Hier ligt ein unglüklicher Leichnam, von einer
unglüklichen Seele verlassen; sucht meinen Namen nicht! Verderben
über euch Bösewichter alle, die ich hinter mir lasse! Hier ligt
Timon, der alle Menschen hassete; geh' vorbey, und fluch' ihm bis
du genug hast, nur verweile dich nicht hier. Dieses drükt die
lezten Bewegungen deiner Seele wohl aus; ob du gleich unser
menschliches Mitleid verabscheuet, und die Thränen verschmähest,
die der kargen Natur entfallen; so lehrte dich doch ein edler Stolz,
den ungeheuern Neptun für ewig auf dein niedriges Grab weinen zu
lassen--Wohlan--die Fehler sollen vergeben seyn--Der edle Timon ist
todt; und sein Gedächtniß soll eine unsrer Sorgen seyn--Führt mich
in eure Stadt, und ich will mein Schwerdt mit Oelzweigen umwinden!--
Rührt die Trummeln, und rükt ein--
(Sie ziehen ab.)
Timon von Athen, von William Shakespeare
(Übersetzt von Christoph Martin Wieland).