

entstanden in Böhmen 11 Farbemühlen. Alle diese Werke gingen aber ein,

als Kurfürst Johann I. die Kobaltausfuhr aus Sachsen verbot und selbst

die noch bestehenden Farbenwerke bei Schneeberg anlegte. Man stellt die

Smalte auf den Blaufarbenwerken dar, indem man die gerösteten

Kobalterze mit Quarzsand und Potasche in Häfen in einem Glasofen

zusammenschmilzt; das erhaltene Glas wird, sowie es aus dem Ofen kommt,

abgelöscht, wodurch es mürbe wird und zerfällt. Darauf wird das Glas in

Pochwerken gepocht und mit Wasser auf Mühlen fein gemahlen. Das

feingemahlene Pulver lässt man mit Wasser in Waschfässern stehen, was

sich zuerst absetzt, ist das gröbere =Streublau= (Streusand), das auf

die Mühle zurückgegeben oder in den Handel gebracht wird. Aus der

trüben Flüssigkeit setzen sich nach und nach ab =Couleur= (gröberes

Pulver), =Eschel= und =Sumpfeschel=. Durch wiederholtes Mahlen und

Auswaschen stellt man aus der gewöhnlichen Smalte verschiedene Sorten

dar. Die beste, d. h. die kobaltreichste Sorte Smalte heisst

=Königsblau=. Eigenthümlich ist es, dass das Kobaltoxydul, dessen Salze

(auch das kieselsaure Kobaltoxydul) sonst eine rothe Färbung besitzen,

in der Smalte Tiefblau erzeugt. Eine Reihe von =R. Ludwig= in

Schwarzenfels (im preussischen Regierungsbezirk Fulda) ausgeführter

Versuche hat gezeigt, dass die färbende Substanz der Smalte

Kali-Kobaltoxydul-Silicat ist, in welchem sich der Sauerstoff der Säure

zu dem der Base wie 6 : 1 verhält. =Ludwig= fand in 100 Theilen

norwegischer Smalte deutscher Smalte

(höhere Couleur) (hohe Eschel) (grobe blasse Couleur)

Kieselerde 70,86 66,20 72,11

Kobaltoxydul 6,49 6,75 1,95

Kali und Natron 21,41 16,31 1,80

Thonerde 0,43 8,64 20,04

Ausserdem finden sich darin kleine Mengen von Eisenoxydul, Kalk,

Nickeloxydul, Arsensäure, Kohlensäure und Wasser, mitunter auch Blei-

und Eisenoxyd. In einer prächtigen ultramarinähnlichen Smalte waren

nach =Oudemans= jun. 5,7% Kobaltoxydul enthalten. Die Potasche kann in

der Smaltefabrikation nicht durch Soda ersetzt werden, weil

Kobalt-Natrongläser niemals rein blau gefärbt sind.

[Sidenote: Kobaltspeise.]

Da bei dem Rösten der Kobalterze das Rösten nicht lange genug

fortgesetzt wird, um das in den Erzen enthaltene Nickel zu oxydiren, so

schmilzt dieses Metall in den Häfen mit den noch vorhandenen Metallen

zu einer Masse zusammen, welche =Kobaltspeise= genannt wird. Sie ist

von weisser, ins Röthliche gehender Farbe, starkem Metallglanz und

feinkörnigem Bruch und besteht aus Nickel 40-56%, Arsen 26-44%,

ausserdem aus Kupfer, Eisen, Wismuth, Schwefel u. s. w. Eine aus dem

sächsischen Erzgebirge stammende Speise bestand nach einer von mir

(1870) ausgeführten Analyse aus:

Nickel 48,20

Kobalt 1,63

Wismuth 2,44

Eisen 0,65

Kupfer 1,93

Arsen 42,08

Schwefel 3,07

------

100,00

Die Kobaltspeise (Nickelspeise) ist das hauptsächlichste Material zur

Darstellung des =Nickels=.

[Sidenote: Anwendung der Smalte.]

Man benutzt die Smalte zum Bläuen des Papiers, der Leinwand, zum

Blaufärben des Krystallglases und des Emails etc. Wegen ihrer Härte

eignet sie sich nicht besonders zum Bläuen des Papiers, da ein mit

Smalte gebläutes Papier die Feder stumpf macht. In der neueren Zeit ist

die Smalte in ihrer Anwendung zum Bläuen zum grossen Theil durch das

künstliche Ultramarin verdrängt worden.

[Sidenote: Kobaltultramarin.]

Das =Kobaltultramarin=, Leithener oder Thénard's Blau (_Bleu Thénard_)

ist eine aus Thonerde und Kobaltoxydul (Kobaltoxydul-Aluminat)

bestehende Farbe, welche zuerst von =Wenzel= in Freiberg, dann zum

zweiten Male von =Gahn= in Falun und endlich zum dritten Male von

=Thénard= in Paris und von =v. Leithener= in Wien entdeckt wurde. Man

stellt das Kobaltultramarin dar, indem man eine Alaunlösung mit der

Lösung eines Kobaltoxydulsalzes mischt und dann durch kohlensaures

Natron fällt oder sofort Natronaluminat mittelst Chlorkobalt zersetzt.

Der aus Thonerdehydrat und Kobaltoxydulhydrat bestehende Niederschlag

wird ausgewaschen, getrocknet und anhaltend geglüht. Nach =Louyet= soll

man das gallertartige Thonerdehydrat (am vortheilhaftesten dasjenige,

welches bei der Verarbeitung des Kryoliths und Bauxits gewonnen wird)

mit phosphorsaurem und arsensaurem Kobaltoxydul mengen, worauf schon in

der Rothglühhitze die blaue Farbe entstehen soll. Die Gegenwart von

Phosphorsäure oder Arsensäure begünstigt auch in der That die

Verbindung der Thonerde mit dem Kobaltoxydul und erhöht die Schönheit

des Kobaltultramarins. Die Farbe desselben kommt bei Tageslicht dem

Ultramarin fast ganz gleich, bei künstlichem Lichte erscheint sie aber,

wie die meisten Kobaltfarben, schmutzig violett. Diese Verbindung ist

luft- und feuerbeständig und wird in der Wasser-, Oel- und

Porcellanmalerei benutzt.

[Sidenote: Coeruleum.]

Das =Coeruleum= (Coelin) ist eine neue lichtblaue Farbe für die Oel-

und Aquarellmalerei, welche in England dargestellt wird und die

vortreffliche Eigenschaft besitzt, beim Lampenlichte nicht violett zu

erscheinen. Es ist zinnsaures Kobaltoxydul (SnO_{2}, CoO), gemengt mit

Zinnsäure und Gyps und besteht aus 49,6 Th. Zinnoxyd, 18,6 Kobaltoxydul

und 31.8 Th. Gyps.

[Sidenote: Rinmann'sches Grün.]

Das =Rinmann='sche =Grün= (Kobaltgrün, Zinkgrün, Sächsischgrün) ist die

dem Kobaltultramarin entsprechende grüne Verbindung, in welcher die

Thonerde durch Zinkoxyd ersetzt ist. Man stellt diese Farbe dar, indem

man Zinkvitriollösung mit Kobaltoxydullösung mengt, das Gemenge

vermittelst kohlensauren Natrons fällt, den Niederschlag auswäscht,

trocknet und glüht. Es besteht aus 88 Th. Zinkoxyd und 12 Th.

Kobaltoxydul.

[Sidenote: Kobaltoxydul.]

Das in der Porcellan- und Glasmalerei angewendete =Kobaltoxydul=

(Kobaltoxyd) ist wohl von der Smalte und dem Safflor zu unterscheiden.

Man stellt es auf den Blaufarbenwerken und in chemischen Fabriken

theils auf trockenem, theils auf nassem Wege dar. Ersteren schlägt man

in England und Norwegen, letzteren in Sachsen und auf den tunaberger

Kobaltwerken in Schweden ein. Das schwarze Kobaltoxyd des Handels (RKO)

besteht zum grössten Theile aus reinem Kobaltoxyd (Co_{2}O_{3}) und

wird wahrscheinlich dargestellt, indem man Kobaltoxydulhydrat oder

kohlensaures Kobaltoxydul bei Zutritt der Luft längere Zeit erhitzt.

Der grösste Theil des im Handel vorkommenden Kobaltoxydes wird in den

Nickelfabriken als Nebenprodukt auf nassem Wege dargestellt. Man

unterscheidet RKO Hyperoxyd, PKO phosphorsaures Oxydulhydrat, AKO

arsensaures Oxydulhydrat, KOH kohlensaures Oxydulhydrat. Geglühtes

phosphorsaures Kobaltoxydul (von der Formel P_{2}O_{3}, 2 CoO) wird als

violette Farbe unter dem Namen =Kobaltviolett= beim Tapetendruck und in

der Zeugdruckerei angewendet. =Wolframsaures Kobaltoxydul= (geglüht)

ist neuerdings als blaue Farbe empfohlen worden.

[Sidenote: Chemisch reines Kobaltoxydul.]

Chemisch reines =Kobaltoxydul=, wie es bisweilen zur Erzeugung zarter

Farben angewendet werden muss, stellt man am besten dar, indem man 1

Th. geröstetes und gepulvertes Kobalterz mit 2 Th. zweifach

schwefelsaurem Kali erhitzt, bis keine Schwefelsäure mehr entweicht.

Die erkaltete Masse, welche aus schwefelsaurem Kali, schwefelsaurem

Kobaltoxydul und unlöslichen arsensauren Salzen besteht, wird mit

Wasser ausgezogen und die Lösung zur Abscheidung des möglicherweise

vorhandenen Eisens mit etwas Kobaltoxydulhydrat digerirt. Die vom

ausgeschiedenen Eisenoxydulhydrat abfiltrirte Lösung wird durch

kohlensaures Natron gefällt und der entstandene Niederschlag nach dem

Auswaschen geglüht.

[Sidenote: Salpetrigsaures Kobaltoxydul-Kali.]

Das =salpetrigsaure Kobaltoxydul-Kali= oder =Kobaltgelb= wurde zuerst

von =Fischer= in Breslau durch Vermischen einer Kobaltoxydullösung mit

salpetrigsaurem Kali dargestellt. Es erscheint als gelber,

kristallinischer Niederschlag, welcher in Wasser ganz unlöslich ist.

St. =Evre= untersuchte den gelben Körper und hob besonders, wegen

seiner schönen Farbe, welche vollkommen der des _Jaune indien_

(euxanthinsaure Magnesia) ähnlich ist, und seiner Beständigkeit unter

dem Einflusse oxydirender und schwefelnder Substanzen, seine

Anwendbarkeit in der Oel- und Aquarellmalerei hervor. Man stellt die

gelbe Verbindung nach St. =Evre= dar, indem man aus salpetersaurem

Kobaltoxydul-Kali durch einen geringen Ueberschuss von Kali rosenrothes

Kobaltoxydul-Kali fällt und in den Brei Stickstoffoxydgas leitet oder

einfacher nach =Hayes=, indem man Dämpfe von Untersalpetersäure in eine

mit etwas Kali versetzte Lösung von salpetersaurem Kobaltoxydul leitet,

wo alles Kobalt in Kobaltgelb übergeführt wird. Da das salpetrigsaure

Kobaltoxydul-Kali auch aus unreinen Kobaltoxydullösungen vollkommen

frei von Nickel, Eisen etc. gefällt wird, so ist es auch in der

Porcellan- und Glasmalerei allen anderen Kobaltpräparaten vorzuziehen,

wenn es sich um die Herstellung einer reinen blauen Nüance handelt.

[Sidenote: Kobaltbronze.]

=Kobaltbronze=, ein dem violetten Chromchlorid sehr ähnliches

metallglänzendes, violettes, schuppiges Pulver, kommt seit einiger Zeit

aus dem Blaufarbenwerke Pfannenstiel in den Handel und ist

phosphorsaures Kobaltoxydul-Ammoniak.

Das Nickel.

(Ni = 59; spec. Gew. = 8,97-9,26.)

[Sidenote: Nickel, dessen Vorkommen.]

Das Nickel kommt in folgenden Nickelerzen vor: dem =Kupfernickel=

(Rothnickelkies) NiAs (mit 4,4 Proc. Ni), dem =Antimonnickel= NiSb (mit

31,4 Proc. Ni), dem =Weissnickelkies= NiAs_{2} (mit 28,2 Proc. Ni) und

überhaupt den nickelreichen Varietäten des Speiskobalts, dem =Nickel=-

oder =Haarkies= NiS (mit 64,8 Proc. Ni) und dem =Nickelantimonglanz=

NiS_{2} + Ni (Sb, As_{2}) (mit 26,8 Proc. Ni). Zu Rewdansk am Ural findet

sich kieselsaures Nickeloxydulhydrat als =Rewdanskit= (mit 12,6 Proc.

Ni), das auf Nickel verarbeitet wird. Häufig ist auch ein mit Nickelerzen

imprägnirter =Magnetkies= und =Schwefelkies= Gegenstand der

Nickelgewinnung, auch die =Kobaltspeise= der Blaufarbenwerke (vergl. S.

38) und gewisse bei manchen Kupferhüttenprocessen erzeugte Produkte, so

z. B. der Nickelvitriol, der bei der Verhüttung des =Kupferschiefers= in

Mansfeld als Nebenprodukt auftritt. Auch in manchen Braunsteinsorten

findet sich Nickel (und Kobalt),[6] so wie in gewissen Magneteisensteinen

(in einem solchen aus Pragaten in Tyrol fand =Th. Petersen= 1,76% NiO).

[6] In England stellt man aus den Rückständen der Chlorbereitung

mittelst Braunstein Kobalt und Nickel dar. Nach =Gerland= giebt 1

Tonne Braunstein 2,5 Kil. Nickel und 5 Kil. Kobalt.

[Sidenote: Gewinnung des Nickels.]

Die im Mineralreiche sich findenden Nickelverbindungen sind im reinen

Zustande höchst selten nur das Material zur Darstellung des Nickels, in

den meisten Fällen kommen die Nickelerze mit anderen Erzen oder erdigen

Substanzen gemengt vor, sodass ähnlich wie bei der Kupfergewinnung der

eigentlichen Nickeldarstellung meist ein Concentrationsschmelzen

vorausgeht. Als Concentrationsmittel verwendet man bei Erzen, welche

das Nickel als Schwefelmetall enthalten, Schwefeleisen, bei Erzen

dagegen, in denen das Nickel neben Arsen vorkommt, das Arsen. Das

Produkt ist in dem ersten Falle =Stein=, in dem zweiten =Speise=. Aus

diesen nickelhaltigen Produkten, zu denen auch zuweilen Schwarzkupfer

sich gesellt, stellt man dann auf trockenem oder auf nassem Wege

entweder metallisches Nickel oder eine Legirung desselben mit Kupfer

dar.

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 24 / 167 题