ROLL. Bruder Clopris fiel dem Erzbischof von Köln in die Hände und starb
den Tod in den Flammen. Die Brüder Stralen, Ummegrove, Prünn und Alfen,
die du nach Warendorf sandtest, wurden enthauptet und ihre Köpfe an die
Tore der Stadt genagelt. Die du nach Soest sandtest, nach dem Süden,
wurden gefangengesetzt und allesamt getötet.
ALLE. Wehe! Wehe! Tut Buße! Tut Buße!
DUSENTSCHUR. Die Racheengel des Herrn werden Fürsten und Bischöfe
schlagen, so wie man das Vieh im Schlachthaus schlägt.
ROLL. Wie du befohlen hattest, Johann, haben wir die Brüder an vier
Orten versammelt. Bei Eschenbruch im Lande Jülich, in Holland, bei
Aachen und bei Gröningen in Friesland. Sie kamen, sie sammelten sich,
aber Gott hat es anders beschlossen.
TILBECK. Reicht ihm Wasser. Er wird ohnmächtig.
ROLL. Ich brauche nichts mehr. – In Friesland habe ich selbst die Brüder
geführt. Wir setzten uns, gegen tausend Täufer, im Oldenkloster fest.
Aber der Statthalter des Kaisers, der Schenk von Tautenberg, bekämpfte
uns mit schwerem Geschütz. Wir stritten tapfer. Neunhundert Brüder
mußten dort ihr Leben lassen.
JOHANN (ausbrechend): Vater im Himmel, warum läßt du die Gerechten
leiden und führst die Lügner zum Siege?
ROLL. Die holländischen Brüder haben sich aufgemacht und sind auf
dreißig Schiffen ausgezogen. Die Schiffe wurden von den Reitern des
Herzogs von Geldern überwältigt und mit Mann und Maus verbrannt.
ALLE. Wehe! Wehe! – Reue! Reue! Tut Buße!
ROLL. So stand ein böser Stern über den Zügen der Täufer allerorts. Dies
ist der Grund, Johann, weshalb du vergeblich warten wirst, daß die
Brüder nach Münster kommen. In Holland, im Kölnischen, in Friesland,
überall wimmelt es von Reisigen und Knechten. Das ganze Münsterland ist
überzogen von ihnen wie eine Wunde mit Fliegen. So viele Hunde bei einem
Jagen über den Hirsch fallen, so viele Kriegsknechte fallen jetzt über
den Täufer. Er muß sich in den Wäldern und im Schilf verbergen wie ein
Tier.
ROTTMANN. Furchtbar sind deine Botschaften, Roll! (Alle bedecken das
Gesicht.)
ROLL. Die Zeit der Prüfung ist für die Brüderschaft gekommen. Wappnet
eure Herzen und seid stark im Glauben! (Er taumelt.) Ich bin am Ziel,
ihr Freunde. Der Gram hat mein Herz zerfressen. Es war zuviel. Die
Folterknechte des Bischofs haben mir die Brust zerrissen. Dank dem Vater
im Himmel, daß ich euch noch sehen durfte. Die Welt hat sich heute so
weit von der Wahrheit verirrt, daß sie den Rückweg nicht finden kann.
(Er taumelt, man stützt ihn.) Führt mich hinweg, Brüder. Legt mich in
einen Winkel unter eine Treppe, legt mich in einen dunkeln Stall zu den
Tieren. Ich will sterben! (Während er weggeführt wird.) Der Herr aber
spricht: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Mein Reich ist ein Reich
im Geiste und kein irdisches Reich.
JOHANN (von Entsetzen gepackt, beugt sich vor). Was sagst du, Bruder?
Sprich!
ROLL. Daß ich bei euch, ihr Brüder, sterben darf –! Süß ist der Tod ...
Sie führen ihn fort.
DUSENTSCHUR (hat sich gegen Schluß der vorigen Szene erhoben und seinen
Platz verlassen. Wie ein Träumender wandelt er, verklärt, ein verzückter
Tänzer.) Wer ruft? – Wer ruft? – Hier bin ich. Hier bin ich,
Dusentschur. Was rufst du mich, Herr? Hier bin ich, dein Knecht.
Erregung.
TILBECK. Still, still! Der Geist ist über Dusentschur gekommen.
ROTTMANN. Dein Zeichen, Johann! Gott der Herr möge ihn erleuchten.