WEINGRUSS.

Gott gruss dich, du lieber landtmann!

Keinen bessern gesellen ich nye gewan

Vnd den ich lieber bei mir wil wissen,

Wenn ich des morgens hab angepissen[395].

Wenn ich dich hab in meinem trunkvass, 10

So dynest du mir zu tisch vil pass

Denn alle die truchsessen die da leben.

Got behut den pergk den stock vnd die reben

Daran du hewer gewachssen bist.

Gott fuge deim stock pfel[396] pant vnd mist

Vnd sunnen vnd regen vnd auch ein man,

Der dich wol sneyden vnd hacken kan

Das du biss jar mugst wider geraten,

Die grossen weck, die veisten praten,

Wenn ir drew bei einander seyt, 20

Das es mir vil mer frewden geyt

Dann harpffen, geygen, tantzen vnd paden.

Dorumb wil ich dich zu gast laden:

Kum spet oder frw, so wil ich dich einlassen

Vnd wil dich nicht lang an der thur lan possen[397].

_HUGO VON MONTFORT._

[_Scherer D._ 253, _E._ 247.]

Graf Hugo II, Herr von Bregenz, geb. 1357, begann seine

dichterische Thätigkeit 1396. Er bildet mit einigen andern Dichtern

der Zeit den Übergang der älteren höfischen Poesie in die spätere

lyrische Volkspoesie und den Meistergesang. Herausgegeben von

Bartsch (Tübingen 1879); Wackernell (Innsbruck 1881).

Ich schrib dir gerne cluoge wort,

So hast du min hertz gfangen,

Min lieber buol[398], min höchster hort!

Du hasts in dinen banden.

Von gold ein ketten die ist vin,

Damit hast du es beschlossen:

Din eigen wil es iemer sin,

Des ist es unverdrossen.

Und hat mir nüwlich[399] potschaft tan,

Es well sich von mir ziehen 10

Und well in dinem dinst bestan,

Zuo diner liebi fliehen.

Und spricht, daz es kein anders trib,

Es well bi dir beliben,

(Im gefiel uff erd nie bas ein wib),

Zuo diner liebi schiben[400].

Also hast du mir das hertz abtrünig gmachen

Mit gewalt an alle fürbot[401]:

Ich muoss mins schaden selber lachen.

Uns beide behuet der ewig got! 20

Ich chan mich zwar nicht ab dir clagen,

Du tuost mim hertzen guetlich;

So wil ich ie die warheit sagen:

Bi dir so ist es frödenrich.

Geben nach Crists gebürt vierzehenhundert jar

(Das schrib ich dir mit einem wort)

Und in dem andern (das ist war),

Min lieber puol, min höchster hort!

_OSWALD VON WOLKENSTEIN._

[_Scherer D._ 253, _E._ 247.]

Aus Tirol, geboren 1367, gestorben 1445. Er machte mit Hugo von

Montfort eine Wallfahrt nach Jerusalem und suchte ritterliches

Wesen und Dichten wieder zu beleben. Herausgegeben von Weber

(Innsbruck 1847).

Wuninklicher wol gezierter may,

dein suess geschray 10

pringt freuden mangerlay,

besunderlich wo zway

an ainem schœnen ray[402]

sich muetiklich verhendelt[403] han.

Gruen ist der perg ow gevild und tal;

die nachtigal

und aller voglin schal

man hœret ane zal

erklingen uber al. 10

Seyd[404] nu die zeit wennt[405] lieplich ungemach,

so wach, lieb, ach!

zwar mir sol wesen gach

zu hengen[406] der hin nach,

der ich lang nye gesach,

uncz mich ir ermlin weyss umbfan.

_VOLKSLIEDER._

[_Scherer D._ 253, _E._ 248]

Herausgegeben in Wackernagel ‘Das deutsche Kirchenlied,’ B. II.

(Leipzig, 1867); Uhland ‘Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder’

(Stuttgart, 1844, 45); Hoffmann von Fallersleben ‘In dulci iubilo.

Nun singet und seid froh’ (Hannover, 1854); Liliencron ‘Die

historischen Volkslieder der Deutschen,’ 5 Bde. (Leipzig, 1865-69);

Böhme, ‘Altdeutsches Liederbuch’ (Leipzig, 1877).

1.

_In dulci iubilo_

nu singet und seit fro!

alle unser wonne

leit _in præsepio_;

sie leuchtet vor die sonne

_matris in gremio;

que est a et o,

que est a et o_.

_O Jesu parvule_,

nach dir ist mir so we, 10

tröste mein gemüte,

_o puer optime_,

durch aller jungfraun güte,

_o princeps glorie.

trahe me post te.

trahe me post te!_

_Mater et filia_,

o jungfrau Maria,

hettest du uns nicht erworben

_celorum gaudia_,

so wär wir alle verdorben

_per nostra crimina.

quanta gratia,

quanta gratia!_

_Ubi sunt gaudia?_

nierne[407] wen alda, 10

da die engel singen

_in nova cantica_

mit iren süssen stimmen

_in regis curia_.

eia wär wir da,

eia wär wir da!

2.

Ein kindlein ist geboren

von einer reinen mait!

Gott hat ims auserkoren

in hoher wirdigkeit. 20

Ein sun ward vns gegeben

zu trost an alles mail[408]:

Daz sult ir merken eben;

er bracht vns alles heil.

Ave, du Gotes minne!

wie wol ir mit im was! 20

Heil werde trosterinne!

vnd do sie sein genas,

Gros freud wart vns gekundet

von einem Engel klar;

Wirt nimmer mer durchgrundet[409],

sagt vns die schrift fürwar.

Freut euch der selden[410] mere:

Messias der ist kumen.

Er hat an alls gefere[411]

die menschait an sich gnumen.

Fur vns mit ganzen treuen

volbracht er alle dink. 10

Der greis wolt sich verneuen:

er ward ein jungelink.

Got vater in dem trone

was mit der zarten weis.

Die tochter von Syone

hat wol den hochsten preis.

Drei edel kunig milde

die brachten reichen solt;

zugen vber gefilde

nicht anders als Got wolt.

Elend ward jn bekande;

die seld must fere[412] bas,

Ferr in Egypten lande:

Herodes trug jn has.

Er zog in nach mit listen:

manch kint vergos sein blut.

Got wolt sich lenger fristen:

das was vns allen gut. 10

Wol dreisig iar vnd mere

trug er fur vns die not;

Wol umb sein rechte lere

leid er fur vns den tod:

Danck wir im zu den stunden!

Hilf, edler kunig rein!

Sein heiliglich fünf wunden

solnt vns genedig sein.

3.

Wolauf, jr brüder allzumal,

_quos sitis vexat plurima_. 20

ich weiss ein Wirt klug überall,

_quod vina spectat optima_.

sein wein mischt er nicht mit dem saft,

_e puteo qui sumitur_.

ein jeder bleibt in seiner krafft,

_e botris ut exprimitur_.

Herr wirt, bringt uns ein guten wein,

im keller _quod est optimum_! 20

die brüder wöllen frölich sein,

_ad Noctis usque terminum_.

wer greinen[413] oder murren will,

_ut canes decet rabidos_,

der mag wol bleiben aus dem spil,

_ad porcos eat sordidos!_

4.

The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2) · 第 134 / 276 题