Der Entladungsfunke einer Leydener Flasche besteht nicht aus einem
einzigen Funken eines einmaligen Ausgleiches, sondern aus mehreren
oszillatorischen Entladungen. Dies sieht man am rotierenden Spiegel,
welcher den Funken in die einzelnen Entladungsfunken auflöst, und da der
elektrische Rückstand bald positiv, bald negativ ist, so schließt man,
daß die Elektrizität in der Funkenstrecke hin und her wogt, ähnlich wie
eine Flüssigkeit, die sich in einem ~U~-Rohre ins Gleichgewicht setzt.
Die Anzahl dieser Oszillationen beträgt bei einer Leydener Flasche etwa
20 mit rasch abnehmender Stärke, und die Zeitdauer einer Oszillation ist
etwa ein Milliontel einer Sekunde.
Wie bei einer Flamme die Ätherteilchen in schwingende Bewegung versetzt
werden, so werden durch diese oszillatorischen Entladungen ebenfalls
Ätherwellen erzeugt, welche sich mit Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen.
Treffen die elektrischen Wellen auf einen Leiter, so sind sie im stande,
ihn elektrisch zu erregen. Dies beweist man auf folgende Art.
[Abbildung: Fig. 368.]
Man nimmt zwei Leydener Flaschen, welche gleichsam aufeinander
abgestimmt sind, so daß sich in ihnen die oszillatorischen Entladungen
gleich rasch vollziehen, und stellt sie in mäßiger Entfernung, etwa ½
_m_, auf. Wird nun die eine entladen, so entstehen auch bei der anderen
kleine Funken. Der Vorgang ist vergleichbar dem Mitschwingen, der
Resonanz, einer gleichgestimmten Saite oder Stimmgabel.
Auch der Entladungsfunke eines Rhumkorff’schen Induktoriums besteht aus
oszillatorischen Entladungen und erzeugt elektrische Wellen.
Die elektrischen Wellen breiten sich wie die Lichtwellen nach allen
Richtungen des Raumes aus und folgen denselben Gesetzen wie die
Lichtwellen.
Sie durchdringen die Luft und alle Nichtleiter, wie die elektrischen
Stoffe. Von den Leitern werden sie teilweise reflektiert, teilweise
dringen sie in dieselben ein, indem sie sie elektrisch erregen.
Man hat bei den elektrischen Wellen nachgewiesen: Reflexion an Leitern,
Brechung an Isolatoren, in welche sie unter Ablenkung eindringen (Prisma
aus Pech), Interferenz und Polarisation. Mit letzterem ist auch
nachgewiesen, daß sie Transversalwellen sind wie die des Lichtes:
gegenüber den Lichtwellen haben sie eine viel geringere Schwingungszahl
und deshalb eine viel größere Wellenlänge, nämlich einige Centimeter bis
mehrere Meter.