Er segnete sie und fragte: »Wer bist du?«

»Ich heiße Kusum«, erwiderte sie.

Weiter wurde an jenem Abend kein Wort gesprochen. Kusum ging langsam zu

ihrem Hause zurück, das ganz in der Nähe war. Aber der Sannjasin blieb in

jener Nacht noch stundenlang auf meinen Stufen sitzen. Endlich, als der

Mond seinen Weg von Osten nach Westen zurückgelegt hatte und der Schatten

des Sannjasin von hinten nach vorn gerückt war, stand er auf und ging in

den Tempel.

Seitdem sah ich Kusum täglich zu ihm kommen und ihm ihre Ehrfurcht

bezeugen. Wenn er die heiligen Schriften erklärte, stand sie in einer Ecke

und hörte ihm zu. Wenn er seinen Morgengottesdienst beendet hatte, pflegte

er sie zu sich zu rufen und zu ihr über Religion zu sprechen. Sie konnte

wohl nicht alles verstehen, aber sie hörte ihm aufmerksam und schweigend zu

und versuchte, es zu verstehen. Seinen Weisungen folgte sie blindlings.

Täglich kam sie zum Tempel, immer zum Dienst des Gottes bereit, sei es, daß

sie Blumen zum Morgen- und Abendopfer pflückte oder Wasser vom Ganges

holte, um die Tempelfliesen zu waschen.

Der Winter nahte sich seinem Ende. Kalte Winde wehten. Aber dann kam am

Abend ganz unerwartet die warme Frühlingsbrise vom Süden her; der Himmel

verlor sein frostiges Aussehen; nach langem Schweigen ertönte wieder Musik

und Flötenspiel im Dorfe. Die Schiffer zogen die Ruder ein, ließen ihre

Fahrzeuge mit dem Strom treiben und begannen die alten Lieder von Krischna

zu singen. Der Frühling war da.

Damals fing ich an, Kusum zu vermissen. Seit einiger Zeit war sie weder zum

Fluß noch zum Tempel oder zum Sannjasin gekommen.

Was dazwischen geschah, weiß ich nicht, aber nach einiger Zeit trafen die

beiden sich eines Abends auf meinen Stufen.

Die Nacht der Erfüllung: Erzählungen · 第 39 / 54 题