Läßt man Licht eines #weißglühenden festen# (oder flüssigen) Körpers
durch ein Prisma zerstreuen, so erhält man ein #kontinuierliches
Spektrum ohne dunkle Linien#; man schließt: jeder weißglühende, feste
oder flüssige Körper sendet Lichtstrahlen von allen möglichen Sorten
aus. Fängt der Körper erst an zu glühen (rotglühend), so sendet er bloß
rote Lichtstrahlen aus; wächst seine Hitze, so treten die
nächstfolgenden Strahlen orange, dann gelb und so fort dazu; erst bei
Weißglut sendet er alle Lichtstrahlen aus.
Anders verhalten sich glühende Dämpfe. Solche verschafft man sich
folgendermaßen: Hält man in eine Spiritusflamme oder einen Bunsenschen
Brenner, die beide wenig leuchten, mittels eines Platindrahtes etwas
Kochsalz oder Potasche oder ein Kupfersalz oder irgend welche Salze von
Metallen, so zeigt die Flamme eine gewisse Farbe, bei Kochsalz gelb, bei
Potasche rot, bei Kupfer grün etc., da ein Teil des Salzes in der Hitze
der Flamme verdampft, sich zersetzt, und das Metall, als Dampf glühend,
eine gewisse Lichtart ausstrahlt.
Wenn man solches Licht durch ein Prisma zerlegt, so erhält man kein
kontinuierliches Spektrum, sondern nur eine oder einige helle Linien von
ganz bestimmter Farbe, bei Kochsalz eine Linie (zwei sehr benachbarte)
in Gelb; man nennt sie die Natriumlinie, weil sie herrührt von den in
der Flamme glühenden Natriumdämpfen. Ein Kaliumsalz liefert eine helle
Linie in Rot, Lithion eine in orange u. s. f. Allgemein #jedes in
Dampfform glühende Metall liefert ein bloß aus einzelnen Linien
bestehendes Spektrum#.
Gase oder Dämpfe macht man glühend in den von Geißler erfundenen
^Geißlerschen Röhren^. Diese Glasröhren sind in der Mitte zu einer
dünnen Röhre ausgezogen und an ihren Enden sind Platindrähte
eingeschmolzen; die Röhren werden mit einer gewissen Gasart gefüllt,
dann bis auf einen kleinen Rest (¹/₁₀₀) wieder ausgepumpt und
zugeschmolzen. Läßt man nun mittels der Platindrähte ^die
Induktionsfunken eines kräftigen Rumkorffschen Induktionsapparates durch
das Gas schlagen, so wird das Gas glühend^. Durch das Prisma untersucht,
liefert jedes Gasspektrum eine oder einige helle Linien; man schließt:
#glühendes Gas sendet nur Lichtstrahlen von bestimmter Art und
bestimmter Brechbarkeit aus#.
Die Kenntnis dieser, für die glühenden Dämpfe insbesondere der Metalle
charakteristischen hellen Linien kann dazu dienen, um das Vorhandensein
eines solchen Metalles in irgend einem Stoffe nachzuweisen; denn bringt
man etwas von dem Stoffe mittels des Platindrahtes in die
Weingeistflamme, untersucht deren Licht durch Zerlegung mittels des
Prismas und findet in dem Spektrum die ^charakteristischen hellen
Linien^ etwa des Natriums, so ist zu schließen, daß Natrium in dem
Stoffe enthalten ist. Auf diesem Wege sind vier bis dahin unbekannte
Metalle entdeckt worden. Als sich nämlich in einem Spektrum helle Linien
zeigten, die keinem der bisher bekannten Metalle angehörten, war zu
schließen, daß sie einem neuen Metalle angehören; so fand man das
Rubidium, Cäsium (Kirchhoff und Bunsen), Thallium und Indium, sowie
manche Gase.