Übersetzt von Christoph Martin Wieland

Personen.

Timon, ein edler Athenienser.

Lucius, Lucullus, Sempronius und Ventidius, Schmeichler und falsche

Freunde des Timon.

Alcibiades, ein General der Athenienser.

Apemanthus, ein Cynischer Philosoph.

Flavius, Timons Verwalter.

Flaminius, Lucilius und Servilius, Bediente des Timon.

Caphis, Varro, Philo, Titus, Lucius und Hortensius, Bediente von

den Gläubigern des Timon.

Ein Poet.

Ein Mahler.

Ein Juweelen-Händler.

Ein Galanterien-Krämer.

Ein Kauffmann.

Drey Diebe.

Etliche Senatoren.

Cupido und Masken.

Phrynia und Timandra, Maitressen des Alcibiades.

Verschiedne Bediente, Soldaten, und andre als stumme Personen.

Die Scene, Athen, und ein nicht weit davon gelegner Wald.

Erster Aufzug.

Erste Scene.

(Eine Halle in Timons Hause.)

(Der Poet, der Mahler, der Juweelen-Händler, der Kauffmann, und

der Galanterie-Krämer treten durch verschiedne Thüren auf.)

Poet.

Guten Tag, mein Herr.

Mahler.

Ich erfreue mich über euer Wohlbefinden.

Poet.

Ich hab' euch lange nicht gesehen; wie geht's in der Welt?

Mahler.

So daß es besser seyn könnte, mein Herr.

Poet.

Nun, das ist etwas bekanntes. Aber was giebt es vor besondere

Seltenheiten?* Was ist so ausserordentlich, wovon wir nicht in den

Urkunden der Welt mehr als ein Beyspiel finden?--Seht, o Zauberey

der Freygebigkeit! Alle diese Geister hat deine Macht

zusammenbeschworen, dir aufzuwarten--Ich kenne den Kauffmann.

Mahler.

Ich kenne beyde; der andere ist ein Juweelen-Händler.

Kauffmann.

O! es ist ein würdiger Edelmann!

Juweelen-Händler.

Das ist ausgemacht.

Kauffmann.

Ein recht unvergleichlicher Mann, von einer unerschöpflichen und

immerwährenden Gütigkeit beseelt. Er übertrift --

Juweelen-Händler.

Ich habe hier ein Juweel--

Kauffmann.

O ich bitte euch, laßt mich's sehen--Für den Lord Timon, mein Herr?

Juweelen-Händler.

Wenn er es so hoch bezahlt als es geschäzt ist; doch was das

betrift --

Poet.

Wenn wir um Lohn den Lasterhaften singen,

So wird auch des Gerechten Lobes Glanz

Dadurch beflekt, das wir der Tugend bringen--

Timon von Athen · 第 2 / 5 题