172. Reflexion des Schalles.

#Trifft der Schall auf einen festen Körper, so wird er zurückgeworfen,

reflektiert#, wie jede Wellenbewegung. Der Schall wird unter demselben

Winkel reflektiert, unter welchem er auffällt; also nur wenn er

senkrecht auffällt, geht er auf demselben Wege zurück.

Darauf beruht ^das^ #Echo# ^oder der^ #Widerhall#, das Zurückkommen des

Schalles, wenn er auf eine Wand trifft. Auch ein Wald gibt ein Echo,

wirkt also wie eine feste Wand, obwohl er aus einzelnen Blättern,

Zweigen etc. besteht, die nicht in derselben Ebene liegen; ein Teil des

Schalles dringt dabei in das Innere des Waldes ein.

Ein #mehrfaches Echo# entsteht, wenn mehrere reflektierende Flächen in

verschiedenen Entfernungen sich befinden; die nächstliegende Fläche

liefert das erste, stärkste Echo, die ferner liegende gibt den Ton etwas

später und schwächer zurück u. s. f. Um das Echo zu hören, muß man so

weit von der Wand entfernt sein, daß man den Schall und sein Echo

getrennt unterscheiden kann. Für ein einsilbiges Echo oder

Händeklatschen beträgt die Entfernung etwa 15 _m_, für ein zweisilbiges

mindestens doppelt so viel etc.

Auf der Reflexion des Schalles beruht auch der #Nachhall in

geschlossenen Räumen#, Zimmern, Sälen, Kirchen etc. Da der Ton von den

Wänden, von der Decke und dem Boden vielfach reflektiert wird, so hört

man außer dem direkt zum Ohr gelangenden Tone auch noch Nachklänge, die

wegen des größeren Weges etwas später ankommen. Beträgt diese Verspätung

nur sehr wenig, so hört man Ton und Nachklang fast zu derselben Zeit;

der Nachklang verstärkt dann den direkten Ton. Deshalb kann man sich in

Zimmern und geschlossenen Räumen leichter verständlich machen als im

Freien, und die Schallstärke nimmt nicht ab, wie das Quadrat der

Entfernung zunimmt, sondern in viel kleinerem Verhältnisse.

Wenn aber der Nachklang infolge mehrmaliger Reflexion auch noch zu

^merklich späterer Zeit^ kommt, so vermischt er sich mit dem folgenden

Worte, mit den folgenden Tönen der Musik, so daß beides nur undeutlich,

unklar und verschwommen gehört wird. Bringt ein Raum nur einen kurzen

Nachhall hervor, der die direkten Wellen verstärkt, so nennt man den

Raum #gut akustisch#, sagt, er hat eine #gute Akustik#; ist der Nachhall

aber lange dauernd, so daß man eine Rede nicht gut verstehen und die

Musik nicht rein und klar vernehmen kann, so daß aufeinanderfolgende

Töne sich zu einem Tongewirr vermischen, so nennt man den Raum ^schlecht

akustisch^.

[Abbildung: Fig. 222.]

[Abbildung: Fig. 223.]

Wie man den Raum zu bauen hat, damit er eine gute Akustik bekommt, ist

bis jetzt noch nicht genau bekannt; man empfiehlt eine möglichst reiche

Gliederung der Wände, Vermeidung glatter Flächen, Bekleidung der Wände

mit weichem Material, also Holz und Tuch, anstatt mit harten Stoffen,

wie Stein, wie ja auch ein leerer Saal stets schlechter akustisch wirkt,

als ein mit Menschen gefüllter. Jedoch verhindert das nur, daß der

Nachhall lang dauernd wird, bewirkt aber nicht, daß er stark ist und

zugleich rasch aufhört, wie es am besten wäre.

Auf der Reflexion beruht auch das #Sprachrohr# (Moreland 1670). Es

besteht aus einem Rohr aus Blech oder Pappe, welches am einen Ende eine

der Mundweite entsprechende Öffnung hat, zu welcher man hineinspricht,

und sich gegen das andere Ende derart erweitert, daß der

Längsdurchschnitt die in Fig. 222 gezeichnete Form einer #Parabel# hat.

Die Schallwellen, welche in das Rohr eindringen, werden dann von den

Wänden des Rohres so reflektiert, daß sie alle nahezu der Längsachse des

Rohres parallel werden. Sie pflanzen sich dann auch, wenn sie das Rohr

verlassen, vorzugsweise in dieser Richtung fort, treffen demnach eine

entfernte Stelle in viel größerer Stärke, als bei ungehinderter

Ausbreitung. Deshalb lassen gute Sprachrohre das Gesprochene bei sonst

stiller Luft bis auf ½ Stunde Entfernung noch deutlich vernehmen.

Das #Hörrohr# dient dazu, um einen ankommenden schwachen Ton deutlich

hörbar zu machen. Es ist trichterförmig gebogen, so daß die bei der

weiten Öffnung eindringenden Wellen durch Reflexion an den Wänden des

Hörrohres so abgelenkt werden, daß sie (nahezu) alle durch die

gegenüberliegende kleine Öffnung desselben gehen und sich so

verstärken. Hält man diese kleine Öffnung ans Ohr, so ist die Stärke des

Tones (nahezu) so vielmal größer, als der Querschnitt der weiten Öffnung

des Hörrohres größer ist als der natürliche Eingang des Ohres.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 177 / 340 题