8. Trägheit oder Beharrungsvermögen.

#Trägheit oder Beharrungsvermögen ist das Bestreben jedes Körpers, den

Zustand der Bewegung oder Ruhe, in dem er sich eben befindet,

unverändert beizubehalten.#

Man beobachtet stets, daß ein Körper, wenn er in Ruhe ist, auch in Ruhe

bleibt, und nicht von selbst oder aus eigenem inneren Antrieb eine

Bewegung anfängt; es muß vielmehr von außen eine Ursache auf ihn wirken,

damit er anfängt sich zu bewegen.

Ist ein Körper in Bewegung, so bemerkt man, daß er nach und nach an

Bewegung verliert; z. B. eine auf einer Eisfläche rollende Kugel läuft

immer langsamer und bleibt schließlich liegen, ein in Umdrehung

versetztes Rad geht langsamer, wenn keine Kraft mehr darauf wirkt, eine

an einem Faden aufgehängte und in Schwingung versetzte Kugel schwingt

immer langsamer und kommt zur Ruhe. Man ^möchte^ demnach schließen, daß

der Körper seine Bewegung nach und nach aufgibt und in die Ruhe

zurückkehrt.

Dies ist jedoch nicht richtig, wie man aus folgendem ersehen kann. Eine

Kugel rollt auf der Straße nicht weit, auf einer glatten Holzbahn rollt

sie weiter, auf der spiegelglatten Eisfläche eines Sees läuft sie noch

viel weiter. Die Kugel hat also nicht etwa das Bestreben immer langsamer

zu gehen; denn sonst müßte sie dieses Bestreben auf allen Bahnen in

gleichem Maße äußern. Nur die ^Hindernisse^, welche die Rauheiten und

Unebenheiten der Bahn ihr bereiten, ^nehmen ihr die Bewegung^; denn je

glatter die Bahn ist, um so weniger gibt die Kugel von ihrer

Geschwindigkeit her und um so weiter läuft sie. Deshalb schließt man,

^wenn gar keine Hindernisse vorhanden wären, so würde der Körper gar

nichts von seiner Geschwindigkeit hergeben, also seine Bewegung

unverändert fortsetzen^.

Dieser Schluß bleibt bestehen, obwohl wir bei keiner Bewegung alle

Hindernisse beseitigen können. Also folgt: Ein in Bewegung befindlicher

Körper kann nicht von selbst oder aus eigenem Antriebe seine Bewegung

verändern, er kann nicht die Geschwindigkeit größer oder kleiner machen,

er kann auch nicht die Richtung der Bewegung verändern. #Jeder Körper

beharrt in dem Bewegungszustande, in dem er sich eben befindet#

(Galilei).

Das beste Beispiel und der sicherste Beweis für die Richtigkeit des

Gesetzes der Trägheit ist die Bewegung unserer ^Erde^. Sie schwebt frei

im leeren Himmelsraume, dreht sich um ihre Achse, braucht hiezu einen

Tag, und behält seit Menschengedenken diese Bewegung unverändert bei.

Ebenso findet sie bei ihrem jährlichen Laufe um die Sonne keine

Hindernisse und setzt deshalb auch diese Bewegung unverändert fort.

Aufgaben:

~a~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre Bewegung nach und

nach verlieren! ~b~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre

Bewegung um so langsamer verlieren, je geringer die Hindernisse sind!

~c~) Gib Beispiele von bewegten Körpern, welche ihre Bewegung sehr rasch

verlieren!

Lehre von den Kräften.

Lehrbuch der Physik zum Schulgebrauche. · 第 9 / 340 题