Ewige Wonne ruhe auf diesem Tage und unter dem Schimmer des
rosenlächelnden Himmels müssen sich an demselben zwo große Seelen,
die das unerbittliche Schicksal lang voneinander trennte, im höchsten
Taumel der Liebe küssen.
Laß mich zu mir selber kommen, Rothe, ich kann nicht reden--kann die
Gefühle nicht ausdrücken--aber wenn es je Entzücken auf Erden gibt,
so war es das. Sie wiederzusehn--nach so langem Schmachten--so
wiederzusehn--siehst Du, alle die Wonne schneidt mir ins Herz, ich
sitze da, halb ohne Atem, alle meine Pulse hüpfen, zittern für Freude
und eine wollüstige Träne über die andere stürzt sich aus meinen
Augen herab.
Die Geschichte dieses Tages--daß Du doch das alles nicht gesehen hast!
Wie kann ich's erzählen? Ich kam mit dem Maler. Nein, ich
schickte den Maler voraus und nach einem Weilchen kam ich nach. Sie
saß ihm schon--saß da in aller ihrer Herrlichkeit--und ich konnte
mich ihr gegenüberstellen und mit nimmersatten Blicken Reiz für Reiz,
Bewegung für Bewegung einsaugen. Das war ein Spiel der Farben und
Mienen! Wenn der Himmel mir in dem Augenblick aufgetan würde, könnt'
er mir nichts Schöners weisen. Das Vergnügen funkelte aus ihren
Augen, o welch eine elysische Jugend blühend und düftend auf ihren
Wangen, ihr Lächeln zauberte mir die Seele aus dem Körper in das
weite Land grenzenloser Chimären. Und ihr Busen, auf dem sich mein
ehrfurchtsvoller Blick nicht zu verweilen getraute, den Güte und
Mitleid mir entgegenhob--Bruder, ich möchte den ganzen Tag auf meinem
Angesicht liegen, und danken, danken, danken--