Innere Gemächer des Palastes.
Sudarschana und Surangama.
_Sudarschana_
Geh fort von mir, Surangama! Ein tödlicher Zorn rast in mir -- ich
kann niemanden ertragen -- es macht mich wild, dich so geduldig und
unterwürfig zu sehn.
_Surangama_
Auf wen bist du zornig?
_Sudarschana_
Ich weiß nicht; aber ich möchte alles vernichtet und unter Trümmern und
Elend begraben sehn! In einem Augenblick verließ ich meinen Platz als
Königin auf dem Thron. Gab ich alles hin, um mich in dieser düsteren
Höhle als Sklavin abzuplagen? Warum flammen für mich nicht die Fackeln
der Trauer über die ganze Welt? Warum zittert und bebt nicht die Erde?
Ist mein Sturz nicht mehr als das unbemerkte Fallen der armseligen
Bohnenblüte? Ist er nicht eher wie der Fall eines glühenden Sternes,
dessen flammende Lohe den Himmel in Stücke reißt?
_Surangama_
Ein mächtiger Wald raucht und glimmt innen, ehe er in Flammen ausbricht:
die Zeit ist noch nicht gekommen.
_Sudarschana_
Ich habe Ehre und Ruhm einer Königin in Staub und Winde gestreut -- aber
gibt es keinen Menschen, der kommen will, um meine trostlose Seele hier
zu besuchen? Allein -- oh, ich bin furchtbar, grauenvoll allein!
_Surangama_
Du bist nicht allein.
_Sudarschana_
Surangama, ich will nichts vor dir verbergen. Als er den Palast in
Flammen setzte, konnte ich nicht auf ihn böse sein. Eine große innere
Freude machte mein Herz erzittern. Was für ein staunenswürdiges
Verbrechen! Was für eine glorreiche Kühnheit! Dieser Mut machte mich
stark und befeuerte meine Lebensgeister. Diese furchtbare Freude gab mir
die Kraft, in einem Nu alles hinter mir zu lassen. Aber ist das alles
nur meine Einbildung? Warum ist nirgends ein Zeichen zu sehen, daß er
kommt?
_Surangama_
Der, an den du denkst, hat den Palast nicht in Brand gesteckt -- der
König von Kantschi tat es.
_Sudarschana_
Der Feigling! Aber ist es möglich? So schön, so bezaubernd, und doch
keine Mannheit in ihm! Hab ich mich selbst betrogen um so eines
wertlosen Geschöpfes willen? O Schmach! Pfui über mich!... Aber
Surangama, meinst du nicht, dein König hätte doch kommen müssen, um mich
zurückzuholen!
(Surangama verharrt in Schweigen.)
Du meinst, ich brenne darauf, zurückzukehren? Niemals. Selbst wenn der
König in Wirklichkeit käme, ginge ich nicht zurück. Nicht ein einziges
Mal verbot er mir fortzugehn, und ich fand alle Tore weit geöffnet, um
mich hinauszulassen! Und die steinige, staubige Straße, auf der ich
wanderte -- es war ihr nichts, daß eine Königin auf ihr schritt. Sie
ist hart und gefühllos, wie dein König; der niedrigste Bettler gilt ihr
ebensoviel wie die höchste Königin. Du schweigst! Nun, ich sage dir,
deines Königs Benehmen ist -- niedrig, roh, schmählich!
_Surangama_
Jeder weiß, daß mein König hart und unbarmherzig ist -- niemand ist je
imstande gewesen, ihn zu rühren.
_Sudarschana_
Warum rufst du dann zu ihm bei Tag und bei Nacht?
_Surangama_
Möge er immer hart und unnachgiebig bleiben wie Stein -- mögen
meine Tränen und Bitten ihn nie bewegen! Mögen die Leiden nur immer
_mein_ Teil sein und möge Ruhm und Sieg _ihm_ immerdar bleiben!
_Sudarschana_
Surangama, sieh! Eine Staubwolke scheint dort drüben über den Feldern am
östlichen Horizont aufzusteigen.
_Surangama_
Ja, ich sehe es.
_Sudarschana_
Ist das nicht wie das Banner eines Streitwagens?
_Surangama_
In der Tat, es ist ein Banner.
_Sudarschana_
Dann kommt er. Er ist endlich gekommen.
_Surangama_
Wer kommt?
_Sudarschana_
Unser König -- wer sonst! Wie könnte er ohne mich leben! Es ist ein
Wunder, wie er nur diese Tage her aushalten konnte.
_Surangama_
Nein, nein, das kann nicht der König sein.
_Sudarschana_
»Nein«, in der Tat! Als ob du alles wüßtest! Dein König ist hart, kalt,
unbarmherzig, nicht wahr? Wir wollen sehen, wie hart er sein kann. Ich
wußte von Anfang an, daß er kommen würde -- daß er hinter mir herlaufen
müßte. Aber erinnere dich, Surangama, ich habe ihn nicht ein einziges
Mal gebeten, daß er käme. Du wirst sehen, wie ich deinen König dazu
bringe, mir seine Niederlage zu bekennen! Geh nur hinaus, Surangama, und
laß mich alles wissen.
Surangama geht hinaus.
Aber werde ich gehen, wenn er kommt und mich bittet, mit ihm
zurückzukehren? Gewiß nicht! Ich will nicht gehen! Niemals!
Surangama kommt zurück.
_Surangama_
Es ist nicht der König, meine Königin.
_Sudarschana_
Nicht der König? Bist du ganz sicher? Wie! er ist noch nicht gekommen?
_Surangama_
Nein, mein König wirbelt nie soviel Staub auf, wenn er kommt. Niemand
kann wissen, wann er überhaupt kommt.
_Sudarschana_