Auferstehen wirst Du, auferstehen!
vom Chore herab; die Gemeinde stimmte mitempfindend in den herzerhebenden
Gesang; liebliche Wehmuth und Hoffnung vermischten sich in jeder Seele.
_Augustens_ Hülle wurde eingesenkt, unter den Gesängen unsrer besten
deutschen Dichter über Wiedersehn in der Ewigkeit, Auferstehung, und
Seeligkeit der Entschlummerten Gerechten. Bekannte und Unbekannte, Mädchen
und Jünglinge eilten unterdessen zum Grabe, Blumen herunter zu streun, auch
die Prinzessin _Louise_, mit einem Körbchen voll junger Rosen, stand unter
ihnen, und warf sie der Asche ihrer _Freundin_ nach.
Heiter kehrten sie alle zurük, und, halbgetröstet über den Verlust seiner
geliebten Tochter, auch der _Vater_ _Augustens_.
Man sprach noch lange von diesem Leichenbegängnis, und die einsichtsvollern
unter den Residenzbewohnern führten es bei sich ein, worauf auch der
gemeine Mann nicht länger anstand es nachzuahmen.
_Florentin_ blieb einige Tage darauf stets in seinem Zimmer verschlossen;
er war trostlos um Augustens Tod, als dessen Ursach er sich betrachtete,
aber bald wurde er durch einen neuen Auftritt aus dieser Schwermuth gewekt.
Er erhielt nämlich Befehl vor der _Prinzessin_ zu erscheinen.
_Florentin_ ging zur bestimmten Stunde, wurde vorgelassen und fand
_Louisen_ auf ihrem Sofa blas, schwermüthig, und wie aus tiefen Gedanken
aufgeschrekt, sizzen.
Er küßte zitternd ihre Hand und fragte um ihren Befehl. Sie schwieg eine
Weile, bat ihn sich nieder zu lassen, ging darauf schweigend in dem Zimmer
auf und nieder und warf unterweilen einen traurigen Blik auf ihn.
»Nicht wahr,« sagte sie endlich, indem sie am Fenster stehn blieb, mit
weggewandten Gesicht: »wir haben am Fräulein _v. Gülden_ viel verloren?«
Florentin. (einen Seufzer unterdrükkend) Ja, bei Gott unendlich viel.
Prinzessin. Wer wird jezt ihren Plaz ausfüllen können?
Florentin. Ich wüßte kein Mädchen von so sanftem liebenswürdigen Karakter,
von solcher Treue, solcher Verschwiegenheit.
Prinzessin. Sie haben Recht. Aber meinen Sie daß wir jezt einer solchen
Vertrauten entbehren könnten? meinen Sie Graf?
Florentin. Eher vielleicht das Geheimnis unsrer Liebe einer Verrätherin
offenbart würde, eher dächt' ich -- --
Prinzessin. Es wäre wenigstens zu wagen; denn bester Graf, in kurzem sind
wir Beide verrathen.
Florentin. (erschrokken) Verrathen?
Prinzessin. Erschrekken Sie nicht; erwarten Sie alles mit gefaßter,
männlichen Entschlossenheit, was Ihnen und mir auch begegnen mögte.
Florentin. (einen Schritt näher tretend) Um Gotteswillen. Theure, wozu
diese Vorbereitung?
Prinzessin. Leider daß man Sie vorbereiten mus!
Florentin. Verrätherei unsrer Liebe? -- o, hätten Sie mir gesagt, daß ich
in der folgenden Minute des unfehlbaren Todes wäre, es hätte mich nicht
erschüttert.
Prinzessin. Unsre Liebe wird verrathen werden, ich sage ja: _wird_; noch
_ist_ sie es nicht.
Florentin. _Wird_? o, gnädigste Prinzessin, sagen Sie mirs, durch wen?
_durch wen?_ -- ich bitte Sie um Gottes, um ihrer zeitlichen Wohlfahrt, um
alles Heiligen willen, _durch wen?_ --
Prinzessin. (die ihr Gesicht verhüllt.) Oh!
Florentin. _Durch wen?_ ich flehe; nur um des verhaßten Namens erste Silbe
flehe ich; und bei dem grossen, furchtbaren Gott, bei dem ewigen Geheimnis
unsrer Liebe beschwöre ichs, ich bringe den Verräther um. -- Sie wollen
nicht? wollen sich unglüklich machen, und mich? --
Prinzessin. (weinend) Verlassen Sie mich.
Florentin. Nein, ich ruhe nicht, bevor ich den Verräther entdekt habe. Sie
schweigen noch? o, Louise, gedenke jener seeligen Nächte, und bei diesen
sei beschworen: wer will --
Prinzessin. (seine Hand fassend und ihn zärtlich anblikkend) Eben -- eben
jene seeligen Nächte -- -- o, las mich nicht fortfahren.
Florentin. (sie anstarrend.) Eben jene seeligen Nächte, Louise -- --?
Prinzessin. (mit weiblicher Schaam an seine Brust sinkend) Oh, Florentin!
Florentin. Was ist das?
Prinzessin. Machten dich -- dich zum Entehrer des herzoglichen Geblüts,
Dich -- -- zum Vater! --
Florentin. (hinsinkend) Oh, Gott! Gott!
(eine lange, ängstliche Stille.)
Prinzessin. Nun, mein Florentin?