232. Spektra glühender Stoffe.

Läßt man Licht eines #weißglühenden festen# (oder flüssigen) Körpers

durch ein Prisma zerstreuen, so erhält man ein #kontinuierliches

Spektrum ohne dunkle Linien#; man schließt: jeder weißglühende, feste

oder flüssige Körper sendet Lichtstrahlen von allen möglichen Sorten

aus. Fängt der Körper erst an zu glühen (rotglühend), so sendet er bloß

rote Lichtstrahlen aus; wächst seine Hitze, so treten die

nächstfolgenden Strahlen orange, dann gelb und so fort dazu; erst bei

Weißglut sendet er alle Lichtstrahlen aus.

Anders verhalten sich glühende Dämpfe. Solche verschafft man sich

folgendermaßen: Hält man in eine Spiritusflamme oder einen Bunsenschen

Brenner, die beide wenig leuchten, mittels eines Platindrahtes etwas

Kochsalz oder Potasche oder ein Kupfersalz oder irgend welche Salze von

Metallen, so zeigt die Flamme eine gewisse Farbe, bei Kochsalz gelb, bei

Potasche rot, bei Kupfer grün etc., da ein Teil des Salzes in der Hitze

der Flamme verdampft, sich zersetzt, und das Metall, als Dampf glühend,

eine gewisse Lichtart ausstrahlt.

Wenn man solches Licht durch ein Prisma zerlegt, so erhält man kein

kontinuierliches Spektrum, sondern nur eine oder einige helle Linien von

ganz bestimmter Farbe, bei Kochsalz eine Linie (zwei sehr benachbarte)

in Gelb; man nennt sie die Natriumlinie, weil sie herrührt von den in

der Flamme glühenden Natriumdämpfen. Ein Kaliumsalz liefert eine helle

Linie in Rot, Lithion eine in orange u. s. f. Allgemein #jedes in

Dampfform glühende Metall liefert ein bloß aus einzelnen Linien

bestehendes Spektrum#.

Gase oder Dämpfe macht man glühend in den von Geißler erfundenen

^Geißlerschen Röhren^. Diese Glasröhren sind in der Mitte zu einer

dünnen Röhre ausgezogen und an ihren Enden sind Platindrähte

eingeschmolzen; die Röhren werden mit einer gewissen Gasart gefüllt,

dann bis auf einen kleinen Rest (¹/₁₀₀) wieder ausgepumpt und

zugeschmolzen. Läßt man nun mittels der Platindrähte ^die

Induktionsfunken eines kräftigen Rumkorffschen Induktionsapparates durch

das Gas schlagen, so wird das Gas glühend^. Durch das Prisma untersucht,

liefert jedes Gasspektrum eine oder einige helle Linien; man schließt:

#glühendes Gas sendet nur Lichtstrahlen von bestimmter Art und

bestimmter Brechbarkeit aus#.

Die Kenntnis dieser, für die glühenden Dämpfe insbesondere der Metalle

charakteristischen hellen Linien kann dazu dienen, um das Vorhandensein

eines solchen Metalles in irgend einem Stoffe nachzuweisen; denn bringt

man etwas von dem Stoffe mittels des Platindrahtes in die

Weingeistflamme, untersucht deren Licht durch Zerlegung mittels des

Prismas und findet in dem Spektrum die ^charakteristischen hellen

Linien^ etwa des Natriums, so ist zu schließen, daß Natrium in dem

Stoffe enthalten ist. Auf diesem Wege sind vier bis dahin unbekannte

Metalle entdeckt worden. Als sich nämlich in einem Spektrum helle Linien

zeigten, die keinem der bisher bekannten Metalle angehörten, war zu

schließen, daß sie einem neuen Metalle angehören; so fand man das

Rubidium, Cäsium (Kirchhoff und Bunsen), Thallium und Indium, sowie

manche Gase.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 245 / 340 题