Das Schwingungsverhältnis der halben Töne ist

e 30 15 h 45 15

~- = -- = --~ und ~- = -- = --~.

f 32 16 c 48 16

Schaltet man zwischen ~c~ und ~d~ einen halben Ton ein, ~cis~, so ist

seine Schwingungszahl

16

24 · -- = 25,6

15

und setzt man nach ~cis~ wieder einen halben Ton vom Verhältnis

16

--,

15

so würde seine Schwingungszahl

16

25,6 · -- = 27,3

15

also höher als ~d~; es sind also die Intervalle der zwei halben Töne

zwischen ~c~ und ~d~, ~f~ und ~g~, ^a^ und ~h~ kleiner als der halbe Ton

zwischen ~e~ und ~f~.

Noch größer wird der Unterschied, wenn man zwischen die kleinen ganzen

Töne halbe Töne einschaltet.

Die Schwingungsverhältnisse der Töne der ~Dur~-Tonleiter sind:

~c d e f g a h c̅~

9 10 16 9 10 9 16

Grundton, -, --, --, -, --, -, --,

8 9 15 8 9 8 15

und diese Verhältnisse gelten nicht bloß für die ~c-dur~-Tonleiter,

sondern für jede über einem beliebigen Grundton aufgebaute Tonleiter.

Wenn also der Musiker rein spielen will, so muß die diesen Verhältnissen

entsprechende Aufeinanderfolge von großen und kleinen ganzen Tönen und

von halben Tönen der angegebenen Größe stattfinden. Der Musiker achtet

auch hierauf beim Singen und Geigen; aber bei Klavier und Orgel,

wo die Bildung der Tonhöhe nicht in seiner Hand liegt, würden

Unzuträglichkeiten entstehen, sobald man aus einer anderen Tonart

spielt. Ist z. B. auf der Orgel die ~c-dur~-Tonleiter den angegebenen

Verhältnissen gemäß gestimmt, so kann man auf ihr in ~c-dur~ rein

spielen; geht man aber nach ~g-dur~ über, so muß zunächst ~f~ um einen

halben Ton erhöht und durch ~fis~ ersetzt werden.

Aber die Tonleiter wäre noch nicht rein; denn schon das erste Intervall

~g : a~ ist ein kleiner ganzer Ton, während es ein großer sein sollte,

und das umgekehrte findet beim nächsten Intervall ~a : h~ statt.

Ähnliches findet statt, wenn man auf noch andere Tonarten übergeht. Wenn

man also auf der Orgel die Töne für eine Tonleiter genau richtig macht,

so passen sie nicht ganz für die anderen Tonarten.

Diesen Übelstand kann man vermindern dadurch, daß man auf ganz reine

Stimmung überhaupt verzichtet und eine Universalskala einführt, welche

für jede Tonart gleich gut, wenn auch für keine vollkommen paßt. Man

teilt nämlich das Schwingungsverhältnis der Oktave (2 : 1) in 12 gleiche

Intervalle, so daß jeder folgende halbe Ton gleich vielmal öfter

schwingt als der vorhergehende, also ^gleichschwebende Temperatur^ hat.

Ein halber Ton hat also das konstante Schwingungsverhältnis ¹²√2,

welches nahezu =

16 147

-- · ---

15 148

ist, sich also auch vom halben Tone sehr wenig unterscheidet. Die so

erhaltenen halben Töne benützt man zur Bildung jeder Tonart. Hiebei

werden die Oktaven natürlich alle ganz rein, und die Quinten und Quarten

fast vollkommen rein; dagegen weichen die Terzen und Sexten von den

reinen Intervallen beträchtlicher ab, jedoch um weniger als ein Komma.

Aus den angegebenen Schwingungsverhältnissen musikalischer Töne erkennt

man das Gesetz, daß uns das Zusammenklingen zweier oder mehrerer

Töne nur dann eine angenehme Empfindung verursacht, wenn die

Schwingungszahlen in einem durch kleine ganze Zahlen ausdrückbaren

Verhältnisse stehen (oder nur sehr wenig davon abweichen wie

bei der gleichschwebenden Temperatur). Zwei Töne, welche im

Schwingungsverhältnis 1 : 2 stehen, wie Grundton und Oktave geben also

den einfachsten Zusammenklang, die vollkommenste Harmonie.

Quinte, Quarte und Terz, als Zweiklänge, und den bekannten

~Dur~-Dreiklang fühlen wir als harmonische Zusammenklänge und ihre

Schwingungsverhältnisse sind auch durch einfache Zahlen ausgedrückt. Je

größer diese Verhältniszahlen werden, um so unangenehmer wirkt der

Zusammenklang auf unser Ohr, derart, daß wir den Zusammenklang als

unbefriedigend empfinden, als etwas, das der Auflösung bedarf, oder daß

wir ihn sogar als Disharmonie empfinden, die das Ohr beleidigt.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 182 / 340 题