Zu Arne

Sag mir, Geliebter, sag mir, was geschah!

=Arne=

Du meldest mir, der Oerlsund wäre da.

Ich bitte ihn, mich draußen zu erwarten.

Was wir hier tun, bekümmere dich nicht.

Es tat hier nur mit ungewöhnlich harten

und ernsten Worten jeder seine Pflicht.

=Naemi=

Ich bin besorgt, ich laß dich nicht allein!

Wem würdest du nicht leicht gewachsen sein,

doch wer wie du beschaffen ist, der trägt

am schwersten an den Wunden, die er schlägt.

=Arne=

Ich danke dir. Ich bitte dich zu gehn.

Mir kann nur das Notwendige geschehn.

=Naemi= ab.

=Der Kirchenrat=

Ich kann den harten Spruch, der mir entfahren,

nicht tief genug bedauern, seit dies Wort

aus diesem Kindermund Euch widerfahren.

Ich hörts erstaunt, und seltsam wirkt es fort.

Es sprach die Inbrunst einer reichen Liebe

und viel Verständnis für des Herzens Wert

aus jenem Wort, das mir so schmerzlich trübe,

mehr als ich fragte, liebevoll erklärt.

Im Kopf verwirrt, im Herzen tief gerührt,

fühl ich die Welt der alten Sätze schwanken.

Oh, wieviel mehr als jegliche Gedanken

hat uns das Leid der Wahrheit zugeführt!

=Arne=

Es mag, da schon so viel gesprochen ist,

und da mein Herz sich wider Willen löste,

auch noch ein Wort gesagt sein, das Euch tröste.

Denn wie ich Euch und Eure Welt verstehe,

tut es Euch wohl, wenn sich ein Frevel rächt,

daß das erbarmungswürdige Geschlecht

der armen Menschheit Eure Pflicht erflehe.

=Naemi= tritt auf. Ungesehn von Beiden verharrt sie zwischen den

Vorhängen einer Seitentür.

=Der Kirchenrat=

Ich sah dies Mädchen, das Euch Gott geschenkt,

wie soll ich fassen, was Euch so bedrängt?

Laßt Ihr Euch nicht dies holde Wunder blühn?

Verwirrend lieblich schien mir ihr Bemühn

um Euer Wohlsein, Güte und Geduld. --

Warum entweiht Ihr diese Gunst zur Schuld?

=Arne=

Mit raschem Wort und ungelenkem Rat

nennt Ihr mein Glück mit diesem Mädchen Sünde,

derweil ich ringe, daß ich Wege finde,

um dem zu fliehen, was ihr Blut mir tat.

Ich hasse sie um ihrer Kräfte willen,

in ihrer Macht, die mir mein Blut bekennt.

Es hat im Weib sich Gott von uns getrennt,

um sich in ihrer Schwachheit zu erfüllen!

In meiner Stärke war ich einst Gott gleich.

In meiner Stärke suchte ich sein Reich.

Von Haß und Liebe jämmerlich entstellt,

seh ich mich arm und klein dem Sinn der Welt

in eines Weibes Wesen unterstellt.

Es lockt uns ihres Wesens Sinn und Licht

die beste Kraft aus ihrer besten Pflicht.

Ach, daß ich Demut hätte, still zu werden

in dem Bewußtsein, die Natur erfüllt

im Gang der Zeit auch meines Daseins Sinn.

Daß Gottes schöpferische Kraftgebärden

mir auch den Wunsch, ihm nah zu sein, gestillt!

So aber weiß ich es, das höchste Heil

des Daseins und sein ungeteilter Frieden

wird nur dem Auserwählten ganz zu Teil,

dem Kraft zu jeglichem Verzicht beschieden.

Zwiespältig scheint der Zukunft lichtes Reich,

die beiden Wege führen nie zusammen.

Der eine heißt: Gehorsam allen gleich,

und auf dem andern leuchten uns die Flammen

des Kampfs mit Gott. Er duldet keine Götter

und keine Leidenschaften neben sich.

Und erst als Sieger wird er zum Erretter.

=Der Kirchenrat=

Wenn ich den Satan nicht vernommen hätte

in Euren Worten, rissen sie mich fort.

Daß mir der Herr die heilige Einfalt rette

in diesem Wirrwarr von Begriff und Wort.

Ich höre, daß es Euch erschreckend geht ...

=Arne=

Es hört doch jeder nur, was er versteht.

=Naemi=

hervortretend

Was er versteht, das hört er nur zu gut!

Und du bist frei von dem gehaßten Gut!

=Arne=

zu =Naemi=

Hast du gehört, was ich gesprochen habe?

=Naemi=

Ich hab's gehört und weiß es bis zum Grabe!

=Holger Oerlsund= tritt auf.

=Holger Oerlsund=

Ich dulde nicht, daß man mich warten läßt!

Ein Oerlsund braucht auf Norby nicht zu warten!

=Naemi=

ihm entgegen

Du brauchst nicht mehr zu fordern noch zu bitten.

Mir ward das Herz in hellen Gluten frei.

Es hat in diesem Haus genug gelitten.

Sie reißt =Holger Oerlsund= mit sich hinaus.

=Arne=

Auf daß nun mein Geschick vollkommen sei.

Norby: Eine dramatische Dichtung · 第 20 / 31 题