Achtzehnte Szene

_Crescence._ Der Erfolg wird sehr stark von dir abhängen.

_Hans Karl._ Von mir? Ihm steht's doch auf der Stirne geschrieben, daß

er erreicht, was er sich vornimmt.

_Crescence._ Für die Helen ist dein Urteil alles.

_Hans Karl._ Wieso Crescence, inwiefern?

_Crescence._ Für den Vater Altenwyl natürlich noch mehr. Der Stani ist

eine sehr nette Partie, aber nicht epatant. Darüber mach' ich mir keine

Illusionen. Aber wenn er ihn appuiiert, Kari, ein Wort von ihm hat

gerade für die alten Leut' so viel Gewicht. Ich weiß gar nicht, woran

das liegt.

_Hans Karl._ Ich gehör' halt selbst schon bald zu ihnen.

_Crescence._ Kokettier' er nicht mit seinem Alter. Wir zwei sind nicht

alt und nicht jung. Aber ich hasse schiefe Positionen. Ich möcht' schon

lieber mit grauem Haar und einer Hornbrille dasitzen.

_Hans Karl._ Darum legt sie sich zeitig aufs Heiratstiften.

_Crescence._ Ich habe immer für ihn tun wollen, Kari, schon vor zwölf

Jahren. Aber er hat immer diesen stillen obstinaten Widerspruch in sich

gehabt.

_Hans Karl._ Meine gute Crescence!

_Crescence._ Hundertmal hab' ich ihm gesagt: sag' er mir, was er

erreichen will, und ich nehm's in die Hand.

_Hans Karl._ Ja, das hat sie mir oft gesagt, weiß Gott, Crescence.

_Crescence._ Aber man hat ja bei ihm nicht gewußt, woran man ist!

_Hans Karl_ $(nickt)$.

_Crescence._ Und jetzt macht halt der Stani, was er nicht hat machen

wollen. Ich kann gar nicht erwarten, daß wieder kleine Kinder in

Hohenbühl und in Göllersdorf herumlaufen.

_Hans Karl._ Und in den Schloßteich fallen! Weiß sie noch, wie sie mich

halbtot herausgezogen haben? Weiß sie -- ich hab' manchmal die Idee, daß

gar nichts Neues auf der Welt passiert.

_Crescence._ Wie meint er das?

_Hans Karl._ Das alles schon längst irgendwo fertig dasteht und nur auf

einmal erst sichtbar wird. Weißt du, wie im Hohenbühler Teich, wenn

man im Herbst das Wasser abgelassen hat, auf einmal die Karpfen und

die Schweife von den steinernen Tritonen da waren, die man früher kaum

gesehen hat? Eine burleske Idee, was!

_Crescence._ Ist er denn auf einmal schlecht aufgelegt, Kari?

_Hans Karl_ $(gibt sich einen Ruck)$. Im Gegenteil, Crescence. Ich danke

euch so sehr, als ich nur kann, ihr und dem Stani, für das gute Tempo,

das ihr mir gebt mit eurer Frische und eurer Entschiedenheit. $(Er küßt

ihr die Hand.)$

_Crescence._ Findet er, daß ihm das gut tut, uns in der Nähe zu haben?

_Hans Karl._ Ich hab' jetzt einen sehr guten Abend vor mir. Zuerst eine

ernste Konversation mit der Toinette....

_Crescence._ Aber das brauchen wir ja jetzt gar nicht!

_Hans Karl._ Ah, ich red' doch mit ihr, jetzt hab' ich es mir einmal

vorgenommen, und dann soll ich also als Onkel vom Stani die gewissen

seriösen Unterhaltungen anknüpfen.

_Crescence._ Das Wichtigste ist, daß du ihn bei der Helen ins richtige

Licht stellst.

_Hans Karl._ Da hab' ich also ein richtiges Programm. Sieht sie, wie sie

mich reformiert? Aber weiß sie, vorher -- ich hab' eine Idee -- vorher

geh' ich für eine Stunde in den Zirkus, da haben sie jetzt einen Clown

-- eine Art von dummem August ...

_Crescence._ Der Furlani, über den ist die Nanni ganz verrückt. Ich hab'

gar keinen Sinn für diese Späße.

_Hans Karl._ Ich find' ihn delizios. Mich unterhält er viel mehr als die

gescheiteste Konversation von Gott weiß wem. Ich freu' mich rasend. Ich

gehe in den Zirkus, dann esse ich einen Bissen in einem Restaurant, und

dann komm' ich sehr munter in die Soiree und absolvier mein Programm.

_Crescence._ Ja, er kommt und richtet dem Stani die Helen in die Hand,

so was kann er ja so gut. Er wäre doch ein so wunderbarer Botschafter

geworden, wenn er hätt' wollen in der Karriere bleiben.

_Hans Karl._ Dazu is es halt auch zu spät.

_Crescence._ Also, amüsier er sich gut und komm' er bald nach.

_Hans Karl_ $(begleitet sie bis an die Tür, Crescence geht)$.

Der Schwierige: Lustspiel in drei Akten · 第 30 / 60 题