Guter Wein ist so erhaben, daß man
keine schlechten Aphorismen
darüber machen soll.
Jappes und Pepy saßen in einer Nische der holländischen Teestube. Sie
trank ein Glas Glühwein, er aß eine Schale Eis. Pepy überlegte, ob sie
Jappes ernst nehmen solle. Sie fand ihn entzückend und abstoßend. Mußte
ganz verbissen über seine Späße lachen, die manchmal brutal klangen,
dann stampfte sie mit dem Fuß auf: Teufel! Er warf ihr huldigende Blicke
zu und sagte: „Pepy, du bist bezaubernd, lockend schön, faszinierend wie
der Nabel des Buddha, wenn man ihn gesehen, kann man nicht mehr los.“
Pepy erfuhr gerne, daß sie reizend war, aber die Vergleiche zerstörten
die schauersüße und sinneglühende Romantik. „Du bist der beste Mann,
weil ich für dich schwärme, aber du sollst dich auch liebhaben und das
Gute nicht in dir töten durch das Grobe deines Benehmens.“
„Soll ich schön schweigen und mich vor Langeweile töten. Ich, Jappes,
genannt Paul vom Schlapphof. Ein tüchtiger Kerl, wer nicht am Weibe
verrückt wird. Pepy, du bist aus Dreck und ich bin aus Dreck und zwei
mal Dreck ist Dreck. Die längste Zeit waren wir zusammen, glaubst du
nicht auch? Feiern wir Abschied heute, ein bißchen Abschied voneinander,
wir haben nicht viel aneinander zu verlieren, weil wir noch nicht viel
gewonnen haben.“ Pepy war starr. Jappes bestellte eine Flasche
Affentaler, und mit sinnlicher Ungeduld fragte er Pepy, wieviel Männer
sie lieb habe.
„Aber Jappes, du bist wohl entgleist! Keinen einzigen, sage ich dir,
keinen!“
„So,“ sagte Jappes, „keinen?! Ich danke dir, daß du nicht einmal mich
lieb hast. Kapsele deine Gefühle ein, bis dein guter Ritter kommt und
die Schale der Ehe bringt. Hehe! Der Storch wird die Taube sein, die
alljährlich wiederkommt, um die Wunderkraft des Kelches neu zu stärken.“
Er lachte ein gedehntes, viehisches Lachen.
Pepy schluchzte, nahm seine Hand, und sagte weinend: „Jappes, ich habe
dich lieb.“
„Du willst wohl Ortrud sein und Rache nehmen, Schlange du, du glatte.
Komm, trink mit mir dies Trostgebräu, daß deine Tränensäcke nicht
versiegen.“ Er schenkte ein: „Prosit! Trinken wir auf das, was wir nicht
lieben.“ Sie tat ihm nicht Bescheid. Er trank die beiden Gläser leer.
Dann war es still.
„Soll ich gehen, Jappes?“ Er schwieg.
„Soll ich noch dableiben?“ Er schwieg.
„Was soll ich tun?“ Er schwieg.
Sie goß die Gläser voll, „Trink Jappes, und sprich, dein Schweigen ist
gräßlich und paßt nicht zu dir.“ Er trank. „Ich werde Arzt, prosit!
Nabelstrangspezialist. Weshalb schneidet man das Organ ab? Ich werde den
Nabelstrang kultivieren, pfropfen und ihn so drillen, daß er der
Rezeptator der okkulten Schwingungen wird. Ich sage dir, der Nabel wird
nicht umsonst in Indien verehrt; wenn wir ihn ausbauen, können wir alle
Geheimnisse durchschauen. Ja, du lachst, ich werde den Nabelstrang
ausbauen und eine Physiologie schreiben, eine Anatomie und eine
Psychologie. Da muß das Feinste der Seele hinein, das Animalische.
Freundin! es wird das zentrale Problem der medizinischen und okkulten
Forschung. Das Problem, um das sich alles dreht. Es wird der Nabel von
allem sein. Prosit!“ Er soff sein Glas leer. „Trink nicht zuviel,“ sagte
Pepy, „du bist schon an der Grenze des Ungenießbaren.“ „Ja,“ tat ihr
Jappes Bescheid, „es ist ungefähr die Grenze. Aber ich bin nicht so
dumm, wie ich mir die Mühe gebe zu scheinen.“ Ihr Lachen streichelte
seine grobe Stimme.