Zur Messung des Luftdruckes dienen die ^Barometer, die im wesentlichen
Torricelli^’sche ^Röhren^ sind.
1. Das #Normalbarometer# oder Gefäßbarometer. Es ist eine
Torricelli’sche Röhre, die in einem Gefäß mit Quecksilber steht. Die
Röhre muß #vollständig luftleer# sein; man erreicht dies, wenn man die
mit Quecksilber gefüllte Röhre zuerst ^auskocht^, wobei die
Quecksilberdämpfe die noch in der Röhre enthaltenen, insbesondere an den
Wänden anhängenden Luftteilchen mit hinausreißen. Das Quecksilber muß
#ganz rein# (chemisch rein) sein: gewöhnliches Quecksilber enthält meist
Blei, Silber und andere Metalle aufgelöst, hat deshalb ein geringeres
sp. G. und würde somit höher stehen, als es sollte. Die Röhre muß
wenigstens oben, wo das Quecksilber aufhört, #ziemlich weit# sein (etwa
1 _cm_), weil sie sonst wie eine Kapillarröhre wirkt, also eine
Kapillardepression hervorbringt, weshalb das Quecksilber tiefer steht,
als es sollte. Weiter unten darf die Röhre eng sein.
Die Röhre muß #genau vertikal# stehen; das wird erreicht, indem man sie
aufhängt, zur Ruhe kommen läßt und dann festklemmt. Die Skala muß stets
an der Oberfläche des Quecksilbers im Gefäß anfangen. Wenn der Luftdruck
größer wird, so steigt das Quecksilber in der Röhre, es tritt
Quecksilber aus dem Gefäß in die Röhre, folglich sinkt es im Gefäß und
umgekehrt, wenn der Barometer fällt. Man muß also entweder die #Skala
verschiebbar# machen, so daß ihr Anfang auf das Niveau des Quecksilbers
im Gefäß eingestellt werden kann, oder man nimmt als Boden des Gefäßes
einen Lederbeutel, bringt unter ihm eine Schraube an, durch welche man
das Quecksilber im Gefäß ^stets so hoch stellen^ kann, daß es den Anfang
der Skala berührt.
2. Das #Birn-# oder #Phiolenbarometer#. Die Torricelli’sche Röhre biegt
sich unten um, führt etwas nach aufwärts und endigt in einem
birnförmigen, oben offenen Gefäße. Da die Röhren meist zu eng sind, das
Niveau des Quecksilbers in der Birne sich verändert, und sie häufig auch
schlecht ausgekocht sind, so sind die Angaben dieser Barometer ^sehr
ungenau^; doch kann man an ihnen mit ^genügender^ Genauigkeit die
täglichen Schwankungen des Barometerstandes erkennen. Solche
Birnbarometer sind die gewöhnlichen käuflichen Barometer (Akademie in
Florenz 1657).
3. Das #Heber-Barometer# (v. Boyle 1694, von Fortin als Reisebar.
eingerichtet). Die Torricelli’sche Röhre biegt sich unten um und geht
noch etwa 30 _cm_ weit nach aufwärts und ist dort verschlossen durch
einen eingeriebenen Glasstöpsel; zwischen ihm und der Röhre ist wegen
der Rauhigkeit desselben hinreichend Platz, um die Luft durchgehen zu
lassen, jedoch sind diese Kanälchen viel zu klein, als daß Quecksilber
herauslaufen könnte. Der obere Teil der Torricelli’schen Röhre und der
untere nach aufwärts gehende Schenkel müssen ^genau gleich weit^ sein.
Wird der Luftdruck stärker, etwa um 1 _cm_, so sinkt es im unteren
Schenkel um ½ _cm_ und steigt in der Röhre um ½ _cm_. Die Skala ist
infolge dessen in halbe _cm_ geteilt und fest; macht man sie
verschiebbar, so wird sie immer auf das untere Niveau eingestellt, und
ist dann in ganze _cm_ eingeteilt.
[Abbildung: Fig. 55.]
[Abbildung: Fig. 56.]
4. Das #Metallbarometer# (Vidi 1847), auch ^Aneroid^- oder
^Holosterik^-Barometer genannt, hat eine wesentlich andere Einrichtung.
Es besteht aus einer runden ^Blechdose^ ~D~ (deshalb Dosenbarometer
gen.), deren Deckel aus sehr gut elastischem, ^ringförmig gewelltem^
Blech besteht. Die Dose ist vollständig ^verschlossen[1] und luftleer^.
Die Luft drückt den elastischen Deckel nach einwärts, und zwar um so
weiter, je größer der Luftdruck ist; wird der Luftdruck geringer, so
geht das Blech durch seine Elastizität wieder entsprechend nach
auswärts. Diese ungemein kleine Bewegung wird auf folgende Art größer
gemacht. Auf der Mitte des gewellten Bleches ist ein Stift, welcher in
~J~ gegen einen ^einarmigen^ Hebel ~KL~ drückt, und zwar sehr nahe an
seinem Stützpunkte ~K~, also an einem sehr kurzen Hebelarme ~KJ~;
deshalb macht das Ende ~L~ des Hebels eine viel größere Bewegung. Dieses
Ende drückt mittels einer Stange ~LC~ auf einen zweiten ^Hebel^, einen
^Winkelhebel^ ~CEF~, und zwar auf das Ende des kurzen Hebelarmes, so daß
das Ende ~F~ des langen Hebelarmes wieder eine größere Bewegung macht.
An diesem Ende ist ein ^Kettchen^ ~S~ befestigt, das mit seinem anderen
Ende um einen ^drehbaren Stift^ ~R~ gewickelt ist, und auf diesen Stift
ist ein ^Zeiger^ ~OZ~ aufgesteckt, der über einem ^Kreise^ spielt, der
durch Vergleich mit dem Normalbarometer geteilt wird. Die
Aneroidbarometer eignen sich für ^Reisebarometer^ und für den häuslichen
Gebrauch. Man kann jedoch mit ihnen den wirklichen Barometerstand nicht
genau angeben; denn sie haben meist ziemliche Ungenauigkeit in der
Konstruktion, sind etwas von der Temperatur abhängig und folgen auch
nicht ganz genau den Schwankungen des Barometers; jedoch geben sie die
täglichen Schwankungen des Luftdruckes mit meist hinreichender
Genauigkeit an.
[1] Ein Gefäß, das so vollständig verschlossen ist, daß die Luft nicht
eindringen kann, nennt man auch ^hermetisch^ verschlossen.