»Ich heiße Kusum«, erwiderte sie.
Weiter wurde an jenem Abend kein Wort gesprochen. Kusum ging langsam zu
ihrem Hause zurück, das ganz in der Nähe war. Aber der Sannjasin blieb in
jener Nacht noch stundenlang auf meinen Stufen sitzen. Endlich, als der
Mond seinen Weg von Osten nach Westen zurückgelegt hatte und der Schatten
des Sannjasin von hinten nach vorn gerückt war, stand er auf und ging in
den Tempel.
Seitdem sah ich Kusum täglich zu ihm kommen und ihm ihre Ehrfurcht
bezeugen. Wenn er die heiligen Schriften erklärte, stand sie in einer Ecke
und hörte ihm zu. Wenn er seinen Morgengottesdienst beendet hatte, pflegte
er sie zu sich zu rufen und zu ihr über Religion zu sprechen. Sie konnte
wohl nicht alles verstehen, aber sie hörte ihm aufmerksam und schweigend zu
und versuchte, es zu verstehen. Seinen Weisungen folgte sie blindlings.
Täglich kam sie zum Tempel, immer zum Dienst des Gottes bereit, sei es, daß
sie Blumen zum Morgen- und Abendopfer pflückte oder Wasser vom Ganges
holte, um die Tempelfliesen zu waschen.
Der Winter nahte sich seinem Ende. Kalte Winde wehten. Aber dann kam am
Abend ganz unerwartet die warme Frühlingsbrise vom Süden her; der Himmel
verlor sein frostiges Aussehen; nach langem Schweigen ertönte wieder Musik
und Flötenspiel im Dorfe. Die Schiffer zogen die Ruder ein, ließen ihre
Fahrzeuge mit dem Strom treiben und begannen die alten Lieder von Krischna
zu singen. Der Frühling war da.
Damals fing ich an, Kusum zu vermissen. Seit einiger Zeit war sie weder zum
Fluß noch zum Tempel oder zum Sannjasin gekommen.
Was dazwischen geschah, weiß ich nicht, aber nach einiger Zeit trafen die
beiden sich eines Abends auf meinen Stufen.