75. Die Gaskraftmaschine.

Die ^Gaskraftmaschine^ oder der ^Gasmotor^ besteht aus Cylinder, Kolben,

Kolbenstange, Pleuelstange, Krummzapfen und Schwungrad, wird durch Gas

gespeist, und hat eine etwas komplizierte Steuerung, durch welche

folgende Vorgänge ermöglicht werden. Der Kolben geht vorwärts, dabei

strömt Leuchtgas und Luft in den Cylinder; der Kolben geht zurück und

preßt dies Gasgemisch in eine am Cylinderende angebrachte Ausbuchtung,

Vorkammer. In dem Moment, in welchem der Kolben wieder umkehrt, öffnet

sich auf kurze Zeit eine kleine Röhre an der Vorkammer, so daß sich das

Gasgemisch an einer vor dieser Röhre brennenden Gasflamme entzündet.

#Das Gasgemisch explodiert#, indem das Leuchtgas in der beigemischten

Luft rasch verbrennt; #dadurch bekommen die Gase eine große

Expansivkraft und treiben den Kolben vorwärts#. Der Kolben geht zurück

und treibt die Verbrennungsgase aus dem Cylinder. Nun beginnt derselbe

Vorgang wieder. Unter 4 Kolbengängen ist demnach nur ein wirksamer,

nämlich wenn die Kraft des explodierten Gasgemisches den Kolben vorwärts

treibt. Die Maschine hat also nicht bloß tote Punkte, sondern immer je 3

tote Gänge zu überwinden; ein verhältnismäßig mächtiges Schwungrad hilft

darüber hinweg. Die Gasmotoren haben manche Vorteile; sie brauchen

keinen Dampfkessel, sind klein und können überall leicht aufgestellt

werden, können jederzeit in Betrieb gesetzt werden und sind auch im

andauernden Betriebe nicht teurer als die Dampfmaschinen, bei

unterbrochenem Betriebe sogar billiger. Sie erfordern fast keine

Beaufsichtigung und nur wenig Arbeit zur Reinigung und Instandhaltung;

die Bedienung derselben ist leicht erlernt.

Bei der ^Petroleummaschine^ wird das Leuchtgas ersetzt durch Petroleum

(auch Benzin), welches beim Einspritzen in den heißen Cylinder sofort

verdampft.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 78 / 340 题