Holder. Herr _Graf_, dürft' ich Ihnen für Ihre bisherige Freundschaft und
meine gütige Bewirthung hundert Thaler anbieten, _einigermaaßen_ wieder zu
vergelten, so thät' ichs. Allein Sie schlagen es aus, und ich darf nur mit
Worten danken. Es thut mit weh -- o sehr weh -- --
Rikchen. Herr _Holder_, lieber Onkel, hat geweint, seine Augen sind roth --
--
Holder. Mag ihnen beiden dies ein Beweiß sein, wie lieb mir dieser
Aufenthalt gewesen, wie ungern ich ihn verlasse. Ich habe in Ihrer
Gesellschaft seelige Stunden gehabt, wer weiß, ob ich sie jemals schöner
geniessen werde, denn ich war, wie in einem väterlichen Hause; all meine
Wünsche starben, all meine Hofnungen gab ich auf, meine weit hinaus
gehenden Entwürfe ließ ich vergessen, um ganz Ihnen zu leben, oder vielmehr
in Ihren Armen meines Lebens froh zu sein. Izt hört dies alles auf, und ich
schränke mein ganzes Glük nur darauf ein, daß Sie mich nicht vergessen
mögen.
Rikchen. (weinend seine Hand nehmend) Wir Sie vergessen?
Der Graf. (immer mehr gerührt) Hätt' ichs doch nimmer erfahren daß Ihr Euch
geliebt hättet, -- vielleicht -- wärs besser gewesen.
Rikchen. _Onkelchen_, ja, Sie haben Recht, izt seh ichs; Liebe macht
unglüklich, o _sehr unglüklich_! könnt es nur dießmal, dies _einzige mal_
gut gemacht werden, ich wollte auch _nie_ wieder lieben.
Holder. Trösten Sie sich, gnädiges _Fräulein_, ein Jahr -- und ich bin
vergessen.
Rikchen. Ein _Jahr_? ach, in dem Jahre weint' ich mich tod. Freilich würd'
ich Sie dann vergessen müssen, denn im Tode, sagt man, hören all unsre
Freuden und Leiden auf.
Holder. (küßt ihr die Hand, indem er seine Augen abtroknet) Und nun,
Fräulein -- --
Rikchen. (reißt sich los von ihm und wirft sich dem Grafen um den Hals) O,
bester, lieber Onkel, lassen Sie _Holdern_ nicht, oder ich sterbe -- --
haben meine Bitten je bei Ihnen etwas vermogt, haben Sie je meine Thränen
gerührt: so hören Sie mich izt, so -- so erbarmen Sie sich Ihren
_Rikchens_!