Im Todeskampf

Heiland der Welt, du hast es gesehn.

Laß mich in deinen Frieden gehn.

Er stirbt.

=Jörgen=

Das ist der Tod.

=Naemi=

Oh, Vater, sieh mich an!

Nur einmal noch sei deinem Kinde gut.

Du starbst im Zorn! Wie weh das tut.

Oh, ungeschickter Tag, betrübte Stunde!

Daß nun des Todes Willkür deinen Fluch

zur dunklen Wahrheit meinen Schmerzen macht.

Daß kein Vertrauen dir die arge Kunde

erleichtert hat, kein freundlicher Versuch.

Zieh meine Kindheit nicht in deine Nacht!

=Arne=

Er war ein Leben lang den Kräften treu,

die ihn zu seinem Tun und Lassen trieben,

es konnte keiner noch die Menschen lieben,

der nicht sich selbst mit Schmerzen treu geblieben.

Gib du uns, Vater, daß es jeder sei.

Oh, gib uns Armen, die du selig preist,

ein mutig Herz bis in die letzten Stunden,

der du allein den Weg der Seele weißt,

gib ihrer Heimkehr Licht aus deinem Geist

und Trost aus deinen bittern Todeswunden.

Oh selig, wer, wie der entschlafne Mann,

der seines Werkes Frucht und Segen schaute,

im reinen Sinn des Wirkens schlummern kann,

dem er, als Kind, bis in den Tod vertraute.

=Holger=

Mein Vater ist tot! Pfaff, laß dein Plärren!

Du höhnst den Toten. Du lästerst den Herren!

=Naemi=

zu =Holger=

Du schweigst! Ich will es! Jedes freche Wort

wirft rechtlos Schmerz und Schande auch auf mich.

Ich ging aus eignem Wunsch und Willen fort,

was kümmern meines Lebens Zeichen dich?

=Holger=

zu =Naemi=

Sprich nicht von Recht. Die Pflichten, die mich schlagen

und leiten werden, gabst nicht du mir ein.

Soll ich ein Weib nach meinen Rechten fragen?

Das ist der Schwachen Art und Tugendschein.

=Naemi=

weicht vor ihm zurück

Ich fürchte deine Drohung, deine Macht

so wenig, wie ich deine Rechte kenne.

Kein Band, kein Wort, kein Blick ward dir gebracht,

daß ich dich mehr als meinen Bruder nenne.

Und wahrlich hast als Bruder du mißbraucht

die Liebe, die ein arglos Kind dir schenkte.

=Holger=

Dem Herzen, das aus Liebeseifer kränkte,

hat noch kein Zorn zur Schande je getaugt.

War ich als Bruder milde, nun wohlan!

Erfahre, wer ich bin als Herr und Mann.

Norby: Eine dramatische Dichtung · 第 14 / 31 题