5) Mit =Salzbildern= verbunden, z. B. Hornsilber AgCl;

6) =In Verbindung mit Salzbildern und Sauerstoff=, z. B. Bleihornerz C

Pb O_{3} + PbCl_{2}.

[Sidenote: Aufbereitung.]

Die Erze (welche auf Gängen, in Lagern, in Nestern oder in Imprägnationen

vorkommen) sind theils mit Erzen anderer Metalle vermengt, theils durch

die Gebirgsart verunreinigt, in welcher die Lagerstätte des Erzes sich

befindet. Daher bedürfen die Erze meist einer Zertheilung und Scheidung

von den fremden Erzen und den beigemengten erdigen Massen (Gangart,

taubes Gestein). Die dies bezweckende Arbeit, mit anderen Worten die

=mechanische= Reinigung der bergmännisch gewonnenen Erze heisst die

=Aufbereitung=. Sie bildet, als die letzte der bergmännischen Arbeiten,

deren Schluss. Häufig beginnt schon an der Grube die Scheidung, indem man

alles taube Gestein bei Seite wirft. Man sortirt die Erze gewöhnlich in

drei Haufen; der erste Haufen (=Stuferze=) ist so reichhaltig, dass er

direct in der Hütte verschmolzen werden kann; der zweite Haufen enthält

ärmeres Erz (=Mittelerz=), welches, ehe es zugutegemacht werden kann,

aufbereitet werden muss; der dritte Haufen besteht zum grössten Theile

aus Gangart, so dass die geringe Quantität des darin enthaltenen Erzes

die Ausbringungskosten nicht deckt. Die Aufbereitung der Erze geschieht

entweder nur durch Menschenhände (=trockene Aufbereitung=), oder durch

Maschinenkraft (=künstliche= oder =nasse Aufbereitung=). Der letzteren

geht die erstere stets voran; die nasse Aufbereitung soll nur vollenden,

was durch die Aufbereitung auf trockenem Wege nicht mehr ausgeführt

werden konnte.

[Sidenote: Vorbereitung.]

Durch die Operation der bergmännischen Aufbereitung erlangen die Erze

jene Reichhaltigkeit, welche zu der Verarbeitung derselben in der Hütte

erforderlich ist. Ehe man den Schmelzprocess einleitet, ist in vielen

Fällen eine =Vorbereitung der Erze= nothwendig, die entweder im

=Verwittern= und =Abliegen= der Erze an der Luft besteht, oder in einer

Erhitzung =ohne= Luftzutritt, dem =Brennen=, oder =mit= Luftzutritt, dem

=Rösten=. Durch das Verwittern und Abliegen an der Luft bezweckt man eine

mechanische Absonderung des Lettens und Schieferthones von den Erznieren,

wie es hauptsächlich bei den Eisenerzen und bei dem Galmei vorkommt, auch

zuweilen eine Oxydation der Eisenerze und des beigemengten Schwefelkieses

zu Eisenvitriol, der dann durch den Regen fortgewaschen wird. Das

Brennen, Calciniren oder Mürbebrennen soll gewisse Erze, wie Eisensteine,

Galmei, Kupferschiefer etc., auflockern dadurch, dass flüchtige Stoffe,

wie Wasser, Kohlensäure, bituminöse Substanzen, ausgetrieben werden, oder

allein durch die ausdehnende Kraft der Wärme. Durch das Rösten bewirkt

man eine ähnliche, aber durchgreifendere Wirkung: man erhitzt dabei die

Erze bis zu einer Temperatur, bei welcher noch keine Schmelzung

stattfindet, wol aber chemische Einwirkung der Luft und Wärme, zuweilen

auch fester Zuschläge wie Kochsalz auf das zu röstende Erz stattfinden

kann.

Man will durch das Rösten immer eine Oxydation, theils mit, theils ohne

Verflüchtigung bezwecken. Letzterer Fall findet z. B. statt beim Rösten

des Magneteisensteines (Fe_{2}O_{3}, FeO), dessen Oxydul allmählich in

Oxyd übergeht. Bei einer Oxydation mit Verflüchtigung kann dreierlei

stattfinden, nämlich:

1) =eine Verflüchtigung gewisser Bestandtheile durch Oxydation;= dieser

Röstmethode werden gewöhnlich Schwefel-, Arsen- und Antimonverbindungen

unterworfen, wobei schweflige Säure, arsenige Säure und Antimonoxyd

sich verflüchtigen, während entweder Metall hervortritt wie beim Rösten

von Zinnober, oder sich die Metalle in Oxyde oder in schwefelsaure

Salze umwandeln. Die verflüchtigten Substanzen lassen sich zum Theil

auffangen und nutzbar machen, so die schweflige Säure zur Darstellung

von englischer Schwefelsäure, die arsenige Säure etc.;

2) =eine Verflüchtigung gewisser Bestandtheile durch Reduction=; sie

kommt seltener und hauptsächlich bei schwefelsauren und arsensauren

Metalloxyden durch Erhitzen derselben mit Kohle vor, wobei der Schwefel

als schweflige Säure, das Arsen als solches entweicht;

3) =eine Verflüchtigung durch Ueberführung in Chlormetalle=, wenn bei

der Röstung des Erzes mit Kochsalz bei Zutritt der Luft sich zum Theil

flüchtige Chlorverbindungen erzeugen, wie es bei der Silbergewinnung

durch die europäische Amalgamation und nach der Methode von =Augustin=

der Fall ist.

[Sidenote: Zugutemachen.]

Auf die Vorbereitung folgt das =Zugutemachen= der Erze, wobei in der

Regel der Schmelzprocess Anwendung findet, durch welchen man die

Ausbringung des Metalles oder einer Verbindung desselben beabsichtigt.

Diejenigen chemischen Operationen im Grossen, welche mit der Ausbringung

eines Metalles oder einer Verbindung desselben endigen, nennt man

=Hüttenprocesse=.

Nur selten macht man einzelne Erzsorten für sich allein zugute, in den

meisten Fällen mischt man ärmere und reichere Erze derselben Art, um die

Erzmasse auf einen gewissen mittleren Gehalt zu bringen. Diese

Mengungsarbeit nennt man das =Gattiren= (Maschen, Mischen, Möllern). Man

bezweckt dabei auch die verschiedenen Gangarten, welche die Erze

begleiten, in der Weise zu mengen, dass sie beim darauf folgenden

Schmelzen zur Bildung einer Schlacke von erforderlicher Beschaffenheit

beitragen. Wo durch das Gattiren der Erze eine solche Beschaffenheit

nicht herzustellen ist, setzt man gewisse Substanzen hinzu, die man je

nach ihrer Wirkung =Zuschläge= oder =Flüsse= nennt. Zuschläge veranlassen

die Abscheidung eines nutzbaren Bestandtheils aus einem Erze oder aus

einem Hüttenprodukte und dienen zu dessen Ansammlung. Die Zuschläge sind

=Röstzuschläge= wie Kohle, gebrannter Kalk, Kochsalz, =Schmelzzuschläge=

wie Quarz und gewisse Silicate (Hornblende, Feldspath, Augit, Grünstein,

Chlorit, Schlacken), Kalkmineralien wie Kalkstein, Flussspath, Gyps,

Schwerspath, Thonmineralien wie Thonschiefer, Lehm u. s. w., salzige

Zuschläge wie Potasche, Borax, Glaubersalz, Salpeter, metallische

Zuschläge wie Eisen (bei der Zerlegung von Zinnober und Bleiglanz), Zink

(zur Extraction des Silbers aus Werkblei), Arsen (zur Anreicherung des

Nickel- und Kobaltgehaltes in Speisen), Eisenhammerschlag, Rotheisenstein

und Braunstein (beim Frischen des Roheisens); salzige Zuschläge, zu

welchen vorzüglich die eisenoxydulreichen Frischschlacken gehören, welche

entweder durch ihren Sauerstoffgehalt (beim Eisenfrischen) oder durch

ihren Eisengehalt als Niederschlagsmittel (zum Niederschlagen des Bleies

aus dem Bleiglanz) wirken.

Die Flüsse befördern nur die Abscheidung des Metalles, indem das Erz

leicht flüssiger gemacht wird und die ausgebrachten Metalltheilchen sich

leichter vereinigen können. Man kann die Flüsse in drei Abtheilungen

bringen, nämlich 1) in solche, die auf das Schmelzgemenge nicht

wesentlich chemisch einwirken, sondern nur Leichtflüssigkeit und

Verdünnung bewirken; hierher gehören Flussspath, Borax, Kochsalz,

verschiedene Schlackensorten, 2) in solche, welche ausserdem noch

reducirend wirken, wie ein Gemenge von Weinstein und Salpeter (=schwarzer

Fluss=), 3) in diejenigen, deren Wirkung endlich auch noch in einer

absorbirenden, entweder von Säuren oder von Basen besteht; letztere

Abtheilung schliesst sich an die Zuschläge an.

[Sidenote: Beschicken.]

Das Vermengen der Erze mit Zuschlägen und Flüssen wird das =Beschicken=

(Auflaufen) genannt. Die Menge der Beschickung, welche innerhalb einer

bestimmten Zeit (in der Regel 12 oder 24 Stunden) verarbeitet wird,

heisst =Schicht=, die auf einmal in einen Schachtofen aufzugebende Masse

von Beschickung mit Brennstoff wird =Gicht= oder =Charge= genannt.

[Sidenote: Hüttenprodukte.]

Durch die Hüttenprocesse werden die =Hüttenprodukte= erzeugt, welche sind

1) durch den Schmelzprocess fallende Metalle -- =Edukte=. Der relative

Grad ihrer Reinheit wird bei edlen Metallen mit =fein= (Feinsilber,

Feingold), bei unedlen Metallen mit =gar= oder =roh= (Garkupfer,

Roheisen) bezeichnet. Ein höherer Grad von Reinheit wird durch das Wort

=raffinirt= ausgedrückt. 2) Solche Hüttenprodukte, welche in den Erzen

nicht fertig gebildet enthalten sind, sondern erst während des

Zugutemachens in der Weise sich bilden, dass mehrere Bestandtheile der

Erze und der Beschickung sich vereinigen, nennt man =Hüttenfabrikate=;

sie sind meist schon Handelswaare; es gehören hierher das antimon- und

arsenhaltige Hartblei, der Stahl, die Arsenikalien (arsenige Säure,

Operment und Realgar), das Schwefelantimon etc. Bei der Erzeugung der

Edukte bilden sich vielfache Nebenprodukte, die, wenn sie noch so viel

von dem auszubringenden Metalle enthalten, dass die weitere Verarbeitung

möglich wird, 3) =Zwischenprodukte=, im entgegengesetzten Falle, in

welchem sie als nicht schmelzwürdig aus der Hütte entfernt werden, 4)

=Abfälle= heissen. Die Zwischenprodukte sind =Legirungen= (Tellersilber

aus Silber, Kupfer und Blei bestehend; Werkblei, Blei mit etwas Silber

und Kupfer; Schwarzkupfer, Kupfer mit Eisen, Blei etc.),

=Schwefelmetalle= (Steine, Leche), =Arsenmetalle= (Speisen, so z. B. die

Kobalt- oder Nickelspeise der Blaufarbenwerke, im wesentlichen

Arsennickel), =Kohlenmetalle= (z. B. Roheisen und Stahl), Oxyde (z. B.

Bleiglätte).

[Sidenote: Schlacken.]

Die hauptsächlichsten Hüttenabfälle sind die =Schlacken=, jene bei den

meisten Schmelzprocessen erfolgenden glas- und emailähnlichen Massen,

deren wichtigste die Silicatschlacken, d. h. Verbindungen der Kieselsäure

mit Erden (besonders Kalk, Magnesia, Thonerde) und Metalloxyden

(Eisenoxydul, Manganoxydul etc.) sind. Sie bilden sich bei

Schmelzprocessen aus den in den Rohmaterialien nie fehlenden Beimengungen

und Zuschlägen und erfüllen bei der Ausbringung der Metalle den wichtigen

Zweck, die mit ihnen zugleich sich ausscheidenden Metall- oder

Schwefelmetallpartikelchen vor der oxydirenden Gebläseluft zu schützen,

indem sie dieselben einhüllen und ihnen endlich sich zu vereinigen

gestatten. Sie leisten ausserdem auch als Zuschläge oft wichtige Dienste

und werden nicht selten wegen eines in ihnen noch befindlichen

Metallgehaltes verschmolzen. Ihre Beschaffenheit ist von ihrem Gehalte an

Kieselsäure abhängig; in Bezug darauf theilt man sie in =Sub-=,

=Singulo-=, =Bi-= und =Trisilicate=. Das Verhältnis des Sauerstoffs der

Kieselsäure zu dem Sauerstoff der Basen ist darin folgendes:

Subsilicat 3 : 6

Singulosilicat 3 : 3

Bisilicat 6 : 3

Trisilicat 3 : 1

Die Schlacken sind entweder =glasig= oder =krystallinisch=. Aus den

krystallinischen Schlacken scheiden sich oft krystallinische Partien von

Silicaten aus, welche völlig mit gewissen Mineralien übereinstimmen, so

z. B. Augit, Olivin, Wollastonit, Glimmer, Idokras, Chrysolith, Feldspath

u. s. w. Die Gemenge der Singulosilicate geben im Allgemeinen

dünnflüssige (=frische= oder =basische=), schnell erstarrende Schlacken,

die Bi- und Trisilicate dagegen zähflüssige (=saigere= oder =saure=) und

nur langsam fest werdende.

Soll eine Schlacke dem Schmelzprocess, bei welchem sie fällt,

entsprechend zusammengesetzt sein, so werden an ihr folgende

Eigenschaften verlangt: 1) Ein geringeres specifisches Gewicht als

dasjenige des durch den Schmelzprocess dargestellten Produktes, so dass

sie dessen Oberfläche bedecken kann; 2) Eine Gleichartigkeit in der

ganzen Masse, weil gegentheilig der Schmelzprocess kein normaler war;

3) Eine gewisse Leichtschmelzbarkeit, damit die ausgebrachten

Metallpartikelchen in Folge ihres höheren specifischen Gewichtes in der

flüssigen Schlacke mit Leichtigkeit niedersinken können; 4) Eine

bestimmte chemische Zusammensetzung, damit die Schlacke auf das sich

ausscheidende Produkt nicht zerlegend einwirke.

Das Eisen.

(Fe = 56; spec. Gew. = 7,7.)

[Sidenote: Das Eisen. Vorkommen desselben.]

Das Eisen ist das wichtigste und nützlichste aller Metalle, sein Gebrauch

ist mit allen Zweigen der Technik und fast allen Bedürfnissen des Lebens

auf das Innigste verwebt. Die ausserordentliche Anwendung verdankt das

Eisen, ausser seinem massenhaften Vorkommen, hauptsächlich der

Leichtigkeit, mit der es in Folge eigenthümlicher Modificationen bei

seiner Darstellung und Verarbeitung, unter gänzlich verändertem

Charakter, mit neuen und immer nutzbaren Eigenschaften auftritt.

So häufig nun auch Mineralien sich finden, welche Eisen enthalten, so

eignen sich doch nur wenige davon zu Eisenerzen und mit Vortheil können

nur die Sauerstoffverbindungen des Eisens zur Darstellung im Grossen

angewendet werden. Die wichtigsten =Eisenerze= (Eisensteine) sind

folgende:

1) Der =Magneteisenstein= (Fe_{2}O_{3}, FeO = Fe_{3}O_{4}) ist das

reichste Eisenerz (es enthält gegen 72 pCt. Eisen), und findet sich

allgemein verbreitet, besonders aber in Russland, Norwegen und Schweden

im krystallinischen Schiefergebirge vor. Aus diesem Eisenerz stellt man

das berühmte schwedische Eisen z. B. das von Dannemora dar. Nicht

selten wird es von Schwefelkies, Bleiglanz, Kupferkies, Apatit u. a.

Mineralien begleitet, wodurch seine Brauchbarkeit als Eisenerz

beeinträchtigt wird.

2) Der =Rotheisenstein= oder der =Eisenglanz= (Fe_{2}O_{3}) enthält 69

pCt. Eisen. Der Rotheisenstein findet sich in Gängen und Lagern im

älteren Gebirge, so wie eingesprengt in Gneuss, Granit u. s. w.; er

kommt ferner im Uebergangsgebirge vor und heisst nach seinen

physikalischen Eigenschaften =Glaskopf= (Blutstein), =Eisenrahm=,

=Eisenocker=. Mit Kieselerde gemengt heisst der Rotheisenstein

=Kieseleisenstein=, mit Thon gemengt der rothe =Thoneisenstein=, mit

Kalkverbindungen gemengt =Minette=, mit sehr verschiedenem Eisengehalt.

Der =Eisenglanz= ist krystallisirtes Eisenoxyd, dessen bedeutendste

Lagerstätte sich auf der Insel Elba findet. Der Rotheisenstein dient in

seinen Varietäten als hauptsächlichstes Material der Eisengewinnung in

Sachsen, auf dem Harz, in Nassau, Westfalen, Siegen, Oberhessen,

Württemberg u. s. w.

3) Der =Spatheisenstein= (Eisenspath, Stahlstein) (FeCO_{3} mit 48,3

pCt. Eisen) ist der Hauptbestandtheil der metallführenden Formation; er

enthält fast immer grössere oder geringere Mengen von kohlensaurem

Manganoxydul. Das kugelige, nierenförmige kohlensaure Eisenoxydul

heisst =Sphärosiderit=. Ausserdem führt er in seinen verschiedenen

Zuständen die Namen =Kohleeisenstein=, =Flinz=, =Blackband=. Letzteres,

für Schottland (und Westfalen) von grosser Bedeutung, ist ein Gemenge

von Spatheisenstein mit Kohle und Schieferthon, flötzartig in den

oberen Gebilden der Steinkohlenformation abgelagert. In Steiermark und

in Siegen dient es zur Fabrikation des Rohstahls. Der =Thoneisenstein=

oder =Clayband=, besonders in England, Schottland, Westfalen, Schlesien

und im Banate sich findend, ist ein inniges Gemenge von Spatheisenstein

mit Thonmineralien.

4) Aus dem Spatheisenstein entsteht durch die Einwirkung von Luft und

von kohlensäurehaltigem Wasser als secundäres Produkt der

=Brauneisenstein= (theils Fe_{2}O_{3}, H_{2}O, theils Fe_{2}O_{3},

3H_{2}O), welcher je nach seinen physikalischen Eigenschaften die Namen

Lepidokrokit, Nadeleisenerz, Rubinglimmer (Pyrosiderit) und

Stilpnosiderit führt. Dieses Eisenerz enthält häufig kohlensaure

Kalkerde, Kieselsäure, Thon u. s. w. Eine thonige Varietät ist der

=Gelbeisenstein=. Hierher dürfte auch der =Bauxit=, ein Gemenge von

Thonerdehydrat mit Eisenoxydhydrat zu rechnen sein.

5) =Bohnerz=, kuglige Körner meist mit concentrisch schaliger

Absonderung, ein häufig im südwestlichen Deutschland und in Frankreich

in der Juraformation vorkommendes Eisenerz, dessen Entstehungsweise

nicht bekannt ist. Es besteht entweder aus Kieselsäure, Eisenoxydul und

Wasser, oder aus Brauneisenstein und Kieselthon.

6) Der =Raseneisenstein= (Wiesenerz, Morasterz, Sumpferz, Limonit,

Seeerz), findet sich in der norddeutschen Ebene, in Holland, Dänemark

und im südlichen Schweden in Torfmooren und unter dem Rasen der Wiesen.

Er entsteht durch die Einwirkung von kohlensäurehaltigem, Eisenoxydul

enthaltendem Wasser auf Vegetabilien. Er kommt in knolligen oder

schwammartigen Massen von brauner oder schwarzer Farbe vor und besteht

aus Eisenoxydulhydrat, Manganoxyd, Phosphorsäure, organischen

Bestandtheilen und Sand. Nach =Hermann= besteht er aus Eisenoxydhydrat,

Manganoxydhydrat, phosphorsaurem Eisenoxyd und dreibasisch

quellsatzsaurem Eisenoxyd. Das daraus gewonnene Eisen wird theils zum

Guss benutzt, wozu es sich wegen seiner Dünnflüssigkeit und weil es die

Formen gut ausfüllt, besonders eignet, theils aber auch in Stabeisen

verwandelt, welches jedoch des Phosphorgehaltes wegen brüchig ist.

7) Der =Franklinit= (Fe_{2}O_{3} [ZnO, MnO], mit 45 Proc. Eisen, 21

Proc. Zink u. 9 Proc. Mangan) wird neuerlich in Nordamerika

(New-Jersey) ebenfalls als Eisenerz verwendet, zugleich wird aber auch

Zink daraus gewonnen.

Ausser den Eisenerzen wendet man auch hier und da eisenoxydulreiche

=Schlacken= aus Frischfeuern, Puddelöfen etc., welche 40-75 pCt. Eisen

enthalten, ferner Bohr- und Drehspäne, Glühspan, Abfälle von

Schmiedeeisen, Bruchstücke von Roheisen etc. entweder für sich oder

gemeinschaftlich mit Eisenerzen zur Darstellung von Roheisen an.

In metallurgischer Hinsicht theilt man die Eisenerze in leicht und

schwer reducirbare (leicht- und schwerschmelzbare). Zu den ersteren

gehören diejenigen, welche bei der vorbereitenden Röstung eine poröse

Beschaffenheit annehmen, die es den reducirenden Hochofengasen

ermöglicht, schnell zu reduciren und zu schmelzen; dies ist der Fall

bei dem Eisenspath, welcher Kohlensäure, und dem Brauneisenstein,

welcher beim Rösten Wasser verliert. Schwer reducirbare Eisenerze sind

Eisenglanz, Rotheisenstein und Magneteisenstein.

[Greek: a]) Roheisen.

[Sidenote: Ausbringen des Eisens.]

Das =Ausbringen des Eisens= aus den Erzen gründet sich vorzugsweise auf

folgende zwei Eigenschaften:

1) Theilchen von reinem oder fast reinem Eisen, im Hochofen so gut als

unschmelzbar, kleben bei starker Rothglühhitze zu grösseren Massen

zusammen (Schweissbarkeit des Eisens);

2) bei hoher Temperatur bildet das Eisen mit Kohlenstoff eine leicht

schmelzbare Verbindung (Kohleeisen, Roheisen, Gusseisen).

In früheren Zeiten, und jetzt nur noch spärlich in einigen Gegenden, war

die directe Darstellung des Eisens (Stabeisen) aus den Erzen durch die

sogenannte =Rennarbeit= oder =Luppenfrischerei= sehr üblich; die

Rennarbeit lieferte zwar ein vorzüglich reines und zähes Stabeisen,

gestattete jedoch nur eine geringe Ausdehnung der Fabrikation und eine

sehr unvollkommene Benutzung der Erze. Gegenwärtig gewinnt man das Eisen,

indem man zuerst Roheisen darstellt und dieses dann durch den Puddlings-

oder Frischprocess entkohlt.

[Sidenote: Theorie des Ausbringens.]

Das Ausbringen des Eisens zerfällt in das =Rösten= und in das

=Zugutemachen=. Das Rösten der Eisenerze hat zum Zweck, gewisse

Substanzen, wie das Wasser und die Kohlensäure zu entfernen, die Masse

dadurch mürber und poröser und so zur Reduction geschickter zu machen und

das etwa vorhandene Eisenoxydul in Eisenoxyd überzuführen, welches minder

leicht verschlackt wird. Die gerösteten Eisenerze werden darauf (unter

Stempeln, Pochhämmern oder Walzwerken) zerkleinert und reichere Erze mit

ärmeren in dem Verhältniss gemischt (gattirt), welches nach der Erfahrung

die grösste Ausbeute giebt. Die gemengten Erze, welche aus einer

Sauerstoffverbindung des Eisens und Ganges (Kieselsäure oder Kalk)

bestehen, werden mit kohlehaltigen Substanzen gemengt und stark erhitzt

zu metallischem Eisen reducirt, denn:

Fe_{2}O_{3} + 3C = 3CO + 2Fe;

die Kohle wirkt mithin bei dem Ausbringen des Eisens als Brennmaterial

und (für sich so wie als Kohlenoxyd und Kohlenwasserstoff) als

Reductionsmittel. Nähme man den Process in der Weise vor, dass man die

zerkleinerten und gerösteten Erze mit Kohle mengte und dem Schmelzprocess

unterwürfe, so würde man das Eisen in fein zertheilter Gestalt als

schwammige Metallmasse erhalten. Um nun das fein zertheilte Eisen zu

einer Masse zu vereinigen, setzt man vor dem Ausschmelzen Körper zu,

welche sich mit der Gangart zu einer leichtflüssigen Glasmasse verbinden.

Diese Masse heisst die =Schlacke=; sie dient also dazu, die in den Erzen

enthaltenen fremden und der Qualität des Eisens zum Theil schädlichen

Bestandtheile zu entfernen, das Zusammenfliessen der geschmolzenen

Metalltheilchen zu bewirken und das bereits gebildete Roheisen vor der

oxydirenden Wirkung der Gebläseluft zu schützen. Die Schlacke ist ein

Gemenge mehrerer kieselsaurer Salze, das entweder mit den Eisenerzen

selbst bricht, oder wie schon erwähnt wurde, durch Zusatz während des

Schmelzens erst entsteht. Es ist nothwendig, dass die Schlacke bei

derselben Temperatur schmilzt, bei welcher das Eisen flüssig wird.

Mangelt es an Kieselsäure, so setzt man Quarz, Sand, mangelt es an Basen,

so setzt man Kalkstein oder Flussspath hinzu. Das Gemenge von ärmeren und

reicheren Eisenerzen heisst die =Gattirung=, die mit den Zuschlägen und

Flüssen, d. h. mit den schlackebildenden Substanzen gemengte Gattirung

die =Beschickung=, welche nicht über 50 pCt. Eisen enthalten darf.

Wenn Eisen im breiartigen Zustande mit Kohle zusammenkommt, wie dies bei

dem Ausbringen des Eisens der Fall ist, so wird ein grosser Theil der

Kohle von dem entstandenen dünnflüssigen Roheisen gelöst; beim Erkalten

des Eisens scheidet sich der grösste Theil der Kohle krystallinisch als

Hochofengraphit ab, während ein anderer Theil der Kohle mit dem Eisen

chemisch verbunden bleibt. Durch das Ausschmelzen lässt sich demnach kein

reines, sondern nur kohlehaltiges Eisen (Roheisen, Gusseisen) gewinnen.

[Sidenote: Hochofenprocess.]

Gegenwärtig führt man den Schmelzprocess allgemein in =Hochöfen=,

zuweilen auch noch in =Blauöfen= (Blaseöfen) aus. Beide Oefen

unterscheiden sich wesentlich nur durch die Art ihrer Zustellung,

insofern die Hochöfen mit offener Brust arbeiten, d. h. einen Vorherd

haben, aus welchem ein continuirliches Abfliessen der Schlacken möglich

ist, während die Blauöfen (Blaseöfen) Oefen mit geschlossener Brust sind,

aus deren Herd Roheisen und Schlacke von Zeit zu Zeit abgestochen werden.

[Illustration: Fig. 1.]

[Sidenote: Beschreibung des Hochofens.]

Ein =Hochofen= ist ein mit starkem Gemäuer (Rauhmauer _A_ [Fig. 1])

umgebener Schachtofen von 14 bis 35 Meter Höhe, dessen innerer Theil der

=Kernschacht= oder die =Seele= die Gestalt zweier, mit den Grundflächen

aneinander gefügter, abgestutzter Kegel hat. Die Mauer des eigentlichen

Kernschachtes _B_ umgiebt eine zweite, welche den Rauhschacht bildet, an

welche sich das Mauerwerk des Ofens, die Rauhmauer _A_ anschliesst.

Zwischen Kern- und Rauhschacht findet sich ein Raum für die Füllung

aufgespart, welcher mit schlechten Wärmeleitern (Asche, Schutt) angefüllt

ist und zugleich der Ausdehnung des Kernschachtes durch die Wärme den

nöthigen Spielraum gestattet. Der Theil des Kernschachtes von _B_ nach

_C_ heisst der =Schacht=, von _D_ nach _E_ die =Rast=. Der Theil _B_, wo

der Kernschacht den grössten Durchmesser hat, wird =Kohlensack= oder

=Bauch= genannt. Unterhalb der Rast zieht sich der Raum zu dem

=Gestell= _F_ zusammen, dessen unterer Theil (der =Eisenkasten=) das

geschmolzene Roheisen aufnimmt. In dem =Gestell=, der wichtigste

Theil des Hochofens, insofern in demselben der Schmelzprocess vor

sich geht, befinden sich, einander gegenüber liegend, zwei Oeffnungen

mit eingesetzten konischen Röhren (=Formen=) (Fig. 2), in welche die

Mundstücke (=Düsen=, =Deusen=, =Deupen=) der Windleitungsröhren, welche

den Hochofen mit Luft versehen, eintreten. Der Eintritt der Luft in die

Düse wird, wie in der Zeichnung durch ein Kegelventil oder nur durch ein

Schieberventil regulirt.

[Illustration: Fig. 2.]

Die obere Oeffnung des Schachtes _A_ heisst die =Gicht=, durch dieselbe

wird die Beschickung und Brennmaterial in den Hochofen gebracht.

Letzterer ist entweder an einem Abhange gebaut, so dass man auf einem

Wege zur Gicht gelangen kann, oder es führt zu demselben die

=Gichtbrücke= _P_. Der untere Theil des Gestelles ist nach der

Vorderseite hin verlängert und bildet den =Vorherd=, welcher durch den

=Wallstein= _M_ begrenzt ist. Auf der einen Seite steht der Wallstein von

der Wand ab und bildet eine Spalte, die sogenannte =Abstichöffnung=,

welche während des Schmelzens mit Thon verstopft ist, darauf aber zum

Ablassen des geschmolzenen Eisens und der Schlacke dient. Der Wallstein

ist zum Schutze mit einer Eisenplatte bedeckt. Die Brustwand reicht nicht

bis auf den Boden des Herdes, sondern endigt in einer bestimmten Höhe

über demselben mit einem Gewölbe oder Stein, dem Tumpelstein _o_, welcher

durch ein massives Eisenstück, das Tumpeleisen, getragen wird. Den Boden

des Herdes bilden die Bodensteine, die Seitenwände, die Backensteine, die

Hinterwand ein Rückstein.

[Sidenote: Gebläse.]

[Illustration: Fig. 3.]

Zum Speisen des Hochofens mit Luft wendet man jetzt allgemein das

=Cylindergebläse= an. Die zweckmässigste Art desselben ist die Figur 3

abgebildete. In dem gusseisernen Cylinder _A_, in dem der Kolben _c c_

auf und nieder bewegt werden kann, geht die Kolbenstange _a_ luftdicht

durch die Stopfbüchse _e_; durch _b_ und _d_ communicirt der Cylinder mit

der freien Luft, durch _f_ und _g_ aber mit dem Kasten _E_; darin

angebrachte Klappen bewirken durch Schliessen und Oeffnen die Füllung des

Kastens _E_ mit Luft. Durch ein bei _i_ angebrachtes Rohr strömt sie in

den Feuerraum des Hochofens. Zum Reguliren des Gebläses benutzt man einen

grossen, aus Eisenblech luftdicht zusammengenieteten Ballon, in welchen

man die Luft aus dem Kasten _E_ treten lässt. Das Princip desselben ist

dem des Gasbehälters in Leuchtgasfabriken gleich. Die Anwendung von

erhitzter Gebläseluft ist eine der wichtigsten Verbesserungen in dem

Eisenhüttenwesen, die erhitzte Luft veranlasst nämlich eine Verminderung

des Aufwandes an Brennmaterial (die Brennstoffersparniss beträgt 1/3-2/5,

im Durchschnitt also 0,366 des früher verbrauchten Quantums) und eine

Vermehrung der absoluten Produktion um 50 Proc.; dabei ist der Ofengang

regelmässiger und die Arbeit im Herde weit leichter, obgleich man auf

anderen Hütten das Entgegengesetzte behauptet, indem nicht nur Störungen

im regelmässigen Gange des Hochofens stattfanden, sondern auch die

übermässig hohe Temperatur im Gestell die feuerfestesten Steine zu sehr

angriff und daher die Campagnen bedeutend abkürzte. Das Erhitzen der

Gebläseluft geschieht entweder durch die Gichtgase, oder durch besondere

Feuerungen in Röhrenapparaten, oder endlich durch =Siemens='

Regenerativsystem, nach welchem man Gicht- oder Generatorgase durch einen

mit feuerfesten Steinen lose ausgefüllten Raum und dann nach Abstellung

der Gase die kalte Luft durch die glühend gewordenen Steine leitet, wobei

sie sich zu weit höheren Temperaturen erhitzen lässt, als in

Röhrenapparaten, deren Material hohen Temperaturen nicht widersteht. Man

erhitzt die Gebläseluft bis auf 200-400° C. Koksöfen erfordern pro Minute

gewöhnlich 2000 bis 4000 Kubikfuss Luft.

[Sidenote: Gang der Schmelzung.]

Der =Hochofenbetrieb= erfolgt auf folgende Weise. Man heizt zuerst den

Ofen an, indem man auf dessen Boden Holz anzündet und darauf das

Brennmaterial (in Deutschland früher meist Holzkohlen, gegenwärtig fast

durchweg Koks, mitunter auch Anthracit, selten rohe Steinkohle) bringt,

bis endlich der ganze Schacht mit glühenden Kohlen angefüllt ist. Zu

gleicher Zeit setzt man die Gebläse in Thätigkeit und trägt

schichtenweise Erz- und Kohlengichten ein. In dem Maasse, als die Kohlen

verbrennen und Erze und Zuschlag schmelzen, sinken die Schichten

allmählig nieder. Die Kieselerde schmilzt mit den vorhandenen Erden und

Oxyden zu Schlacke zusammen, die durch Eisenoxydgehalt gewöhnlich gefärbt

erscheint, während das schon früher reducirte halbflüssige Eisen sich mit

dem Kohlenstoff zu leichtflüssigem =Roheisen= vereinigt. Das geschmolzene

Eisen sammelt sich am Boden des Gestelles an; auf dem Eisen schwimmen die

geschmolzenen Schlacken, die man über dem Wallstein abfliessen lässt. Das

flüssige Eisen, das fast die Höhe des Wallsteins erreicht hat, wird durch

das Einstossen der Verstopfung der Abstichöffnung über Rinnen alle zwölf

Stunden =abgestochen=, wobei es durch einen schon vorher im Sande vor dem

Ofen gemachten Ablassgraben nach den Formen geleitet wird. Während des

Abstechens sind die Gebläse in Ruhe. Roheisen in Mulden nennt man

=Flossen=, in Barren =Gänze=. Das Schmelzen (die =Campagne= oder

=Hüttenreise=) dauert gewöhnlich so lange, als der Ofen aushält, oft

mehrere Jahre.

[Sidenote: Chemischer Process im Innern des Hochofens.]

[Illustration: Fig. 4.]

Der beim Niederschmelzen der Beschickung im Hochofen stattfindende

chemische Process ist in verschiedener Höhe im Hochofen ein sehr

verschiedener. Beistehende Figur 4 zeigt das Innere eines mit Beschickung

und Brennmaterial gefüllten Hochofens im senkrechten Durchschnitte. Die

schmaleren Schichten bedeuten die Beschickung, die breiteren das

Brennmaterial. Von der Oberfläche der flüssigen Schlacke _f f_ an bis zum

Gichtniveau lässt sich das Innere in fünf Regionen oder Zonen eintheilen,

nämlich:

1) in die Vorwärmezone _a b_,

2) die Reductionszone _b c_,

3) die Kohlungszone _c d_,

4) die Schmelzzone _d e_,

5) die Verbrennungszone _e f_.

In dem oberen Theile des Schachtraumes, der =Vorwärmzone=, wird die

Beschickung vorgewärmt und vollständig ausgetrocknet. Innerhalb dieser

Zone gelangt das Erz kaum zum schwachen Glühen. Die =Reductionszone= hat

die beträchtlichste Ausdehnung; im unteren Theile des Schachtes,

besonders in der Gegend des Kohlensackes, wird das Eisenoxyd durch

Einwirkung der reducirenden Gase zuerst zu Eisenoxydul-Oxyd und endlich

zu metallischem Eisen reducirt. Die in dieser Zone vorhandenen

reducirenden Agentien sind: Kohlenoxydgas, Kohlenwasserstoffgas,

Cyanwasserstoffgas oder Cyankaliumdämpfe. An einer Stelle dieser Zone ist

das Eisen als hämmerbares Eisen vorhanden. Noch tiefer im Ofen, in der

=Kohlungszone= findet die Kohlung des Eisens statt, wodurch sich

stahlartiges Eisen bildet, das mehr oder weniger zusammengesintert aus

dem Kohlungsraum in die =Schmelzzone= gelangt und sich hier mit

Kohlenstoff zu Gusseisen sättigt. In der =Verbrennungs=- oder

=Oxydationszone=, im Vergleich zu den übrigen Zonen nur von sehr geringem

Umfange, trifft die aus den Düsen in den Ofen strömende Luft auf Kohlen,

welche sich in stärkster Weissglut befinden und bildet mit denselben

Kohlensäure, welche aber, indem sie durch die höher liegenden Schichten

Kohle strömt, zu Kohlenoxyd reducirt wird (CO_{2} + C = 2CO); durch die

Verbrennung des in dem Brennmaterial enthaltenen Wasserstoffs wird aber

auch Wasser gebildet, welches nebst dem durch die Gebläseluft

eingeführten Wasserdampfe (welchen man in der neueren Zeit durch

vorheriges Leiten der Gebläseluft über englische Schwefelsäure zu

entfernen sucht), durch die grosse Hitze des mittleren Theils in seine

Bestandtheile, in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Der Sauerstoff

bildet mit der Kohle Kohlenoxyd, während der Wasserstoff mit der Kohle

Kohlenwasserstoff bildet. Ausserdem tritt der Stickstoff des

Brennmaterials (der Koks), so wie ein Theil des Stickstoffs der

eingeblasenen atmosphärischen Luft mit der Kohle zusammen und bildet Cyan

(-metalle oder -wasserstoff)[1]. Die reducirenden Gase treffen die

erhitzten Erze und bewirken die Reduction der Metalloxyde, während die

Gase (=Gichtgase=, Hochofengase) durch die Gicht entweichen. Das

reducirte Eisen verbindet sich, indem es tiefer sinkt, mit Kohlenstoff zu

Roheisen, schmilzt dabei und wird durch die Schlacke vereinigt. Indem das

Roheisen durch seine Schwere herabsinkt und die Region des Ofens

erreicht, in welcher die Hitze am stärksten ist, wirkt sein Kohlenstoff

auf die Thonerde, den Kalk, die Kieselerde u. s. w., deren Metalle sich

mit dem Eisen verbinden.

[1] Nach der Ansicht von =Berthelot= (1869) bildet sich hierbei

zunächst Kaliumacetylür C_{2}K_{2}, welches dann mit dem Stickstoff

direkt zu Cyankalium 2(CNK) zusammentritt.

Aus neueren Untersuchungen geht hervor, dass die bei dem

Hochofenprocess in so grosser Menge sich bildende Cyanwasserstoffsäure,

indem sie sich mit den in dem Brennmaterial und den Schlacken

enthaltenen Alkalien und Erden zu =Cyanmetallen= vereinigt, wesentlich

bei der Reduction der Eisenerze mitwirkt. Auch die Ansicht ist

ausgesprochen worden, dass selbst das Roheisen nicht nur

Kohlenstoffeisen, durch Zersetzung von Cyaneisen entstanden, ist,

sondern Cyaneisen (vielleicht auch Stickstoffeisen) beigemengt enthält;

es sei hierbei an die Entdeckung =Wöhler='s erinnert, dass die

ebenfalls durch den Hochofenprocess entstehenden und in der sogenannten

Eisensau befindlichen Titanwürfel kein metallisches Titan, sondern

Stickstofftitan-Titancyanür sind. Wie bedeutend die Erzeugung von

Cyanmetallen bei den mit Steinkohlen betriebenen Hochöfen sein mag,

geht aus einer Untersuchung von =Bunsen= und =Playfair= über den

Process der englischen Roheisenbereitung hervor, nach welcher in einem

Hochofen täglich gegen 225 Pfund Cyankalium erzeugt werden. =Eck= zu

Königshütte in Oberschlesien bemerkte auch die Bildung von Cyankalium

und Schwefelcyankalium; er berechnete aus dem Kaligehalte des

Eisenerzes (Thoneisenstein), des Zuschlages und der Steinkohlen, dass

im Ofen zu Königshütte täglich 35-1/2 Pfund Cyankalium gebildet werden

können. In der Schmelzzone findet auch Reduktion der Thonerde und

Kieselerde zu Aluminium und Silicium statt.

[Sidenote: Vertheilung der Temperatur in dem Hochofen.]

Fig. 5 zeigt die an den Grenzen der verschiedenen Zonen des Hochofens

herrschenden Temperaturen. Die Temperatur der Verbrennungszone würde eine

höhere sein, als es in der That der Fall ist, wenn nicht die Umwandlung

der Kohlensäure in Kohlenoxyd durch Aufnahme von Kohlenstoff eine

bedeutende Temperaturerniedrigung zur Folge hätte. Das Kohlensäuregas

verdoppelt nämlich sein Volumen, indem es durch Aufnahme von Kohle in

Kohlenoxyd übergeht; dieses Uebergehen des Kohlenstoffs in den

gasförmigen Zustand ist mit Bindung von Wärme verknüpft. Wenn man

bedenkt, dass in den Hochöfen unter den günstigsten nahe liegenden

Verhältnissen nur 16,55 Proc. Brennmaterial im Ofen zur Realisation

gelangen, während 83,45 Proc. aber in der Gicht in der Form brennbarer

Gase verloren gehen, so lag es nahe, diese [Sidenote: Gichtgase.]

=Gicht=- oder =Hochofengase= anzuwenden, und dies ist auch mit dem

glücklichsten Erfolge zum Schmelzen und Frischen des Eisens, zum

Ausschweissen des gefrischten Eisens in Flammenöfen, zum Erwärmen der

Gebläseluft, zum Rösten der Eisensteine, zum Darren und Verkohlen des

Holzes etc. geschehen.

[Illustration: Fig. 5.]

[Sidenote: Anwendung derselben zur Darstellung von Salmiak.]

Die Anwendung derselben scheint aber noch keineswegs erschöpft, denn R.

=Bunsen= und L. =Playfair= fanden, dass die Gase der

Steinkohlenhochöfen =Ammoniak= in solcher Menge enthalten, dass dessen

Gegenwart besonders in den tieferen Theilen des Ofenschachts schon

durch den Geruch zu erkennen ist. Die genannten Chemiker gelangten zur

Ueberzeugung, dass die Verwerthung des Ammoniaks auf die einfachste

Weise ausgeführt werden könne, indem man die Gase vor ihrer Verwendung

als Brennmaterial durch einen mit Salzsäure versehenen

Condensationsraum leitet. Wenn man die durch die Verdichtung des

Ammoniaks erhaltene Salmiaklösung fortwährend in die Pfanne eines

geeigneten Flammenofens fliessen lässt, in welchem man einen kleinen

Theil des Gasstromes über der Flüssigkeit verbrennt, so lässt sich der

Abdampfungsprocess dergestalt reguliren, dass man den Salmiak in einer

fortwährend abfliessenden, concentrirten Lösung als metallurgisches

Nebenprodukt erhält. Aus dem Alfreton-Hochofen in England könnte man

auf diese Weise täglich 2,44 Centner Salmiak als Nebenprodukt, ohne

erhebliche Kostenerhöhung des Betriebes und ohne die mindeste Störung

des Processes gewinnen. Was die Ammoniakbildung hierbei anlangt, so

hängt sie mit der oben erwähnten Cyanbildung zusammen. Cyankalium

zerfällt, wenn es mit Wasserdämpfen zusammenkommt, in Ammoniak und

ameisensaures Kali (KCN + 2H_{2}O = NH_{3} + CHKO_{2}); durch eine

umgekehrte Reaktion kann sich aus ameisensaurem Ammoniak, indem man aus

demselben allen Sauerstoff in Form von Wasser austreten lässt,

Cyanwasserstoffsäure bilden (CH(NH_{4})O_{2} - 2H_{2}O = CHN).

[Sidenote: Roheisen oder Gusseisen.]

Das durch den Hochofenprocess erhaltene Eisen heisst das =Roheisen= oder

=Gusseisen=. Dasselbe besteht aus Eisen, Kohlenstoff (als Graphit und in

Form von Eisencarburet), Silicium (als Siliciumgraphit und in Form von

Siliciumeisen), Schwefel, Phosphor, Arsen, Aluminium. Von dem

Kohlenstoffgehalte ist die Farbe und die Beschaffenheit des Roheisens

abhängig. Früher glaubte man, dass die mehr oder weniger dunkle Farbe des

Roheisens von einem grösseren oder geringeren Kohlenstoffgehalte abhängig

sei, so dass die dunkelste Sorte die grösste Menge und die hellste die

geringste Menge Kohlenstoff enthielte. Gegenwärtig ist aber bewiesen,

dass nicht die Menge, dass vielmehr die verschiedene Art und Weise, wie

der Kohlenstoff (und das ihm analoge Silicium) im Roheisen vorkommt, die

Beschaffenheit desselben bedingt, dass ein Theil des Kohlenstoffs und

Siliciums mit dem Eisen chemisch verbunden sei, während der grösste Theil

des Kohlenstoffs und des Siliciums dem Eisen nur mechanisch in Form von

Graphit (Kohlenstoffgraphit und Siliciumgraphit) beigemengt ist. Neue

Untersuchungen von =Frémy= u. A. machen es übrigens auch wahrscheinlich,

dass das Roheisen öfters stickstoffhaltig sei und der Stickstoff mit die

Eigenschaften des Roheisens bedinge, während =Caron=, =Gruner= und

=Rammelsberg= dieser Ansicht entgegentreten. Man unterscheidet =weisses=

und =graues= Roheisen.

[Sidenote: Weisses Roheisen.]

Das =weisse Roheisen= ist charakterisirt durch silberweisse Farbe, Härte,

Sprödigkeit, starken Glanz und grösseres specifisches Gewicht. Letzteres

beträgt 7,58-7,68. Zuweilen lassen sich in demselben Prismen erkennen,

man nennt es dann =Spiegeleisen= oder =Spiegelfloss= (Rohstahleisen);

diese Eisensorte lässt sich als eine Verbindung von CFe_{6} oder genauer

Fe_{6}C + Fe_{8}C (mit 5,93 Proc. C) betrachten. Wird das Gefüge des

weissen Roheisens strahlig-faserig und geht die Farbe desselben ins

bläulichgraue über, so heisst die Varietät =blumiges Floss=. Wenn die

weisse Farbe noch mehr verschwindet und die Bruchflächen anfangen zackig

zu werden, so erhält man eine zwischen dem weissen und grauen Roheisen in

der Mitte stehende Varietät, das =luckige Floss=.

[Sidenote: Graues Roheisen.]

Das =graue Roheisen= ist von hellgrauer bis dunkelschwarzgrauer Farbe,

körnigem bis feinschuppigem Gefüge. Das specifische Gewicht desselben ist

im Mittel = 7,0, also weit geringer als das des weissen Roheisens. Es ist

weniger hart als letzteres. -- Wenn in einem Stücke beide Roheisensorten,

entweder in besonderen Lagen oder das eine in die Masse des andern

zerstreut vorkommen, so heisst ein solches Eisen =halbirtes Roheisen=

oder =Forelleneisen=. Es dient vorzüglich zu Gusswaaren. Der chemische

Unterschied zwischen =weissem= und =grauem= Roheisen liegt darin, dass

ersteres nur chemisch gebundenen Kohlenstoff (4-5 Proc.), letzteres wenig

gebundenen Kohlenstoff (0,5-2 Proc.), aber viel mechanisch beigemengten

(1,3-3,7 Proc.) enthält. In Bezug auf den Schmelzpunkt des Roheisens ist

zu erwähnen, dass das weisse Roheisen, das am meisten Kohlenstoff

enthält, am leichtesten schmilzt; das graue Roheisen ist viel

dünnflüssiger als das weisse. Geschmiedet kann das Roheisen nicht werden,

da es in der Glühhitze zwar weich und mürbe wird, dass es mit einer

gewöhnlichen Holzsäge leicht geschnitten werden kann, unter dem Hammer

aber auseinander fliegt. Wegen der dünnflüssigen Beschaffenheit wird das

=graue Roheisen= vorzüglich zu Gusswaaren angewendet, es füllt die Formen

mit grosser Schärfe und Reinheit aus, während weisses Roheisen mit

stumpfen Ecken und concaver Oberfläche erstarrt und deshalb nie zum

Giessen angewendet werden kann. Das graue Roheisen ist ferner hinlänglich

weich, um gefeilt, gehobelt, gebohrt und gedreht werden zu können; das

weisse Roheisen ist dagegen so =hart=, dass es jeder mechanischen

Verarbeitung widersteht. Wird geschmolzenes graues Roheisen =rasch=

abgekühlt, so geht es in =weisses= Roheisen über. Lässt man dagegen bei

starker Hitze geschmolzenes weisses Roheisen =langsam= abkühlen, so

verwandelt es sich in =graues= Roheisen.

Auf die Beschaffenheit des aus dem Hochofen erhaltenen Roheisens ist

nicht nur die Beschickung, sondern auch hauptsächlich die Temperatur

des Ofens von grösstem Einflusse. Es scheint, als ob sich im Hochofen

bei jeder Beschickung zuerst stets weisses Roheisen bildet und dass

dieses erst bei sehr gesteigerter Temperatur in graues Roheisen

überzugehen vermag. Findet die Reduction bei einem richtigen

Quantitätsverhältniss zwischen Erz, Zuschlag und Brennmaterial statt,

so wird der Gang des Hochofens ein =garer= (Gargang) genannt. Man

erhält dadurch ein Roheisen mit gehörigem Kohlenstoffgehalt,

vorherrschend weisses Roheisen. Die Schlacke ist bei diesem Gange

niemals dunkel gefärbt, weil sie nur wenig Eisenoxydul enthält. Wenn in

Folge von vorherrschendem Erze, also von mangelndem Brennmaterial, die

Temperatur, welche zur vollständigen Kohlung des Eisens erforderlich

ist, nicht erreicht wird, so findet nicht selten nur unvollständige

Reduction statt, in dem eine grosse Menge von Eisenoxydul in die

Schlacke geht und derselben eine dunkle Farbe ertheilt. Der Gang des

Ofens wird in diesem Falle ein =übersetzter= oder =scharfer= oder

=Rohgang= genannt. Durch überwiegendes Brennmaterial, wodurch die Hitze

im Hochofen zu sehr gesteigert wird, wird ein =heisser=, =hitziger=

oder =übergarer Gang= des Hochofens hervorgebracht und graues Roheisen

gebildet.

Die Resultate der chemischen Untersuchung einiger Roheisensorten mögen

die Zusammensetzung des Roheisens im Allgemeinen veranschaulichen: 1.

Spiegeleisen aus 14 Th. Spatheisenstein, 9 Th. Brauneisenstein erhalten

(Hammerhütte). 2. Blumiges Floss aus Steiermark. 3. Weisses Roheisen.

4. Halbirtes Roheisen. 5. Graues Roheisen (aus Brauneisenstein mit

Holzkohle). 6. Graues Roheisen (aus Brauneisenstein und

Spatheisenstein). 7. Graues Roheisen (aus ockrigem Brauneisenstein mit

Koks erblasen).

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7.

Gebundener Kohlenstoff 5,14 4,92 2,91 2,78 0,89 1,03 0,58

Graphit 0 0 0 1,99 3,71 3,62 2,57

Schwefel 0,02 0,017 0,01 0 -- -- --

Phosphor 0,08 0 0,08 1,23 -- -- --

Silicium 0,55 0 0 8,71 -- -- --

Mangan 4,49 0 1,79 0 -- -- --

Das Zeichen --, dass auf den Körper nicht geprüft, das Zeichen 0, dass

der Körper nicht gefunden wurde. =M. Buchner= fand bei einer

Untersuchung des Kohlenstoff- und Siliciumgehaltes des Roheisens:

1. 2. 3. 4. 5. 6.

C[Greek: g] 4,14 3,80 4,09 3,75 3,31 3,03

C[Greek: b] -- -- -- -- -- --

Si 0,01 0,01 0,26 0,27 Spur 0,15

1. 2. 3. 4. Spiegeleisen, grossblättrig oder vollkommen krystallinisch.

5. 6. Luckiges Roheisen.

7. 8. 9. 10. 11. 12.

C[Greek: g] 3,40 2,70 2,13 3,60 } 3,34 2,72

C[Greek: b] -- -- -- -- }

Si 0,14 0,12 0,10 0,66 0,10 0,20

7. 8. 9. Weisses grelles Roheisen. 10. Weisses Gusseisen. 11. Halbirtes

Roheisen. 12. Stark halbirtes Roheisen.

13. 14. 15. 16. 17. 18.

C[Greek: g] 2,17 1,35 1,18 0,71 0,38 0,26

C[Greek: b] 2,11 2,47 2,42 2,79 3,28 3,83

Si 0,09 0,70 0,66 1,53 1,62 0,59

13. Minder halbirtes Gusseisen. 14. 15. 16. Graues Gusseisen. 17.

Schaumiges, grobkörniges Roheisen. 18. Ueberkohltes schwarzgraues

Roheisen.

[Sidenote: Statistica über Roheisenproduktion.]

Die Roheisenerzeugung auf der ganzen Erde beträgt gegenwärtig (1870)

reichlich 200 Millionen Zollcentner, davon kommen auf

England, Wales und Schottland 115,000,000 Zollcentner

Frankreich 24,500,000 "

Nordamerika 20,200,000 "

Preussen 16,300,000 "

Belgien 8,900,000 "

Oesterreich 6,750,000 "

Russland 6,000,000 "

Schweden 4,500,000 "

Luxemburg 1,100,000 "

Bayern 732,000 "

Sachsen 280,000 "

Württemberg 138,000 "

Baden 16,000 "

Hessen 250,000 "

Braunschweig 90,000 "

Thüringen 18,000 "

Australien 2,000,000 "

Italien 0,750,000 "

Spanien 1,200,000 "

Norwegen 0,500,000 "

Dänemark 0,300,000 "

-----------------------

209,524,000 Zollcentner

im Werth von ungefähr 650 Millionen Thaler.

[Sidenote: Eisengiesserei, Umschmelzen des Roheisens.]

[Sidenote: Schacht- oder Kupolofen.]

[Illustration: Fig. 6.]

[Illustration: Fig. 7.]

Zur Herstellung der =Eisengusswaaren= verwendet man meist ein schwach

halbirtes graues Roheisen, welches sich durch grosse Dichtigkeit,

Festigkeit, scharfes Ausfüllen der Form und hinreichende Weichheit zur

mechanischen Bearbeitung auszeichnet. Obgleich das Giessen =direkt= aus

dem Hochofen (=Hochofenguss=) geschehen kann, zieht man es vor, die

=Flossen= oder =Gänze= umzuschmelzen (=Umschmelzebetrieb=), dies

geschieht entweder in =Tiegeln=, in =Schachtöfen= oder in

=Flammenöfen=. =Tiegel= (von Graphit oder feuerbeständigem Thon) wendet

man nur zum Giessen kleiner Gegenstände an, man schmilzt gewöhnlich

darin 5-8 Pfund. Am häufigsten findet der =Schacht=- oder =Kupolofen=

Anwendung; Fig. 6 und 7 zeigen einen solchen Ofen; er besteht aus einem

cylindrischen Schachtofen von 2,5-3,5 Meter Höhe, in welchem man durch

die Gicht das Roheisen und das Brennmaterial (Holzkohlen oder Koks)

schichtweise in den Schacht _A_ einträgt; die Oeffnungen _c_ und _d_

dienen zur Einführung der Düsen des Gebläses. Die nach der Rinne _B_

führende Oeffnung ist während des Schmelzens verschlossen; wenn das

geschmolzene Eisen die Oeffnung _a_ erreicht hat, wird dieselbe

vermittelst Thon verschlossen und die zuerst in _a_ befindliche Düse in

die Oeffnung _d_ gelegt. Das geschmolzene Eisen wird entweder in die

Form unmittelbar geleitet, oder in eiserne, mit Thon überstrichene

Giesspfannen gelassen und nach der Form hingetragen. Auch hierbei hat

die Benutzung von heisser Gebläseluft bedeutende Ersparniss an

Brennmaterial zur Folge gehabt.

[Sidenote: Flammenofen.]

Das Umschmelzen des Roheisens in =Flammenöfen= endlich geht in einem

gewöhnlichen Flammenofen auf die Weise vor sich, dass man das Eisen auf

dem mit Sand bedeckten =Schmelzherde=, der in der Richtung seiner Länge

etwas geneigt ist und an dessen tieferliegenden schmalen Seite das

=Stichloch= zum Abstechen des geschmolzenen Eisens befindlich ist,

schmelzen lässt und dann absticht. Auf dem =Feuerherde= befindet sich

Steinkohlenfeuer, dessen Flamme über eine niedrige Scheidewand (die

=Feuerbrücke=) hinweg über den Schmelzherd zieht, denselben in seiner

ganzen Längenausdehnung bestreicht und endlich in einen hohen

Schornstein tritt. Aus dem Stichloche läuft das Eisen entweder direkt

in die Formen, oder man füllt damit lehmbestrichene Kellen und Pfannen,

die von den Arbeitern zu den Formen getragen und dort durch Umneigen

ausgegossen werden. In einem Flammenofen lassen sich mehr als 50

Centner Roheisen auf einmal umschmelzen. Hierbei ist zu

berücksichtigen, dass das Roheisen während des Umschmelzens in

Flammenöfen mit der atmosphärischen Luft in Berührung kommt, dadurch

theilweise entkohlt und zu Gusswaaren untauglich wird.

[Sidenote: Formerei.]

Ein wesentlicher und schwieriger Theil der Eisengiesserei besteht in

der Herstellung der =Gussformen=. Je nach den Materialien, aus denen

die Formen bestehen, unterscheidet man 1) =Sandguss= in Formen aus

Sand, der so fein sein muss, dass die feinsten Gegenstände sich darin

abdrücken lassen, und so zusammenhaften, dass die schärfsten Kanten

stehen bleiben; er enthält so viel Thon, dass er sich beim Befeuchten

mit Wasser ballt; er wird vorher durch einen Zusatz von Kohlenstaub

locker gemacht, damit die Wasserdämpfe, die bei der Berührung des

heissen Gusseisens mit dem feuchten Sand sich bilden, leicht entweichen

können. Bei Gegenständen, die auf der einen Seite eben sind, wie

Gitter, Platten, Räder etc., wendet man den =Herdguss= an, d. h. man

giesst auf einem Theile der Hüttensohle, der mit Formsand bedeckt ist;

in diesem Formsand ist das Modell so eingedrückt, dass dessen

Oberfläche horizontal ist. Zu zusammengesetzten Gusswaaren, z. B. zu

Töpfen, wendet man den =Kastenguss= an. Die Sandformen werden vor dem

Eingiessen des Eisens nicht getrocknet; 2) der =Masseguss= in Formen

aus Sand und Lehm, wobei die Formen vor dem Giessen sorgfältig

getrocknet werden müssen; 3) der =Lehmguss= in Formen aus Lehm, der

gesiebt, angefeuchtet und, um das Reissen beim Trocknen zu verhüten,

mit Pferdemist durchknetet ist; 4) der =Schalenguss= (Kapselguss) in

gusseiserne Formen. Letzterer wird nur selten und zwar nur zu

Hartwalzen zum Ausstrecken des Blechs, die eine grosse Härte besitzen

müssen, und für Eisenbahnwagenräder benutzt. Er gründet sich auf die

Eigenschaft des grauen Roheisens, im geschmolzenen Zustand durch

schnelle Abkühlung rasch zum Erstarren gebracht, in hartes weisses

Roheisen überzugehen. Giesst man daher das Roheisen in gusseiserne

Formen (Coquillen), welche die Wärme schnell ableiten, so wird die

äussere Schicht in Folge der schnellen Abkühlung weiss und hart. So

kann man Walzen giessen, die an der Oberfläche sehr hart und doch, weil

sie im Innern aus grauem Roheisen bestehen, nicht spröde und

zerbrechlich sind.

Der am häufigsten angewendete =Eisenguss= ist der Sandguss, man benutzt

ihn zum Giessen von Ofenplatten, Rädern, Gittern, Roststäben etc. Den

Masseguss wendet man an, wenn man ein Zusammenstürzen einer Sandform zu

fürchten hat; man benutzt diesen Guss zum Giessen von eisernen Röhren

und Kanonen. Zur Herstellung der letzteren findet das halbirte Roheisen

=Anwendung=, indem dasselbe Zähigkeit mit Elasticität und einer

gewissen Härte vereinigt; es scheint indessen, als werde das Roheisen

(und auch das bisher angewendete Geschützmetall) in der

Geschützgiesserei in der Zukunft vollständig durch den Gussstahl

ersetzt werden, wie die Fabrikate von =Krupp= in Essen beweisen. Man

benutzt den Masseguss auch zu den sogenannten Galanteriewaaren aus

Eisenguss (Schreibezeuge, Leuchter, Ringe etc.). Den Lehmguss wendet

man endlich für sehr grosse Gegenstände an, und besonders für solche,

wozu man kein besonderes Modell machen will oder kann, z. B. zum

Giessen von grossen Kesseln, Glocken etc. Man unterscheidet dabei drei

Haupttheile:

a) den Kern, der an Grösse und Gestalt dem Innern des Gussstücks

gleichkommt,

b) das Modell (Hemd, Eisenstärke) und

c) den Mantel (die Einhüllung des Modells).

Die Lehmformen werden scharf getrocknet. Der =Kunstguss=, d. i. die

Anfertigung von Monumenten, Statuen etc., ist gleichfalls Lehmguss;

hierzu beginnt aber in der neuern Zeit das Zink das Gusseisen zu

verdrängen.

Bei solchen Gegenständen, welche viel Erhabenheiten auf ihrer

Oberfläche und besonders eine solche Form haben, dass ein theilweises

Abheben des Mantels nicht ausführbar ist, wie z. B. bei dem Guss von

Grabmonumenten, Kunstöfen, Statuen u. s. w., wird auf den gebrannten

Kern die Form in Wachsabgüssen aufgetragen. Das von dem Modelleur

angefertigte Modell wird in Gyps abgegossen, und es werden so viel

einzelne Gypsformen dargestellt, als des Abhebens wegen nöthig sind.

Man giesst das Wachs in die einzelnen Formen, trägt die Wachsabgüsse

auf den Kern und setzt sie auf demselben vorsichtig zusammen. Diese

Wachsform wird mit feingeschlämmtem Thon, der mit etwas Graphit

gemischt worden ist, überpinselt, und nachdem dies mehrere male

geschehen ist, die Form mit einer stärkeren, mit Kuhhaaren untermengten

Thonschicht umgeben. Ist der Ueberzug getrocknet, so schmilzt man das

Wachs durch Erwärmen der Form heraus.

[Sidenote: Adouciren. Tempern.]

Nach dem Gusse werden die Gusswaaren durch mechanische Bearbeitung

vollendet, es werden z. B. die Giessnähte abgehauen, der eingebrannte

Sand von der Oberfläche abgelöst u. s. w. Oft müssen die Eisengüsse

ausgebohrt (wie Kanonen), oder (wie Maschinentheile) abgedreht,

ciselirt, gehobelt, gefräst, gedreht und geschliffen werden. Da

dieselben nun durch schnelles Erkalten auf der Oberfläche oft solche

Härte und Sprödigkeit besitzen, als wären sie aus weissem Roheisen

gegossen und dadurch nicht mit Feilen, Meisseln etc. bearbeitet werden

können, so sucht man solchen Eisengüssen durch das =Adouciren=

(Tempern, Anlassen) die nöthige Weichheit zu ertheilen. Das Adouciren

besteht wesentlich in anhaltendem starken Glühen der Gussstücke in

einer Einhüllung und sehr langsamem Erkalten. Das Adouciren geschieht

entweder auf =physikalischem= oder auf =chemischem Wege=. Im ersteren

Falle, in welchem keine chemische Veränderung eintritt und das

Harteisen nur durch Anderslagerung der Moleküle in weiches Eisen

übergeht, überzieht man die Gegenstände mit Lehm und glüht sie zwischen

Kohlen aus, oder man glüht sie einfach unter trockenem Kiessand, oder

in mit Kohlenstaub angefüllten Kapseln bei nicht anhaltender

Rothglühhitze. Sollen die Gusswaaren durch das Adouciren zugleich eine

gewisse Festigkeit erhalten, welche dem Stahl und Stabeisen

eigenthümlich ist, so muss die Einhüllung und länger anhaltende Hitze

chemisch, d. h. entkohlend, einwirken. Als Hülle benutzt man ein

Cementirpulver aus Kohle, Knochenasche, Eisenhammerschlag, rothem

Eisenoxyd, Braunstein oder Zinkoxyd. Gleichmässig und durch die ganze

Masse hindurch entkohlten Eisenguss nennt man =hämmerbaren,

schmiedbaren Eisenguss= (_fonte malléable_). Auf diese Weise stellt man

neuerdings unzählige kleine Gegenstände aus Gusseisen dar, die man

früher zu schmieden pflegte, wie z. B. Schlüssel, Lichtputzen,

Schnallen u. s. w. Durch Einsatzhärtung (siehe bei Stahl) lassen sich

diese Gegenstände oberflächlich verstählen, so macht man jetzt z. B.

gegossene Scheeren und Messer (selbst Rasirmesser), die sich von den

stählernen kaum unterscheiden lassen. Man überzieht die gegossenen

Gegenstände häufig mit einem Firniss von Steinkohlentheer und Graphit

oder Leinölfirniss und Kienruss, oder bronzirt oder brünirt dieselben.

[Sidenote: Emailliren von eisernen Geschirren.]

Die eisernen Kochgeschirre pflegt man, um sie gegen das Rosten und den

Einfluss schwacher Säuren zu schützen, auf der inneren Seite zu

=emailliren=; dies geschieht, indem man die Fläche durch verdünnte

Schwefelsäure von Oxyd befreit, einen aus Borax, Quarz, Feldspath, Thon

und Wasser bestehenden Brei in dem Gefässe umherschwenkt, auf den

feuchten Ueberzug ein feines Pulver von Feldspath, Soda, Borax und

Zinnoxyd streut und darauf die Geschirre in einer Muffel bis zum

Schmelzen der Glasmasse erhitzt. Das in Frankreich fabricirte =glasirte

Eisen= ist ein ähnliches emaillirtes Eisen. Die Glasurmasse wird durch

Zusammenschmelzen von 130 Th. Flintglaspulver, 20-1/2 Th. kohlensaurem

Natron und 12 Th. Borsäure dargestellt. Man benutzt das glasirte Eisen

hauptsächlich statt der Zinkgefässe und verzinnter Blechgeschirre,

namentlich verfertigt man daraus Zuckerhutformen und

Krystallisirgefässe für Stearinsäure.

[Greek: b]) Schmiede- oder Stabeisen.

[Sidenote: Stabeisen oder Frischeisen.]

In älteren Zeiten[2] und auch gegenwärtig noch in Steiermark, Illyrien,

Italien, Schweden, Ostindien, Borneo, Madagaskar, brachte man, wie

bereits Seite 9 gesagt, das Stabeisen direct aus den Erzen aus, indem man

dieselben auf einem Herde mit Kohlen unter Mitwirkung eines Gebläses

reducirte und den erhaltenen Klumpen von reducirtem Eisen sofort

ausschmiedete. Gegenwärtig hat man diese wenig ergiebige Gewinnungsart

(=Luppenfrischerei= oder =Rennarbeit=) verlassen und stellt allgemein

zuerst Roheisen und aus diesem das Stabeisen dar. Derjenige Process,

durch welchen das =Roheisen= in =Stabeisen= oder =Frischeisen= verwandelt

wird, heisst der =Frischprocess=; er beruht der Hauptsache nach auf der

Entfernung der grössten Menge des Kohlenstoffs und der übrigen fremden

Körper des Roheisens durch Oxydation. Man verwendet zum Frischen nur

=weisses= Roheisen, und zwar möglichst kohlenstoffarmes, weil es vor dem

Schmelzen erweicht, lange dünnflüssig bleibt und daher den oxydirenden

Agentien eine grössere Oberfläche darbietet; auch verbrennt der chemisch

gebundene Kohlenstoff des weissen Roheisens leichter als der Graphit des

grauen Roheisens. Der =Frischprocess= oder das =Frischen= geht entweder

vor sich:

Handbuch der chemischen Technologie Achte Auflage · 第 16 / 167 题