_Stani_ $(aufs neue in der Mitteltür)$. Ist es sehr unbescheiden, Onkel
Kari?
_Hans Karl._ Aber bitte, ich bin zur Verfügung.
_Stani_ $(vorne bei ihm)$. Ich muß dir melden, Onkel Kari, daß ich
inzwischen eine Konversation mit der Mamu gehabt habe und zu einem
Resultat gekommen bin.
_Hans Karl_ $(sieht ihn an)$.
_Stani._ Ich werde mich mit der Helen Altenwyl verloben.
_Hans Karl._ Du wirst dich ...
_Stani._ Ja, ich bin entschlossen, die Helen zu heiraten. Nicht heute
und nicht morgen, aber in der allernächsten Zeit. Ich habe alles
durchgedacht. Auf der Stiege von hier bis in den zweiten Stock hinauf.
Wie ich zur Mamu in den zweiten Stock gekommen bin, war alles fix und
fertig. Weißt du, die Idee ist mir plötzlich gekommen, wie ich bemerkt
hab', du interessierst dich nicht für die Helen.
_Hans Karl._ Aha.
_Stani._ Begreifst du? Es war so eine Idee von der Mamu. Sie behauptet,
man weiß nie, woran man mit dir ist -- am Ende hättest du doch daran
gedacht, die Helen zu nehmen -- und du bist doch für die Mamu immer der
Familienchef, ihr Herz ist halt ganz Bühlisch.
_Hans Karl_ $(halb abgewandt)$. Die gute Crescence!
_Stani._ Aber ich hab' immer widersprochen. Ich verstehe ja jede Nuance
von dir. Ich hab' von jeher gefühlt, daß von einem Interesse für die
Helen bei dir nicht die Idee sein kann.
_Hans Karl_ $(dreht sich plötzlich zu ihm um)$. Und deine Mutter?
_Stani._ Die Mamu?
_Hans Karl._ Ja, wie hat sie es aufgefaßt?
_Stani._ Feuer und Flamme natürlich. Sie hat ein ganz rotes Gesicht
bekommen vor Freude. Wundert dich das, Onkel Kari?
_Hans Karl._ Nur ein bißl, nur eine Idee -- ich hab' immer den Eindruck
gehabt, daß deine Mutter einen bestimmten Gedanken hat in bezug auf die
Helen.
_Stani._ Eine Aversion?
_Hans Karl._ Gar nicht. Nur eine Ansicht. Eine Vermutung.
_Stani._ Früher, die früheren Jahre?
_Hans Karl._ Nein, vor einer halben Stunde.
_Stani._ In welcher Richtung? Aber die Mamu ist ja so eine Windfahn'!
Das vergißt sie ja im Moment. Vor einem Entschluß von mir, da ist sie
sofort auf den Knien. Da spürt sie den Mann. Sie adoriert das fait
accompli.
_Hans Karl._ Also, du hast dich entschlossen? --
_Stani._ Ja, ich bin entschlossen.
_Hans Karl._ So auf eins, zwei!
_Stani._ Das ist doch genau das, worauf es ankommt. Das imponiert ja den
Frauen so enorm an mir. Dadurch eben behalte ich immer die Führung in
der Hand.
_Hans Karl_ $(raucht)$.
_Stani._ Siehst du, du hast vielleicht früher auch einmal daran gedacht,
die Helen zu heiraten ...
_Hans Karl._ Gott, vor Jahren vielleicht. In irgendeinem Moment, wie man
an tausend Sachen denkt.
_Stani._ Begreifst du? Ich hab' nie daran gedacht! Aber im Augenblick,
wo ich es denke, bring' ich es auch zu Ende. -- Du bist verstimmt?
_Hans Karl._ Ich habe ganz unwillkürlich einen Moment an die Antoinette
denken müssen.
_Stani._ Aber jede Sache auf der Welt muß doch ihr Ende haben.
_Hans Karl._ Natürlich. Und das beschäftigt dich gar nicht, ob die
Helen frei ist? Sie scheint doch zum Beispiel diesem Neuhoff Hoffnungen
gegeben zu haben.
_Stani._ Das ist ja genau mein Kalkul. Über Hoffnungen, die sich der
Herr v. Neuhoff macht, gehe ich einfach hinweg. Und daß für die Helen
ein Theophil Neuhoff überhaupt in Frage kommen kann, das beweist doch
gerade, daß eine ernste Okkupation bei ihr nicht vorhanden ist. Solche
Komplikationen statuier ich nicht. Das sind Launen, oder sagen wir das
Wort: Verirrungen.
_Hans Karl._ Sie ist schwer zu kennen.
_Stani._ Aber ich kenn' doch ihr Genre. In letzter Linie kann die sich
für keinen Typ von Männern interessieren als für den unsrigen; alles
andere ist eine Verirrung. Du bist so still, hast du dein Kopfweh?
_Hans Karl._ Aber gar nicht. Ich bewundere deinen Mut.
_Stani._ Du und Mut und bewundern?
_Hans Karl._ Das ist eine andere Art von Mut als der im Graben.
_Stani._ Ja, ich versteh' dich ja so gut, Onkel Kari. Du denkst an die
Chancen, die ich sonst noch im Leben gehabt hätte. Du hast das Gefühl,
daß ich mich vielleicht zu billig weggeb'. Aber siehst du, da bin ich
wieder ganz anders: ich liebe das Vernünftige und Definitive. Du, Onkel
Kari, bist au fond, verzeih', daß ich es heraussage, ein Idealist: deine
Gedanken gehen auf das Absolute, auf das Vollkommene. Das ist ja sehr
elegant gedacht, aber unrealisierbar. Au fond bist du da wie die Mamu;
der ist nichts gut genug für mich. Ich habe die Sache durchgedacht, wie
sie ist. Die Helen ist ein Jahr jünger wie ich.
_Hans Karl._ Ein Jahr?
_Stani._ Sie ist ausgezeichnet geboren.
_Hans Karl._ Man kann nicht besser sein.
_Stani._ Sie ist elegant.
_Hans Karl._ Sehr elegant.
_Stani._ Sie ist reich.
_Hans Karl._ Und vor allem so hübsch.
_Stani._ Sie hat Rasse.
_Hans Karl._ Ohne Vergleich.
_Stani._ Bitte, vor allem in den zwei Punkten, auf die in der Ehe alles
ankommt. Primo: sie kann nicht lügen, secundo: sie hat die besten
Manieren von der Welt.
_Hans Karl._ Sie ist so delizios artig, wie sonst nur alte Frauen sind.
_Stani._ Sie ist gescheit wie der Tag.
_Hans Karl._ Wem sagst du das? Ich hab' ihre Konversation so gern.
_Stani._ Und sie wird mich mit der Zeit adorieren.
_Hans Karl_ $(vor sich, unwillkürlich)$. Auch das ist möglich.
_Stani._ Aber nicht möglich. Ganz bestimmt. Bei diesem Genre von Frauen
bringt das die Ehe mit sich. In der Liaison hängt alles von Umständen
ab, da sind Bizarrerien möglich, Täuschungen, Gott weiß was. In der Ehe
beruht alles auf der Dauer; auf die Dauer nimmt jeder die Qualität des
andern derart in sich auf, daß von einer wirklichen Differenz nicht mehr
die Rede sein kann: unter der einen Voraussetzung, daß die Ehe aus dem
richtigen Entschluß hervorgeht. Das ist der Sinn der Ehe.