ERSTER GESELLE. Das große Faß Würzburger Stein sollst du anschlagen.
ZWEITER GESELLE. Jeder Bürger und Knecht soll einen tüchtigen Trunk
vorfinden, wenn er von den Wällen kommt. So befiehlt Knipperdolling.
DER SCHENK. Ihr Gesellen –? Ist es schon soweit? (Mit kindischer
Freude.) Sind die Bischöflichen ins Laufen gekommen?
ERSTER GESELLE. Wie eine Herde Säue, in die der Blitz schlägt.
ZWEITER GESELLE. Bis hinaus zu den Blockhäusern ist nichts als ein
einziges Laufen. Mein Leben lang habe ich ein solch wüstes Laufen nicht
gesehen!
DER SCHENK (bricht in ein kindisches Lachen aus, während er die Arme
emporstreckt): Großer Gott über den Sternen!
ERSTER GESELLE (im Abgehen): Nun führen sie noch einen Haufen hessischer
Knechte gegen das Martinitor heran.
DER SCHENK. Es geht ein Gerücht, ihr Gesellen, König Johann sei
verwundet?
ZWEITER GESELLE (abgehend, lacht): Weißt du denn nicht, du Narr, daß
keine irdische Waffe Johann auch nur die Haut ritzen kann?
Beide Gesellen schnell ab.
DER SCHENK (lacht kindisch und verschwindet in der Türe).
Bewaffnete, darunter Halbwüchsige und Knaben, eilten während der
vorigen Szene über den Platz. Wehender, undeutlicher Gesang von
Frauenstimmen war hörbar.
DIVARA – (schön, mit pechschwarzen, glatten Haaren – betritt nun
stürmischen Schritts, zuweilen rückwärts gehend, die Halle. In Raserei
und Verzücktheit. Zuweilen tanzend. Ihr Kleid ist an den Schultern
zerrissen. Schreiend, ein Beil in der Hand): Packt zu! In die Speichen!
Frauen von Münster! Werft euch in die Räder!
Eine Rotte von Weibern, aufgelöst, halbnackt, schweißtriefend,
aber fröhlich, lachend und singend, zerrt an Seilen eine
Feldschlange auf plumpen Holzrädern über den Platz. Einzelne
werfen sich in die Speichen. Es folgen Weiber mit Spießen, Äxten,
Bündeln von Pechkränzen und Fackeln.
DIE WEIBER. Divara! Divara!
DIVARA. Wir wollen dem Bischof Franz den Abend segnen! Vorwärts,
rascher! Weiber Zions! Seht, es läuft von selbst, das Geschütz, es
springt, es tanzt. (Sie zerrt selbst an einem Seil.)
DIE WEIBER (singen. Die Worte sind kaum vernehmbar, wie ein Singsang):
Ein Liedlein will ich singen, o Herr zu deinem Preis ...
Während die Weiber das Geschütz vorüberrollen, erscheinen von
rechts zwei Träger mit einer Bahre, auf der ein Verwundeter
liegt, Jakob der Schmied. Er hält noch jetzt einen mächtigen
Schmiedehammer in der Hand. Wie ein Schmied gekleidet. Sie wollen
ihn durch die Halle tragen.
DER SCHMIED. Halt! Ich bin am Ziel! (Sie stellen ab. Der Hammer entfällt
seiner Hand. Er richtet sich auf.)
ERSTER TRÄGER (schreit dem Sterbenden ins Ohr): Tüchtig hast du mit dem
Hammer in sie geschlagen, Jakob!
ZWEITER TRÄGER (schreit ins andere Ohr): Hast du noch etwas zu
bestellen, Jakob? Bei den Kindern?
DER SCHMIED. Habe nichts mehr zu bestellen auf dieser Erden. (Der Schenk
bringt einen Trunk. Der Sterbende wehrt ab. Seine Augen sind visionär in
die Weite gerichtet.) War all mein Leben lang nichts als ein einfacher
Hufschmied, o Herr! Nimm mich an in Gnaden, du – du mein Gott! – Ah! Ich
sehe dich! Dein Glanz verbrennt mich wie Wollust! Hosiannah! (Er
stirbt.)
ERSTER TRÄGER. Heimgegangen ist der Schmiede-Jakob!
ZWEITER TRÄGER. Selig bist du, Bruder. Gebe Gott, daß ich dir bald folge
in die Herrlichkeit!
Beide rasch ab.
(Eine Gruppe von Männern tritt rasch in die Halle. Laut, lachend,
erregt, etwas prahlerisch, mit Spuren eines harten Kampfes. Sie tragen
Teile von Harnischen und Waffen der verschiedensten Art, einige sind
verwundet. Sie werfen zum Teil die Waffen ab. Händeschütteln,
Umarmungen, Küsse. Durcheinander): Brüder, Brüder! Münster! Es lebe
Münster!
* * * * *
ROTTMANN, (groß, ernst, würdevoll, früher Prediger in Münster. Redner
und Sachverwalter am Hofe Johanns.)
TILBECK, (früher Bürgermeister, klein, grau, Falkenkopf, Hofmeister
Johanns).
REDECKER, (Handwerker, Hauptmann).
GERT TOM KLOSTER, (Handwerker, Hauptmann).
BERNHARD KRECHTING, (früher Pfarrer, Prediger Johanns).
DUSENTSCHUR, (Prophet, fast nackt, Hose, zerfetztes Hemd, rote wirre
Haare, barfüßig. Er hinkt etwas.)
* * * * *
DUSENTSCHUR (mit schriller Stimme, hin und her eilend): Den schwarzen
Tod in den Rachen des Bischofs! Tod und Schweiß in den Rachen der
Ungläubigen!
KRECHTING. Bischof Franz wird heute nacht böse Träume haben, Bruder
Dusentschur. Die wilde Hölle wird ihn jagen, so wahr ich Bernhard
Krechting heiße und früher Prediger im Gildehaus war.
DUSENTSCHUR (fanatisch): So soll es in Zukunft allen ergehen, die sich
vermessen, die Hand zu legen an die Mauern der heiligen Stadt Münster,
die Gott auserwählt hat! Gottes Atem soll sie zu Asche verbrennen!
ROTTMANN (erschüttert): Lobsinget dem Herrn! Preiset den Allgütigen!
(Mit einem Blick zum Himmel, betend.) Vater im Himmel! (Er bedeckt das
Gesicht erschüttert mit den Händen.)
GERT TOM KLOSTER (lachend): Bruder Dusentschur hat sie mit der Hand
abgewürgt wie Katzen.
REDECKER. Er war wie ein Würgengel Gottes in ihren Reihen.
GERT TOM KLOSTER. Der Herr sei mir gnädig, ich möchte Dusentschur nicht
vor den Wällen von Münster in Feindschaft begegnen.
DUSENTSCHUR (feierlich, gläubig): Ich brauche keine Waffe! Der Herr ist
meine Waffe!
KRECHTING. Ich habe Dusentschur bei den Vorwerken gesehen. In einem
Haufen von bischöflichen Reitern. Dusentschur, beim Himmel, durch
welches Wunder bist du wiedergekommen?
DUSENTSCHUR (mit funkelnden Augen): So wahr ich Dusentschur bin,
Goldschmied aus Warendorf – und habe viele Ketten geschmiedet – so will
ich eine Kette schmieden und den Bischof Franz will ich binden und vor
den Stufen von Gottes Thron will ich den Satan niederlegen!
TILBECK (schreit vor Freude, streckt die Arme zum Himmel): Geschlagen,
geschlagen hat sie der Herr mit Roß und Wagen!
ROTTMANN. Du hast sie mit der Sense gemäht, Gert. Bist verwundet? Laß
dich verbinden.
GERT TOM KLOSTER. Ich habe sie gemäht wie das hohe Schilf, Bruder
Rottmann. So, wie das Schilf. (Er stellt die Sense in die Ecke.) Laß das
Blut nur fließen, es fließt zur Ehre Gottes.
DER SCHENK (bietet Wein an): Werte Herren und Freunde!
GERT TOM KLOSTER. Gib Dusentschur einen Trunk. Schenk.
DUSENTSCHUR (sofort erregt): Sauft wie die Schweine! Schwemmt euch den
Bauch voll. Ihr könnt noch immer nicht von den heidnischen Gebräuchen
lassen. Eher will ich verrecken wie ein räudiger Hund –
GERT TOM KLOSTER (lacht): Hast du je gesehen, Bruder Dusentschur, daß
Schweine Wein trinken? (Lachen.)
KRECHTING. Wer liegt da?
ROTTMANN. Ihr Freunde! Einer unserer Brüder, der heimgegangen ist in das
ewige Reich.
Sie scharen sich um den Toten.
TILBECK. Jakob – der Schmiede-Jakob.
REDECKER. Unser lieber Freund Jakob. Er wird kein Eisen mehr hämmern und
keinen Spieß mehr schmieden.
DUSENTSCHUR. Freue dich! Ein Bote Münsters mehr im Himmel! Bringe den
Gruß des neuen Zion in das himmlische Jerusalem, Bruder!
ROTTMANN (verleugnet in diesem Augenblick nicht den Prediger): Bruder
Jakob! Oh, Ihr Freunde! Er war der Getreuesten einer! Von Anfang an hat
er für die köstliche Sache gewirkt. Ihr Freunde, die ihr erst später
nach Münster gekommen seid – Bruder Gert, Dusentschur, Krechting – wie
solltet ihr ermessen können, was er uns war? (Steht in Trauer.)
TILBECK. Jahr für Jahr ging der Kampf hin und her zwischen den Parteien
in der Stadt Münster, ehe Gott sie in unsere Hand gab. Es war ein
jämmerliches und elendes Streiten und Gezeter unter den Bürgern, Gilden,
Sippen, Familien. Hier Bischöfliche, hier Reformierte, hier wir – die
Bruderschaft des Evangeliums. Der Himmel selbst konnte wahrhaftige
Tränen weinen, so ging es in der Stadt Münster zu –
REDECKER. Sie trieben uns mitten in der Nacht aus den Häusern und warfen
uns ins Gefängnis.
TILBECK. Bruder Jakob stellte sich als erster mit seiner Zunft auf
unsere Seite. Ehre ihm! Ehre!
ROTTMANN. Gegen Recht und Vereinbarung hatte mir der Rat der Stadt,
obschon freies religiöses Bekenntnis allen Bürgern verbrieft war, die
Kanzel von St. Lamberti verboten, Brüder! Da kam er! Ja – du bist
gekommen, Jakob, hast deine Gesellen um dich geschart und Wache gehalten
in der Kirche, während ich das reine Evangelium verkündete. Ihr Freunde,
kein Bischöflicher wagte sich heran! Gegen Recht und Gesetz verwies der
Rat mich, Clopris, Stralen und Roll aus der Stadt – Roll selbst, unseren
lieben Bruder – Roll, der jetzt als unser Gesandter in Holland weilt –
EINIGE. Roll! Roll!
ROTTMANN. Die Stadtknechte führten uns zum Servatiustor hinaus bis zum
Siechenhaus. So geschehen im Januar bei so scharfem Frost, daß die
Sperlinge tot aus der Luft fielen. Da ist wieder er gekommen – ja,
Bruder Jakob, wiederum bist du mit deinen Gesellen gekommen und hast uns
nach Münster zurückgebracht. Das war ein Geschrei und ein Gewoge und ein
Triumph in den Straßen!
TILBECK. Und ein mächtiger Prediger war er, unser Bruder Jakob, wenn der
Geist über ihn kam. Predigte furchtlos, ob sie ihn auch mit dem blanken
Schwerte bedrohten. Als einer der ersten hat er die Taufe genommen.
ROTTMANN. Wacker hast du geschmiedet an der Rüstung des lebendigen
Gottes! Du hast den Ambos geschlagen und die Bälge getreten, bis die
Funken emporsprangen über der Stadt Münster. Bis die Funken hinausstoben
über das ganze münsterische Land und über die Erde dahinflogen!
Der Tote wird fortgetragen.
KNIPPERDOLLING (erscheint mit mehreren Hauptleuten von rechts. Er trägt
einen Kettenpanzer, eine Stahlhaube und ein riesiges Schwert.
Schwert und Stahlhaube wirft er einem jungen Knecht zu. Er ist
schweißüberströmt, das Gesicht geschwärzt und rußig. Ein mächtiger
schwerer Mann, herkulisch gebaut, stets in prächtiger Laune. Brüllt
außer sich vor Freude): Der Bischof geschlagen, Freunde und Kameraden!
Geschlagen ist Bischof Franz! (Er lacht laut und brüllend.)
ALLE. Knipperdolling! Knipperdolling!
KNIPPERDOLLING. Seiner fürstlichen Gnaden haben wir den Hinteren
weidlich gegerbt, diesmal, und verdroschen, ihr Freunde! Und das Maul
seiner Heiligkeit haben wir mit Stückkugeln gestopft, daß er das große
Kotzen kriegte. Nun kann ich ruhig dahinfahren, wenn es sein soll.
SCHENK. Wirst noch manchmal vor die Wälle gehen, Knipperdolling und
ihnen die Geschütze vernageln!
KNIPPERDOLLING (ergreift einen Humpen und macht mächtige Züge): Tod dem
Bischof Franz von Iburg und Münster! – Tod dem Luther in Wittenberg, dem
Heuchler und Fürstenknecht! – Tod den Ungläubigen, die Gott nur mit dem
Maule und schönen Worten dienen. (Alle): Tod! Tod! Schlage sie nieder,
Herr! (Er hebt den Humpen): Münster, die heilige Stadt. (Leert ihn.)
ALLE (durcheinander): Münster! Münster! Das neue Zion! Die heilige
Stadt!
KNIPPERDOLLING (wischt sich den Schweiß ab): Ich habe heute mehr Schweiß
vergossen als Wasser in der Werse ist. Fast wundere ich mich, Freunde,
daß das Wasser, das mir aus der Haut lief, die Bischöflichen nicht von
den Wällen schwemmte. (Zu Dusentschur, der auffällig unruhig um ihn
herumging und nun mit gespreizten Beinen steht und ihn anstarrt):
Weshalb glotzt du mich so an, Bruder Dusentschur! Gefalle ich dir nicht?
DUSENTSCHUR. Nicht dich glotze ich an, Bruder Knipperdolling, oberster
Hauptmann des Königs. Sondern dein Panzerhemd glotze ich an. Bist ja
gerüstet wie ein bischöflicher Feldoberst!
KNIPPERDOLLING (gutmütig): Nichts kann man dir zu Gefallen tun,
Dusentschur.
DUSENTSCHUR. Trage ich eine Rüstung? Trägt König Johann eine Rüstung?
Nur die Heiden tragen Rüstungen und stählerne Schienen. Ich brauche auch
kein Schwert, Knipperdolling.
KNIPPERDOLLING. Die Männer sind nicht alle gleich, Dusentschur. Der eine
liebt es, in Hose und Hemd in die Schlacht zu gehen – der andere liebt
es, mit eisernen Schienen und einem Schwert zu prahlen. Zu diesen gehöre
ich, Dusentschur. Du weißt ja, Knipperdolling hat ein eitles Herz. –
Freunde und Brüder, da mich Johann zum obersten Stadthauptmann
eingesetzt hat – Dank euch für euren Eifer am heutigen Tage. Ich wüßte
nicht zu sagen, wer von euch am tapfersten gestritten hat für die Sache
Gottes. Fünf Angriffe haben die Bischöflichen unternommen, fünfmal haben
sie sich an den Wällen die Schädel zertrümmert. Ein Gelächter für die
Himmlischen, eine Freude dem Auge Gottes! Freunde! Es wird gemeldet, daß
vierzig bischöfliche Offiziere und Hauptleute und sechshundert Knechte
am Platz blieben. (Bewegung. Rufe: Münster, Münster!) Die Zimmergesellen
haben am Jüdefelder Tor den bischöflichen Feldobersten Meinhard von Hamm
und seinen Fähnrich gefangengenommen!
EINIGE. Meinhard von Hamm?
ANDERE. Her! Der Werwolf von Hamm!
DUSENTSCHUR. Her mit ihm, daß ich ihn mit meinen Händen in Stücke
zerreiße!
KNIPPERDOLLING. Ich habe befohlen, daß man ihn ohne Verzug vorführe. –
Zweihundert bischöfliche Knechte sind in unsere Gefangenschaft gefallen.
Ich ließ sie in den Lambertifriedhof sperren und habe angeordnet, daß
die Frauen sie bewachen.
TILBECK (schrill lachend): So ist es gewiß, daß keiner entkommen wird!
(Lachen.)
GERT TOM KLOSTER. So wahr ich lebe, ich möchte nicht gegen die Weiber
von Münster kämpfen!
KNIPPERDOLLING. Auch ich nicht, Gert. Und niemand wird sagen, daß
Knipperdolling die Hose voll hat, wenn geschossen wird.
TILBECK. Ich sah sie am oberen Wall kämpfen, Brüder, ihr Brüder! Sie
gossen den bischöflichen Knechten kochenden Kalk über die Hauben.
Pechkränze warfen sie ihnen um die Hälse, daß die Bärte in Flammen
aufgingen. Und mit brennenden Holzscheiten schlugen sie auf sie ein, daß
die Funken spritzten.
ROTTMANN. Und Divara, Johanns Gattin? Habt ihr Divara gesehen?
DIE MEISTEN. Divara!
ROTTMANN. Sie stürzte mit ihren Weibern bis zu den Laufgräben vor und
schlug mit dem Beil um sich. So wahr ich lebe, ich hätte es nicht für
möglich gehalten. Divara, die kaum ein Huhn schlachten kann!
DUSENTSCHUR (mit Schärfe): Johann! Weshalb spricht niemand von Johann?
KNIPPERDOLLING (besänftigend): Wir alle wissen, Dusentschur, daß Johann
der tapferste und kühnste Streiter der Brüderschaft ist.
TILBECK. In Wahrheit, er war überall!
ROTTMANN. Fast sieht es so aus, als habe er dreifache Gestalt angenommen
im Kampfe. Wie ein Racheengel Gottes fuhr er dahin!
DUSENTSCHUR (erregt): Ich aber sah es mit diesen meinen Augen: Die
Knechte von Cleve schossen ein Geschütz auf Johann ab. Die Kugel fuhr
auf Johann zu – dicht vor ihm aber sprang sie im Bogen in die Höhe.
KNIPPERDOLLING (gutmütig spottend): Die Cleveschen haben wohl schlecht
gezielt oder das Rohr war verbogen?
DUSENTSCHUR (beachtet Knipperdolling nicht): Ich aber sah es mit diesen
meinen Augen! Brüder! Glanz war in der Luft, wo Johann kämpfte. Und ein
Gefunkel und Blitzen, wo er ging. Die himmlischen Heerscharen stritten
an Johanns Seite.
EINIGE (begeistert): Wahr! Wahr! Johann!
KNIPPERDOLLING. Freund Redecker, und auch du, Bruder Krechting, geht zu
den Wallmeistern. Es gibt heute keinen Schlaf in den Quartieren. Die
Wälle sollen ohne Verzug wieder instand gesetzt werden. Die hessische
Kartaune hat mächtige Löcher geschlagen. Steine und Pech auf die Wälle
und alle Wachen dreifach besetzt! Sagt: ich werde diese Nacht überall
sein und Knipperdolling wird über sie kommen wie das sausende Wetter!
Die jungen Burschen sollen unsere toten Brüder in die Stadt bringen, die
Heiden aber sollen sie den Ratten zum Fraß lassen.
Krechting und Redecker ab.
Während der vorherigen Szene sind dann und wann Bewaffnete über
den Marktplatz geeilt. Nun wird ein Mann, über dessen Kopf ein
Sack gestülpt ist, über den Platz geführt. Der Verhüllte ist der
Prophet Roll.
ROTTMANN. Halt, Freunde, wen bringt ihr hier?
ERSTER KNECHT. Ein Bote von auswärts!
ZWEITER KNECHT. Ist König Johann hier? Er will König Johann sprechen.
Die Torwache ließ ihm den Kopf verhüllen.
KNIPPERDOLLING. Führt ihn hierher! – Wer bist du? Was willst du?
ROLL. Täusche ich mich nicht, so höre ich des lieben Knipperdollings
Stimme.
TILBECK. Er scheint deinen Baß ja gut zu kennen, Hauptmann!
ROLL. Bist du es, Bruder Tilbeck?
KNIPPERDOLLING. Nehmt ihm den Sack ab!