Schöner Himmelssaal,
Vaterland der Frommen,
Die aus grosser Qual
Dieses Lebens kommen,
Und von keiner Lust,
In der Welt gewusst!
Sey mir hochgegrüsst!
Dich such’ ich für allen,
Weil ich öd’ und wüst
In der Welt muss wallen
Und von Kreuz und Pein
Nie befreit kann sein.
Deinetwegen blos
Trag’ ich diess mein Leiden,
Diesen Herzensstoss
Willig und mit Freuden;
Du versüssest mir
Alle Höll’ allhier.
Trüg’ ich durch den Tod
Nicht nach dir Verlangen,
O, in meiner Noth
Wär’ ich längst vergangen; 10
Du bist, einig du,
Nichts, sonst meine Ruh!
Gott, du kennst vorhin
Alles, was mich kränket,
Und woran mein Sinn
Tag und Nacht gedenket:
Niemand weiss um mich
Als nur du und ich.
Hab ich noch nicht sehr
Ursach’, mich zu klagen, 20
Ei, so thu’ noch mehr
Plage zu den Plagen;
Denn du trägst, mein Heil,
Doch das meiste Theil.
Lass diess Leben mir
Wohl versalzen werden,
Dass ich mich nach dir
Sehne von der Erden,
Und den Tod bequem
In die Arme nehm’.
O wie werd ich mich 10
Dort an dir erquicken!
Du wirst mich, und ich
Werde dich anblicken,
Ewig herrlich, reich
Und den Engeln gleich.
Schöner Himmelssaal,
Vaterland der Frommen,
Ende meiner Qual,
Heiss mich zu dir kommen,
Denn ich wünsch’ allein 20
Bald bei dir zu sein!
_PAUL FLEMING._
[_Scherer D._ 321, _E._ 322.]
Geboren 1609 zu Hartenstein im Voigtlande; besuchte die Schule zu
Meissen, und studierte Medicin in Leipzig. Der Dreissigjährige
Krieg trieb ihn nach Holstein, wo er sich der Gesandtschaft
anschloss, welche Herzog Friedrich von Holstein an seinen Schwager,
den Zar Michael Feodorowitz, nach Moskau schickte. Nach seiner
Rückkehr von Russland (1635) wurde er mit Olearius vom Herzog
als Gesandter an den Schah Sefi nach Persien geschickt. Er starb
bald, nachdem er diese Reise beendigt, im Jahre 1640 zu Hamburg.
Seine gesammelten Gedichte erschienen erst nach seinem Tod 1646.
Lappenberg gab die lateinischen Gedichte Stuttgart 1863, die
deutschen Stuttgart 1865 heraus, Tittmann (Leipzig 1870) eine
Auswahl.
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