#Trägheit oder Beharrungsvermögen ist das Bestreben jedes Körpers, den
Zustand der Bewegung oder Ruhe, in dem er sich eben befindet,
unverändert beizubehalten.#
Man beobachtet stets, daß ein Körper, wenn er in Ruhe ist, auch in Ruhe
bleibt, und nicht von selbst oder aus eigenem inneren Antrieb eine
Bewegung anfängt; es muß vielmehr von außen eine Ursache auf ihn wirken,
damit er anfängt sich zu bewegen.
Ist ein Körper in Bewegung, so bemerkt man, daß er nach und nach an
Bewegung verliert; z. B. eine auf einer Eisfläche rollende Kugel läuft
immer langsamer und bleibt schließlich liegen, ein in Umdrehung
versetztes Rad geht langsamer, wenn keine Kraft mehr darauf wirkt, eine
an einem Faden aufgehängte und in Schwingung versetzte Kugel schwingt
immer langsamer und kommt zur Ruhe. Man ^möchte^ demnach schließen, daß
der Körper seine Bewegung nach und nach aufgibt und in die Ruhe
zurückkehrt.
Dies ist jedoch nicht richtig, wie man aus folgendem ersehen kann. Eine
Kugel rollt auf der Straße nicht weit, auf einer glatten Holzbahn rollt
sie weiter, auf der spiegelglatten Eisfläche eines Sees läuft sie noch
viel weiter. Die Kugel hat also nicht etwa das Bestreben immer langsamer
zu gehen; denn sonst müßte sie dieses Bestreben auf allen Bahnen in
gleichem Maße äußern. Nur die ^Hindernisse^, welche die Rauheiten und
Unebenheiten der Bahn ihr bereiten, ^nehmen ihr die Bewegung^; denn je
glatter die Bahn ist, um so weniger gibt die Kugel von ihrer
Geschwindigkeit her und um so weiter läuft sie. Deshalb schließt man,
^wenn gar keine Hindernisse vorhanden wären, so würde der Körper gar
nichts von seiner Geschwindigkeit hergeben, also seine Bewegung
unverändert fortsetzen^.
Dieser Schluß bleibt bestehen, obwohl wir bei keiner Bewegung alle
Hindernisse beseitigen können. Also folgt: Ein in Bewegung befindlicher
Körper kann nicht von selbst oder aus eigenem Antriebe seine Bewegung
verändern, er kann nicht die Geschwindigkeit größer oder kleiner machen,
er kann auch nicht die Richtung der Bewegung verändern. #Jeder Körper
beharrt in dem Bewegungszustande, in dem er sich eben befindet#
(Galilei).
Das beste Beispiel und der sicherste Beweis für die Richtigkeit des
Gesetzes der Trägheit ist die Bewegung unserer ^Erde^. Sie schwebt frei
im leeren Himmelsraume, dreht sich um ihre Achse, braucht hiezu einen
Tag, und behält seit Menschengedenken diese Bewegung unverändert bei.
Ebenso findet sie bei ihrem jährlichen Laufe um die Sonne keine
Hindernisse und setzt deshalb auch diese Bewegung unverändert fort.
Aufgaben:
~a~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre Bewegung nach und
nach verlieren! ~b~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre
Bewegung um so langsamer verlieren, je geringer die Hindernisse sind!
~c~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre Bewegung sehr rasch
verlieren!
Lehre von den Kräften.