Als sie gingen, nahm Jappes die leere Flasche mit, aber er war traurig,
als er das Mädchen sah, das nach Liebe rang.
Schlichte Naturen haben manchmal
tiefe Gedanken, die uns heimlich
von ihrem Wesen Kunde geben.
Nebelhaft und drohend starrten die Häuser in die Nacht, hier erlosch ein
Licht, dort ein anderes. Straßenkehrer säuberten die Schienen der Tram,
kehrten den Unrat der Straßen zusammen und schliefen dabei. „Die
Bedeutung, weshalb wir in Lohengrin waren?“ fragte Jappes.
„Hast du das Lohengrin-Motiv verstanden?“
„Ich glaube ja,“ sagte er und wurde ernst. „Sage mir etwas von deiner
Seele. Ich liebe deine Stimme, Pepy!“
„In der Lohengrin-Idee liegt etwas von meinem Leben. Ist es nicht das
göttliche Sehnen aus der Einsamkeit nach der Menschwerdung? Gott will
keine unterwürfige Demut, kein Zerfließen in Anbetung, er will durch die
Liebe erlebt und begriffen werden. Gott will ein fühlender Mensch sein
und in seiner Sehnsucht ruft er nach der Frau, nach dem Herzen. Ist es
nicht die Kraft, die sich in Liebe wandelt und die Tragik gebiert? Der
Mann, der sich läutert und die Frau, die aus Sehnsucht stirbt. Lohengrin
wieder rein vom Schmerz durch das Opfer der sterbenden Elsa. Jappes, das
wirst du verstehen, wenn du dies Büchlein gelesen hast.“ Und sie reichte
es ihm.
Zwölf Schläge rieselten durch die Nacht, und zwei Menschen dachten an
den Inhalt der vergangenen Stunden.