Und nun, Herr Pfarrer, rührt Euch nicht die Not
des armen Schäfleins vor des Wolfes Rachen?
Hier herrscht das Leben, dort der große Tod,
nun leitet den bedrängten Lebensnachen
gerecht hindurch, nach göttlichem Gebot!
=Arne=
Bin ich berufen, euren Streit zu schlichten,
ließt ihr mich holen, um mich anzuklagen,
wo die Natur schon längst mit Kraft entschied?
Ihr habt es leicht, von eurem Leid zu sagen,
ich kann von meiner Mühsal nicht berichten,
nicht, was mein Herz mit Leidenschaft vermied.
Wer sagte euch, daß, wenn ich euch gefiele,
ich Gott im Himmel nicht mit Schuld betröge,
wenn ich mein Herz in eure seichten Spiele
und mein Gefühl in eure Trauer zöge.
Oh, tief gebeugt von meiner strengen Pflicht,
an deren Recht ich nur mit Zweifeln glaube,
fühl ich aufs neue, daß ich euch beraube,
wo ich euch gebe, helfen kann ich nicht.
=Holger=
Ihr seid ein Pfarrer, wie ihn Gott erschaffen!
=Arne=
Mißt du den Wert des Gegners an den Waffen?
=Holger=
Nicht an den Waffen, aber an den Taten.
=Arne=
Wer hat dir meines Handelns Sinn verraten?
Dank deinem Schöpfer, daß du arm und stark
dein Dasein lebst in Mißgeschick und Freude.
Im Leiden stolz, im Jubel ohne Arg.
Du, den ich heiß um jeden Schmerz beneide.
Er wendet sich zum Gehen.
=Naemi=
hält ihn auf
Was könnte jemals meinem Leben sein
die flache Kraft, die deinen Zwiespalt höhnt?
Sieh, meiner Seele Zuflucht ward allein
dein ruhlos Herz, von keinem Glück versöhnt.
Schließ mich in Schuld und Zweifel ein
und in das Schicksal, das dir frommt.
Nie könnte meine Freude sein,
was nicht aus deinen Händen kommt.
Sie wirft den Mantel um =Arne=, und =beide= eilen hinaus. =Holger=
eilt ihnen nach, bleibt aber in der geöffneten Tür stehen und schaut
ihnen ohne Entschluß im Bann der letzten Worte Naemis nach. Der Sturm
dringt ins Haus.
=Der Küster=
Ich stand, mein Herr, nur schuldlos in der Mitte,
laßt mich hinaus, mein Herr, ich bitte.
=Holger= tritt zur Seite und läßt ihn vorüber. Der alte =Jörgen= sinkt
auf die Bank am Kamin.
=Holger=
an der Leiche seines Vaters
Oh Schmach der Liebe, nun mit Schmerz gepaart,
in dem die letzte Zuflucht mir versank,
daß nun die Heimkehr, meiner Jugend Dank,
zu dir, mein Vater, mir genommen ward.
Ich fasse über deiner Augen Stille
und bleicher Ruhe die Verlassenheit
zum ersten Mal, eh' noch der arme Wille
zu einer eigenen Zukunft recht bereit.
Zum Abgrund wird nun die Vergangenheit,
kein pochend Herz eint mich dem Ursprung mehr,
daraus ich kam. Die Zukunft stürmt den Mann
am Rand des Abgrunds ungebärdig an,
und läßt ihm keinen Weg, als den: voran.
Und machtvoll höhnt ihr mitleidsloser Schritt:
Nimm deinen Schmerz zum eignen Grabe mit.