=Moor=. =Nacht=. =Mond=. =Birkengebüsch=.
=Die Moorvettel=, Kräuter suchend und Sprüche murmelnd.
=Die Moorvettel=
Steigen im Nebel die Toten im Moor,
bereitet sich Großes im Leben vor.
Keine Ruh ist den Toten geschenkt,
solang noch ein Lebender an sie denkt.
Und brennt gar im Orte die Leidenschaft,
die sie um ihr zeitliches Dasein gebracht,
singen sie oft die ganze Nacht,
locken die Menschen in kühler Kraft
bis an die Ruhstätte, die sie trennt
vom hellen Tag, den die Sonne verbrennt.
Heute, als spät der Nachtkauz schlug,
sang schon die Irme vom Fahrenkrug,
lange und leise, in Nebel gehüllt,
im Moorweiher stand ihr Schattenbild,
der rasch ihr brennendes Herz gestillt.
Konnt' einst nicht leben vor Lieb und Haß.
Was bedeutet das? Was bedeutet das?
Ein =Moormännchen= tritt auf, ein Irrlicht in der Hand.
=Das Moormännchen=
Komm hier, komm hier, dein Weg versinkt.
Auf gute Bahn mein Lichtlein winkt.
=Die Moorvettel=
wirft ihren Stock nach ihm
Daß die Lichtfunze, die du reckst,
dir deinen eigenen Schädel verbrennt!
Such dir Narren, die du erschreckst,
wo man dein närrisches Plappern nicht kennt.
=Das Moormännchen=
Kreuz Teufel, Hexe verflucht, halt ein!
Mein Lichtlein tanzt ins Schilf hinein.
=Die Moorvettel=
Laß dein Geschrei, versumpfter Flegel.
Herbei! Bring mir den Stock zurück,
und merk dir die erteilte Regel,
sonst gilt es morgen dein Genick.
=Das Moormännchen=
Ich hab dich nicht erkannt, Hexe verehrt.
Nimm deinen Knüppel, aber halt ihn fest.
Ich weiß, daß jeder dich in Ruhe läßt,
und jeder weiß, warum er so verfährt.
=Die Moorvettel=
Merk auf! Fang dir ein neues Licht,
spring nieder zum Weiher, zur Irme hin.
Frag sie: »Was singst du, was schläfst du nicht?
Welches Menschenkind liegt dir im Sinn?
Was soll geschehn, was will sich erfüllen,
wer sucht den Tod um Liebe willen?«
So fragst du. Leucht ihr ins Gesicht,
sei artig und vergiß die Antwort nicht.
Von Toten hört man zuweilen wohl,
was den Menschen geschehen soll.
=Das Moormännchen=
Mein Licht ist hin. Ich mag nicht gehn,
mag nicht ihr weißes Gesicht ansehn.
Nichts oben und unten auf der Welt
ist so von Trauer und Schmerz entstellt.
=Die Moorvettel=
hebt den Stock
Fang dir ein Licht! Durchs Schilf huscht genug.
Tote sind gut und ohne Betrug.
Erst lockst du sie selbst ins Moor hinein
und willst hinterher noch unhöflich sein.
=Das Moormännchen=
Die Irme vom Fahrenkrug kam allein,
ich lockte sie nicht ins Moor hinein.
Die folgte dem Licht nicht, das ich ihr bot,
sah nur das Wasser, schwarz und tot.
Versteckt blieb ich am Weiher stehn,
ich sah sie stürzen und untergehn.
Als früh am Morgen mein Licht verglommen,
ist sie still, still emporgekommen,
langsam, weiß und wunderschön.
Die Augen auf, im kalten Gesicht,
starrten ins blaue Morgenlicht.
In die Seerosen floß ihr gelbes Haar.
Wie schön das war. Wie schön das war.
Ich hab sie sorgsam im Schilf versteckt,
damit kein Mensch sie wieder erschreckt.
=Die Moorvettel=
Scher dich und tu, was ich gesagt.
=Das Moormännchen= ab.
=Die Moorvettel=
Die Irme vom Fahrenkrug singt und klagt.
Sie mochte nicht leben vor Liebe und Haß.
Was bedeutet das? Was bedeutet das?
Seit die Zeit uns den neuen Pfarrer gebracht,
wird's schlimmer im Moorland Nacht für Nacht.
So ruhlos sah ich die nächtliche
Welt der fahrenden Geister noch nie.
Der Wandel der Menschen bekümmert sie,
ihre betörte, verächtliche
Weisheit, ihr Hochmut, ihr Glück.
Ein =zweites Moormännchen= tritt auf, ein Licht in der Hand.
=Das Moormännchen=
Komm hier. Komm hier. Dein Weg geht irr.
Die richtige Straße zeig ich dir.
=Die Moorvettel=
Ist das Gesindel heute taub und blind?
Leucht lieber, daß ich meine Kräuter find'.
=Das Moormännchen=
Dich ruf ich nicht, reg dich nicht auf;
kommt Einer den Heideweg herauf.
=Die Moorvettel=
Da ist es besser, erst hinzuschaun.
Man kann heut keinem Menschen mehr traun.
Sie verbirgt sich hinter den Birken.
=Das Moormännchen=
Komm hier. Komm hier. Dein Weg geht irr.
Die richtige Straße zeig ich dir.
=Die Moorvettel=
Laß sein, spring fort. Verbirg dein Licht,
den Pfarrer von Norby täuschst du nicht,
der hat sich von seinen frühsten Tagen
mit andern Verführern herumgeschlagen.
=Der Pfarrer von Norby= tritt auf.
=Arne=
In Gottes Licht und Satans Nacht
hab ich gekämpft und nie geruht.
Was hat mir aller Kampf gebracht
für mein vergeudet Lebensgut?
Die Liebste hat im Zorn mein Haus verschworen.
Nun weiß ich erst, wie sehr mein Herz begehrt
nach ihrer Liebe, die mein Stolz verloren.
Ist, was ich finde, einst der Opfer wert?
=Ein Moormännchen=
Bist du dir nicht genug bedankt,
daß dir nach Lohn die Seele krankt?
So schwer trägst du an eignen Sachen,
und willst es Andern leichter machen?
=Ein zweites Moormännchen=
Wer sich um eigenes Glück betrogen,
kuriert sich bald im kranken Sinn,
stellt, was das Schicksal ihm entzogen,
als selbstgewolltes Opfer hin.
=Arne=
Fern durch den Nebel glühn die letzten Lichter,
die Menschen traun dem liebevollen Dunkel
und traun der Arbeit, die sie müde macht,
derweil in mir das herrische Gefunkel
der blauen Himmelsewigkeiten wacht.
Oh glücklich ihr, in ruhigem Verzichten.
Wer kennt die Fesseln, die das Blut uns schlägt,
um die in Gottes Licht erblühten Pflichten,
die seine Herrlichkeit uns auferlegt?
Und nie und nie wird die Natur vergehn!
Nun erst begreif ich ihren klaren Sinn,
da ich im Leid von ihr gemieden scheine.
Oh, Lenkerin aus stammelndem Beginn,
bis in die helle Freiheit, wo Erkennen
und unser Herz des Vaters Namen nennen,
durch dich befreit von allem falschen Scheine,
daß Gott in dir sich unserm Wesen eine.
Du bist nur Lenkerin, bist Mittel, Weg und Hort,
doch nie die Heimat, nie das eine Wort.
=Die Moorvettel= tritt auf.
=Die Moorvettel=
Ich seh den hochwürdigen Pfarrer allein.
Wird ein Fräulein im Moor zu erwarten sein?
=Arne=
Eine menschliche Stimme hier noch so spät?
=Die Moorvettel=
Wir sehn uns nie auf den täglichen Wegen.
Ich bitte um einen übrigen Segen,
wenns nah vor Mitternacht noch geht.
=Arne=
Es ist der Tag den Guten lang genug.
Daß du um einen Segen flennst,
scheint mir ein wenig witziger Betrug.
Halb Weltgewissen, halb Gespenst,
schaust du bald hundert Jahre weit
und wardst darüber nicht gescheit.
=Die Moorvettel=
Nicht alle Kräuter blühn bei Tag.
Soll sie stehn lassen, wer sie nicht mag!
Und wenn die Guten den Schlaf nicht versäumen,
so müßte der Pfarrer erst recht schon träumen.
Statt dessen spaziert er im Sumpf herum
und nimmt einen frommen Segenswunsch krumm.
=Arne=
Dich heilt kein Segen, stört kein Fluch,
laß mir die Ruh, die ich hier such'.
=Die Moorvettel=
Das Moor ist lebendig, das Moorland klingt.
Was der Tag den Menschen an Herzleid bringt,
führt oft, statt unter das Kirchentor,
ins Wasser vom Moor.
=Arne=
Laß die Toten ruhn,
bis sie dich in ihre Gesellschaft tun.
Dann können sie dir ihr Sprüchlein sagen.
=Die Moorvettel=
Sie lassen sich vorher auch befragen,
auch sprechen sie, ohne daß man sie fragt.
=Arne=
Da hast du recht, Gott sei's geklagt.
Ich gesteh dir, wenn auch in anderem Sinn,
daß ich doch ganz deiner Meinung bin.
=Die Moorvettel=
Die Menschen sind töricht, taub und blind
und haben vergessen, was sie sind.
Ihr Wohl, ihr Ungemach, ihr Wesen
ist überall auch hier zu lesen.
Ich seh ihr Lächeln, Klagen, Mühn
in Licht und Nacht hier draußen blühn.
Kein Unterschied, wohin man sieht,
immer das Gleiche, was geschieht.
Hier klein und nichtig,
kein Mensch schaut sich um,
dort nennt ihr es wichtig
und wißt nicht warum.
=Arne=
Alte, die Weisheit ist ungewaschen,
läßt mir das Wichtigste durch die Maschen.
=Die Moorvettel=
Kommt der Herr Pfarrer mit Gott und Gericht,
tut der Herr Pfarrer seine Pflicht.
Oder auch gar mit Moral und Vernunft?
Spricht von der Menschheit und meint seine Zunft.
Stehn Euch die Dogmen kurios zu Gesicht,
aber ich Alte glaub sie Euch nicht.
Sollt mir mit Euren geborgten Waffen
nicht meine Sinne Lügen strafen.
Vier Pfarrer sah ich hier, Jahr nach Jahr.
Der Erste von ihnen mein Liebster war,
der Zweite brachte mir Schmach und Skandal,
der Dritte gab mir das Abendmahl.
Doch statt daß es mich in den Himmel gebracht,
hat es mich wieder gesund gemacht.
Dann hat er den eigenen Tod gehört,
was war ihm da Kelch und Kanzel wert?
Er schickte nach mir und meinem Kraut.
Ich hab's ihm nach meinem Willen gebraut;
fürs zeitliche Leben hat er's genommen
und ist ins ewige Leben gekommen.
Da hatte die heilige Seele Ruh
und machte die lüsternen Äuglein zu.
Der Vierte wart Ihr. -- Was wollt Ihr hier?
Die Anderen waren nicht »ja« und nicht »nein«,
so muß wohl ein brauchbarer Pfarrer sein.
Nur im »vielleicht« gedeiht seine Pflicht,
aber Ihr taugt zum Pfarrer nicht.
=Arne=
Narrt mich ein Spuk? Was zwingt mich dir zu lauschen
und gar mit dir die Meinung auszutauschen,
als läge mir nicht bess'rer Wert im Sinn.
=Die Moorvettel=
Immerhin, immerhin ... Wer hat Euch erklärt,
daß Euer Wert von besonderem Wert?
=Arne=
Du bist zu Lob und Urteil nicht geschickt,
im Finstern wird der tiefste Glaube schlecht.
=Die Moorvettel=
Doch in den Besten wird er zum Konflikt.
Wer nichts als brav ist, findet sich zurecht.
=Arne=
Mir liegt eine singende Stimme im Ohr.
=Die Moorvettel=
Die Irme vom Fahrenkrug singt im Moor.
Habt Ihr vergessen das Fräulein blond,
das Ihr vor Jahren so liebreich geschont,
das Ihr zurück in ihr Elternhaus sandtet,
als Ihr sie nachts auf der Pfarrtreppe fandet?
Von Liebe wegen, um Euretwillen,
mußte ihr Schicksal sich einst erfüllen.
Glaubt mir, glaubt mir, ich rede wahr,
ihr nächtliches Klagen bringt Euch Gefahr.
=Arne=
Ich hatte nie mit diesem Weib zu schaffen.
=Die Moorvettel=
Ich weiß, Herr Pfarrer, deshalb ging sie schlafen.
Hättet Ihr sie ans Herz genommen,
wäre sie nicht zu uns gekommen.
Aber nicht alle Verschmähten tun das ...
Manch Einer Lieb' ward zu tödlichem Haß.
=Arne=
Des Einen Tugend macht des Andern Schuld,
denn die Natur läßt sich nicht korrigieren.
Die Menschen können die arme Geduld
nur selten messen mit der ihren.
=Die Moorvettel=
Ihr pilgert um Euch selbst spazieren,
bis Euch zum Sterben schwindlig wird.
Seit wann ist Euch der neue Wert
so klar im Herzen eingekehrt?
=Arne=
Die wahrhaft Reichen können nicht verlieren,
solange die Natur nicht irrt.
Drei Jahr lang lacht' ich über dich,
jetzt steh ich hier und wundre mich,
wo hast du die närrische Weisheit her, sprich?
=Die Moorvettel=
Mein toter Liebster war hochgelehrt,
da hab ich nicht närrische Weisheit gehört.
Und was man lernt, ist häufig dem,
was man schon ist, nur unbequem,
und wen die Bestimmung vom Leben entfernt,
der hat auch im Wachsen nicht leben gelernt.
Und wäre das Sterben nicht aller Pflicht,
ich glaube, er könnt auch das Sterben nicht.
=Arne=
Dir Antwort geben, hieße sich zerstreun,
ich möchte meine Worte nicht bereun,
denn auch der beste und schönste Gedank'
bleibt wertlos ohne Zusammenhang.
=Die Moorvettel=
Schon gut, euch leuchtet der eifrige Schädel
nicht leicht bei einem vertrockneten Mädel,
aber ist sie noch drall und jung,
redet ihr mehr als bei Männern und Trunk.
Habt doch von allem, was ihr erreicht,
höchstens einmal ein Weib überzeugt.
Bleibt doch das Beste, was ihr gesagt,
immer noch, was ihr den Mädchen geklagt.
Und ich kenn das betroffene Greinen,
wenn ihr nach all eurem Geistesverrat
endlich so einen zappelnden Kleinen
still adoptiert als das Endresultat.
=Arne=
Dein Hohn tut meinem Herzen leid.
Der Menschen Schwächen zu erkennen,
ist leichter, als ihr Gutes nennen,
und Spott der Narren täglich Kleid.
=Die Moorvettel=
Nennt Ihr mich närrisch immerhin,
weiß schon alleine, wer ich bin.
Ich mochte nicht unter den Menschen sein,
trollte ins Moor und blieb allein,
merkte das Beste vom Wesentlichen,
und hab es in Muße mit allem verglichen.
=Arne=
Was nützt dir Muße und Vergleichen,
kann jeder nur sich selbst erreichen.
Die Besten wurden im Vergleich bescheiden,
das Alter mag nur eigne Weisheit leiden.
=Die Moorvettel=
Wenn euer Wein nur zehn Jahr' ruht,
nennt ihr ihn schon besonders gut.
Wieviel mehr als ein Tröpflein Wein
wird nicht ein Fünklein Weisheit sein.
Seht nun, Herr Pfarrer, daraus ergibt sich,
daß man wohl doch nicht immer irrt,
wenn eine Weisheit im Kopf, an die siebzig
Jahre lang, aufgehoben wird.
=Arne=
Zwischen Verachtung und Verdruß
findet sich oft noch ein kleiner Genuß. --
Du machst dir's leicht, das Wirken der Natur
ins eigne Denken zu verlegen.
Das Wichtigste vergißt du nur,
das Böse wirkt in uns dagegen.
=Die Moorvettel=
Was ihr im eignen Haushalt kennt,
und rasch entschlossen böse nennt,
hat draußen sich als gut bewährt,
genau so oft wie umgekehrt.
Denn zu des Durchschnitts Zeitbegriffen
und seiner armen Plänkelei,
hat Gott dem Satan oft gepfiffen,
auf Satans Pfiff kam Gott herbei.
Die Menschen aber, die das Gute gut
und die das Böse tief als böse fühlen,
sind die Gesellen, die in blinder Wut
nach Ewigkeit, an ihrem Grabe wühlen!
Sie können lieben und sie können hassen
und haben nichts mit Menschenglück zu tun.
Ihr wolltet Euch nicht warnen lassen,
ich geh und wünsche gut zu ruhn.
Ich kenn die Ruh, um die Ihr trauert,
und wünsche, daß sie nicht zu lange dauert.
Ab.
=Arne=
Die hat sich leicht zurechtgefunden
und Gut und Böse überwunden,
das gilt als stark in meiner Zeit.
Darüber bleibt Unschuld mit Ewigkeit
doch unzertrennbar verbunden.
Das Böse in Grimm und Flammen,
glüht sie nur fester zusammen.
Ab.
Ein =Moormännchen= tritt auf, ein Irrlicht in der Hand.
=Das Moormännchen=
ruft =Arne= nach
Komm hier, komm hier! Dein Weg geht irr!
Die richtige Straße zeig ich dir.
=Ein zweites Moormännchen= tritt auf, ein Irrlicht in der Hand.
=Das zweite Moormännchen=
zum ersten
Wie hab ich mich bemüht!
Leucht ich nicht hell?
Was ist das für ein Gesell,
der keine Irrlichter sieht?
=Das erste Moormännchen=
Mich schickte die Vettel zur Irme hinab,
die Irme mir keine Antwort gab.
Auf meine Frage, was sie bewegt,
hat sie die Hand aufs Herz gelegt,
als täte es ihr noch immer weh.
Dann hob sie langsam den Arm in die Höh'
und zeigte, stumm und starr, weit über
das Moorland zum Pfarrhaus von Norby hinüber.
Ich sah sie an und fragte wieder ...
Kreuz Teufel, fuhr mir ein Schreck in die Glieder,
als ich ihr Gesicht im Mondlicht erblickt!
Daß man noch immer so kindisch erschrickt.
Mein Licht im Schilfgrund tanzen ging,
dies ist das dritte, das ich mir fing.
=Das zweite Moormännchen=
Horch! Horch! Wer kommt? Der Boden klingt.
Verbirg dich rasch! Lösch aus dein Licht.
Über den Moorgrund ein Feuer springt,
siehst du sein Flattern im Wasser nicht?
Das Feuer der Menschen ist böse und rot,
bringt den Moorleuten Angst und Not.
=Beide= löschen ihre Lichter und flüchten.
Eine =Schar Burschen= tritt auf, bewaffnet und mit Fackeln.
=Erster Bursche=
Die Nacht ist wie von Hexenvolk besessen.
Was wir beginnen, schien am Tag mir leichter.
=Zweiter Bursche=
Und was du schwatzt, scheint mir zur Nacht noch seichter,
als es am Tage selbst die Dümmsten fressen.
=Dritter Bursche=
Ist dies der Ort, der uns befohlen?
=Erster Bursche=
Was Ort und Pfaff! Der Teufel soll sie holen.
Ich weiß nicht mehr, wie mir bei dieser Fehde
zu Mute ist und was mit mir geschehn.
Zu Anfang war es eine schöne Rede,
ein toller Scherz, ein Schwatz, ein Weib wie jede,
jetzt aber kann ich es mit Augen sehn.
Nun ist es Wirklichkeit und Tat geworden,
wir ziehen aus zu brennen und zu morden.
=Zweiter Bursche=
Wo Oerlsund kocht, da frißt er auch den Brei.
Seit lange war ich nicht so gern dabei.
Wir sind zu oft gegerbt, und andere nahmen
sich unseres Fells zu ihrem Nutzen an,
als daß ich nicht den Herren und den Damen
vergönnte, was ich selten haben kann:
den Anblick ihrer Schmach und das Vergnügen,
den Pfaffen einmal gründlich aufzuliegen.
=Erster Bursche=
Was mich bestimmte, sah ich anders an. --
Es wird auf diese Nacht ein Tag sich heben.
Ob wir ihn noch bei freier Kraft erleben?
Das frag ich mich, da denk ich dran.
Mir war, als büßte oft schon unsereins
den Irrtum dieser Herren, hochgeehrt.
Der Galgen steht zu tief für hohe Leute.
Das große und das kleine Einmaleins
macht nicht die Rechnung, sondern umgekehrt,
denn morgen weht der Wind von andrer Seite.
=Zweiter Bursche=
Geehrte Rechnung, hochgeschätzter Wind!
Uns wird er nur den Hut vom Kopfe nehmen.
Wer Angst verspürt, der möge sich bequemen,
ihn selbst zu ziehn. So hilft er sich geschwind.
Und ob die Herrschaft Pfaff, ob Oerlsund heißt,
am besten tut sich, wer auf beide scheißt.
Für heute, dünkt mich, bläst der Wind vom Meer.
Man soll nicht stören, wenn die Herrschaft streitet.
Zu alledem geb ich mich gerne her,
wenn man den Pfaffen ihre Brunst verleidet.
=Vierter Bursche=
Was streitet ihr? Mir ist das Herz bewegt.
Ihr kränkt euch. Großes soll an uns geschehn.
Zum Raufen bin ich wenig aufgelegt
und habe nichts als Kummer zu gestehn.
Ich möchte Schuld und Unschuld nicht verteilen,
bin wie ein Nachen zwischen Meer und Küste.
Dort fühl' ich Grund, hier aber kann ich weilen,
dorthin zieht Gunst mich, hierher mein Gelüste.
Ihr seht mich unter euch und mit euch gehn,
und habt mir doch die rechte Lust verleidet.
Mich lockt die Glut, in der das Gold sich scheidet,
doch nicht der Wunsch, ihr möchtet sie bestehn.
=Zweiter Bursche=
In jedem Troß, der sich zur Tat geschickt,
läuft einer mit, der ihm die Hosen flickt,
der heute bebt, wenn Oerlsund nicht befiehlt,
und der sich morgen in die Kirche stiehlt.
Halt doch das Maul. Siehst du Naemi kommen,
tust du ja doch, was sie sich vorgenommen.
=Vierter Bursche=
Und mehr vielleicht als du. Am rechten Ort
sind mir die Fäuste lieber als das Wort.
=Erster Bursche=
Ihr seid zu früh mit euren Taten dran.
Seid ihr von Sinnen, daß ihr hier mit Streit
beginnt? Seid ihr des Teufels? Kommt heran
und seht euch zeitig die Gestalten an,
die dort sich nahn. Die Stunde ist nicht weit,
da ihr für bessere Dinge einig seid.
=Fünfter Bursche=
Oerlsund! Er ist es. Ihm zur Seite,
Naemi.
=Holger= und =Naemi= treten auf.
=Erster Bursche=
Herr! Nicht einer fehlt.
=Holger=
Es soll mir keiner fehlen! Leute,
noch geb' ich Zeit für jeden umzukehren.
Daß keiner sich den bittern Ernst verhehlt,
in dem wir uns der Pfaffenränke wehren,
die Norbys Freiheit um ihr Licht gebracht.
=Naemi=
Löscht aus die Fackeln! Hell ist die Nacht,
sie haben uns sicher durchs Moor gebracht,
nun laßt ihre rote Feuermacht
ruhn, bis der Pfarrer von Norby erwacht.
Er soll erwachen in ihrer Glut;
wird ahnen und wissen, wer das tut.
Rufen sollt ihr, Gesellen, schrein:
Das ist Naemis Feuerschein!
Er soll mich sehn. Er wird mich sehn.
Mitten im roten Sturm will ich stehn,
daß er im Feuer mich wiederkennt,
wenn ihm sein Herd, sein Haus verbrennt.
Und ihr sollt rufen, jubeln, schrein:
Das ist Naemis Feuerschein!