Vierter Brief

Ich sehe, ich sehe, daß sich die Witwe Hohl an mir betrügt. Aber laß

sie, es ist ihr doch auch wohl dabei, und da es in meinem Vermögen

nicht steht, einen Menschen auf der Welt durch Handlungen glücklich

zu machen, so soll es mich wenigstens freuen, eine Person, die auf

dieser Art der Glückseligkeit in der Welt schon Verzicht getan hatte,

wenigstens durch ihre eigene Phantaseien glücklich gemacht zu haben.

Unter uns, sie glaubt in der Tat, ich liebe sie. Noch mehr, auch

andere Leute glauben's, weil ich ihr so standhaft den Hof mache. Ich

liebe sie auch wirklich, aber nicht wie sie geliebt sein will.

Es wird mir fast zu lange, daß ich die Gräfin nicht sehe. Nirgends,

nirgends ist sie anzutreffen. Und die ewige Sisyphus-Arbeit meiner

täglichen Arbeiten ohne die mindeste Freude und Erholung ermattet

sehr. Wenn ich nur durch alle meine Mühe noch was ausrichtete. Ich

zerarbeite mich an Leuten, die träger als Steine sind und die, was

das schlimmste ist, mich mit den bittersten Vorwürfen kränken, daß

sie bei mir nicht weiterkommen können. Witwe Hohl spricht auch kein

Wort von der Gräfin mehr.

Der Waldbruder, ein Pendant zu Werthers Leiden · 第 31 / 61 题