_Sanctus paulus_ kehîez tîen. dîe in sînên zîten uuândon des
sûonetagen. táz er êr nechâme. êr _romanum imperium_ zegîenge. únde
_antichristus_ rîchesôn begóndi. Uuér zuîuelôt _romanos_ íu uuésen
állero rîcho hêrren. únde íro geuuált kân ze énde dero uuérlte? Sô
dô mánige líute énnônt tûonouuo gesézene. hára úbere begóndôn uáren.
únde ín állên dísên rîchen keuuáltigo uuíder _romanis_ sízzen. tô íu
stûonden íro díng slîfen. {10} únde ze déro tîlegúngo râmen. tîa uuír
nû sehên. Tánnân geskáh pi des chéiseres zîten _zenonis_. táz zuêne
chúninga nórdenân chómene. éinêr ímo den stûol ze romo úndergîeng.
únde álla _italiam_. ánderêr náhor ímo _greciam_ begréif. únde díu
lánt. tíu dánnân únz ze tûonouuo sínt. Énêr hîez in únsera uuîs
{20} ôtacher. tíser hîez thioterih. Tô uuárd táz ten chéiser lústa.
dáz er dioterichen uríuntlicho ze hóue ládeta. tára ze dero mârun
_constantinopoli_. únde ín dâr mít kûollichên êron lángo hábeta. únz
er ín dés bíten stûont. táz er ímo óndi. mít ótachere zeuéhtenne. únde
úbe er ín úberuuúnde. _romam_ ióh _italiam_ mít sînemo {30} dánche
zehábenne. Táz úrlub káb ímo _zeno_. sîn lánt. ióh sîne líute. ze sînên
triuôn beuélehendo. Sô dioterih mít témo uúorte ze _italia_ chám. únde
er ótaccheren mít nôte guán. únde ín sâr dáranâh erslûog. únde er
fúre ín des lándes uuîelt. tô netéta er ze êrest nîeht úber dáz. sô
demo chéisere lîeb uuás. Sô áber nâh ímo ándere chéisera uuúrten. tô
begónda er tûon. ál dáz in lústa. únde dîen râten án den lîb. tîe ímo
dés neuuâren geuólgig. Fóne díu slûog er _boetíum_. únde sînen suêr
_symmachum_. únde dáz óuh uuírsera {10} uuás. _iohannem_ den bâbes. Sâr
des ánderen iâres. uuárt thioterih ferlóren. sîn néuo alderih zúhta daz
rîche ze síh. _Romanum imperium_ hábeta îo dánnan hína ferlóren sîna
_libertatem_. Áber dóh _gothi_ uuúrten dánnân uertríben fóne _narsete
patricio. sub iustino minore_. Sô châmen áber nórdenan _langobardi_.
únde {20} uuîelten _italiæ_. mêr dánne _ducentis annis_. Nâh
_langobardis franci_. tîe uuír nû héizên chárlinga. nâh ín _saxones_.
Sô íst nû zegángen _romanvm imperivm_. nâh tîen uuórten _sancti pauli
apostoli_.
_Sanctus Paulus verhiess denen, die zu seiner Zeit auf den {20}Tag
des Gerichtes hofften, dass er nicht eher kommen würde, als bis das
römische Reich untergegangen wäre, und Antichrist zu herrschen begonnen
hätte. Wer bezweifelt, dass die Römer immerdar Herren über alle Reiche
sind, und ihre Gewalt sich bis zum Ende der Welt erstreckt? Als damals
manche Völker, jenseit der Donau gesessen, hier herüber zu ziehen
begannen und {10} in allen diesen Reichen mit Gewalt sich den Römern
zu widersetzen, da begann ihre Macht zu sinken und dem Untergange
zuzustreben, den wir jetzt sehen. Damals ereignete es sich um die
Zeiten Kaiser Zenos, dass zwei Könige von Norden gekommen, der eine den
Stuhl zu Rom besetzte und ganz {20} Italien, der andere Griechenland an
sich riss und die Länder, die von da ab bis zur Donau liegen. Jener
hiess in unserer Sprache Otacher, dieser hiess Dietrich. Da geschah
es, dass den Kaiser gelüstete, Dietrich freundlich an seinen Hof zu
laden, nach der herrlichen Constantinopolis, und dass er ihn dort mit
rühmlichen {30} Ehren lange behielt, bis er ihn darum bat, dass er ihm
gestattete mit Otacher zu fechten, und für den Fall er ihn überwände,
Rom und Italien mit seiner Zustimmung zu besetzen. Die Erlaubniss gab
ihm Zeno, indem er sein Land und seine Leute in seine Treue befahl.
Als Dietrich auf die Verabredung nach Italien gekommen und er Otacher
mit Mühe besiegt und ihn darnach erschlagen und an seiner Statt das
Land beherrschte, da that er zuerst nichts über das hinaus, was dem
Kaiser lieb war. Als aber nach ihm andere Kaiser {10} wurden, da
begann er zu thun Alles, was ihn lüstete, und denen nach dem Leben zu
stellen, die ihm darin nicht folgsam waren. Deshalb tödtete er den
Boetius und seinen Schwäher Symmachus und, was noch viel schlimmer
war, den Pabst Johannes. Hierauf im nächsten Jahre fand Dietrich
seinen Untergang. Sein {20} Neffe Alderich riss das Reich an sich. Das
römische Reich hatte von da an auf ewig seine Freiheit verloren. Aber
trotzdem wurden die Gothen von Narses dem Patricier unter Justinus dem
Jüngeren vertrieben. Hierauf kamen abermals von Norden die Langobarden
und beherrschten Italien über zweihundert Jahre {30} lang; nach den
Langobarden die Franken, die wir heute Karolinger nennen; nach ihnen
die Sachsen. So ist nun das römische Reich nach den Worten Sct. Pauls
des Apostels untergegangen._
_L._