Der Herzog. Denn kurz: ich bin überzeugt, daß ein Verräter kein Herz
hat. Ich treffe Sie als einen Verräter: ich muß Sie für einen Mann
ohne Herz halten. Aber um so weniger darf ich mich dieses Vorteils
über Sie bedienen. Meine Ehre verzeiht Ihnen, weil Sie der Ihrigen
verlustig sind. Wären Sie so unbescholten, als ich Sie sonst geglaubt,
so würde ich Sie zu züchtigen wissen.
Der Graf. Ich bin der Graf von Essex. So hat mir noch niemand
begegnen dürfen, als der Bruder des Königs von Frankreich.
Der Herzog. Wenn ich auch der nicht wäre, der ich bin; wenn nur Sie
der wären, der Sie nicht sind, ein Mann von Ehre: so sollten Sie wohl
empfinden, mit wem Sie zu tun hätten.--Sie, der Graf von Essex? Wenn
Sie dieser berufene Krieger sind: wie können Sie so viele große Taten
durch eine so unwürdige Tat vernichten wollen?--"
----Fußnote
[1]
Ay tal traición! vive el Cielo,
Que de amarla estoy corrido.
Blanca, que es mi dulce dueño,
Blanca, a quien quiero, y estimo,
Me propone tal traición!
Que haré, porque si ofendido,
Respondiendo, como es justo,
Contra su traición me irrito,
No por eso ha de evitar
So resuelto desatino.
Pues darle cuenta a la Reina
Es imposible, pues quiso
Mi suerte, que tenga parte
Blanca en aqueste delito.
Pues si procuro con ruegos
Disuadirla, es desvarío,
Que es una mujer resuelta
Animal tan vengativo,
Que no se dobla a los riesgos:
Antes con afecto impío,
En el mismo rendimiento
Suelen aguzar los filos;
Y quizá desesperada
De mi enojo, o mi desvío,
Se declarará con otro
Menos leal, menos fino,
Que quizá por ella intente
Lo que yo hacer no he querido.
[2]
Si estás consultando, Conde,
Allá dentro de tí mismo
Lo que has de hacer, no me quieres,
Ya el dudarlo fué delito.
Vive Dios, que eres ingrato!
[3]
Por vida del Rey mi hermano,
Y por la que más estimo,
De la Reina mi señora,
Y por--pero yo lo digo,
Que en mí es el mayor empeño
De la verdad del decirlo,
Que no tiene Blanca parte
De estar yo aquí--
------
Y estad muy agradecido
A Blanca, de que yo os dé,
No satisfacción, aviso
De esta verdad, porque a vos,
Hombres como yo--Cond. Imagino
Que no me conoceis bien.
Duq. No os había conocido
Hasta aquí; mas ya os conozco,
Pues ya tan otro os he visto
Que os reconozco traidor.
Cond. Quien dijere--Duq. Yo lo digo
No pronuncieis algo, Conde,
Que ya no puedo sufriros.
Cond. Cualquier cosa que yo intente--
Duq. Mirad que estoy persuadido
Que hace la traición cobardes;
Y así cuando os he cogido
En un lance que me da
De que sois cobarde indicios,
No he de aprovecharme de esto,
Y así os perdona mi brío
Ese rato que teneis
El valor desminuído;
Que a estar todo vos entero,
Supiera daros castigo.
Cond. Yo soy el Conde de Sex
Y nadie se me ha atrevido
Sino el hermano del Rey
De Francia. Duq. Yo tengo brío
Para que sin ser quien soy,
Pueda mi valor invicto
Castigar, no digo yo
Sólo a vos, mas a vos mismo,
Siendo leal, que es lo más
Con que queda encarecido.
Y pues sois tan gran Soldado,
No echeis a perder, os pido
Tantas heroicas hazañas
Con un hecho tan indigno--
----Fußnote
Zweiundsechzigstes Stück
Den 4. Dezember 1767
Der Herzog fährt hierauf fort, ihm sein Unrecht in einem etwas gelindern
Tone vorzuhalten. Er ermahnt ihn, sich eines Bessern zu besinnen; er will
es vergessen, was er gehört habe; er ist versichert, daß Blanca mit dem
Grafen nicht einstimmen und daß sie selbst ihm eben das würde gesagt
haben, wenn er, der Herzog, ihr nicht zuvorgekommen wäre. Er schließt
endlich: "Noch einmal, Graf; gehen Sie in sich! Stehen Sie von einem so
schändlichen Vorhaben ab! Werden Sie wieder Sie selbst! Wollen Sie aber
meinem Rate nicht folgen: so erinnern Sie sich, daß Sie einen Kopf haben,
und London einen Henker!"[1]--Hiermit entfernt sich der Herzog. Essex ist
in der äußersten Verwirrung; es schmerzt ihn, sich für einen Verräter
gehalten zu wissen; gleichwohl darf er es itzt nicht wagen, sich gegen
den Herzog zu rechtfertigen; er muß sich gedulden, bis es der Ausgang
lehre, daß er da seiner Königin am getreuesten gewesen sei, als er es am
wenigsten zu sein geschienen.[2] So spricht er mit sich selbst: zur
Blanca aber sagt er, daß er den Brief sogleich an ihren Oheim senden
wolle, und geht ab. Blanca desgleichen; nachdem sie ihren Unstern
verwünscht, sich aber noch damit getröstet, daß es kein Schlimmerer als
der Herzog sei, welcher von dem Anschlage des Grafen wisse.
Die Königin erscheinet mit ihrem Kanzler, dem sie es vertrauet hat, was
ihr in dem Garten begegnet. Sie befiehlt, daß ihre Leibwache alle Zugänge
wohl besetzt; und morgen will sie nach London zurückkehren. Der Kanzler
ist der Meinung, die Meuchelmörder aufsuchen zu lassen und durch ein
öffentliches Edikt demjenigen, der sie anzeigen werde, eine ansehnliche
Belohnung zu verheißen, sollte er auch selbst ein Mitschuldiger sein.
"Denn da es ihrer zwei waren", sagt er, "die den Anfall taten, so kann
leicht einer davon ein ebenso treuloser Freund sein, als er ein treuloser
Untertan ist."[3] Aber die Königin mißbilliget diesen Rat; sie hält es
für besser, den ganzen Vorfall zu unterdrücken und es gar nicht bekannt
werden zu lassen, daß es Menschen gegeben, die sich einer solchen Tat
erkühnen dürfen. "Man muß", sagt sie, "die Welt glauben machen, daß die
Könige so wohl bewacht werden, daß es der Verräterei unmöglich ist, an
sie zu kommen. Außerordentliche Verbrechen werden besser verschwiegen,
als bestraft. Denn das Beispiel der Strafe ist von dem Beispiele der
Sünde unzertrennlich; und dieses kann oft ebensosehr anreizen, als jenes
abschrecken."[4]
Indem wird Essex gemeldet und vorgelassen. Der Bericht, den er von dem
glücklichen Erfolge seiner Expedition abstattet, ist kurz. Die Königin
sagt ihm auf eine sehr verbindliche Weise: "Da ich Euch wieder erblicke,
weiß ich von dem Ausgange des Krieges schon genug."[5] Sie will von
keinen nähern Umständen hören, bevor sie seine Dienste nicht belohnt, und
befiehlt dem Kanzler, dem Grafen sogleich das Patent als Admiral von
England auszufertigen. Der Kanzler geht; die Königin und Essex sind
allein; das Gespräch wird vertraulicher; Essex hat die Schärpe um; die
Königin bemerkt sie, und Essex würde es aus dieser bloßen Bemerkung
schließen, daß er sie von ihr habe, wenn er es aus den Reden der Blanca
nicht schon geschlossen hätte. Die Königin hat den Grafen schon längst
heimlich geliebt; und nun ist sie ihm sogar das Leben schuldig.[6] Es
kostet ihr alle Mühe, ihre Neigung zu verbergen. Sie tut verschiedne
Fragen, ihn auszulocken und zu hören, ob sein Herz schon eingenommen, und
ob er es vermute, wem er das Leben in dem Garten gerettet. Das letzte
gibt er ihr durch seine Antworten gewissermaßen zu verstehen, und zugleich,
daß er für ebendiese Person mehr empfinde, als er derselben zu entdecken
sich erkühnen dürfe. Die Königin ist auf dem Punkte, sich ihm zu erkennen
zu geben: doch siegt noch ihr Stolz über ihre Liebe. Ebensosehr hat der
Graf mit seinem Stolze zu kämpfen: er kann sich des Gedankens nicht
entwehren, daß ihn die Königin liebe, ob er schon die Vermessenheit
dieses Gedankens erkennet. (Daß diese Szene größtenteils aus Reden
bestehen müsse, die jedes seitab führet, ist leicht zu erachten.) Sie
heißt ihn gehen und heißt ihn wieder so lange warten, bis der Kanzler ihm
das Patent bringe. Er bringt es; sie überreicht es ihm; er bedankt sich,
und das Seitab fängt mit neuem Feuer an.
"Die Königin. Törichte Liebe!--