Prinzessin. Ein unglüklicheres Loos konnte nicht auf mich fallen, als
gefallen ist. Wär' ich die ärmste Dörferin dieses Herzogthums, ich wäre
glüklicher; es würde sich ein mitleidiger Hirt finden, der mich Verstoßne
aufnähme; wir würden uns lieben dürfen, ohne daß die ganze Welt auf unsre
Liebe sähe; doch es ist geschehn.
Florentin. (sich ermannend) Es ist geschehn, theuerste _Louise_, es ist
geschehn. Ich stehe fest. Ich seh' es voraus, der Staat wird für diese
Liebe mein Blut fodern, ich will es ihm nicht verweigern; nur _Louisen_
mögt' ich nicht leidend wissen.
Prinzessin. Sonderbarer, zittre nicht für die Schwester eines Herzogs. --
Doch Du, Bester, Du --
Florentin. Ich bin jeder Gefahr gewärtig.
Prinzessin. (geht zu einem Schrank und zieht ein Kästchen hervor) Nimm dies
und entflieh.
Florentin. Nimmermehr.
Prinzessin. Entflieh!
Florentin. Nimmermehr; wo _Louise_ lebt, will auch ich leben, und soll ich
sterben, so will ich unter ihren Augen meinen Geist aufgeben. -- Ich fliehe
nicht, _Louise_ wäre denn mit mir: dann hin in die unfruchtbarsten
Wüsteneien, in die schauerlichsten Winkel eines Waldes, hin in entlegne
Welttheile, wo die Menschen noch Thiere sind, wo die Sonne nur halbjährlich
hinblikt, oder wo sie ewig glühend sich um ihren Mittelpunkt wälzt, --
allenthalben blühete dann ein Paradies für mich.
Prinzessin. (mit Stolz) Ich bin Fürstin. -- (schmeichelnd) Entflieh!
Florentin. Ich kann nicht. Las mich, wenn es sein soll, sterben, nur
entfliehen nicht. Ein leidender Verbrecher erregt wenigstens Mitleiden; der
glükliche Flüchtling schleppt den Has der Welt mit sich in alle Zonen
herum. Ich will bleiben.
Vergebens bat _Louise_ ihren Liebling mit Thränen; er widerstand mit
Hartnäkkigkeit. Lange dauerte der zärtliche Streit, bis die _Prinzessin_
mit heimlichem Schaudern in _Florentins_ Verlangen willigte. Er blieb in
der Residenz, bis zur Entwikkelung der Geschichte, sein Schiksal möge sich
dann entfalten, wie es wolle.
»O!« -- seufzt der unglükliche _Graf_, wie einst _Hüon_:
-- -- -- Das allgemeine Loos
Der Menschheit, schwach zu sein -- ist mein Verbrechen blos.
schwer büß' ichs nun, doch klaglos, denn gereuen
Des liebenswürdigen Verbrechens soll michs nicht!
Ist Lieben Schuld, so mag der Himmel mir verzeihen.
Mein sterbend Herz erkennt nun keine andre Pflicht.
Sie schieden von einander. In einer fürchterlichen Angst hing _Louise_ an
seinem Halse; noch einmal, unter zahllosen Thränen, unter zahllosen
Beschwörungen bat sie ihn, zu fliehn, er aber weigerte standhaft.
»Ich bleibe,« sagte er, und drükte einen Kuß auf ihre Lippen: »ich bleibe.
Und muß ich sterben, wohl so sterb' ich gern. Mein Tod wird meine Feinde
zum Mitleiden rühren, meine Flucht aber wäre ihr Triumf; alle wohlthätige
Anstalten, welche ich zum Besten meines Vaterlandes traf, würden vielleicht
dann ihren Werth verlieren, mein Tod kann aber noch eine Stüzze derselben
sein.«
Ohne noch ein Wort zu verlieren, entfernte er sich.
Siebentes Kapitel.
Das Gewitter zieht näher heran.
Prinz Moriz. (auf einem Ottomann) Es ist alles umsonst; indes kann ich mich
leicht darin ergeben. _Duur_, _Duur_ wir begegnen uns noch einmal auf einem
fürchterlichen Gange; doch der Kerl ist einer so langen Erinnrung nicht
werth. -- (er klingelt)